Ausgabe 
21.3.1897 Erstes Blatt
 
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Es soll nicht die Aufgabe dieser Zeilen sein, die Ent­wickelung des Deutschen Reiches unter Kaiser Wilhelm I. und dessen Verdienste bis ins Kleinste hinein zu beleuchten, die Erkenntniß davon beherrscht ohnedies schon die weitesten Volksschichten, und die höchste Verehrung und Liebe des Volkes lohnten den hochseligen Kaiser bis an sein Lebens­ende. Wer jemals Gelegenheit gehabt hat, in dessen mildes, freundliches Greisenantlitz zu schauen, der wird den mäch­tigen Eindruck nicht wieder vergessen, den dieser Anblick hervorrief. Diejenigen, welche im Dienste des Vaterlandes des Königs Rock getragen und Zeuge davon sein konnten, wie der greise Herr bei Paraden und sonstigen militärischen Anlässen stundenlang unermüdlich ausharrte, vergaßen wohl die eigenen Strapazen und fühlten sich gehoben beim An­blick des königlichen Urbildes des Soldaten.

Wenn jetzt das deutsche Volk in Erinnerung des Tages, an dem vor 100 Jahren Kaiser Wilhelm I. das Licht der Welt erblickte, dankbarst des Schöpfers des Deutschen Rei­ches, seines ersten Heldenkaisers gedenkt, da möge dieser Gedenktag uns ermuntern, aufs neue begeistern, um fest­zuhalten an dem Errungenen, mögen die verschiedenen Partei­stellungen in den Hintergrund treten: zum ehrenden Ge­dächtnisse unseres hochseligen Kaisers Wilhelm I. wolle sich, soweit die deutsche Zunge klingt, das deutsche Volk in der einen Losung zusammensinden:

Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Noth uns trennen unb Gefahr. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen!"

Friedrich Ludwig Wilhelm, der greise Schirmherr Deutschlands, wurde am 22. März 1797 geboren. Er ist der Sohn Friedrich Wilhelms III. und der unvergeßlichen Königin Louise, jener hochherzigen Frau, die alles in sich vereinigte, was einer Gattin, Mutter und Königin zur Zierde 'gereichen kann. Alle ihre trefflichen Eigenschaften waren auf den ritterlichen Sohn übergegangen. In ihm spiegelte sich die Seele jener echten deutschen Frau, sowie der Grundzug des Wesens seines königlichen Vaters, Wohl­wollen und Rechtschaffenheit, gipfelnd in dem Verlangen, das Land, welches zu regieren er berufen war, zu beglücken.

Gleich seinen Brüdern wurde dem Prinzen Wilhelm eine vorzügliche Ausbildung zu Theil, freilich waren die ersten Jugendjahre des Prinzen nichts weniger als unge­trübt. Die Erniedrigung Preußens durch Napoleon I. nach der unglücklichen Schlacht von Jena brachte über das Königs­haus schweres Unheil, denn König Friedrich Wilhelm III. und Königin Louise mußten mit ihren Kindern nach Königs­berg fliehen. Der Zusammenbruch der Napoleon'schen Herrschaft und die Befreiung Deutschlands aus fremder Gewaltherrschaft vermochten indeß die geschlagenen Wunden erst nach und nach zu heilen und die vorangegangene Zeit der Schmach für Deutschland hatte aus den jugendlichen Prinzen Wilhelm einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen; auch der früye Tod der von ihm über alles geliebten und hochverehrten Mutter am 19. Juli 1816 betrübte das jugendliche Gemüth aufs Tiefste, reifte in ihm die Erkennt­niß, daß selbst auf dem Königsthron das Glück nicht von Beständigkeit ist und weckte frühzeitig seinen Ernst, stärkten sein Pflichtgefühl. Aber, ohne einem dumpfen Schmerz Raum zu geben, bereitete er sich vor zu dem Herrscher­berufe, den er nach der Vorsehung einst ausüben sollte in den Jahreu, wo andere Sterbliche sich noch dem Genüsse froher Jugendjahre hingeben. Er nahm aus diesen Jahren schwerer Prüfung das felsenfeste Bewußtsein mit in sein ferneres Leben, daß Herrscher und Volk eins sein müssen, und des einen Leid des andern Kummer ist und stets gaben ihm die Worte seiner Mutter:Handelt und werdet Män­ner, suchet den jetzt verdunkelten Ruhm eurer Vorfahren von Frankreich zurückzuerobern, wie euer Urgroßvater, der große Kurfürst, einst bei Fehrbellin die Niederlage und Schmach seines Vaters an den Schweden rächte. Wenn euch dieser Ehrgeiz fehlte, so würdet ihr des Namens von Prinzen und Enkeln des großen Friedrich unwürdig sein", vorgeschwebt.

Am 1. Januar 1807 wurde Prinz Wilhelm zum Secondelieutcnant ernannt und arbeitete nun mit eisernem Fleiß unter Leitung tüchtiger Lehrer an seiner wissenschaft­lichen und militärischen Ausbildung.

Als im Anfang des Jahres 1813 das Morgenroth einer neuen Zeit zu leuchten begann und Preußen aus

22. Mär? 1897.

Ewig auf den Lippen schwebend Wird er in dem Volke leben, Besser als tn Stein und Erz."

Denkmäler haben ihre Bedeutung und ihre Berechtigung. Wenn die Nation ihre großen Tobten ehrt, so hält sie damit auf ihre eigene Ehre. Denkmäler sind ein Stück in Stein und Erz geschriebener Geschichte. Bom Vater wird dem Sohn, von dem schwindenden Geschlecht wird dem kommenden unter den Denkmälern der Helden ein Bericht von ihren Tobten überliefert; und wenn heute Kaiser Wilhelm I. tn der Reichshauptstadt ein Denkmal erhält, so freuen wir uns von Herzen besten; denn wenn je einer ein Anrecht auf Denkmäler hat, so ist er eS, weil er selbst im Leden sich daS edelste unvergänglichste Denkmal setzte tn der unvergäng« ltchen Liebe seine» Volke«.

Mit Begeisterung feiert daß ganze deutsche Volk heute den hundertjährigen GeburtStag Kaiser Wilhelms I. ES ist hier nicht der Raum, den langen LebenSgang vom Anfang btS zu Ende auch nur in großen Zügen zu verfolgen. DaS deutsche Volk kennt die LedenSgefchtchte seines Kaisers und in Vieler Herzen wird ihrer heute gedacht werden. Wir aber wollen uns nur die größten Segnungen vergegenwärtigen, die Gott durch ihn seinem deutschen Volke hat zu Theil werden lasten.Welch eine Wendung durch Gottes Fügung",

tiefster Erniedrigung sich emporzuringen sich anschickte, als dann am 17. März 1813 von König Friedrich Wilhelm der AufrufAn mein Volk" erging und in allen Kreisen und Ständen des Volkes die Begeisterung in hellen Flam­men emporloderte, da regte sich auch in dem damals sech­zehnjährigen Prinzen Wilhelm der Wunsch, mit ins Feld ziehen zu dürfen, aber er mußte infolge seiner schwächlichen Gesundheit mit seinem jüngeren Bruder Karl vorläufig noch zurückbleiben. Erst nach der Schlacht bei Leipzig folgte er mit seinem königlichen Vater dem fliehenden Feinde nach Frankreich und überschritten sie am Neujahrsmorgen 1814 den Rhein bei Mannheim. In der Schlacht bei Bar-sur-Aube am 27. Februar 1814 erhielt Prinz Wilhelm die Feuertaufe und zeichnete sich mitten im dichtesten Kugel­regen durch Tapferkeit und Unerschrockenheit aus; er wurde dafür vom Kaiser Alexander von Rußland mit dem Sankt- Georgs-Orden und von seinem Vater mit dem eisernen Kreuz belohnt. Dem Einzug der verbündeten Monarchen in Paris an der Seite seines Bruders war Prinz Wilhelm beizuwohnen vergönnt und blieb er über zwei Monate in Seine-Babel. Am Tage des Friedensschlusses zu Paris, den 30. Mai 1814, wurde Prinz Wilhelm zum Major befördert; an den zweimonatlichen Aufenthalt in Paris schloß sich eine Reise nach England und zog er nach seiner Rückkehr am 7. August mit den Garden in Berlin ein. Der nun solgende Frieden war indeß nicht von langer Dauer, schon im nächsten Jahre entbrannte der Krieg aufs Neue, wenn auch nur ein kurzes Ringen. Nach der Schlacht bei Belle Alliance setzte Prinz Wilhelm zum zweiten Mal seinen Fuß auf französische Erde und traf am 13. Juli 1815 in Paris ein, doch nur für kurze Zeit.

Seine besondere Vorliebe für das Heerwesen und seine außerordentliche Begabung dafür, gepaart mit Fleiß und regem Eifer, bildeten Prinz Wilhelm zu einem tüchtigen Soldaten, was auch von seinem königlichen Vater anerkannt wurde und dementsprechend die Beförderung des Prinzen eine schnelle war. Nachdem er sich wiederholt bei größeren Friedensübungen durch hervorragende Leistungen heroor- gethan hatte, wurde er am 30. März 1817, dem Tag der Erinuerung an d?n Einzug von Paris, zum Obersten be­fördert und erhielt auch Sitz und Stimme im Staatsrathe. Im nächsten Jahre, als sein Vater und Bruder nach Ruß­land reisten, erhielt der kaum 21jährige die oberste Leitung über alle Militärangelegenheiten übertragen, gewiß ein Beweis dafür, welches Vertrauen sein Vater in ihn setzte. Am 22. März 1825 wurde er zum commandirenden General des 3. Arme^corps ernannt, welche Stellung Prinz Wilhelm am 30. März mit dem Commando über das Gardecorps vertauschte, an welchem Tage ihm auch gleichzeitig eine Generalinspection übertragen wurde.

Ein gar bedeutungsvolles Ereigniß im Leben des Prinzen, welches in dieser Zeit noch zu verzeichnen ist, war seine am 11. Juni 1829 erfolgte Vermählung mit der Prinzessin Augusta vou Sachsen-Weimar, mit der er in fast sechzigjähriger reichgesegueter Ehe verbunden gewesen ist und welcher zwei Kinder, der nachmalige Kronprinz Friedrich Wilhelm und eine Tochter, die jetzige Großherzogin von Baden, entsprossen sind.

Durch den Tod seines Vaters, König Friedrich Wil­helms III. erfuhr auch die Stellung des Prinzen Wilhelm eine wesentliche Veränderung Sein Bruder, welcher als Friedrich Wilhelm IV. den preußischen Königsthron am 7. Juni 1840 bestieg, war kinderlos und so Prinz Wilhelm der nächste Thronerbe und erhielt er als solcher denn auch den TitelPrinz von Preußen" am 12. Juni 1840.

Die Stürme des Rcvolutiousjahres 1848 stellten auch Prinz Wilhelm schwere Aufgaben, aber er war ihnen ge­wachsen, wennschon ihm recht schmerzliche Erfahrungen dabei erreichten, denn vom Haß des irregeleiteten Volkes verfolgt, verließ er Berlin. 1849 wurde er nach Baden entsandt und dort gelang es ihm bald, den ausgcbrochenen Aufstand niederzuschlagen. Im September desselben Jahres wurde er dann zum Gouverneur von Rheinland und West­falen ernannt; er nahm seinen Wohnsitz in Coblenz für eine längere Zeit. Durch eine plötzliche Erkrankung seines Bruders Königs Friedrich Wilhelm IV. wurde Prinz Wilhelm von diesem Posten abgerufen und am 23. October 1857 zum Stellvertreter des Königs bestimmt. Da sich der Zu­stand des Königs immer mehr verschlimmerte mit) Genesung ausgeschlossen erschien, so mußte die provisorische Stell­vertretung am 7. October 1858 in eine dauernde nmge- wandelt werden und erhielt Prinz Wilhelm den TitelPrinz-

I so telegraphirte Kaiser Wilhelm nach dem Stege von Sedan I an seine Gemahlin. Steht er selbst, der ganze königliche Mann, aber nicht da tn der Geschichte Deutschlands wie eine Wendung durch Gottes Fügung."

Wohl glaubten sie dein Schwert zerbrochen, Wohl zuckten sie, wenn du gesprochen Die Achseln kühl im Völker»alh."

So schildert Getbel treffend die Mißachtung, die Preußen noch bis in die sechziger Jahre in der Meinung der Groß­mächte erfuhr. Als Prinz Wilhelm von Preußen durch eine wunderbare Schickung Gottes die ihm ursprünglich nicht zu- stehende Krone erbte, da wurde es bald anders. In den KriegeSwcttern von 1864 und 1866 wehte des alten Friedrich Geist aufs Neue, und endlich nach weiteren fünf Jahren war eS erfüllt, waS die Besten des Volkes seit Menschenaltern erstrebt, ersehnt, erbeten harten und woran sie nunmehr fast verzagten. Deutschland, einst ein geographischer Begriff, Deutschland, noch vor Kurzem ein Land deS Bruderkrieges und ein Spott der Völker, Deutschland war einig, ein Volk von Brüdern unter seinem Kaiser Wilhelm I.

Mit welcher Treue und Hingebung har dann im Frieden der Kaiser daran gearbeitet, die Errungenschaften deS Krieges zu sichern und Deutschland nach innen auSzubauen. Eme großartige Socialresorm unter der Devise:Schutz den Schwachen" hat er ins Leben gerufen und bis an sein Ende eifrig fortgesührt. Aber weniger sind eS diese seine unsterb­lichen Kriegs- und FriedenSthaten, die ihm die gewaltige

Regent", den er bis zum Tode feines Bruders, welcher in der Nacht vom 1. zum 2. Januar 1861 erfolgte, führte.

Am 2. Januar 1861 bestieg der Prinz - Regent als König Wilhelm I. den preußischen Königsthron und fand am 18. October 1861 in Königsberg die feierliche Krönung statt, welcher am 22. October der Einzug in Berlin folgte. Einen entscheidenden Wendepunkt in der nun folgenden Regierung König Wilhelms I. bildete die Berufung des Gesandten am französischen Hofe, Otto von Bismarck- Schönhausen, in das preußische Ministerium, dessen Präsi­dent dieser bald darauf wurde, es war am 23. 'September 1862. Die Ereignisse der nun folgenden Jahre lassen sich unmöglich auf engbegrenztem Raum wiederholen und sind wohl auch im Gedächtniß fast jeden Deutschen tief einge­prägt, sodaß eine Wiederholung hier in den dem Gedenken des hochseligen Kaisers Wilhelm I. gewidmeten Zeilen unter­lassen werden kann. Den Stein des Anstoßes zu dem Bruderkriege von 1866 zwischen Preußen unb Oesterreich und der mit dem Letzteren verbündeten Staaten hatte der schleswig-holsteinische Feldzug 1864 gebildet. Der für Oesterreich und seine Verbündeten ungünstige Ausgang be­wirkte im Frieden vom 28. August 1866 die Auflösung des norddeutschen Bundes und eine Erweiterung der Macht und des Einflusses Preußens.

Nach vierjährigem Frieden umzogen plötzlich wieder düstere Kriegswolken den heiteren Friedenshimmel; wie ein Blitz erfolgte die vom Zaune gebrochene Kriegserklärung Frankreichs und der ewig denkwürdige Feldzug von 1870/71 führte König Wilhelm I. an der Spitze eines deutschen Kriegsheeres aufs Schlachtfeld, auf dem er auch Sieger blieb. Als an dem Ausgang des Feldzuges kein Zweifel mehr blieb, da erschien am 18. December 1870 eine Depu­tation des Norddeutschen Reichstages bei König Wilhelm, welche die Bitte an ihn richtete, mit der Wiederherstellung des Deutschen Reiches auch die Kaiserwürde zu erneuern, und so erfolgte denn am 18. Januar 1871 in Versailles noch mitten im Kriege die feierliche Verkündigung der Kaiserwürde und die Wiederausrichtung des Deutschen Reiches, während König Wilhelm zum deutschen Kaiser ansgerufen wurde. Ein neuer Abschnitt in seinem reich bewegten Leben begann.

Nach dem Friedensschlüsse mit Frankreich begann eine segensreiche Thätigkeit für Kaiser Wilhelm I., aber auch hierbei blieben dem greisen Monarchen Enttäuschungen nicht erspart und fielen bittere Tropfen in seinen Lebenskelch. So wurde er zweimal das Opfer ruchloser Mordbuben, aber sichtbar waltete Gottes schirmende und schützende Hand über ihm. Am 11. Mai 1878 feuerte ein Klempnergeselle Namens Hödel drei Revolverschüsse auf den Kaiser, das zweite Attentat wurde dann am 2. Juni desselben Jahres von einem gewissen Nobeling verübt, der gleichfalls ans den Monarchen schoß und ihn durch Rehposten und Schrot­körner ziemlich schwer verwundete.

Doch selbst durch diese schweren Prüfungen hat sich Kaiser Wilhelm im Vertrauen zu seinem Volke nicht er schüttern lassen und fort und fort am Werke des Friedens zum Wohlergehen Deutschlands gearbeitet. Unvergeßlich wird auch die kaiserliche Botschaft an den Reichstag vom 17. November 1881 bleiben, welche den Grund zu der heutigen socialen Gesetzgebung gelegt hat und daher für alle Zeiten ein Reformwerk allerersten Ranges bleibt.

Durch die Erkrankung seines einzigen Sohnes, des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, wurden seine letzten Lebens­tage schwer getrübt, und diese Sorge schwächte seine Lebens kraft. In den ersten Märztagen des Jahres 1888 erkrankte Kaiser Wilhelm I. an einer Lungenentzündung am 9. März erlöste ein sanfter Tod ihn von seinen Leiden.

Die Trauer des deutschen Volkes war unbeschreiblich durch ganz Deutschland gingen die Klagerufe, gleichsam als wenn den Kindern der treusorgende Vater hinweg- genommen worden wäre. Ans allen Gemüthern lagerte bange Schwüle, aber Gottes Beistand hat dem deutschen Volk auch über diese schweren Stunden hinweg geholfen. Heute aber wollen wir diese Zeilen schließen mit dem auf­richtigen Wunsche:

Gesegnet bleibe das Andenken Kaiser Wilhelms des Großen für alle Zeiten!"

Liebe des Volkes erworben, als vielmehr der Character bei Mannes. Wahrlich er war hoch gestiegen und wohl keinem lag jemals die Gefahr zum Stolz näher als ihm; aber nie hat er dieser Regung nachgegeben. Er oerwerrhete seine reichen Gaben unb Kräfte treulich; aber er kannte auch die Grenzen seiner Fähigkeiten; er wußte, baß er nicht Alles allein auSrtchten konnte; er besaß bte Gabe der Geister- unterscheibung im hohen Maße unb mit bewunbernSwürbtgem Scharfblick, ja man möchte fast sagen, mit einem Seherblick wußte er lange vorher bie rechten Leute an bte rechten Stelleo zu setzen. Je mehr Erfolge er erzielte, je mehr Ehren fi» auf seinem Haupte häuften, um so einfacher unb bemüthiger würbe er. Ein Vater seines Volkes im weitesten ebelsten Sinne ging er enbltch im höchsten Alter heim; ein ganzes Volk weinte um ihn Thränen ber Wehmuth und der Liede.

Was er einst gelobt:des Reiches Mehrer zu sein", er hat» erfüllt, nicht nur «m äußern Sinne, sondern waS weit mehr gilt, er hat bie Treue deS Volke» zum vaterlanbe, bie Liebe zu ihm, dem kaiserlichen Herrn; er hat ba» beste, wa» im Herzen be» Volke» lebte, gemehrt unb geförbert, und damit seinen Nachfolgern ein Erbtheil Hinterlassen, wie e» köstlicher noch keinem Herrscher ward. Darum:

Ewig auf den Lippen schwebend Wird er tn dem Volke leben, Bester alS In Stein und Erz."