Nach vorläufiger Feststellung wurden 28 Manu getödtet, eine größere Anzahl verletzt.
WB. Solu. 19. Mai. Amtlich. Bet dem Militärzüge von Barmen über Köln, Trier nach Metz erfolgte bet Gerol- stein eine Zugtreuuuug. Der zweite Theil de« ZageS fuhr auf den ersten. Eine Anzahl Wagen wurde beschädigt - neun Soldaten find tobt (nicht 28, wie zuerst gemeldet), 35 Soldaten verletzt, theilwetse schwer.
WB. Berlin, 19. Mat. HavaSmelduug. Aus Athen wird gemeldet: Die Regierung ermächtigte den Commaudanteu in EptruS, die Feindseligkeiten einzustelleo, um die Bedingungen de- Waffeostillstande- zu berathen.
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vießen, den 19. Mat.
• * Erhebung in len Freiherrustand. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 31. März und 10. April die Nachkommen erster Geueratiou les Seh. LommerzienrathS Freiherrn WtlhelmLorueltus v. Hehl zu Herrnsheim in WormS und des jeweiligen FtdeicommißinhaberS, sowie deu Major ä la suite der Cavallerie Maximilian v. Heyl und deffen Ehefrau Dort-, geb. Stein, letztere beide für ihre Personen, in deu Freiherrustand des GroßherzogthumS zu erheben.
• * Parlamentarische». Der Abgeordnete Erk hat bet der Zweiten Kammer beantragt: Großherzogliche Regierung zu ersuchen, dahingehende Bestimmungen zu treffen, daß auch in solchen unverseuchten Orten, in welchen sich Thierärzte befinden, durch die Großh. Bürgermeister oder OrtSvieh- beschauer UrsprungSzeugniffe erthetlt werden können, und daß diese UrsprungSzeugniffe auch zum Auftrieb auf deu Diehmärkten Gültigkeit haben — insofern eS sich um Land- wirthe handelt, welche ihre eigenen Thtere verkaufen wollen, nicht um Händler — ohne daß jedes einzelne Thier nochmals gegen Zahlung von Gebühren durch den Thierarzt besichtigt wird. — In der Begründung heißt es: Bet der gegenwärtigen dienstlichen Arbeitslast der Groß« herzoglichen KreiSthierärzte sind dieselben bet Tage nur selten zu Hause anzutreffen. Viehverkäufe werden dagegen zu jeder Tageszeit abgeschloffen- da aber verkauftes Vieh nicht eher abgetrieben werden darf, bis die Ausstellung der UrsprungSzeugniffe stattgefunden hat, so müffen die Käufer oft den ganzen Tag warten, bis der Kreisthierarzt nach Hause kommt. Häufig geht der Käufer dann wieder nach Hause, weil er zum Warten keine Zett hat. Dieses hat aber zur Folge, daß dadurch mancher Handel überhaupt nicht zu Staude kommt. WaS den Auftrieb von Vieh auf Märkte avbelaugt, so werden durch die Ausstellung von Ursprungs- zeugniffen den Diehbefitzern — besonders wenn eS sich um eine größere Anzahl von Ferkeln handelt — dem Verkäufer bedeutende Kosten verursacht. So kommt eS vor, daß ein Landwtrth, ohne etwas verkauft zu haben, 4 bis 5 Mk. für Zeugnisse auSgeben muß, um unverrichteter Sache wieder abzuziehen. Es ist daher höchst wünschenSwerth, daß in oben ausgesprochenem Sinne Aeuderung geschaffen wird.
* * Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Dorheim, Kreis Friedberg, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Die mit einem katholischen Lehrer zu besetzende 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rockenberg, Kreis Friedberg, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Eine mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Lengfeld, Kreis Dieburg, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
• ♦P.A. Sport- und Volksfest in Gießen. Immer näher rückt das Fest heran, nur wenige Tage noch, und die Feier, eingeleitet durch einen Festcommers in „Steins Garten", nimmt ihren Anfang. Der Umstand, daß neben dem eigent- lichen Sportfest den herbeiftrömenden Besuchern auch die verschiedenartigsten Genüffe, dte ein Volksfest mit sich bringt, geboten werden sollen, läßt mit Recht eine rege Betheiligung ans allen Kreisen voraussetzen. Wie aus Nachstehendem ersichtlich, macht das für das Fest vorgesehene Programm seinen Veranstaltern alle Ehre. Zur Eröffnung der Feier findet, wie bereit« oben erwähnt, ein großer Fest-CommerS in „SleinS Garten" statt. Ist auch nicht vorauSzusetzen, daß bei demselben schon sämmtliche der zu erwartenden Gäste zu sehen sein werden, so unterliegt eS trotzdem keinem Zweifel, daß schon ein Theil der auswärtigen Radfahrer bei demselben anwesend und der Commers in würdiger Weise und unter großer Betheiligung vor sich gehen wird. Der erste Festtag wird alSdanu durch eine um 6*/a Uhr früh erfolgende Tages« reveille eiugeleitet, welcher sich um 8 Uhr der Empfang der auswärtigen Sportskameraden anschließt. Eine Vertreter- sitzung ist auf 9 Uhr im Hotel Restaurant „Kaiserhof" an- beraumt, während um 11 Uhr die feierliche Bannerweihe der „Wanderer, G. R.-G." in SteinS Saalbau vor sich gehen wird. Ein solenner Frühschoppen mit Concert nebst der darauffolgenden gemeinsamen Festtafel in SteinS Saalbau beschließt alsdann die Feier des Vormittags. Als einer der Hauptglanzpunkte des Feste« ist wohl die um 21/» Uhr vor- gesehene Corsofahrt sämmlicher Radfahrer zum Sportplatz zu be« zeichnen, womit da« eigentliche Sportfest seinen Anfang nimmt. Um 3>/,Uhr werden alsdann die vorgesehenen Rennen vor sich gehen, denen fich um 8 Uhr ein Kunstfahren, sowie PreiSver- theilung anschließen. In SteinS Saalbau findet alsdann die Vereinigung der Festtheilnehmer mit einem schönen Dawenflor zu einem Ballfest statt. Für den zweiten Festtag ist Bor- mittag ein Frühschoppenconcert in Aussicht genommen, während der Nachmittag dem großen Volksfest gewidmet ist, da« nicht verfehlen wird, eine bedeutende Anziehungskraft auSzuüben. Au« Vorstehendem ist wohl ersichtlich, daß dieses schöne Fest einen, jeden Theilnehmer befriedigenden Verlauf nehmen wird. All Heil
* * Der vom „Gießener Radfahrer«Verein 1885" am vorigen Sonntag nach Garbenheim (Götheruhe) arran- girte Ausflug verlief bei einer Anwesenheit von ca. 150 Personen in schönster Weise. Besonderes Aufsehen erregte der bei Rückkunft um die Anlagen ausgeführte LampionScorso- für die kommenden Pfingstfeiertage plant der Verein eine größere fünftägige Rheintonr und wünschen wir demselben auch hierzu bestes Gelingen und vor Allem gutes Wetter. All Heil!
* • Rückfahrkarten für Pfingsten. Die Giltigkeits- dauer der zu Pfingsten gelösten Fahrkarten erstreckt fich nur auf sieben Tage und zwar auf die Zeit vom 4. bis incl. 10. Juni. Die Rückfahrt muß spätestens am letzten Giltigkeitstage bis 12 Uhr Mitternachts einschließlich angetreten werden.
* * Der dienstälteste scttve Volttfchnllehrer im Grobherzog- thum ist zur Zeit Herr Overlrhrer Fr. Kübel in Matnz. Derselbe hat mit dem neuen Schuljahr sein 60. Dienftjohr angetreten.
* • Organisation de» Bauernstände». Unter den Anträgen, welche dem Landtage wieder zugegavgen find, befindet fich auch ein solcher deS Abg. Köhler, bett, die genossenschaftliche Organisation des Bauernstandes im Großherzogthum Hessen. Derselbe bezweckt die Einführung einer Art ZwangSinnung für den hesfischen Bauernstand. Die gesammte selbstständige, Landwirthschaft treibende Bevölkerung soll gezwungen sein, einem Landesverband beizutreten, der den Titel führt: „Die hessische Bauernschaft". Derselbe soll insbesondere Ein- und Verkäufe sowie die Verwendung landwirthschaft- licher Erzeugnisse besorgen, Lagerhäuser errichten, Verkehrsmittel und Verkehrsgelegenheiten schaffen, auch ein bäuerliches Schiedsgericht ist vorgesehen. Der Landesverband gliedert sich in Gauverbände und Bauerngemeinden. An der Spitze des Landesverbandes soll die Anwaltschaft, bestehend aus dem Anwalt und zwei Landräthen, stehen, diese Behörde soll den Character einer staatlichen haben und dem Vorsteher der landwirthschafilichen Ministerialabtheilung betgeordnet sein. Die Gauoerbände sind die eigentlichen Träger der geschäft- lichen Tätigkeit. Zur Entfaltung derselben werden geeignete Beamte berufen und angestellt.
** Fleischbeschau. DreiundsechSzig Gemeindemitglieder der Orte Uetzhausen, Nieder-Stoll, BernShausen, Pfort, Uellershausen, Hemmen und Hartershausen im Schützer Gebiet haben bei der Zweiten Kammer gegen die Handhabung der Fleischbeschau im städtischen Schlachthause zu Gießen Beschwerde geführt und dringend Abänderung verlangt, da die jetzige Uebung für die Viehbefitzer nicht zu ertragen sei. Die Petenten führen mehrere zu ihren Un- gunftcn verlaufene Fälle von Viehlieferung an. Das Schlachtvieh könne in Gießen zwar gegen Verluste dieser Art versichert werden, jedoch seien die Prämien zu hoch und werde dasselbe auch öfters zur Verficherung nicht ausgenommen. Auch baß Betreten der SchlachthauSräume seitens der Schlachtvieh liefernden Landwirthe sei verboten worden. Ein solches Verbot erscheine ungerechtfertigt. DaS hohe Präfidium der Zweiten Kammer wird gebeten, bei Großh. Regierung ge- neigteft dahin wirken zu wollen, daß die Schlachthausordnung in Gießen mehr zu Gunsten der Viehverkäufer abgeändert werde. Bei den niedrigen Körnerpreisen müßten die Land- wirthe ihren ohnehin immer geringer werdenden Verdienst an der Viehhaltung suchen und vermögen solche Verluste wie seither auf die Dauer nicht zu ertragen. Besonder- wichtig für sie wäre eine allgemein eingeführte und billige Verficherung gegen Schlachtverluste bei gut gemästetem und anscheinend gesundem Fettvieh.
• • Turnerische». Der Mittelrheinkreis deutscher Turnerschaft, dessen Gebiet baß Großherzogthum Hessen, da- ehemalige Herzogthum Nassau, die südliche Hälfte von Kurhessen, die preußischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier und das Fürftenthum Birkenfeld umfaßt (wobei die politischen Grenzen mit der Kreisbegrenzung sich nicht ganz genau decken), zählt nach der dieser Tage feftgestellten Statistik vom 1. Januar 1897 in 17 Gauen und 511 Ver- einSorten 587 Vereine mit einer Gesammtmitgliederzahl von 56,848, wovon 22,730 Turnende, 8413 Zöglinge, 653 Mitglieder der Frauenabtheilung (in 14 Vereinen), 46,969 Beitrag zahlende, 2430 Vortuner. An 50,796 Turnabenden während des Berichtsjahre- 1896 haben inSgesammt 1,08,685 geturnt. Mangels eine« geeigneten Turnraums müssen 91 Vereine tm Winter den Turnbetrieb einstellen- 40 Vereine benutzen Schulturnhallen, 178 haben eigene Turnplätze, 86 elgene Turnhallen. Der größte Verein ist der Turnverein Offenbach a. M. mit 830, die kleinsten der Akademische Turnverein „Philippina" in Marburg und der Verein Aren- berg bei Coblenz mit je 12 Mitgliedern. Auf die vier Darmstädter Turnvereine entfallen 1365 Mitglieder, davon 313 Turnende, 110 Zöglinge, 1255 Steuerzahler, 43 Vorturner, 315 Turnabende mit 12,730 Turnplatz - Besuchern. Im Kreisgebiet find 166 sogenannte „wilde" Turnvereine bekannt, die, nur aus Landvereinen bestehend, fich zu „ländlichen Turnverbänden" zusammengethan haben und ihre Hauptaufgabe in der Abhaltung von Fahnenweihen und Wettturnen erblicken. Eine erzieherische Seite des deutschen VereinSturnenS ist ihnen unbekannt.
* * Wetterbericht. Die Unterschiede int Luftdruck find zwar über unserem Gebiete noch allgemein gering, doch bleibt seine Vertheilung unregelmäßig und bestehen namentlich im Süden und Südosten Europas ein allerdings flaches Depres- fionSgebiet fort. Bei dieser Druckverthetlung wird die Witte- rung zunächst einen wechselnden Character beibehalten und zeigt sich die ganze Wetterlage zur Bildung von Gewittern geneigt. — Voraussichtliche Witterung. TheilS heiteres, theilS wolkige-, zu Gewittern geneigtes Wetter.
□ «o» dem Bogettberg 17. Mai. Die Zeit der. kalten Maitage mit ihren Frostnächten scheint nun endlich vorüber -u sein, denn seit gestern find „die linden Lüste erwacht" Als meteorologisch bemerken-werthe Erscheinung muß wohl der Temperaturwechsel bei derselben gebliebenen
Windrichtung, Nordost, angesehen werden. AuS derselben Luftrichtung, aus der da- eisige Mailüsterl geweht, kommt nun auch ba« erheblich wärmere Wrtter. Bet dessen Eintritt unterzieht man wohl die Vegetation einer Controle bezüglich der Frostschäden. Sie find glücklicher Weise nicht so schlimm, als man zu fürchten wirklich Veranlassung hatte. Nur an besonder« exponirten Stellen sind die zarten Fruchtknoten vom Froste gedrückt worden, im Allgemeinen aber ist da- Obst, vorweg das Steinobst, erhalten geblieben. Die Aepsel- bäume beginnen hier erst jetzt ihre Blüthen zu erschließen. Der GraS- und Kleewuchs stand allerdings seither still, ja die GraSspitzen begannen sich gelb zu färben, doch dürfte daß wärmere Wetter im Verein mit der reichlich vorhandenen Feuchtigkeit da« Versäumte rasch wieder nachholen. Mit. der Grünfütterung hat man bereits begonnen, da aber daS Grünfutter noch sehr kurz ist, so wird eS mit Stroh auf den Futterschneidmaschinen verschnitten. Prachtvoll blüht der Wintersamen, RapS, den Bienen, die lange genug eingesessen, zuguterletzt immer noch reiche Tracht bietend. Au« dem Walde erschallt die Stimme deS KuckukS, der Regel nach ein Zeichen, da« den Eintritt der wärmeren JahreSzett verkündet.
Offenbach, 17. Mai. Der 21 jährige Fabrikarbeiter Hauk gab gestern Mittag auf feine Geliebte, die 19 Jahre alte Tochter seiner LogiSleute, fünf Schüsse ans einem Revolver ab. Die Thal geschah in der Wohnung deS Mädchen«. Als die Eltern hinzueilten, flüchtete Hauk in sem Z mmer und brachte fich einen Schnß in die Brust und einen solchen in den Kopf bei, welche den sofortigen Tod zur Folge hatten. Der Verlebte, der auf seine Braut sehr eifersüchtig gewesen sein soll, wurde in daS Leichenhaus, daS schwer verletzte Mädchen in da« städtische Krankenhaus verbracht.
Wald-Michelbach, 17. Mai. Sein 70jähriges Dienst- jubiläum beging heute hier der Förster Herr Simon Hahn. Der jetzt noch rüstige 88jährtge Greis wurde schon mit seinem 18. Jahre Forstwart. Während der langen Reihe von 70 Dienstjahren hat er fich das Vertrauen der Forst- behörde und der Gemeinde in hohem Grade zu erhalten ge- wußt. Simon, der von der Vorbereitung zu einer festlichen Begehung dieses Tages nichts wußte, wurde vor versammeltem Gemeinderath auf« Rathhau« beschieden, wo auch bte Beamten der Großh. Obersörsteret zugegen waren. Der Herr Oberförster gab den Verdiensten des alten Mannes Ausdruck und überreichte als Zeichen der Anerkennung ein Staats- geschenk von 200 Mk. Der Herr Bürgermeister drückte den Dank der Gemeinde ans und übergab dem Jubilar einen Ruheskssel, ein um so practtschereS Geschenk, indem Herr Hahn demnächst in den gewiß verdienten Ruhestand tritt.
Darmst. Ztg.
* Die Pariser Familie Greffulhe schenkte dem zwanzigjährigen Diener, der die Gräfin in seinen Armen ouS den Flammen des BazarbrandeS trug, zur Belohnung hunderttausend Francs.
• Die „Wacht am Rhein" all Huldigung für eine Kindergärtnerin. In St. Louis fand am 21. April der zweite Congreß der internationalen Kindergarten Union statt, der auch von Deutschland und England beschickt war. Die hervorragendste Gestalt deS CongresseS war d.e Baronesse Bertha v. Bülow-Wendhausen au« Dresden, die Hauptleiterin der Kindergarten.Bewegung in Deutschland, die von ihren amerikanischen Mitstreiterinnen förmlich auf den Händen getragen wurde. Gelegentlich eines Empfanges im Unionclub wurde der noch jungen Dame eine begeisterte Ovation dar- gebracht. Man überreichte ihr eine deutsche Fahne und fang, in einer fast rein anglo-amerikanischen Gesellschaft, die „Wacht am R^ein"
* Jubiläum» Hammelfleisch. Die australischen Exporteure gefrorenen Fleisches haben den Armen London« zur Feier deS Jubiläum- der Königin eine Gratissendung von 20,000 eingefrorenen Hämmeln zugesagt. Die Der- theilung wird das (Eomiie übernehmen, daS den Vorschlag der Prinzessin von Wales einer Jubiläumsspeisung der Bettler und Elenden London« ausführen soll Die Sendung wird den Australiern über 400,000 Mk. kosten, ist aber eine wohlberechnete Reclame. Denn es ist wohlbekannt, daß gerade die ärmeren und ärmsten Klassen baß stärkste Dorurtheil gegen gefrorene« Fleisch haben- und die Exporteure rechnen auf eine große Ausdehnung ihre« Handels, wenn sie einmal erst diese Klaffe von der Thatsache überzeugen können, daß sie ihnen in London guttß, gesunde- Hammelfleisch zu 24 bis 32 Pfennig fürs Pfund (gleich 0,457 Kilogramm) liefern können.
Cfteratiir rind Kunft.
— Ei« falsche« LiebeSlied. Novelle von Rudolph Golm. Dresden, E. Pierson« Verlag. Rudolph Golm wagt fich In seiner neuesten interessanten Arbeit, einer humoristische» Novelle, an ein gefährliches Problem heran. Er zeigt einen Mann, der in wechselnder Liebe zu zwei Schwestern bin: und herschwankt, sich zuerst mit der filtern verlobt, diese« Verlöbniß löst und ein neue« mit der jünger» eingeht, zu spfit aber zu er fernen glaubt, daß denn doch die aeitere die Richtige war und in seine Ehe mit dem Bewußtsein schreitet, eine große Dummbeit zu begehen. Xaver von Flüellen, der Held der amüsanten geistsprühendcn Geschichte, heiraihet Blanche, sehnt sich aber dabei nach Loni zurück. .Lieber Freund", sagte ihm Jemand, der ibn genau kennt .Du wirst immer die Andere wollen, wie Du auch wählst, immer die, die Du nicht hast.' Da« Ganze ist durch seine Grazie und seinen feinen Humor ein überaus reizvolle- Werk, dessen Lectüre Niemand gereuen wird.
Im Verlage von Schall L Grund, Berlin W. 62, erschien soeben: Nach dem Toda, Mittheilunaen aus dem Jenseits von Wilhelm von Lichtenow. Mit 23 ganzseitigen Bildern von HanS Looschen. Prei« geheftet in künstlerisch in Gravüre berae- stelltem Umschlag 2 Mk., elegant gebunden 3 Mk. „Slacb dem Tode, Mittheilungen au« dem Jenseits", ist ein Phantasiestück, eine Dichtung in Prosa, allein etz wirtt wie eine Eingebung, ja wir lagen vielleicht nicht zu viel, wie eine Offenbarung. So wie der Verfasser die Vorgänge nach dem Tode an dem ferneren Schicksal eine« Ver-


