Ausgabe 
20.4.1897 Zweites Blatt
 
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-rr. 91 Zweites Blatt. Sonntag den 18. April

Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de» Montag-.

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Gießener Anzeiger

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w (ement und W raboeifenb, vom Regkn

Unterrichts, Referent Herr Zetchvenlehrer R r ü 11 n c t dml; Die Pflanzenformen im Dienste der Verziernngkunst alter und neuer Zeiten, Referent Herr Zeichnenlehrer Schneider- Bockenheim. Eine Lehrprobe im Körperzetchuen wird zur Klärung der Methode dieses schwierigsten Theiles deS Zeichnen- unterricht- wesentlich beitragen. Die neuesten Lehrmittel auf dem ZeichnenunrerrichtSgebiete werden im Bersammlung-loeale zur Ansicht auSgelegt. Ein gemeinschaftliche- einfaches Mittag- effen und zwanglose Unterhaltung soll den Theilnehmeru nach der geistigen Arbeit noch einige Stündchen der Erholung gewähren. Alle Lehrer und alle Freunde des Zeichnen- find zu dieser Versammlung herzlichst eiageladen und wir find überzeugt, daß kein Theilnehmer die Versammlung und unsere freundliche Stadt unbefriedigt verlafien wird.

* Berlin, 14. April. Eine Anzahl im öffentlichen Lebe» stehender hervorragender Manner und Frauen beabsichtigt einen Aufruf zu erlaffen zu der von der Ratioualzeitung an­geregten Gründung eines Ktuderschutz-Beretn- nach amerikanischem Muster. Die beiden Anarchisten Landauer und Spohr, die im Proceß Koschemann al- Zeugen auftraten, wurden beim Berlasien des Gericht-gebäudes von der Crimi- nalpolizei verhaftet.

Jena, 13. April. Zu dem vom 20. bi- 28. April hier stattstndenden DeutschenGeographentag find zahl­reiche Anmeldungen hiesiger und auswärtiger Theilnehmer erfolgt, unter denen sich auch eine Anzahl hervorragender Forscher und Gelehrter befindet. Auf der Tagesordnung steht eine ganze Reihe von Borträgen und Berichten, von welchen mannigfache Anregung und Belehrung zu erwarten ist, außerdem ist auch für gesellige Unterhaltung in hin­reichender Weise durch verschiedene Veranstaltungen gesorgt.

Metz. 14. April. Der 4Sjährige Speisewirth Hein­rich Spieß, geboren in Homburg i. d. Pfalz, schnitt mit seinem Tranchirweffer seiner Frau Nachts im Bette den Hals ab und entleibte sich sodann durch einen Revolvrrschuß. Die Ursache dieser Blutthat ist in Zwistigkeiten zu suchen, die durch die Untreue der Frau veranlaßt waren.

* Schmeichelhaft. Eines fürsorglichen und weisen Stadt- rathe- erfreut sich die ungarische Stadt KecSkemet. Ein italienischer Theaterunternehmer hatte jüngst bet der dortigen Stadtverwaltung um die Grlaubniß nachgesucht, in KecSkemet eine Reihe von Vorstellungen geben zu dürfen. DaS Gesuch wurde jedoch abschlägig beschieden, weil die Bevölkerung van KecSkemet infolge deS strengen Wintersohnehin schon genug zu leiden habe-.

Alle-

i M die Menten- Casino zum

16

Wandle leuchtender und schöner Ostersonne, deinen Lauf, Denn dein Herr und mein Versöhner Stieg aus seinem Grabe auf. Rl» das Haupt er sterbend beugte, Bargst du dich in nächt'gem Flor, Doch jetzt komm hervor und leuchte, Denn auch er stieg längst empor!

Erde breite dich in Frieden Unter deinem Himmel aus, Denn dein Herr ist nicht geschieden, Er zerbrach des Todes Haus. Deine starken Fels« bebten, Als er seinen Geist verhaucht, Grüße nun den Neubelebien, Wonnevoll in Licht getaucht.

Ostern ist gekommen im FrühlingSglanze.

Leben. Der Tod ist verschlungen tn den Sieg; er ist unterlegen, vom Leben überwunden, das ist e-, was uns das Osterfest predigt.

Ehrtstu- ist gestorben um unseretwillen; der Tod konnte ihn eine Weile tn seine Bande schlagen durch unsere Sünde; aber halten konnte er ihn nicht; am dritten Tage, am Ostertage, bricht der Fürst de- Leben- au- dem Grabe hervor. Christus ist auferstanden

Wie er gestorben ist um unseretwillen, so ist er auch um uoseretwilleu auferstanden. Wir sollen nicht nur mit ihm, nein wir können auch mit ihm in einem neuen Leben wandeln. Durch seinen Tod ist die Sünde in ihren schwersten Folgen aufgehoben, durch seine Auferstehung wird auch tu dte sündigen Menschen, die sich zu ihm, dem Auferstandeuen, bekennen, ein neue- Leben in der Gerechtigkeit gepflanzt; sie find nun Gottes Kinder.

Zwar bleibt der Tod der Sünde Sold. Alle Menschen ohne Ausnahme müffen sterben. Aber alle Christen wollen auch sterben; denn der Tod, dem natürlichen Menschen ein Greuel und Schrecken, ist dem Christen seit Christi Auf­erstehung die Pforte in das ewige Leben. Seit Christu- dem Tode die Macht genommen hat, legen die Seinen sich getrost und ruhig nieder in die Erde; Ostern verbürgt ihnen Auferstehen. Christen sterben nicht, sie entschlafen, Christen reisen im Tode nicht tu etu unbekanntes Land, sie gehen heim; und wenn sie an den Gräbern der Ihrigen stehen, so hat der lebendige OsterfÜrst sie fingen gelehrt: ^Lacht der finstern Erdenkluft, lacht des Todes und der Höllen." Der Auferstandeue ist auch die Auferstehung und da- Leben, und wo er ist, da sollen seine Diener auch sein. Darum grüßen wir dich, du fröhliche-Osterfest; darum grüßt die Gemeinde den Auferstaudenen mit den Worten :

Ich geh zu Deinem Grabe Du großer Ostersürst, Weil ich dte Hoffnung habe, Daß Du mir zeigen wirst, Wie man kann selig sterben Und fröhlich auferstehn, Und mit des Himmels Erben Ins Land deS Lebens gehn.

* Wetzlar, 13. April. Beim Holzholen ist gestern zwischen 11 und 12 Uhr Morgen- dte ungefähr 60 Jahre alte Anna Hof von Hermannstein wahrscheinlich ausgerutscht und in die bet Hermannstein fließende Blasbach gefallen. Die Stelle, au der die alte Frau in das Waffer fiel, war unglücklicher­weise eine so tiefe, daß sie ertrank. Kurz nach 3 Uhr fand fie der Ort-diener Philipp Scholl, der im Begriff war, auf seinen Acker zu gehen.

*G. Dillenburg, 14. April. Die diesjährige Hauptver­sammlung de-Bereins zur Förderung de-Zeichnen- Unterricht- im Regierungsbezirk Wiesbaden wird am Mittwoch den 21. April hier abgehalten. Schon am Abend vorher findet im HotelStadt Frankfurt" eine Borversamm- luug und gesellige Bereinigung unter freundlicher Mitwirkung des hiesigen MännergesangvereinsLiederkranz" statt. Nach erfolgter Besichtigung des Wilhelmöthurmes am Mittwoch früh wird dte eigentliche Hauptversammlung um ll1/« Uhr in derStadt Frankfurt" eröffnet werden. An Borrrägeu stehen auf der Tagesordnung: Werthschätzung unsere-Zeichnen­

vergängliche ist nur ein Gleichniß." Jawohl, aber ein Gleichuiß ist eS immerhin; und wir freuen uns deffelben; vvtr freuen uns, daß in dieser österlichen Zeit dort draußen Üle ganze Natur Lust und Leben athmct; denn Ostern ist

uch hohem ' Weise in

Deutsche» Leich.

Berlin, 15. April. DerNordd. Allg. Ztg," wird aus Wien telegraphirt, daß tm Gefolge deS deutschen Kaisers auch der Gesandte tu Kopenhagen, v. Ktderlen-Wächter hier eintreffen wird.

Berlin, 15. April. Wie verlautet, wird beabsichtigt, die erste Lesung des BereiuSgesetzeS bereits am zweiten Tage nach den Osterferien, am 28. April, auf die Tages­ordnung des preußischen Abgeordnetenhauses zu setzen.

Berlin, 15. April. DieRat.-Ztg." schreibt: In ver­schiedenen Organen wird auf die Wahrscheinlichkeit, ja selbst auf die Nothwendigkeit eines Rücktritts des Reichs­kanzlers Hohenlohe hingewiesen, da er sein Versprechen, daS Vereinsgesetz und die Vorlage über den Militär-Straf- proceß noch tu dieser Session vorzulegen, nicht ersüllen könne und für diesen Fall seinen Rücktritt in bestimmtester Weise angekündigt habe. Nun ist ja unbestreitbar, daß beide Bor- lagen die Stellung des Reichskanzlers zur Zeit nicht erleichtern, doch gebe man andauernd der Hoffnung Raum, daß es doch noch zu einem befriedigenden und jeden Conflict ausschließenden Arrangement kommen werde.

zur

Srrichkng eines Kaiser-Friedrich-Denkmals

in Cronberg.

Der Wunsch, dem erhabenen Monarchen und ruhmreiche« Feldherrn, dem hochherzigen Förderer von Kunst und Wissen- schäft, dem edlen stillen Dulder und Liebling deS Volkes, Kaiser Friedrich im Herzen Deutschlands ein Denkmal zu errichten, bewegt seit geraumer Zett weite Kreise der deutschen Nation.

In Cronberg, zu Füßen der alten Burg und deS herrlichen TaunuSgeblrges, unfern dem Gestade des Main- stromeS, über welchen Kaiser Friedrich- ruhmreiche Waffen- thaten die Brücke geschlagen haben zur Vereinigung All- Deutschland-, an der Stätte, wo der hochselige Kaiser oft und gerne geweilt und welche Seine Erlauchte Gemahlin Sich zur dauernden Heimath erkoren hat, soll das Denkmal errichtet werden, inmitten eines zu diesem Zwecke zu schaffen­den öffentlichen ParkeS.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Baden hat nach Zustimmung Seiner Majestät des Kaisers und Köntgs die Gnade gehabt, das Denkmal-Unternehmen unter Höchst- feine Schirmherrschaft zu stellen.

An alle Deutsche", in deren Herzen die Liebe und Ber- ehrung für Kaiser Friedrich noch lebendig ist, richten die Unterzeichneten die Bitte, ein Scherflein beizutragen zur Ber- wirklichung des Planes. Je größer die Zahl der Geber, desto vollkommener wird der Zweck deS Denkmals erreicht werden. Auch dte geringste Gabe wird daher hochwillkommen sein.

(Folgen die Unterschriften.)

Zur Eatgegennahme von Beiträgen find bereit: Re- gierungS-Präfident von Tepper-LaSki, Wiesbaden; Landrath von Meister, Homburg v. d. H.; Stadtverordneten-Borsteher Dircctor Karg, Cronberg im TaunuS; sowie dte Herren Gruneltus u. Cie. zu Frankfurt a. M. und dte Herren Mendelssohn u. Cie., Jagerstraße, Berlin.

Bekanntmachung.

Die nachstehende Ueberficht über die am 1. Osterfeiertage gestatteten Ausnahmen vom Geschäftsschluffe und von dem Verbote der Beschäftigung von Gehülfen, Gesellen m. s. w. ($ 105b der Gewerbe-Ordnung) bringen wir zur öffenttiche« Kenntniß.

Gteßeu, den 15 April 1897.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.

>e: afentiialt- ieftkarte' carte-

verein.

MMvlv drW chSre W vraB

, M 38!l üib g^den.

Ar Vorstand-^,

Bekanntmachung.

Ls wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über dte Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Ftteden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf- schlag» von Fünf vom Hundett pro Monat Marz 1897 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg betragen: Hafer Mk. 15,92, Heu Wk. 7,40, Stroh Mk. 6,00.

Gießen, 15. April 1897.

GroßherzogltcheS Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Johann«'14

mittag*:

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L

Geschäftszweig.

i.

BeschästtgungSzeit von Gesellen, Lehrling« und Arbeitern über 16 Jahren.

a) im Handels­gewerbe tägliche Verkaufszeit.

8.

b) tm Betriebe von Werk­stätten, Fabriken ufw.

4.

1.

Bäckereien

59 Uhr Vorm. 11-12 Mittags.

wie an den Sonntagen

r

Conditoreien

59 Uhr Vorm. 11-12 Mittags.

wie an den Sonntag«

3.

Metzgereien

59 Uhr Vorm. 1112 Mittags.

wie an ben Sonntagen

4.

Gärtnereien

59 Uhr Vorm. 1112 Mittags.

wie an ben Sonntagen

5.

Milchhandel

59 Uhr Vorm. 1112 Mittags.

59 Uhr Vormittag 11-12 Uhr Mittag

Versorgung b. Kundschaft

6.

Bierbrauereien

Verkauf von Bier. 89 Uhr Vorm. 1112 Mittags.

89 Uhr Vormittag 11-12 Uhr Mittag

Versorgung b. Kundschaft

7.

Schneider- Handwerk

Abliefern bestellter Sach« bis 9 Uhr Vormittags

8.

Schuhmacher­handwerk

Abliefern bestellter Sachen bis 9 Uhr Vormittags

9.

Putzmacherei

Abliefern bestellter Sachen bis 9 Uhr Vormittags

10.

Wäscherei und Färberei

Abliefern bestellter Sachen dtö 9 Uhr Vormittags

11.

12.

Barbiere.Friseure Tabak-, Cigarren- und Rauch-Uten- stlien-Geschäfl

89 Uhr Vorm. 11-12 Mittags

wie an den Sonntagen

13.

Colonialwaaren- Geschäft

89 Uhr Vorm. 11-12 Mittags.

14.

Bier» und Wein- Geschäft

89 Uhr Vorm 1112 Mittags.