1056$
WWj9, Steüt" Ot)* festgesetzte »kP " ^'drvvevdn
^Vorstand.
werth!
ung
10332 I
3te20Pfg.) imar.
le
Verbraoob ist:
t. 52.___
hsmtirt
! rtin
fierte:
t Postcolli v. 9V$ tto, verzollt u. ft«; gegen Nachnahme-
Feist,
,cbei>ke u. Arte»
mit _-
gelt'
II Bit. 18.-
K«illetsn.
Der ne»r Dfrn.
Von Lina Fabian.
(Nachdruck verboten.)
Welch entsetzliche Wochen habe ich hinter mir! Daß der Ofen unseres Wohnzimmer- diesen Winter nicht mehr durchhalteu würde, hatte ich schon zu Beginn de- Frühjahrs gemerkt. Diese- Ungeheuer fraß riesige Mengen von Holz, Preßkohlen und Coakö, aber e- fiel ihm nicht ein, irgend welche Wärme auSzustrahlen. Da hatte ich'S denn jetzt beim HauSwirth durchgesetzt, daß er mir zusagte, einen neuen Ofeu setzen zu laffen, uud wirklich wurde ich auch am Montag in aller Frühe durch die Meldung aufgeschreckt: „Die Tepper find da!"
Die „Tepper" kamen wirklich und haben in der Wohnung bi- heute so herumgewirthschaftet, daß e- aufhört, schön zu sein. Wie eS im Wohnzimmer auSgesehen hat, kann ich nicht schildern, — wir haben in dieser LetdenSzeit in unserem „Talon" campirr. Nur wenn ich mal hiuau-trat: der Corri- dor beschmutzt, die Küche unsauber, die Fußtapfeu der «Tepper" waren bi- zum Ende der Treppe zu verfolgen. Der Geruch de- naffeu Lehms vermischte sich mit dem de- unausstehlichen Tabaks, den die Leute aus kurzen Pseifeu rauchten, so daß die ganze Wohnung vou einem unerträg- l'chen Odeur durchzogen war. DaS Dienstmädchen und eine Reinmachefrau hatten drei geschlagene Tage zu wischen, zu scheuern und zu putzen, ehe der atatus quo wieder hergestellt war.
Aber der neue Ofeu — o, eS war ein Staat, ihn zu sehen- vou den weißen Kacheln hoben fich große Ornamente wirkungsvoll ab, der von Brouce funkelnde Aufsatz reichte bis zur Zimmerdecke, die äußere Berschlußthür de- Feuerherde- leuchtete blitzblank dem Beschauer entgegen. Meiner Anordnung gemäß war da- Kunstwerk in die Ztmmerecke hineiugebaut worden, eS hatte so eine beinahe dreieckige Form euhalteo. Ein dreieckiger Ofeu — da- war doch mal etwas Modernes- die alten viereckigen Kachelöfen hatte ich längst latt gehabt.
*DaS Ding fleht gauz nett auS," bestätigte wein Mann, „fragt fich nur, wie flch'S bewähren wird. Denn slhließlich läßt mau sich den Ofen nicht nur um de- schönen AwSsehen» willen ins Zimmer setzen."
„Aber Männchen," entgegnete ich im Brustton der
Nr. 272 Zweites Blatt. Freitag de« 19. November
1897
Der *U|e«eT erscheint täglich, »Ü Ausnahme btt Montags.
Die Gießener Isamikiea-tälter werden dem Anzeiger wschentlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
Vierteljährig« AVoanemeutrpretor 2 Mark 20 Pfg. mit Lringerloha. Durch die Post bezog«
2 Mark 60 Pfg.
Redaction, Lxpeditio» und Druckerei: ।
-chutstratze Ar.7.
Fernsprecher Mc
Amts- und Anzeigeblatt füv den Tlveis Gieren.
Hratisöeikage: chießener Kamittenötätter.
Aaeahme Dox Anzeigen zu der Nachmittags für den felgcnboi Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux deck In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgeh«.
Amtlichen Theil.
Gießen, 17. November 1897.
Betreffend: Die Unterhaltung der SretSstraßen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
die Sroßh. Bürgermeistereien Albach, Allendorf a. d. Lahn, Annerod, vttklar, Burkhardsfelden, Dorf-Sill, «berstadt, Garbenleich, Großen Linden, Srüningen, Hansen, Holzheim, Klein-Linden, LangSön», Leihgestern, Sich, Ober Hörgern, Oppenrod, Steinbach nnb Watzenborn.
Sie wollen in ortsüblicher Weise bekannt machen, daß die für Montag den 22. November l. Js. in den Orten Gteiubach nnb Watzenborn sowie für Donnerstag den 25. November l. Js. in Grotzeuliuderr anberauwte ver- gebung der Deckftetulteferung zur Straßenunterhaltung wie folgt verlegt wird:
1) Steinbach:
Dienstag den 83. November, Vormittags 9 Uhr.
cbm
7 o Garbenteich—Steinbach 22
P In Steinbach 5
q Steinbach—Annerod 42
r In Annerod 21
s Annerod—Gießen 24
38 a Annerod—Grünberg (Staatsstraße) 17
39 a Lich—Albach 9
b In Albach 7
v Albach—Oppenrod 64
d In Oppenrod 15
v Oppenrod—Gießen 15
40 a Steinbach—Albach 17
b Albach—Burkhardsfelden 57
41 a Steinbach—Oppenrod 33
2) Watzenborn: Dienstag den 23. November, Mittags 12 Uhr.
cbm
7 h Leihgestern—Steinberg 51
k Steinbprg—Watzenborn 50
1 In Watzenborn 10
m Watzenborn—Garbenteich 27
o Garbenteich—Steinbach 22
11 c Leihgestern—Lang-GöuS 25
13 a Gießen—Steinberg 60
14 a Watzenborn—Schiffenberg 13
15 a Gießen—Hausen 100
b In Hausen 7
c Hausen—Garbenteich 15
d In Garbenteich 20
e Garbenteich—Dorf-Gill 76
f In Dorf-Gtll 16
g Dorf-Gtll-Hof-Gill 54
43 b In Steinberg 20
c Steinberg—Grüningen 72
3) Großen-Ltndeu:
Freitag den 26. November, Nachmittags 3 Uhr.
cbm
7 a Klein-Linden—Allendors a. d. Lahn 28
b In Allendorf a. d. Lahn 8
c Allendorf a. d. Lahn—Lützellinden 8
d Lützellinden—Großen-Ltndeu 36
e In Großeu-Liudeu 21
f Großen-Ltndeu—Leihgestern 41
g In Leihgestern 18
h Leihgestern—Steinberg 51
8 a In Kletn-Ltuden 7
b Klein-Linden—Lützellinden 23
9 a Großen-Linden—Hörnsheim 42
11 a Gießen—Leihgestern 50
c Leihgestern—Lang-Göu- 25
v. Gageru.
Gießen, den 15. November 1897. Betreffend: Den Wiesengang.
Das Grotzherzogliche KreiSamt Gießen
•* dir Arsgh. Bawrwdetr** des MH,
Soweit Sie unserer Verfügung vom 2. v. Mt-. — Gießener Anzeiger Nr. 235 — noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an baldige Erledigung.
v. Gag er«.___________________
Cocales rrirö provinjieao.
Wahlen (Kreis Alsfeld), 16. November. In der Nacht vom 28. auf den 29. October d. I. wurde in unsere« friedlichen Orte in der an der Staatsstraße gelegenen Hofraithe der Wittwe Luckhardt dahier ein Etnbruch-diebstahl verübt, welcher damals uoaufgekärt blieb, deffeu Natur aber nunmehr zu Tage tritt. Die Diebe waren durch das Fenster über der HauSthüre eingestiegen, hatten unter Benutzung von Schwefelhölzern und Licht die Wohnung durchsucht uud au- einem Schrank zwei Anzüge, vier Paar Sttümpfe, eine fast neue Mtlttärmütze, ein grüne- Hütchen, eine Weste, und au- einem Schlafzimmer des Dienstmädchen- verschiedene Gegenstände mitgenommen. Am vergangenen Donnerstag Abend fand nun der Landwirth Köhler in der Nähe des OrteS auf feinem Äcker an der Straße nach Kirtorf etwas Verdächtige- verscharrt. Köhler grnö nach und fiehe da, er sörderte zwei vollständige Sträfling-anzüge bis auf eine Weste zu Tage, welche die Nummern der am 28. October d. I. aus der Strafanstalt Ziegenhain entwichenen beiden Sträflinge trugen. ES unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die beiden Gauner an demselben Abend ihren Weg von Ziegenhain nach hier genommen, den Diebstahl z. Z. der Mitternacht ausgeführt, fich darauf umgekleidet, die Sträf- lingSkleider an dem Fundorte vergraben, und dann das Wette gesucht haben. Für die Polizei wird es, nachdem fich die Verbrecher mit Eivilkleidern versehen haben, schwer werden, derselben habhaft zu werden.
Ueberzeugung, „da kannst Du vollkommen beruhigt sein. So 'n feiner Ofen, nach meinen Anweisnngen und allen Regeln der Töpferkuust aufgerichtet, der sollte seinen Zweck nicht erfüllen? Pah, Du Nörgler und Schwarzseher, mach Dich doch nicht lächerlich."
Der Herbst war ins Land gezogen, draußen raschelten die welken Blätter nieder und drinnen zeigte da- Thermometer nur noch 13 Grad. In früheren Jahren hatte ich immer gewartet, bis mein Manu den ersten „Heiztag" bestimmte, die-mal konnte ich die Zeit nicht erwarten, den neuen Ofen in seiner behaglichen Thätigkeit zu sehen. Ich hatte auch uuterlaffen, wie sonst die üblichen Borräthe an Holz und Kohlen aufahren zu laffen, der neue Ofen würde so wenig Brennmaterial verbrauchen, daß ein Maffenankauf wirklich nicht erst lohnte. Und wenn ich diesmal meinem Manne keine Kohlenrechnung zu präsentireu brauche — wie wird der schmunzeln — wahrscheinlich wird er mir die sechzig Mark zum Ankauf eines neuen Herbst-Lape- schenken.
„Für heute Abend lade ich Dich zur Erstvorführung des neuen Ofens ein," sagte ich meinem Manne, „also eine Premiäre in Deiner Häuslichkeit. Die wird beffer ausfallen wie manche Theaterprem Are."
Und schon Nachmittags 2 Uhr ließ ich von Minna „Nahrung" für deu^Ofen heranschleppen: ein ganzer kleingehackter Holz» und Preßkohlenkeller thürmte fich vor der Ofenthür auf. Um 5 Uhr wurde der Wärmespender kunstgerecht „geladen" - ganz schwache Spähncheu — die loderten hell auf, etwa- stärkere Holzstücke — die glimmten an, dann einige Scheite Harzholz und am Ende die Preßkohlen. Minna wollte acht Stücke auflegen, ich erklärte aber, vier würden auch genug sein, — weßhalb soll man denn das schwer verdiente Geld seines Manne- zur Effe hinauSdampfeu laffen ...
So brannte und glimmte eS herrlich in dem neuen Ofeu!
Um sieben Uhr kam wein Mann.
„Aber Kind," rief er, „hier drinnen ist ja eine Hundekälte, ich denke, Du wolltest Heizen laffen?"
„Hab ich ja auch," antwortete ich, „im neuen Ofeu brenuts geradezn himmlisch."
»Hm," machte mein Manu und rieb fich die Hände. Dann ging er zum Thermometer. „Der fällt ja wie eine Lawine, jetzt find nur uoch elf Grad." Schließlich befühlte er den Ofen rechts und links, oben und unten. „Eiskalt wie*n Gletscher," ^constatirte er.
Da- war doch merkwürdig, — sollten die vier Preßkohlen wirklich nicht genügen? Ich ließ noch weitere acht auf die verglimmende Asche legen. Als die verbrannt waren, zeigte da- Thermometer 10 Grad, und die Kacheln bleiben kalt wie eine Hundenase.
Jetzt wurde der ganze Hrizraum vollgestopft, fünfzehn Stück verschlang er. Nach einer Stunde lagen die in Asche, der Thermometer war auf 9 Grad gesunken, der Ofen fühlte fich eisig an, mein Manu hatte seinen Wtuterpaletot angezogen und ich fror gar jämmerlich.
„Der Ofen muß einen Eoustrnction-fehler haben," erklärte ich endlich resignirt.
„Da- scheint mir auch so," stimmte mein Manu zu, „und damit ich mir nicht auch einen zuziehe, werde ich in meiner Stammkneipe durch ein paar Gla- Grog meine eingefrorenen Lebensgeister wieder aufthauen."
Am nächsten Tage ließ ich den Töpfermeister kommen und klagte ihm mein Leid. Der klopfte an dem Ofen herum, leuchtete mit breuueudem Licht hinein, untersuchte die Dichtigkeit de- Rohre- und — kratzte fich hinter dem Ohr.
„Et iS so 'ne Sache mit die dreieckigen Dinger," meinte er daun, „es scheint mich, als ob die Feierung 'n bisken zn weit hinten anjelegt iS. Ick werde Sie meine Lette nochmal 'ran schicken."
Und wiederum kamen di? „Tepper", die riffen den Ofen wieder ein und wir mnßteu weitere acht Tage im Salon zubringen. Aber da war» doch wenigstens schön warm, obgleich der Ofen keiner der modernsten war. Als das Reinemachen des Wohnzimmers zum zweiten Male überstanden war, stand der neue Ofen wieder in jungfräulicher Reinheit da.
„Diesmal werde ich mit dem Heizen warten, bis Du zu Hause bist", erklärte ich meinem Mann, „damit Du stehst, wie ein rationelles Feuer augezündet wird." Al» ich den Scheiterhaufen kunstgerecht errichtet hatte, steckte ich ihn in Brand. DaS Streichholz entflammte ein Späulein, das sofort wieder erlosch. Mit dem zweiten, dritten nnb vierten hatte ich ebenso wenig Glück. AlS ich bie Schachtel bis zur Halste geleert hatte, ließ ich einige der pateuttrteu Kohlenanzünder holen. Die praffelteu benn auch sofort auf. „Na ja," meinte ich befriebigt, „nun geht die^Sache los. Man muß nur zur rechten Zeit unb am rechten Ort nachhelfeu", damit schloß ich die Thür des „Dreieckigen".
Mein Mann warf besorgte Blicke auf das Thermometer. „Sapperlot," sagt er bann, „auf ein paar Glas Brog kommt


