Ausgabe 
19.9.1897 Zweites Blatt
 
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Verlobungs- Karten

mit und ohne Monogramm- Prägung

werden angefertigt in der Brühlschen

< Univ.-Druckerei

Schulatrasae 7. *

die durch die Fretzügigleit empfindlich gelockert wird, Stärkung und Kräftigung erhält. Zur Erreichung dieses Zweckes schlägt der Ver- fafier vor: Ländereien von geringerem Werlhe, wett abgelegene Par- cellen, oder Stücke von fflrunb und Boden, die nicht so ertragssähig find, an Arbeiterfamilien verkäuflich um mäßige Beträge abzulafien.

Hier sitzen wir mit unserem Wollen und Können fest, denn derartige Verhältnisse haben wir nicht, wir fönnm darum auch nicht mit ihnen arbeiten, und darum fällt der hübsche Gedanke in Nichts zusammen. Sehen wir einmal zu! Der Artikel meint: Die meisten Gutsbesitzer und Bauern haben überflüssige Ländereien, die abgegeben werden können. Aber auch keine Spur oder wo denn'/

Im Vogelsberge haben wir Hutweiden und Oedländereten. Diese Grundstücke liegen hoch im Gebirge, haben ein rauhes Klima und sind mit Steinroffeln übersät, oder mit Naßgallen gespickt. Das dort spärlich gedethmde GraS wird von dem Wridevieh abge- fresien, der Anbau von Getreide ist unmöglich. Die Hutweiden können bedeutend oerbeffert werden, die Futtererträge lasten sich ver­doppeln und verdreifachen, oder fie werden aufgeforstet; doch zu menschlichen Ansiedelungen taugen fie nichts.

Rücken wir sackte bergabwärts in die Thäler, so stoßen wir nach und nach auf Gelände, das anbaufähig ist, sich aber in den Händen do-i kleinen Leuten befindet, die es zur höchsten Noth be­dürfen. Mit dem Verkaufen von Ländereien, die abgelegen sind, einen geringeren Werth baden, nicht so ertragSsähtg oder aus einem anderen Grunde verkäuflich sind, ist eS also in diesen Gegenden nicht«. Der Artikel sagt auch ausdrücklich:vo« de« ÄUitt» bauer« natürlich abgesehen."

Sehen wir unS noch ein BiSchen weiter um, wie eS mit untern Groß- und Kleinbauern bestellt ist. Wmn ein Bauer bet uns 70 bis 80 Morgen oder 17 bis 20 Heclare Grund und Boden besitzt, so gilt er, wenn keine Schulden auf dem Anwesen ruhen, schon für reich. Er braucht zu gewtffen Zeiten Taglöbner, aber daß er diesen irgend ein Grundstück verkauft, damit die Arbeiter feßhaft werden sollten, ist so völlig unmöglich und undenkbar, daß eine derartige Anfrage von der Schwelle abgewiesen würde. Bei uns verkauft kein Bauer in normalen Verhältnissen ein Grundstück und wenn es das schlechteste wäre, weil er einen solchen Verkauf als eine Schande ansehen würde. Der Bauer kann außerdem ein nasses, sandiges Grundstück selbst verbestern und das thut er auch. Nur wenn ein Bauer seinen Grundbesitz unter seine Kinder vertheilt, von denen eins in ein anderes Dorf heirathet, wohin die Grundstücke nicht mitgenommen werden können, verkauft er Aecker. Oder: wenn er Hypotheken abtragen und Schulden zahlen muß. Mit einem Worte: Der Bauer gibt kein Grundstück ohne Zwang her, jedes ist ihm ans Herz gewackfen und er hält mit Zähigkeit und unentwegter An­hänglichkeit an seinen Aeckern fest und das ist ein sehr schöner Zug von ihm. Wir sehen daraus, daß auch in dieser Beziehung die Vorschläge des Artikels aus derKölnischen Zeitung" für unsere Gegend und für Bauern mit 80 bis 100 Morgen Aecker, die bei uns schon vermögend sind, keinen rechten Zweck haben: die Vorschläge sehen auf dem Papier ganz leidlich aus, in der Praxis jedoch können wir nichts mit ihnen anfangen.

Wir steigen darum etwas tiefer in die Ebenen hinab, in die fruchtbaren Thäler der Nidda, der Nidder, der Horloff, der Ohm und in die Wetterau. Der Grund und Boden ist hier noch viel theuerer, und es werden, trotz der schlechten Getreidepreise (die in 1897 sich gebessert haben) sehr hohe Pachtschilltnge gezahlt, woraus sich der beste Beweis dafür ergibt, daß abgelegene Ländereien, wenig ertragsfähige oder ähnliche Grundstücke nicht vorhanden sind. Mit der Seßhaftmachung von ländlichen Arbeitern ist deßhalb in diesen Gegenden, die oft sehr großen Mangel an Arbeitskräften habm, auch nichts zu wollen, weil die Hauptbedingung fehlt.

An dieser Stelle hätten wir noch mit einigen Worten zu prüfen: was ist denn eigentlich ein Großbauer? Bei uns ist ein Mann, her 100 Morgen gleich 25 Hectar Grundeigentum besitzt, schon ein Großbauer. In Norddeutschland ist das gar nichts. Die Bauern­güter find dort 800, 1200, 1500 Morgen groß. Bei solchen Flächen gibt es auch weit abgelegene Außenfelder, die wenig ertragsfähig find. In unserer Gegend ist aber der Grundbesitz so zersplittert, daß von solchen Grundstücken nicht die Rede sein kann und weit abgelegen sind si? auch nicht, denn unsere Gemarkungen find gar nicht so groß, daß abgelegene Grundstücke wenig werthvoll würden. (Folglich bliebe jetzt nur noch zu prüfen: Wie stellen sich die GutSpächter zu der Frage der Seßhaftmachung? Die Pachtgüter in Oberheffen haben eine Größe von 400 bis 2200 Morgen. Eins der größesten ist das SolmS-Rodelhetmtsche Gut zu Wickstadt. Was wollen aber diese Güter gegen die norddeutschen bedeuten, die drei-, vier-, fünfmal größer find als unsere allergrößten. Dem Einsender ist ein Gut in Posen bekannt, das alljährlich 4000 Morgen Kar­toffeln pflanzt und allein so viel ScknapS brennt, als die im Be­triebe befindlichen Brennereien der Provinz Oberhessen zusammen. Hier handelt es sich um Flächen, die man in einem Tage kaum umwandern kann; dort gibt es weit abgelegene Außenfelder, wenig ertragsfähige Grundstücke, Oedländereten, die man noch cultioiren kann. Diese Grundstücke kann man freilich umein Paar Trumpelen" haben, der Morgen gilt nicht so viel alS bei uns das Ar. Aber was wird dort auch für ein Leben geführt! Das sollte man einmal unseren ländlichen Arbeitern anbieten! Du lieber Gott, da könnte man schön widerlaufen--

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vatzrenth, 12. September. Am Freitag hatten fich vor dem @d)9ffcngerfd) zwei Arbeiter wegen Verübung groben Unfugs zu verantworten. Der eine der Ange» klagten hatte nach derAugSb. Abdztg." bei der Hinrichtung des Vatermörders Bauriedel einen Baum iu der Branden' burger Allee erstiegen, von dem aus er die Execution im Gefängnißhofe mit ansehen konnte. Der polizeilichen Auf­forderung, den Baum zu verlaffen, leistete er trotz Straf­androhung nicht Folge, weßhalb fich die Bchutzmaonschaft in größter Verlegenheit befand, wie dem Manne, der sich auf seinem Aste äußerst wohl sühlte und der irdischen Gerechtig­keit entrückt zn sein glaubte, beizukommeu sei. Da erschien rin Retter iu der Noth in der Gestalt eines anderen Ar beiterS, der fich einem Schutzmann mit dem Bemerken näherte: Den werden wir gleich drunten haben, helfen Sie mir nur ein wenig hinauf." Er umklammerte den Baum, der Schutz­mann schob fleißig nach und so war in kurzer Zeit der Baum erklommen. Als er oben war, bedankte er fich bei dem Schutzmanne für die freundliche Hilfeleistung und meinte, nachdem er fich behaglich eingerichtet hatte:So, nun kann ich's auch bequem sehen!" Die beiden müffen dieFrivo- lität" mit 14 Tagen Gefängniß büßen.

Lehrer als Einjährig Freiwillige. Bon dem ihnen feit Kurzem zustehenden Privilegium, als Einjährig-Freiwillige zu dienen, haben bisher nur wenige DolkSschullehrer Gebrauch gemacht. Die Mehrzahl hat es vorgezogen, nach der alten Weise zehn Wochen zu üben. Mit dem Jahre 1900 hört aber diese Art der Ausbildung auf. Dann müffen alle Lehrer ein Jahr dienen, und diejenigen, die während dieser Zeit nicht für sich selbst sorgen können, werden dann nach den im Reichstag abgegebenen Erklärungen des KriegSminsterS auf Staatskosten erhalten werden, dürfen aber nicht die Schnüre tragen und haben keine Ausficht auf Avancement zum Reserveoffizier, dasür aber, wie Herr v. Bronsart aus­drücklich betonte um so mehr auf Ernennung zum Reserve- Unteroffizier. In Lehrerkreisen wünscht man aber, daß die einmal errungene Berechtigung auch benutzt werde. Es find schon allerlei Vorschläge aufgetaucht, um den jungen Lollegen über die Klippe des Mangels an Mitteln hinwegzuhelfen. In derPreuß. Schulztg." wird nun die Aufbringung eines Militärfonds, hauptsächlich durch die im Amte befindlichen Lehrer, empfohlen, aber auch dieser Plan scheint undurch- führbar zu sein. Die von dem Blatte herangezogene Wittwen- und Waisenkaffe, zu denen die Lehrer freiwillige Beiträge leisten, sind in'S Leben gerufen worden, um die Hinterblie­benen der Lehrer sicher zu stellen. Es braucht nicht weiter auSgeführt zu werden, daß die gleiche Opferwilligkeit für einen Militärfonds nicht geweckt werden kann. DerHamb. Lorr." meint, übrigens werde auch die Möglichkeit, daß Lehrer Reserveoffiziere werden könnten, in Lehrerkreisen über­schätzt. Bei den Anschauungen, die nun einmal über die äußere Stellung, deren sich die Reserveoffiziere erfreuen müffen, herrschen, sei ganz unwahrscheinlich, daß Lehrer anders als in wenigen Ausnahmefällen Reserve-Offiziere werden können.

* Wie lange bleiben die Frauen schön? Eine ameri- kanische Frauenzeitung, die fich viel mitpraktischer Aesthetik" beschäftigt, stellt folgende tntmffantc Theorie über die Frauenschönheit auf. Die Schönheit einer Frau heißt da währt ziemlich durch daß ganze Leben. Sie nimmt jeden Tag an Reife zu, denn daß dte Schönheit der Frauen gleich der der Männer vom Gesichtspunkte der Reife aus beurtheilt werden muß, ist nicht zu zweifeln. Abgeschmackt ist die Behauptung, daß die reife, reiche Schönheit von 40 Jahren weniger fesselnd sei als der Jugendreiz der in der Knospung befindlichen Sechzehnjährigen. Wenn die Frauen nur mit den Gesetzen der Natur in Harmonie leben, so hat jedes Lebensalter seinen eigenen Zauber. Der Schönheit Fülle nähert sich ihrem Höhepunkte nicht vor dem 35. oder 40. Jahre. Helena, die große, griechische Schönheit, war

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40 Jahre alt, als sie nach Troja kam. Aspafia verwählte fich erst im 37. Lebensjahre mit Perikles, und glänzte nos 38 Jahre darnach wie ein Stern der Schönheit. Kleopatra war über 30 Jahre alt, als fie dem Antonius begegnete. Diana von Poitiers zählte 36 Jahre, als fie Heinrich II. Herz gewann. Der König war halb fo alt wie Diana, hörte jedoch nie auf, fie zu verehren. Anna von Oesterreich war 38 Jahre alt, als fie als Europas schönste Frau be- zeichnet wurde. Madame de Maintenon war, als Ludwig XIV. fie kennen lernte, 43 Jahre alt. Mlle. MarS, die berühmte Schauspielerin, war am schönsten mit 45 Jahren und Mme. Recamier zwischen 35 und 55 Jahren. Die wahrste und stärkste Liebe wird durchaus nicht immer von 20jährigen Schönheiten eingeflößt. Das alte Geschwätz über das be­zaubernde 17. Lebensjahr muß vor der alten Erfahrung zurückweichen, daß in der Unreife die höchste Schönheit zu finden ist. Denn unter Schönheit versteht man nicht bloß wohlgeformte Züge und frische Gesichtsfarbe da» haben auch geistlose Wachspuppen. Die thauige und rofige Gesichts­farbe der Jugend ist ein besonders herrliches Werk cer Natur, aber einer Frau bestes und reichstes Alter ist eigeutl'ch das zwischen 36 und auch über 40 Jahre. Jene Frau begeht den größten Fehler, die fich in einem gewtffen Alter für passte hält. Sie muß es nur verstehen, würdig dem höheren Alter entgegenzugehen.

* Sie kennt fich a«S. Privatier Meier (zu feiner Frau): Heute muß ich drei Hasen schießen: Einen für unseren Stammtilch beim Rößl, einen für den Schwager und den dritten für unS." Frau:O, lieber Hugo, schieß doch ja den dritten zuerst!"

Die Adlerpfeife hat so sehr meinen Beifall gefunden, daß ick noch 2 Stuck bestelle. Diese wirk­lich sehr schönen Adlerpfeifen, aus denen sich sehr angenehm raucht und welche den reine« Dadak genast gewähren, werde ich überall empfehlen. Dr. Wilckinghoff, prakt. Arzt, Nordkirchen i. W.

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Meyers Konversations-Lexikon

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stehen Obstbuden, breite Planwagen mit Brennholz, Gespann, 1620 Ochsen, sich auf dem Boden gelagert dann bietet man dort stets eine Anzahl Pferde jeder und jeden Preises feil. Laut schreit der Auctionator Angebot und den Zuschlag aus, umringt von einer

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Geschlechts", das im Goldlande in der Minderheit ist und daher von dem Anhänger des stärkeren Geschlechtes noch mehr verhätschelt wird, als es in England und Amerika der Fall ist, spottet jeder Beschreibung. Die Frauen find dte Ge- bieterinnen in den Haushaltungen, der Mann herrscht nur so lange absolut, als er ihren Willen thut. Selbst Arbeiter­frauen stolziren in Sammt und Seide daher, überladen mit Goldgeschmeide, und auch die Kafferin hüllt ihre üppigen Formen in bunten Kattun, wo dann Glasperlen in Fülle angebracht sind. Man darf dreist behaupten, zwei Drittel des Verdienstes des Mittel- und Arbeiterstandes verschlingt der Kleid rputz, und das letzte Drittel derunbändige Dorfcht". Der Plutokrat trinkt seinen Wyskey, Sherry und Port im Club oder Hotel, dieGnädige" stimulirt ihre Nerven durch Wyskey oder Eau de Cologne, welche sie selbstverständlich nur als Arznei medicinally einnimmt, aber oft flaschenweise an einem Tage. Dem Laster des Trunkes wird stark gefröhnt und das Getränk in der Regel stehend am Schenktische rasch hinuntergestürzt. Frauen sieht man fast ebenso häufig in den Straßen umherwanken, wie Männer, besonders an den Sonnabenden, wenn um 1 Uhr Mittags die Arbeit eingestellt und der Wochenlohn ausgezahlt wird. Dann wogt eine Volksmenge in allen Schattirungen der Hautfarben durch die Straßen, aber am stärksten ist der Verkehr auf dem Marktplatze, dem Centrum der Stadt.

Sonntags herrscht im Gegensätze zum Getrinke des vor­herigen Tages Ruhe und so strenge Sabbathfeier, daß fich an ihr die strengsten Seelenärzte erbauen würden. In den Familien, die aus Anstand, auf respectability sehen und fich vor Mrs. Grandy beugen, wird nicht gekocht, nur Reste Braten und Pasteten aufgetischt. Einer Küchenfee ober einem Singhalesen, der sich nebenbei bemerkt, den Kuckuk um den Gott der Christen scheert, die Zubereitung einer warmen Mahlzeit zuzumuihen, würde eine Sabbathschändung sein. Man hält sich für den Abbruch der culinarischen Genüsse durch reichere Libationen schadlos, trinkt ad majorem dei gloriam sich einen bärenmäßigen Rausch. Der Mann thut dieses in Gesellschaft verwandter Seelen in den unzähligen Clubs, von denen die meisten lediglich behufs Umgehung der Sonntagsruhe im Schankgewerbe gegründet worben sinb, bie halbe Frau im verborgenen Kämmerlein. Wenn bem Weißen schon ber Alkohol in seinen verschiebenen Formen an's Herz gewachsen ist, so ist sein Genuß für ben Kaffer unb Hotten- totten fast Ledenszwcck. Käme er in bie Lage Esau's, er würbe sein Erstgeburtsrecht nicht für ein Linsenmuß, aber wohl für einen Schnaps ober eine Tafel Kautabak hingeben. Der Alkohol ist ber Fluch Südafrika'», benn bas erlassene Branntweingesetz, bas bie Verabreichung von Spirituosen an Farbige untersagt, wird nicht streng burchgeführt.

Es wäre unrichtig, aus einer Schilberung bes Lebens und Treibens der Allgemeinheit der Bevölkerung im Gold- lande anzunehmen, es gäbe kein van edlerem Streben Beseelte als der Durchschnittsmensch, immer leben dort auch idealistisch Beanlagte, welche die Werke Shakespeares in Heinrich V. bewahrheiten:

.The strawberry grows underneath the nottie And wholesome berries thrire and ripea beet Neighbourd by fruit of baser quality *.

an der deutsche Kapitalisten mit 500 Millionen Mark, fran zofische mit 4 Milliarden und Engländer mit etwa 15 Milliar­den betheiligt sein sollen, bittere Klage führt. Ein Beispiel der Verteuerung: Eine Tonne Gement von 400 Pfd. kostet in Hamburg frei an Bord des Schiffes 5.50 Mk., die Fracht nach Wurkan beträgt 4,35 Mk., die Bahnfracht von dort nach Johannesburg 27 Mk., unb ber Zoll 12.33 Mk., also 250 Procent bes Werlhes. Die Seefracht von Amerika nach Lourenco Marques kostet für eine Schiffslabung Kiefern­holz, im Werlhe von 22000 Mk., bie Summe von 26000 Mk., bie Eisenbahnfracht nach bem 111 Kilometer entfernten Johannaberg 61860 Mk., also beinahe bas Dreifache des Einkaufspreises.

So erbittert man über bie ungerechtfertigte Ausbeutung ift unb fo heftig man schimpft, man genießt trotzbem das Leben und grübelt nicht über den morgigen Tag. Es wäre aber falsch, die Bevölkerung als eine Schaar Abenteurer an­zusehen und Leben sowie Eigenthurn für gefährdet zu halten: Ordnung und öffentliche Sicherheit find nicht minder gut als in Europa.Geraubt" wird allerdings, aber nicht auf den öffentlichen Verkehrsstraßen oder im Waldesdunkel, sondern auf den Börsen ber Stäbte, wo ja auch oft bei uns ber Weg zur Million bicht am Zuchthause vorüberführt. Die Spekulation in Minenwerthen unb Grunbeigenthum ist wirk­lich unheimlich; von ber Steigerung bes Grunbwerthe» giebt ein Beispiel einen Begriff. Ein Areal von 12 Acres 1 Acre gleich 40 Ar Kieslanb, außerhalb von Johannes- bürg, würbe vor 3 Jahren zu 1600 Mk. gekauft und im vergangenen Monat zur Errichtung eines Magazins zu 600000 Mk. wieder verkauft.

Wer in den Straß«n Johannesburgs, des südafrikani­schen Paris, umherwandelt und dte Schaufenster ber Mode- geschäfte unb Juweliere anschaut, glaubt fich in eine ber ersten europäischen Großstädte versetzt. Die Putzsucht desschönen

buntscheckigen Maffe, durch bie jüdische Haufirer fich winden undechte" Goldringe, bas Dutzenb zu 6 Mark,silberne" Ohrgehänge zu 50 Pfg. ober 1 Mk. das Paar, sowie ähn­liche Herrlichkeiten anpreisen.

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