-Alt.
» “nfer Nbefa.
'fialten wit Uhr, auf
Nr. 21!)
Der
Kiehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme d«S
Montags.
Die Gießener I>«mttienßtLtler werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal deigelegt.
Zweites Blatt. Samstag den 18. September
1997
Dießmmk Anzeiger
Kenerak-Mnzeiger.
Vierteljähriger Aöoarrcmeirtspreior 2 Ltark 20 Pfg. mit Briogerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mart 50 Psg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Kchurgraße Ar.7.
Fernsprecher 5k
and.
herüber:
st
8612
er VI. t Wwe.
iptember:
8639
ler.
!•
)ie ergebene
8, m tzllch
meine grehrte
-er
ifltinti.ti.
9, gestrickte ^ocksiaoelle, jbl zu deiik-
7444
^trümvft'a
eiorflt.
I fölü- £.5
—
läser, jufd«.
*»■-
1.2» । Fr»=hl,,f' der oft' Herb9taa8’
2lnrts- und 2lnzeigebl<rtt für den ICrcis Gieren.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Hratisöeikage: Gießener Kamikienökätter.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- vnd Auslandes nchen« Anzeig«en für den „Gießener Anzeiger" entgehe.
Das «eue Beamteugesetz.
(Fortsetzung.)
B. Ministerium b eß Innern. Räthe der Mini- Perten (Geheime StaatSräthe, Mtntstertalräthe) 7500 biß 9500 (6850 biß 8850). — Proviocial-Directoren 7400 biß 9000 (6750 biß 7350). — Vortragende Räthe 5800 biß 7200 (5350 biß 6350). — KretSräthe 5800 biß 7000 (4825 biß 5850). Direktoren der Gymnasien, der Realgym- vafieu und der Oberrealschuleo 5800 biß 6600 (5140 biß 5750). Direktoren au den Schullehrerseminarten ebensoviel (4720 biß 5140). — Director der Hosbibliothek ebensoviel (6350). — Räthe bet den Provincial-Dtrekttonen 5400 biß 6200 (4825 biß 5850). — Ständige Mitglieder der Oberen landwirthschastlichen Behörde ebensoviel (4825 biß 5850). — Direktoren der Realschulen 5000 biß 6200 (4720 biß 5140). — Uuiverfitätßbtbliothekar ebensoviel (4800). — Vortragende Räthe beim Ministerium des Innern (technisch-pharmaceutisch und veterinärheilkundig) 4800 biß 5600 (4300). — Direktoren der Wein- und Obstbauschule zu Oppenheim und der Obstbauschule zu Friedberg 4000 biß 5600 (3500 biß 4500). — Mtnisterial-Secretäre 2800 biß 5800 (2725 biß 5350). — Kreißamtmänner und Bereintguugßcommlssäre ebensoviel (2725 biß 4300). — Akademisch gebildete Lehrer au den Gymnasien, Realgymnasien, Oberrealschulen und Realschulen ebensoviel (2500 biß 5000). — Seminarlehrer mit Civtl- dirnerqualität 2800 biß 5800 (durchschnittlich 3145). — Kieißschullnspectoren ebensoviel (2620 biß 5140). — Hof- bibliothekar ebensoviel (4720). — Hofblbliotheksecretäre eben- feold (1 zu 2725, 1 zu 3565). — Kreißärzte ebensoviel (2620 biß 5140). — Aerzte bei dem Landeßhospital Hof- Herm ebensoviel (1 zu 3565, 1 zu 3000 biß 3500). — Aerzte btt der Landeß-Jrrenaustalt Heppenheim ebensoviel (1 zu 3665, 1 zu 3040). — Culturinspectoren ebensoviel (3300 bis 4200). — Akademisch gebildete Lehrer für Naturwiffen- fchafteu an der Wein, und Odstbauschule zu Oppenheim ebensoviel (3800). — Akademisch gebildete Lehrer an der Obstbauschule zu Fledberg ebensoviel. — Secretär bet der Ceu- tralstelle für die Gewerbe ebensoviel (3250 biß 4825). — Vorstand und Erster Chemiker bet der Prüfung-- und Auß- kunftßstatiou für die Gewerbe ebensoviel (3250). — Zwelteß technischeß Mitglied der Oberen Bergbehörde, zugleich Berg- «eifter ebensoviel (4825). — DampfkesselprüfungScommissär
Feuilleton.
Der geheimnißvolle Neffe.
Von H. Erltn.
(Nachdruck verboten.)
„Reisen dies Jahr . . .? I wo! Wird vichtß drauß. Punktum !"
„Bbcr Männe . . ."
„Punktum sag ich! Brauchen nicht alle Jahre auf Sommerweide. Bin kein Rothschild!"
Mächtige Dampswolken vor sich htopaffend, ging Herr R!chnungßraih Pfeifer mit wuchtigen Schritten im Zimmer ouf und ab, während seine Frau einen wehmuthßvolleu Gt ufzer hören ließ, der vor allem der unumstößlichen That- sache galt, mit der Rothschild'schen Familie in absolut keinem verwandtschaftlichen Berhältniß zu stehen.
„Eß braucht ja nicht viel zu kosten, Männe- aber siehst Du, mau hat doch zum Beispiel Pflichten . . . gegen daß Sind, gegen Thekelchen."
„Na, da hört aber Manches auf!" Mit einem plötzlichen Ruck blieb Herr Pfeifer stehen, legte die Hände kreuz- v-cise über seine „Wohlbelerbtheit" und heftete seine kugelrunden Aeuglein fragend auf seine desiere Hälfte. „Wieso ich meine Pflichten als Vater Verna vläsfige, wenn ich meinem Fräulein Tochter mal die Sommerreise verweigere, daß sehe ich denn doch nicht ein."
„Aber ich," fiel ihm Frau Eleonore mit Nachdruck tnß Wort, „ich sehe eß eia! Du freilich kannst eß dulden, daß do8 Kind hier in dem Jammerneste versauen. Thekelchen tolrb bald zweiundzwanztg Jahre, und immer noch keine anständige Versorgung in Sicht. Maß hatten wir mit dem Kinde sür Pläne und nun? Hier blüht ihr höchstens, Herrn Secretär Schnittchens Frau zu werden. Du sagst ja selbst, daß er auf alle Weise versucht, in unser Haus zu kommen. Na, und neulich fiel mir sogar auf, wie er zu unseren Fenstern enporschielte. Tekelchen aber — doch ich will nichts gesagt .haben. -
„Daß fehlte gerade!"
Ein Stirnruvzeln „Männeß" und ein gewifier nach-
2800 biß 5800 (4825). — Secretär, zugleich Rath und Mitglied der Centralstelle für die Landeßstatisttk ebensoviel. Kreißbauinspectoren und Kreißbauaffesior ebensoviel (2800 biß 5200). — Polizeirath in Gießen 2800 biß 5000 (4090). — Konservator und Bibliothekar bei der Centralstelle für die Gewerbe ebensoviel (3500). — Hauptlehrer mit akademischer Bildung an der Landeßbaugewerkschule ebensoviel (2500 biß 4000). — Assistenten der Fabrikinspectoreo ebensoviel (3000). — Bergasiessor ebensoviel (4000). — Assistent bei der Dampfkesielprüfung ebensoviel (3040). — Landwirth- schaftßlehrer 2800 biß 4600 (2900 biß 3600). — Haupt- lehrer an der Landeßbaugewerkschule ebensoviel (2500 biß 4000). — Hauptlehrer an der erweiterten Handwerkerschule und Hauptlehrer und Dirigent d-.r Fachschule für Elfenbeinschnitzerei zu Erbach ebenioviel. — Kreisasfistenzärzte 1800 biß 2400. —Kreißvetertnärärzte 1600 bis 2400 (1600 biß 2400). — Registratoren und Registraturasfistenten beim Ministerium 2000 biß 4200 (durchschnittlich 3250 einschließlich deß Gehalts deß Borstandeß). — Buchhaltungsbeamten (Revisoren und Calculatoren) beim Ministerium 2000 biß 4000 (1870 bis 3565). — Kreißamtßgehülfen (Bureauvorsteher) ebensoviel. — Zahlmeister beim Gendarmeriecorpß ebensoviel. — Universitätß-Secretär und Secretär der Technischen Hochschule ebensoviel (3565). — Hausverwalter und R-chner beim Landeßhospital ebensoviel (2620 biß 3565) Haußverwalter und Rechner bei der Landeßirrenanftalt ebensoviel (3000). Rechner und Oeconom der Anstalt für Blödsinnige ebensoviel (1870 biß 2200). — Secretär bei der Oberen landwirthschaftllchen Behörde ebensoviel (3145). — Secretariatßgehülfe bet der Centralstelle für die Gewerbe ebensoviel (2500). — Revisor bei der Aichungsinspection 2000 biß 4000 (3145). — Revisoren und Calculatoren bei der Centralstelle für die Landes- statistik ebensoviel (1870 biß 3565). — Revisionßgeometer bei der Oberen landwirthschaftllchen Behörde 2300 biß 4000 (2800). — Bereinigungß-Geometer 2000 biß 3500 (2200 biß 3400). — Kanzlei Inspektor beim Ministerium 3200 biß 3800 (3145—3565. — Verwalter der Universitätskliniken 1900—3300 (1 zu 2200 2 zu 2000). — Verwalter des Arbeitshauses Dieburg 1900—3000 (2620). — Kanzlei- Inspektor bei der Hosbibliothek 2300—2900 (2620). — Kanzlisten beim Ministerium 2200—2800 (2000—2620). — Kanzlei- und Registraturbeamter der Oberen Bergebehörde und des Landeßverficherungsamts 2100—2700 (1800). —
deutlicher Ausdruck in feinen Mienen, begleitet von mäßiger Gangart, legten Zrugntß davon ab, welche Wirkung die Erwähnung Schuittchenß auf sein Gemüth ausübte. Nun ja — er konnte den Menschen einmal nicht leiden. Genug schon, daß er mit dem jungen „städtischen" Secretär täglich zusammen arbeiten mußte, aber als Schwiegersohn hätte er sich ihn — ganz abgesehen davon, daß er mit seinem Tekelchen ganz andere ZukunftSpläne hatte — nie und nimmer gewünscht. So ein junger Mensch, der sich einbildet, weil er mal seine Nase nach Berlin hineingesteckt hat, alles beffer zu wissen und über die guten alten Sitten der Kleinstadt spötteln zu können, — daß wäre gerade sein Geschmack!
Wenn sich wirklich zwischen Schnittchen und Thekla etwas anbandelu sollte, dann lieber . . .
Und im Stillen begann Herr Pfeifer, einen flüchtigen Kostenüberschlag der Sommerreise zu machen, während Frau Eleonore beredt die ihr bekannten Fälle ins Treffen führte, wo junge Mädchen durch Badebekanntschaflen „ihr Glück" gemacht hatten. Alß sie jedoch Grafen und Barone zu nennen anfing, warf ihr Mänue einen vielsagenden Seitenblick zu, woraus fie verstummte.
Da wurde plötzlich die Thür aufgeriffen und herein stürmte ein junges Mädchen mit dem lachenden Rufe:
„Denk Dir nur, Mama, soeben ging Secretär Schnittchen vorüber und grüßte zu unß herauf, obwohl er mich gar nicht kennt!"
„So! Und hast Du denn gedankt?" lautete die Gegenantwort.
„Na, aber selbstverständlich," beeilte fich Thekelchen in völlig falscher Auffaffung der mütterlichen Frage zu versichern.
Der Herr Rechuungßrath hingegen harte dies kleine Intermezzo schweigend mit angehört, und jetzt griff er mit der Miene eines Mannes, der entschlossen ist, unter allen Umständen seine Pflicht zu thun, nach dem deutschen Eisen- bahnCurSbuchk.
Acht Tage später und sengende Hitze.
Auf der Ahlbecker Strandpromenade wankte — ein Bild deß Jammers — Herr RechnungSrath Pfeifer mit Frau
Culturtechniker 1800—2400 (1800—2400). — Kreißamt-, gehilfen 1200—2200 (1100—2200) — Gendarmerie-Ober- Wachtmeister 1800—2100 (1650—1914). — Gendarmerie- Wachtmeister 1550-1750 (durchschnittlich 1474). — Gen- darmen 1200—1500 (1188—1320). — Kanzletdiener und HauSbeschließer der Collegiengebäude 1600—1800 (1562). — LaodgestütSfuttermeister 1500—1800 (1540). — Büreau- beamter bei der LandeSuniverfität 1200—1800 (1400). — Büreau- und Registraturbeamte bei der Technischen Hochschule ebensoviel (1200—1600). — Kanzletdiener beim Ministerium des Innern und der Justiz 1500—1700 (1 zu 1562, 1 zu 1474). — Universität- - Btbliothekdiener ebensoviel (1650). — Univerfitätsdiener ebensoviel (1 zu 1540, 1 zu 1474). — Pedell der Technischen Hochschule ebensoviel (1350). — Hofbibliothekdiener und Museumsdiener ebensoviel (1474). — Ausseher im Arbeit-Haus Dieburg 1300—1700 (2 zu 1320, 3 zu 1100). — Hausverwalter im RegterungSgebäude und Kretsdtener zu Mainz 1300—1600 (1282). — HanSbe- schließ» im Collegiengebäude der LandeSuniverfität ebensoviel (1210). — Haußwärter im südlichen Collegiengebäude 1200-1500 (1210). — Kreißdiener ebensoviel (1100) — Anatomiediener ebensoviel (1100). — Wärter am phyfico- lischen Institut und Diener am chemischen Laboratorium der Technischen Hochschule ebensoviel (990). — Landgestütßdiener ebensoviel (1375 und 1210). — Gehilfe für mechanische Arbeiten und Diener der geologischen Landeßanstalt ebensoviel (1200). — Diener bei der Technischen Hochschule (einer für die Büßgänge und zwei Geschoßdiener) 1100—1350 (880). — Pförtner daselbst ebensoviel (840). — Pedellen an den Gymnafien. den Realgymnasien und der Ober-Realschule zu Darmstadt ebensoviel (2 zu 1100, 3 zu 990, 7 zu 880) — Seminardiener ebensoviel (946). — Diener bei der Oberen laudwirthschaftlichen Behörde ebensoviel (990). — Beretnßdieuer bei der Centralstelle für die Gewerbe ebensoviel (900). — Diener bet der La> deßbaugewerkschule eben- soviel (830). — Wärter bet dem Arbettßhaus Dieburg 900—1200 (800). — Kanzletdiener der Lande-universitär ebensoviel (500). — Diener an der Beterinäranstalt der LandeSuniverfität ebensoviel (750). — Pedellen an den Realschulen ebensoviel (2 zu 880, 12 zu 750). — Schuldiener an der Obstbauschule Friedberg ebenfoötel (700). — Ordentliche Professoren an der Landeßuniverfitäl 4000—6000 (durchschnittlich 4915), an der Technischen Hochschule ebensoviel
und Tochter einher- seit vier Stunden bereit- befand er fich auf der Wohnung-suche, ohne etwa- Paffende- zu finden. Nachgerade hatte er die Sache gründlich satt. Aber waß hals-? Nun war man einmal da in dem sandigen, fluoder- dustenden Neste, und wohin mußte man doch irgendwo.
„Da — wieder ein Bermiethung-zettel, Männe! Daß Hau- fieht hübsch aus, — so villenartig. Komm, laß uv- mal hineingehen."
Mit müden Blicken folgte Männe der bezeichnenden Hand- bewegung seiner Frau. Ihm war alles egal — mochte man dort auch nochmal Nachfragen. Thekelchen aber meinte prophetisch : „Die Wohnung ist ja doch viel zu theuer, da- fieht man bereit- von außen."
Deffeu ungeachtet schritt ihr Papa gravitätisch voran und zog die Hau-klingel.
Alsbald wurde die Thür geöffnet und Familie Pfeifer betrat einen halbduukleu, geräumigen Flur. Der dienstbare Geist, der den Eingang erschlaffen hatte, schien nicht hochdeutsch zu sprechen, denn er entfernte fich, ohne weiter Rede und Anwtort zu stehen.
Kopfschüttelnd pochte der Herr RechnvngSrath energisch an eine der Thüren, die fich im Flur befanden.
In demselben Augenblick wurde diese mit Vehemenz aufgeriffen, eine menschliche Gestalt von uusörmlichen Dimensionen stürzte mit ausgebreiteten Armen heran- und flog Herrn Pfeifer mit den Worten: „Da bist Du ja, mein lieber, alter Junge!" an den Hals.
„Aber erlauben Sie mal —" war alle-, toaß der also Bewillkommnete zu seiner Befreiung hervorzubringen vermochte.
Da ließen ihn die unbekannten Arme plötzlich los, deren Befitzer aber starrte geradezu mitleiderregend verblüfft auf Herrn Pfeifer, ehe er die anfklärenden Worte fand:
„Sie finds ja gar nicht! Verzeihung! Ich erwarte nämlich meinen Neffen, und da in dem dunklen Flur — bei meiner Kurzsichtigkeit —"
„Hielten Sie mich für den Neffen," lachte Herr Pfeifer nunmehr ganz besänftigt und rückte seinen Hemdkragen zurecht. „Kleine- Mißverständniß!"
(Fortsetzung folgt.)


