Ausgabe 
18.5.1897 Erstes Blatt
 
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stattfindenden Diner theilnehmeo, sowie vorauSfichtlich auch der Erst-Aufführung beiBurggrafen" beiwohueu.

Paris, 16. Mai. Die gesammte Subscript ion bei Figaro" beträgt 1,218,015 Frei, und wirb folgendermaßen vertheili: 1,078,435 Franc» für WohlthLtigkeitl Vereine, 84,887 FrcS. für bie Retter, 41,006 für die Familie Julian und 13,687 für die Familie Davib. Die Tubscription bei ,,Rappel" für bie Retter beträgt 14,980 Frcl.

Pari!, 17. Mai. Mabame und Mademoiselle Belaume find gestern ihren bei der Branbkatastrophe erlittenen Wunde» erlegen.

Pari!, 17. Mat. Der Erzbischof von Paris legte in allen katholischen Kirchen eine Subfcriptionlliste -um Ankauf bei Platzei ber Brand-Katastrophe auf.

Paris, 17. Mat. Die offtctelle Zahl ber bei bem Unter­gang bei französischen DampferiBatllant" umgekommenen Fischer beträgt 62, nur acht find gerettet.

Paris, 17. Mat. AuS türkisch officteller Quelle wirb gemeldet, baß die Division Oiman Pascha den Griechen vor Arta eine Niederlage betgebracht hat.

Kvnßa»ti»ope1, 17. Mai. Die Pforte erklärt in der gestern den Botschaftern überreichten Antwortnote, nicht eher in eine Einstellung ber Feindseligkeiten zu willigen, dti ber Waffensttllstanb in regulärer Weise auf ber Basil j ber von ber Türkei aufgestellten Frtebenlbebtngungen adge- | Woffen fei, welche in ber Herstellung ber früheren Grenzen, einer Entfchäbigung von 270 Millionen Francs, ber Revision aller Verträge unb in ber Auslieferung aller Verbrecher bestehen.

Cfrceks w*b prootwjktU#.

Gieße», ben 17. Mai.

* Zweite Kammer bet Landftande. Die auf ben 18. b. M. festgesetzte Sitzung ber Kammer finbet auf Wunsch der Herren ReichStaglabgeorbneten, welche zu einer wichtigen Sitzung an diesem Tag in Berlin fein müssen, nicht statt.

Parlamentarisches. Folgende Anträge find beider Zweiten Kammer der Stände eingegangen: 1. Des Abg.

del Inhalts, Großh. Regierung zu ersuchen, dahin­gehende Bestimmungen zu treffen, daß auch in solchen un- suchten Orten, in welchen sich Thterärzte befinden, durch die Großherzogltchen Bürgermeister ober Ortlviehbeschauer Ursprunglzeugntste ertheilt werden können, und daß diese Ursprungszeuguisie auch zum Austrieb aus den Btehmärkten Güiltigkeit haben insofern es sich um Landwtrthe handelt, welche ihre eigenen Thtere verkaufen wollen, nicht um Händler ohne daß jedes einzelne Thier nochmals gegen Zahlung von Gebühren durch den Thierarzt befichtigt wird. 2. Der Abg. Erk und Genossen, die Großh. Regierung zu er» 'uchen, die Subvention der Bienenzüchtervereine bei Groß- herzogthums aus jährlich 2000 Mk. zu erhöhen. 3. Der Abgg. Pitthan und Genossen, bie Kammer wolle Großh. Regierung ersuchen, dem Lanbtag eine Vorlage, ben Bau »tner «ahn von Wendellheim über Stetv-Bockenheim, Wonl- beim unb Sieserlheim nach Wöllstein betreffend thunlichst bald -»gehen laffen. 4. Der Abgg. Ulrich unb Genossen, bie Kammer wolle beschließe», bie Großh. Regierung zu er- suchen, den Ständen eine Vorlage aus Beseitigung der Polizei- stunde zu machen oder dieselbe eventl. auf dem Berordnungl- wege aufzuheben. 5. Des Abg. Köhler, die Holzbezugs- berechttgung der Gemeinde Gleimenhain aus dem dortigen Großherzogltchen Domaoial-Wald und die Verwaltung ber Großherzogltchen Domantal-Wälder überhaupt betreffend 6. Der Abgg. Köhler unb Bähr, ben Verkehr von Mtt- gltedern bei Reichstages in ben Wanbelgängen und Geschäfts- zimmern ber Zweiten Kammer betreffend 7) Ein Antrag bei Abg. Köhler, ber bie genossenschaftliche Organisation bei Bauernstanbes int Großherzogthum Hessen zum Gegen­stand hat.

* * Ehrenmitglied. Die belgische Soci6t6 de m^decine mentale in Brüssel wählte den Professor der Psychiatrie in G^ben, vr. R. Sommer, zum Ehrenmitglied. In den betreffenden Fachkreisen Belgiens wird zur Zeit die Frage des psychiatrischen Unterrichte! ber Aerzte erörtert.

Die leiben Prüfung!. Concerte ber Musikschule bei Fraulein Minna Körner sind am vergangenen Samltag unb Sonntag in schönster Weise verlaufen. Am ersten Tage zeigten die Anfänger ihr Können, am zweiten bie Fort­geschritteneren unb bie auf höherer Stufe sich bereit! Befind­lichen. El war eine Freude zu hören, mit welchem Eifer Groß und Klein ihre gestellte» Aufgaben absolvirten, die strenge Schule, in der die Lehrerin selbst gebildet, hatte sich in glücklichster Weise aus die Zöglinge übertragen. Niemals wurde ber Hörer durch Flüchtigkeiten oder Unacht- lamkeit gestört, dal, was geboten wurde, war eben fertig unb nicht nur von ben Fingern, sondern auch von dem Geist de! Schülers erfaßt worden. Ueberrascht waren wir, daß alle Aufgaben auswendig gelöst wurden und zwar von Alle» ausnahmslos, da! ist ein Erziehungsresultat, auf welche! Frl. Körner mit besonderem Stolz blicken kann und ein Beweis für die Vorzüglichkeit ihrer Lehrmethode. Hinzuzufügen haben wir noch, baß bie Klavier-Soli angenehm durch andere Vorträge unterbrochen wurden, bei denen eine junge Sängerin sehr beachtenlwerthe Leistungen bot unb einige kleine Instrumentalisten sehr brav ihren Part ausführten.

* Fußball-Sport. Zahlreich hatten fich gestern auf dem Trieb die Zuschauer eingefunben, nm bem Fußball-Match Marburg gegen Gießen beizuwohnen. Die Mannschaft der Marburger freien studentischen Spielvereiaigung hielt fich ganz vorzüglich. Die Gießener Mannschaft, welche sich gegen bo« vergangene Jahr sehr gemacht, wehrte mit Bravour ben Angriff der Gegner ab, so daß e! ihr gelang, das Feld zu behaupten und der Match resultatloS verlief, obgleich die übliche Spielzeit um 15 Minuten verlängert wurde.

25 Jahr zur Mielhe. Der Werkmeister Ludwig Haubach wohnt fett 25 Jahren im Hause Wetzsteinstraße 25

| zur Miethe. Seit 22 Jahren ist ber Braueretbesitzer Förtsch Elgenthümer bei Hauses. So sehr fich ber Mtether gegen einen Auszug au» den ihm lieb geworbenen Räumen bisher wehrte, jetzt nach einem Vierteljahrhunbert muß er doch an einen Umzug benfen, weil seine Arbeitgeber eine Wohnung für ihn im Fabrikgebäude Herrichten ließen.

* Unfall Gestern Paffirte aus der Rennbahn ein I Unfall. Eia achtjähriger Knabe versuchte die Bahn zu I queren, obgleich er sah, baß mehrere Rennfahrer biese be­nutzten. Der Vorwitzige würbe umgefahren und im Gesicht I verletzt, aber auch der Fahrer kam zu Fall und verletzte fich | die Hand.

Ans der Internationale» H»nde.«»sfteü»»g in Frank- I fnrt a. 8L erhielt Herr Metzzermeister Fritz Schreiner hier für seine deutsche kurzhaarige VorstehhündtnBetty" I den zweiten und dritten Preis. Ein brahthaariger Foxterrier I des Herrn stud. vet Reis- Gießen bekam einen zweiten Preis.

Znr Warnung. Wir erhielte» folgenbe Zuschrift: Am gestrigen Sonntag-Abenb wurden auf der Heimfahrt von Ltch nach Gießen zwei Wagen, welche in der friedlichsten »»d ruhigsten Weise ben Ort Steinbach pasfirten, von Bewohnern'genannten Ortes ohne irgenb welche Veranlassung mit Steinen bombarbirt. Glücklicherweise verlief bie Attacke ohne nachtheilige Folgen für die Betheiligten, was nicht der Ungeschicklichkeit der Steinwerfer zu danken ist, sondern einzig und allein dem Umstand, daß der zuletzt fahrende Wagen Decke und Jalousien hatte, welche die Wurfgeschosse auf- fingen. Nicht unerwähnt möge bleiben, daß der Polizei- diener des Ortes dem Vorfall zusah, ohne bem Unfug zu steuern. Man sollte boch meinen, baß in unserem auf­geklärten Zeitalter berartige Vorfälle fich nicht mehr ereignen könnten ober doch Mittel unb Wege gefunben werden könnten, um einem solchen Gebühren zu steuern. Anzeige bei ber zuständigen Behörde wird nicht unterlassen werben.

Verkehr,nattz. Der 9 Uhr 14 Min. AbenbS in Gießen abgehenbe v-Zug 74 soll versuchsweise vom 26. Mai ab um 9 Uhr 50 Min. auch in Friedberg anhalten. Bisher hielt er nur in Bad-Rauheim.

* Platzkarte» in v-ZLgen für Bayer». Nun hat fich das Ministerium für Verkehr in Bayern doch entschlossen, facultative und obligatorische Platzkarten in den Schnellzügen (gewöhnlichen und V-Zügen) etnznführen. ES ist dies ein Act besonderen Entgegenkommens des Ministers v. Erailshetm gegen ben preußischen Etsenbahnmlnister to. Thielen, der seinen bayerischen Collegen besonders ersucht hatte, eS möge in dieser für die preußischen StaatSbahurn wichtigen Sache endlich größeres Entgegenkommen gezeigt werden. Dies geschieht jetzt, indem ab 1. Juli für ben Innerbayerischen Verkehr facultative Platzkarten eingeführt und auf vorherige Anmeldung den Passagieren die von ihnen gewüllschten Plätze gegen Zahlung einer ZufchlagSgebühr reservirt werden. Für die durchgehenden Schnellzüge (V-Züge), die Anschluß au die preußischen Bahnen haben, wird die Lösung von Platzkarten auch für die bayerische Srrecke obli- gatorisch. In gleicher Weise werden die sächfischen Staats- bahnen Vorgehen. In Bayern kommen für obligatorische Platz­karten die Schnellzüge nach unb von Berlin Über Regensburg- Hof und Rümberg-Probstzella in Betracht.

Schülerkarte» für Erwachsene. Der Minister der öffent­lichen Arbeiten hat genehmigt, daß im ganzen Bereiche der preußischen Staatsbahnen auch solchen Besuchern von Gewerbe-, FortbilduvgS- unb Fachschulen, bie bereits In vorgerücktem Alter stehen oder sich ihren Lebensunterhalt selbstständig er­werben, Schülerkarten verabfslgt werden können, wenn die sonst für die Ausführung von dergleichen Fahrten gelten- den tariflichen Bedingungen erfüllt find.

Auf nach Bidinge»! Der bereit! mttgetheilte, namentlich von den älteren Herren, welche da! Gymnasium in Büdingen besucht haben, mit Freuden begrüßte und seit 25 Jahren gehegte Plan, in 1897 Ablauf von 75 Jahren feit Erhebung dieser Lehranstalt zum Staatsgymnafium ein zwanglose! Zusammenkommen zu veranstalten, soll nun In der Pfingftwoche am 10. und 11. Juni zur Aul- führung kommen, welche Tage auf vielseitig geäußerten Wunsch (Geistliche) unb wegen bei Bübingener Schützenfestes am 8. und 9. Juni gewählt werden mußten. Es handelt sich dabei nicht um eine eigentliche Schulfeier, wie sie im Jahre 1872 festlich begangen wurde, sondern vor Allem um ein Zusammensein mit alten und jungen Kameraden in dem lieben Büdingen, welche! längere oder kürzere Zeit ihnen eine Heimstätte gewesen ist, inmitten hoher Gönner, treuer Freunde und der werthen Bürger ber Stadt, die bereit ftnb, die Gäste (auch Damen) herzlich zu empfangen. El wird für Diele ein frohe! Wiedersehen sein im lieblichen Thal, im sonnigen Glanze, auf Bergeihöhen, im Waldes­grün, unb alte Bekannte werden in gemüthllcher Welse bie Tage verleben. Vorgesehen find ein festlicher Zug durch die Stadt, Festessen, Spaziergänge über den Wilden Stein in» Jägerthal 2c., nach der Schützenhalle auf dem Hammer, sowie in den Thiergarten, gesellige Zusammenkunft im Rathhaus­saal mit Freunden und Freundinnen der Stadt u. s. w., worüber ein Programm noch aufgestellt werden wird, welches am 1., 2. ober 3. Juni in derDarmstädter Zeitung" steht. Wir laden nun alle ehemaligen Angehörigen des Büdinger Gymnasiums zur Betheiligung an der Feier ein und bitten dieselben, bis spätestens zum 1. Juni durch Postkarten an die Adresse der Herren A. Baist, Offenbach a. M., Löwen­straße 2 oberSchatzmeister" Münch, Apotheker, Nidda (Oberhessen), ihre deSfallfige Absicht nebst Angabe ihre! Schul- jahrgang! zu erkennen zu geben. Dies ist wegen des sehr zahlreichen Besuche! nothwendig, damit da! Wohnungscomits für etwa gewünschte Logi! sorgen kann und für Speise und Trank auf den Spaziergängen Vorkehrungen getroffen werden. Auf Wunsch wird Wagen besorgt. Die Sckützrngesellschaft ist sehr erfreut, daß einige frühere Gymnasiasten an dem Schützenfest theilnehmen wollen. Die ia letzter Zett täglich einlaufenden Anfragen hiermit beantwortend mit sreunblicher Begrüßung unb ber Hoffnung auf frohe! Wiedersehen!

Warnung vor Gelddarleiher» in Lmtbo». Eine Firmer W. Gunther u. Eo. in London WC., 10 Featherstone Bmldiogs, Holborn, versendet nach Deutschland gebrückte Prospecte in deutscher Sprache, wonach siegroße, zu ihrer Verfügung stehende Kapitalien" an Personen, die fich in Geldverlegenheit befinden, gegen einfache Unterschrift und I 6 pEt- Ztose» bei vorheriger (Stnfenbimg einer Provision oon 2 Mk. anlzuleihen sucht. Form und Inhalt bei Pro- spectS, in dem fich zahlreiche Sprach- und Schreibfehler finbeu, lassen keinen Zweifel barüber bestehe», baß es lediglich daraus abgesehen ist, leichtgläubige Personen um die Proviflon von 2 Mk. zu schädige». Da fich immer wieder Leute finden, die sich durch solche handgreiflichen Betrügereien bethören lassen, so kann vor Anerbietungen dieser Art nicht dringend genug gewarnt werden.

M 3" ®*etift verstorbene Hesse». In Wheeling, W. Da. l A« 5. April Satharina Schnell, 74 I., aus Hessen-Darm- stabt. In PittSburg, Pa.: Am 4. April Peter Lohnes- 52 I., aus König- Heinrich Rahn, 61 I., aus Hessen, Darmstadt. In Black Hawk Lounth, WtS.: Carolina Peter, 93 I., aus Sellnrod. In Baltimore, Md.: Johann Heinrich Diehl, 68 I. aus Gedern. In Highlandtown: Heinrich Frank, 71 I., aus Heffen-Darmstadt. In Brooklin, R.-B.: Ernestine Schäfer, 69 I., au! Grüniugeu. In St. Paul, Minn: Georg Seibert, 51 I., aul Kleinzimmern. Ja Johvltown, Pa.: Heinrich Troß, 84 I., au» Geiß- Nidda- Conrad Pro deck, 76 I., au» Heffen-Darmstadt. In Mc Ker»port, Pa.: Heinrich Ehrhardt, 33 I., au» Heffen-Darmstadt. In West Sand Lake, N.-y.. Johann Scheer, 85 I., aus Oberglenz. In Perry, Jll.: Martin Jacob Schaffnit, 79 I., au» Bern»burg.

«» Wechselstempelfieuer gingen im Oberpostbirectioo». bezirk Darmstabt im April b.I. Mk. 14,025.30 (Mk.692.20 mehr als im April v. I.) ein.

* * Wetterbericht. Das barometrische Maximum hat von Norben her an Intensität gewonnen unb erstreckt fich heute von seinem Kerne über Skandinavien ein breiter Rücke» hohen Druckes südwärts über die britischen Inseln unb über Frank- reich bis zum Biskaya-See. Im Südosten hat ficy aber die Haupt-Depression wieder Dertieft unb gleichzeitig bildete sich am Südabhange der Alpen ei» Theil-Minimum aus. In- folgebeffen ist das LuftbruckgefSlle von unserem Gebiete gegen Süden über die Alpen hin sehr beträchlich und ist das Wetter in Süddeutschland trüb unb kühl mit Regen unb Schnee- fällen. Voraussichtliche Witterung: Meist unbe- ständiges Wetter.

E. Echzell, 14. Mai. Fünfzig Jahre find verstriche», seit der hiesige ältere GesangvereinLiedertafel" seine Fahne erhielt. Das ehrwürdige SäNgerpanier hat unter- dessen manchen Sturm erlebt und ist kaum noch transportabel. Darum hat liniere wackere Sängerschaar beschlossen, eine neue Fahne zu beschaffen und setzte zu diesem Zwecke eine Sammelliste in Umlauf. Binnen kurzer Zeit brachten unsere opferwilligen Mitbürger die ansehnliche Summe von 300 Mk. zusammen. DieLiedertafel" hatte 150 Mk. nach unb nach gesammelt, so baß ein prächtiges neues Panier bestellt »erben konnte, dessen Weihe am Sonntag nach Pfingsten mit bet Feier des goldenen BereinSjublläumS vorgenommen werden soll. Etliche fünfzig Einladungen find an die Sängerverbänbe und -Vereine ergangen und einige dreißig Zusagen liefen bereits ein. Weitere werden erwartet. Eine besondere Ehrung ist für diejenigen Mitglieder vorgesehen, die 6er fünfzig Jahren bei Einweihung der ersten Fahne mitfangeo.

Nidda, 12. Mai. Eine wunderbare Bewahrung bei einem Sturze aus beträchtlicher Höhe erfuhr hier ein elfjähriger Knabe. Er lehnte auf der Brüstung eines Mansardenfenster» im dritten Stock, al» dieselbe wich. Der Knabe stürzte hinab, überschlug sich in ber Luft unb kam, an einem halboffenen Fenfterlaben unb einem Schellenzuge vorüberfallenb und zwischen an Pfähle gebundenen Rosen- stöcken hindurchfallend, in einen Kasten mit Blumenpflanzen zu fitzen, dessen Rückleifte er durchschlug. Außer einigen Quetschungen am unteren Rücken, die schon am zweiten Tage schmerzlos wurden, trug der Knabe weder eine Verletzung noch eine Erschütterung davon. Die Höhe, von ber er herab- gestürzt, beträgt 9,5 Meter.

4~ Nidda, 16. Mai. Gestern Abend wurde von einem Anhänger der Stolze'schen Schule au» Gießen ein Unter- richtScursuS dahier begonnen, zu welchem fich eine Anzahl junger Leute von hier al» Schüler eingefunben haben. Der Unterricht erfolgt gratis.

H. Ans ben Horloffthale. 16. Mai. Mehrere Fuhrleute brachten allerlei Ladung nach Friedberg. Der eine stürzte von feinem Wagen unb da» Rad ging über beide Ober­schenkel. Entsetzt schrieen die anderen Fuhrleute ben Pferden des Gestürzten Oha! Oha! zu und augenblicklich standen die Thtere still. Aber das Rad blieb gerade über dem Beine de! Gestürzten stehen. Vorfichtig fuhren die Fuhrleute den Wagen einen Schritt weiter, hoben ben Ueberfahrenen auf und brachten ihn zum nächsten Arzte nach R. Der lieber- fahret» hatte große Schmerzen unb er, sowie seine Begleiter glaubten, bie Knochen müßten kurzkrümmelklein gefahren sein. Der Arzt untersuchte ben Abgestürzten unb erklärte schließ­lich : efl ist nicht» caput k Nur eine Quetschung und Schürfung hat stattgefunden, das wirb aber bald wieder heilen. Der verletzte und die Begleiter waren hoch erfreut unb außer­ordentlich erstaunt und glaubten kaum, baß e» so gut abge­gangen fein könnte, weil da» Wagenrad noch auf bem Beine stand.O!" sprach ber erfahrene Arzt,da» bout all naut! ES geht nicht» über gesunde Wetterauer Knochen."

* Frankfurt a. M, 14. Mai. Die beiden Küfergeselle» Schulz und Zitzmann, welche in ber Osternacht in be­trunkenem Zustande dem Denkmal Karl» de» Großen auf der alten Sachsenhäuser Brücke die rechte Hand mit den Reich»- schwerte abschlugen, stauben heute vor ber Strafkammer und