gesehen: Zur Zeit, al- die Herrscher von Schönecken ihr unfern des Fleckens auf steiler BergeShöhe gelegenes Schloß bewohnten, fanden fich in Schönecken 14 Junker (Rittergutsbesitzer), welche nach damaliger Sitte der Vornehmen und Edlen außer ihrer gewöhnlichen Bedienung noch einige Leute zur Besorgung ihrer Commissionen hielten, die sie Läufer nannten. Wie es nun bei Rittern und Junkern keine Seltenheit war, daß sie wegen Geringfügigkeit in Zank und Fehde geriethen, so entstanden auch unter diesen bei ihren Zechgelagen oft Neckereien und Streitigkeiten ihrer Läufer wegen, da jeder den schnellfüßigsten haben wollte. Diese- führte meist zu W tten, in Folge deren die Tüchtigkeit der Läufer erprobt wurde. Dieses Wettlaufen wurde so allmählich zu einer Belustigung für die Junker und das Volk und fand dann regelmäßig an bestimmten Tagen und meistens zu Ostern statt."
Diese „historische Grundlage" klingt aber etwas fabelhaft. DaS Eierlesen ist weiter nichts als ein symbolischer Wettstreit zwischen dem erwünschten Frühlinge und dem ungern gesehenen Winter. Bet allen solchen Jahrzeitkämpfen trugen die beteiligten Personen gewisse Costüme, um den persönlich dargestellten Sommer und Winter zu characte« risiren, und w<e eS überall auf den bejubelten „Sommer- gewinn" abgesehen war, so begeistert man fich bei den Osterspielen in erster Linie für das siegreiche Hervorgehen deS EierleserS, der mit seinen bedeutungsvollen Producten den naturbelebenden Lenz versinnbildlichte. Um diesen belohnenden Ausgang des Kampfes noch sicherer zu machen, setze man in manchen Otten Württemberg- ehemals den „Eierritt" ins Werk, der entweder um oder zu Ostern ftattfindet. Die von den mitspielenden Mädchen zu opfernden Eier wurden einzeln auf etwa 100 Pfähle gelegt, welche vom WirthShause an läng- der Straße in gehöriger Entfernung in den Boden gerammt waren. Jeder derselben war am öderen Ende mit einem Blumenkränze verziert uod wußte so hoch emporragen, daß ein etgenö auSersehener Reiter, der ebenso wie sein berittener Gegner eine auffällige Tracht zur Schau tiug, vom Pferde aus jedes einzelne Ei leicht zu erreichen vermochte.
Während diese Ostereierspiele mehr zur Ergötzlichkeit erwachsener Dorfbewohner vorgenommen werden, so giebt eS anderwärts auch solche, mit denen fich ausschließlich die
Jugend vergnügt. Sind die Kinder im Besitze der ausgesuchten Ostereier, deren Zahl fich noch beträchtlich durch diejenigen vermehrt, welche fie von ihren Pathen empfangen, so geht es an das vtelgeübte „Eierpicken", indem fich immer zwei zusammenthun und ihre Eier mit den spitzen oder stumpsen Enden gegeneinander stoßen. Abwechselnd hält der eine oder der andere Spieler sein Ei hin, so daß der Gegner den Stoß aussühren kann. Weffen Ei dabei zerbricht, der verliert und muß dem Gewinner eins abgeben.
Die Doigtlävder, welche diese harmlose Sitte noch ziemlich lebenskräftig erhalten haben, sprechen vom „Eierhärten". Schon vier Wochen vor Ostern sehen fich die Knaben nach harten Eiern um und bezahlen solche Exemplare, die eine recht widerstandsfähige Schale aufweisen, mit 10 bis 20 Pfg. Beim Erscheinen des Osterfestes versammelt sich nun die Jugend auf dem Markte, wo das Härten beginnt. Ehe jedoch ein Knabe mit seinem Gegner das Spiel in Szene setzt, nimmt er das Ei des Gegners und pocht damit gegen seine Zähne, wobei ein Ohr fest zugehalten wird, um die Stärke der Schale zu prüfen. Glaubt er seinem Ei eine festere Schale zutrauen zu wüffen, so härtet er mit dem Gegner „auf Rück und Spitz" ober bloS „auf Rück ober Spitz", b. h. beibe schlagen entweber sowohl mit ber Spitze als auch mit dem flachen Ende zusammen. Der, bissen Eier, schale einbricht, hat die Wette verloren. Zuweilen kam es vor, daß einzelne Schlaumeier mit Pech ausgesüllte Eier ge- brauchten. Wehe dem jedoch, wer bas Unglück hatte, seine Mogelet entdeckt zu sehen! Unter allgemeinem Jubel wurden ihm faule Eier auf den Pelz geworfen und das sofortige Vertreiben vom Spielplatze folgte noch obendrein. Mit der Zeit hat überhaupt diese österliche Belustigung abgenommen, weil die gestrenge Polizei solch „groben Unfug" nicht mehr dulden will.
Die angedeutete Widerstandsfähigkeit der Ostereierschale sucht man in verschiedenen Gegenden auch noch auf andere Weise zu prüsen, nämlich durch das weniger bekannte „Eierrollen". So legen die Kinder der Eifelortschasten ein Ei on baß obere Enbe einer aus Eichenbaumrinde gebildeten Rinne, die an einem Feldabhange befestigt ist und lasten es ungehindert hinabrollen. Unterhalb dieser Rinne sind die Eier der übrigen Spieler der Reihe nach hingelegt. Dasjenige, welches durch den Anstoß deS herabrollenden zerbricht, gehört
dem Kinde, weiche- seins rollen läßt. Zerbricht aber das hinabrollende, so gewinnt da- Kind, an deffen Ei eS den Anstoß erhielt.
Auch erzählt Pröhle aus dem Uaterharz, baß dort die Kinder Ostererer im Wettspiel einen Wiesenabhang hinabrollen lassen. Mit diesem Spiel wirb oft der ganze Osternach- mittag vollbracht, und mancher Glückspilz hat alsdann soviel Eier gewonnen, daß er fie in Körben nach Hause schaffen lassen muß. Einen großen Theil derselben opfert er auch wohl zu einem EierschmauS, an dem sich auch die übrigen Burschen und Mädchen unter Trinken, Tanzen, Singen uod Scherzen bis in die Nacht hinein betheiligen. In Schottland ist dieses merkwürdige „Eierkullern" ebenfalls zu Ostern üblich, und in einigen Gegenden Oldenburgs wirft man auf Wiesen und anderen weichen Rasenplätzen mit Ostereiern um die Wette. Wer am weitesten wirft, der gewinnt somit die Eier ber übrigen Mitspieler. Auch im nördlichen England pflegt man die Ostereier wie Bälle spielend in die Höhe zu werfen.
Da- „Eierschieben", in der Eifel üblich, weicht von den vorerwähnten Bräuchen merklich ab. In der Anzahl dec Spieler werden nämlich Grübchen in eine abgeplattete Erb- stelle gebohrt, um jedes mit einem Ei au-zusüllen. Nun wird der Reihe nach mit einem runden, weichen Gegenstände nach den Eiern geschoben. Wer ein Ei trifft, ber wirb Besitzer besselben.
Noch unähnlicher ist biesrn sonderbaren Bräuchen baS im Erzgebirge und im böhmischen Kreise bräuchliche „Eierlaufen", in Oesterreich auch „Eierpeitschen" genannt. Unter* nehmende Knaben gehen tatet mit der bänbergeschmücktcn Eierpeitsche von HauS zu HauS, sogen ein Sprüchle n her und empfangen Eter ober Geld. Junge Burschen gehen schon in der Nacht zum ersten Ostertage zu allen lebigen Mäbchen „aufpeitschen". Diejenige, welche btc meisten Eier giebt, wirb beit nächsten Sonntag am fleißigsten zum Tanze geführt.
AuS allen tiefen vargeführten „Ostereierspielen" beweist ber dabei geführte Wettkampf, daß dieselben Ucbenefte jener heidnischen Frühling-feierlichkeiten sind, durch welche man den Kampf zwischen „Sommer" und „Winter" zu verherrlichen bemüht war. DaS Ei al- echte- Symbol de- wieder- erwachenden NatuclebenS spielte habet natürlich eine sehr wichtige Rolle.
Bekanntmachung,
betr. Pariser Weltausstellung im Jahre 1900.
Im Anschluß an unsere Bekanntmachung vom 16. November v. I. in rubr. Angelegenheit machen wir darauf aufmerksam, daß die Anmeldungen zur Betheilioung als Aussteller gemäß Weisung Großherzogi. Ministeriums vor dem L Juli dieses Jahres zu bewirken sind.
Bis zu diesem Zeitpunkt sind wir zur Entgegennahme solcher Er- klärungen bereit.
Anmeldungsformulare und sonstige, die Weltausstellung betreffende Drucksachen sind bei uns erhältlich. 3829
Gießen, den 17. April 1897.
Grotzherzogliche Handelskammer.
Koch.
Iubiläums-Stipendien-Btistung zu Ehren der 25jährigen Regierung des höchstseligen Grotzherzogs Ludwig III.
Aus obiger Stiftung, welche bezweckt, daß aus den Kapitalzinsen drei junge Leute, und zwar aus jeder der drei Provinzen Einer, eine gleichmäßige Subvention zu den Kosten ihrer Ausbildung auf einer höheren Bildungsanftalt erhalten sollen, sind für das Jahr 1897 drei Stipendien zu vergeben.
Das Stipendium kann aus drei Jahre ausgedehnt werden; es können jedoch nur Angehörige solcher Gemeinden berücksichtigt werden, welche Beiträge zu dieser Stiftung geleistet hab'-n.
Hiernach berechtigte und befähigte junge Männer, welche zum Zwecke ihrer Ausbildung eine höhere Bildungsanstall besuchen oder besuchen wollen, und sich um das Stipendium zu bewerben beabsichtigen, sind eingeladen, ihre Gesuche, mit den nöthigen Zeugnissen belegt, durch ihre betr. Bürger- meisteret an die Bürgermeisterei der Hauptstadt ihrer Provinz, also aus Orten der Provinz Starkenburg an die Bürgermeisterei Darmstadt, aus Rheinhessen an die Bürgermeisterei Mainz, aus Oberheflen an die Bürgermeisterei Gießen bis längstens zum 1. k. M. gelangen zu lassen.
Darmstadt, Mainz, Gießen, den 9. April 1897.
3810 Das Curatorinm:
Morneweg, Dr. Gassner, Gnauth, Gr. Oberbürgermeister. Gr. Oberbürgermeister. Gr. Oberbürgermeister. Heinrich Sack
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Bekanntmachung.
In den nächsten Tagen gelangt der am 1 Mai d. I. in Kraft tretende Sommerfahrplan des bisberigen Directionsbezirks Frankfurt a. M., sowie derjenige der Oberbessischen Eisenbahnen und der Strecken dcr früheren Hessischen Ludwigs- bahn, welche am 1. Avril d I in den DirectionSbezirk Frankfurt a. M. übergegangen sind, zur Ausgabe. Die Fahrpläne liegen in der Zeit vom 17. d- M. bis 1. Mai d- I in den Bureaus der Stationen des bisherigen und des neuen Directton?bezirks Frankfurt a. M. zur Einsichtnahme offen Die wichtigeren Abweichungen gegen den seitherigen Fahrplan sind darauf in einer Zusammenstellung angegeben. Die Herausgabe des kleinen Placatfahrplanes der sämmtl'chen Strecken der früheren Hessischen Ludwigs bahn erfolgt durch die Königlich Preußische und Großherzoglich Hessische Eisenbahn» Direction Mainz.
Frankfurt a-M., den 14 April 1897. 3800 Königliche Etsenbahn-Direction.
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