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Der Menet Anzeiger erscheint täglich, eit Ausnahme bei Montags
Die Gießener /««ttienvtüller »erden dem Anzeiger »öchmtlich dreimal beigtlegL
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Gießener Anzeiger
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Mittel, Stenden und ?n Glanz, e*all nicht an wie Putzpomade! utachten von eideten Chemikern i8t 1714
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Aentlichan Tysit Bekanntmachung.
Der ProvinzialauSschuß der Provinz Oberhessen hat für die Jahre 1897—1900 zur Landekcommisfion für die Einkommensteuer gewählt:
als Mitglieder:
die Herren Stadtverordneter Heinrich Vogt, Gießen, Bürgermeister Bopp, Bellersheim, Georg Steinhäuser, Friedberg -
al- Ersatzmitglieder:
die Herren Mühlenbefitzrr W. Erk, Nidda, Bürgermeister Fendt, Schotten.
Gießen, den 14. April 1897.
Großherzogltche Provinzial-Direction Oberhessen, v. Gagern.
Gießen, den 15. April 1897. Betreffend: Den Wiesengang.
Sei Großherzogltche Kreisamt Gießen
mr die Grstzh. »ürgermeiftereie« des «reifes.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 1. März l. I. — Gießener Anzeiger Nr. 53 — noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung binnen fünf Tagen erinnert.
v. Gagern.
Gießen, 15. April 1897.
Betr effend: Die Einführung des Turnunterrichts an den Volksschulen.
Die
Vroßh. Kreis-Schulcommission Gießen
au die Schulvorstände des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 18. März l. I. — Gießener Anzeiger Nr. 68 — noch nicht nachglkommen sind, werden an deren Erledigung erinnert.
v. Gagern.
CoceUs rrird provinzielles-
n. Reichelsheim i. d. W., 14. April. Unsere Molkereigenossenschaft kann mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr recht wohl zufrieden sein- denn der Gewinn belief sich darin
FcnMatsn.
Bstereierspielr.
Von F. Kunze.
(Nachdruck verboten.)
ES war ein erhabener Gedanke, daß die christliche Kirche daS Osterfest mit seiner Erinnerung an die große Thatsache der TodeSüberwindung in die Zeit des JahreS verlegte, wo auch die Natur da- Leichentuch des Winters abwtrft und der Lenz mit zartem Finger leise an die Erde pocht. ES ist begreiflich, daß man bereit- im Hetdenthum mit dieser alljährlich wiederkehrenden Zett deS Erwachens tm Natur« leben das thierische Et, daS Sinnbild des verborgenen schlummernden Lebens und der erneuernden Auferstehung, in nahe Beziehung brachte. Gerade daS Ei, aus welchem auf gehetmnißvolle Weise ein neues Leben hervorgeht, bot der Naturbet'achtung unserer Alten ein Räthsel, „denn eS ist gefügt, ohne Naht und Draht, ohne Reife und Bänder, so daß man weder Anfang noch Ende sieht". Die brahminischen Bücher der Ucreltgion, ebenso wie unsere Bibel mit der Geschichte der Weltschöpfung beginnend, berichten, daß daS ewige Wesen durch einen Gedanken (Logos) zuerst daS Wasier geschaffen und dann den vielvermögrnden ZeugungS- ftoff in daffelbe gethan habe. Aus diesem göttlichen Urgemtsch habe sich nun das Ei gebildet, in welchem Brahma zur Entwickelung gekommen sei, um schließlich die Schale zu zerspalten, aus deren beiden Hälften sich Himmel und Erde gestaltet hätten.
Weil das mystische Et ein Symbol des Anfangs, ein verkapseltes Bild des großen Weltalls ist, in welchem nicht mur der Keim „aller Dinge", sondern die allmächtigen Gölier s elbst der Entwickelung harren, so fällt eS uns nicht schwer, mlle die nachfolgend beschriebenen Spiele mit Ostereiern auf
auf 15860 Mk. 28 Pfg. Der Vorstand schlägt vor, hiervon 12700 Mk. als Nachzahlung für gelieferte Milch an die Genossen, welche für das Procent Fettgehalt im Liter der gelieferten Milch einen festen Preis von 2% Pfg. beziehen, zu nerthetlen. Der Reinertrag aus Molkereiproducten betrug 39749 Mk. 98 Pfg. In der Bilanz vom 31. December 1896 balanctren die Activa und Passiva in der Höhe von 80205 Mk. 90 Pfg. Die Molkerei wurde am 1. Februar 1893 eröffnet und erzielte in den vier Jahren ihres Bestehens einen Ge- sammtgewinn von 56353 Mk. 47 Pfg., wovon in dieser Zett 10311 Mk. 78 Pfg. für Abschreibungen und 14220 Mk. 97 Pfg. für Neuanschaffung von Maschinen verwendet wurden.
F. AuS dem Kreise Friedberg, 15. April. Nachdem die kalte Zeit und daS Gefrieren wohl vorüber ist, stellt sich heraus, daß die Arbeiten an dem neuen Bahnkörper, besonders auch die Maurerarbeiten, sehr gut gerathen sind, wie eS ähnlich von den übrigen Arbeiten vor etlichen Wochen tm „Gießener Anzeiger" gemeldet wurde. Die neue Güterhalle wird sehr gefördert und wird rechtzeitig vollendet. Damit die Reisenden, die in die Wetterau reisen oder von dort kommen, nicht über das Schienengrleise zu laufen haben — was auch sehr gefährlich ist — wird ein Tunnel unter dem Geleise nach der Einstiege gesührt werden. DaS Legen der Schwellen und Schienen geht von Nidda hierher zu ununterbrochen voran.
B. Aus dem Kreise Büdingen, 15. April. Nicht weniger als 22 Gemeinden in unserem Kreise haben, wie das soeben erschienene Umlogeverzeichmß darthut, noch ältere Kriegsschulden zu bezahlen, die zum Theil bereits seit 100 Jahren entrichtet werdrn und im Jahre 1796 tm Franzosen-Kriege entstanden find. Die geringsten Gemeindesteuern hat Himbach bei Lindhelm. ES braucht nur 1000 Mk. und kommt mit 7,248 Psg. Ausschlag auf die Mark durch. Am stärksten ist Schwickartshausen belastet- eS muß 6000 Mk. beschaffen und der Beitrag auf eine Mark Normalfteuercapital beträgt 65,920 Pfg.
Mainz, 11. April. In der Familie eines in der Rothen« kopfSgaffe wohnenden Gürtlers ereignete fich ein Unglücks- fall, durch den wahrscheinlich das zweijährige Söhnchen daS Leben eiubüßen wird. In der Küche war Mutter und Kind allein anwesend. Die Mutter hatte einen Topf, gefüllt mit kochendem Waffer, vom Herd abgehoben und wollte den Inhalt auf eine Bütte Wäsche schütten, als ihr das Kind in den Weg lief, wodurch fie stolperte und den Topf fallen ließ. DaS kochende Waffrr verbrühte daS Kind derart, daß ihm die Haut auf dem Rücken und am G:säß in Fetzen herab« hing. Das in Lebensgefahr schwebende Kind wurde in hoffnungslosem Zustande in daS Spital verbracht.
natürliche Ursachen zurückzuführen. Hierher gehört in erster Linie daS sogenannte „Eierlesen", welches früher besonders in Süddeutschland weit und breit bekannt war, heute aber nur noch vereinzelt austritt. ES ist eine Art von Wette, welche zwei Parteien miteinander eingehen. An die Spitze jeder Partei stellen fich die Kämpfer, die behufs Uebernahme ihrer Rollen daS LooS werfen. So muß nämlich in Schwaben der eine Wettende von einem bestimmten Platze, gewöhnlich aus dem nächsten Orte, einen Säbel, einen Zweig, ein Stück Gebäck oder sonst etwas holen, während der gegnerische Kämpfer eine Anzahl von mindestens 100 Eiern aufzulesen hat. In einigen hessischen Ortschaften findet bet gutem Wetter dieses originelle Eierlesen noch heute am zweiten Ostertage statt. Lincker gibt nachstehende Beschreibung des Vergnügens: „Am Tage zuvor gehen einige junge Burschen im Dorfe von HauS zu Haus, Eier zu sammeln- zwei tragen Körbe, die andern sagen die Bitte her. Am solgenden Tage ziehen Burschen und Mädchen unter Musikbegleitung auf eine lange, ebene Trift vor dem Walde, wo die Eier Stück um Stück in eine oder wenn die Anzahl groß ist, in zwei Reihen aus« gelegt werden. An daS obere Ende stellt fich .die Musik und nun läuft einer von den Burschen von da zum unteren Ende und holt da- letzte Et und dann, immer eins nach dem andern, die nächstfolgenden. Währenddem läuft ein anderer nach der eine halbe Stunde entfernten Ortschaft, wo er au- dem ersten Haufe, welches er erreicht, ein Zeichen seiner Anwesenheit, einen Besen oder waS ihm am schnellsten zur Hand ist, mitnimmt. Wer mit seiner Ausgabe zuerst fertig ist, hat den Sieg und die Ehre deS Tages und wird unter Musik und Jubel durch- Dorf und zum Tanze geführt, wobei die Eier gebacken und zum Tanze gemeinschaftlich verzehrt werden." In der Umgend von Aarau (Schweiz) ist diese seltsame Volksbelustigung noch ceremonteller anzu« treffen, auch wird den beiden Wettläufern die zu vollbringende
Literatur und Aunst.
— Katechismus de- BSefeu- uud »aukweseuS auf Grund der Bestimmungen des neuen Börsen- und Depotgesetzes bearbeitet von Georg Schweitzer. In Original-Leinenband 2.50 Mk. Verleg von I. I. Weber in Leipzig. Das in einfacher, leicht verständlicher Sprache abgefaßie Buch ist dazu bestimmt, sowohl den angehenden Banktechniker, als auch den Capitalisten mit den Einrichtungen und Usancen der Effectenbörse, den verschiedenen Zweigen des Bankgeschäftes und den wichtigsten Bestimmungen deS Börsengesetzes und des Depotgesetzes, welche beide übrigens in vollem Umfange mit zum Abdruck gelangt sind, vertraut zu machen. Olme Voreingenommenheit für oder gegen die Börse hat der Verfasser sich bemüht, in seiner Darstellung des Emifstons- und Gründungswesens den Lesern eine Richtschnur für die Beurtheilung von Werth- papieren zu bieten, die ganz besondere Beachtung verdienen. Er hat ferner die Einrichtung der Reichsbank in klarer, übersichtlicher Darstellung erörtert und hierdurch sein Buch für alle Diejenigen werthvoll gemacht, welche mit diesem Institute in Verkehr zu treten Veranlassung haben, lieber die technischen Ausdrücke im Bank- und Börsenwesen erhält man schnell und leicht durch eine dem Buche beigefügte lexikographische Aufführung dieser Kunstausdrücke Auf- schl> ß, wodurch das Verständniß der ganzen Materie wesentlich erleichtert und sonstige Nachschlagebücher überflüssig gemacht werden.
— Die wahre Emaueipation der Frauen beginnt sich endlich Bahn zu brechen, — die Emancipation von der Tyrannei der Mode. In früherer Zeit — wir erinnern an Reifrock, Schleppe und Tournüre — durfte keine Frau es wagen, sich einer autzge- gebenen Parole zu entziehen; heute steht sie mit kritischem Blick der Mode gegenüber und wählt selbstständig, was ihrer Persönlichkeit und ihren Verhältnissen angemessen ist. Unsere Damen zu dieser Freiheit erzogen zu haben, ist entschieden das Verdienst der Mo'oen- roelf. Ihrem hohen auf Hunderitausende sich erstreckenden Einfluß dürfte es zu danken fein, wenn die ängstlich eingeschnürten Taillen, die Schleppe am Straßenkleide, die lebensgefährlichen Hackenschuhe und andere U.beltreibungen allmählich verschwunden sind. Wir sind glücklich so weit gekommen, daß eine unnatürlich dünne Taille mißbilligendes Aufsehen erregt, daß eine Dome, die tu ihrer Erscheinung bte Sucht ver> äth nach Neuem und Auffallendem ä tont prix, sich der Gefahr aussetzt, falsch beurthellt zu werden. Und das sind Resultate, welche „Die Modenwelt" weit über das Niveau derartiger Zeitungen hinautzheben und sie zur wahren Führerin auf dem Gebiete der Mode machen.
Sc^iffsnac^ric^iett*
Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl LooS und I. M. Schulhof.
Bremen, 15. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Crefeld, Capt. H. Bruns, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 7 Uhr Morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Kunst-Ausstellung,
nähme des SamStags, von 11 vis 1 Uhr, am Mittwoch auck noch von 3 bis 5 Uhr. EoimtagS ununterbrochen von 11 bis 8 Uhr. — Eintrittspreis für Nichtmttglieder an Werktagen 50 Pfg., an Sonntagen 20 Pfg.
Arbeit noch schwieriger gemacht. So muß z. B. der Eierleser jedes aufgehobene Et in eine ihm nachgetragene, mit Spreu gefüllte Wanne werfen. Für jedes dabei zerbrechende Stück wird ihm ein neues zum Auflesen hingelegt, und fliegt mal ein durch die Lust geworfenes Et anstatt in das Gefäß an den Kopf eines der zahlreichen Zuschauer, um hier wie eine Bombe zu zerschmettern und das Gesicht mit dottergelbem Entsetzen zu färben, dann bestraft ihn unSauslöschltches Gelächter und beißender Spott der gaffenden Menge.
Hier und da, besonders in Schwaben, liest der laufende „Held des Tages" auf einmal immer so viel Eier auf, als er fassen oder „klauben" kann, weßhalb man dort auch da- österliche Lustspiel mit der Bezeichnung „Eierklauben" belegt.
Bei dem am Osterdtenstag stattfindenden „Eterklauben" in ländlichen Ortschaften Tirols werden eine bestimmte Wegstrecke entlang 170 bis 175 Eier derart hingelegt, daß ein Et von dem anderen etwa 5 Schuh entfernt ist und daß auf je zehn weiße Eier ein gefärbtes kommt. Nach dem Abschluß der Verhandlungen begibt sich die Feftgesellschaft ins WtrthshauS, wo aus den Eiern ein riesiger Kuchen bereitet und gemeinschaftlich verzehrt wird, abgesehen noch von dem nachfolgenden „Rammelball". Wenn Zingerle in seinen „Sitten, Bräuchen und Meinungen deS Tiroler Volkes" mit- theilt, daß sich die bei jenem eigenartigen FrühltngSspiele betheiligten Burschen tu der Mehrzahl auffälltgerwetse costümirt hätten, indem fie phantastische Gestalten der Sagenwelt, als Fangen, Hexen, wilde Männer verkörperten, auch wohl Zigeuner, Mohren und Türken darstellten, so werden wir erinnert an die in Ritter- und Junkertracht auftretenden Läufer, welche in dem Eifeler Flecken Schönecken am ersten Ostertage daS „Eierlegen" vornehmen. Als eigentliche Veranlassung zur Entstehung dieser dem Eierlesen völlig ähn- I ltchen Belustigung wird folgende sagenhafte Begebenheit an-


