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Erstes BlaT
Sonntag den April
Meßmer Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
und Anzergeblatt für den Nreis Gietzsn.
s Hraiisöeikage: Gießener Kamitienökätter/
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-ießen-r Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Effegg, 17. April. Der Osterurlaub der Offiziere und Mannschaften der hiesigen Garnison wurde wegen angeblicher Trachoms-Fälle ststirt.
Mailand, 17. April. Der „Secolo" meldet, der Minister des Aeußern von Oesterreich habe der russische« Regterunß mitgetheiit, daß Kaiser Franz Joseph von eine« gut- gekleideten Manne NamenS Obolkt einen Brief in de» Wagen geworfen bekam, worin die Drohung enthalten, wen» er nach Rußland reise, sei er in Lebensgefahr.
f| BrLffel, 17. April. Der König drückte den Minister» seine große Unzufriedenheit auS, daß die Ausstellungsbehörde der socialistischen Partei einen Ausstellungsraum vermtethere resp. Nachbildung zur Errichtung eines BolkShauseS. Der König erklärte, diese- sowie jede focialisttsche Kundgebung in der Ausstellung müßte verhindert werden. Die Soctaltsteu erklären, wenn die AuSstellungSbehörde den Contract breche, würden sie gerichtlich vorgehen und tagtäglich während der Dauer der Ausstellung focialisttsche Kundgebungen in den Straßen veranstalten.
Dir Gießener ^•mitienßfäUtr io erben dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegr.
Cocales rrnd Provinzielles
Sieben, den 17. April 1897.
** Bo» der Universität. Wir find in der angenehmen Lage, mittheilen zu können, daß der Oberarzt der chirurgischen Klinik, Herr Professor Dr. Poppert, die an th» unter gläuzenden Bedingungen ergangene Berufung al- Director des städtischen Krankenhauses tu Worms ab gelehnt hat und in seiner hiesigen Stellung verbleibt.
** Am ersten Osterfeiertag, Morgens 7 Uhr, wird vom Thurme der Stadtktrche der Choral: .Allein Gott in der Höh' sei Ehr'" geblasen werden.
— Diebin. Am vergangenen Donnerstag wurde dahier ein stellenloses Dienstmädchen verhaftet, welches ihrer früheren Dienstherrschaft verschiedene Kleidungsstücke und Weißzeug rc. rc. entwendet hatte. Der Diebstahl kam dadurch zur Kenntuiß der Bestohlenen, daß die verhaftete eines der gestohlenen Kleider am Leibe trug.
** Der Windhof. Durch die Blätter ging vor einiger Zeit die Nachricht, der Wind Hof sei vom Erdboden verschwunden. Dies ist jedoch nicht der Fall- die Säle find zwar abgertffeu, aber dafür hat Herr Duill eine große Halle errichten laffen, die gegen Wind und Wetter Schutz bietet. Außerdem steht noch das alte WirthschaftSgebäude. Man kann daher vor wie nach ein gutes Glas „Btchler Bier" und auch etwas für den hungrigen Magen tu allbekaunter Güte bekommen. ES ist sonach für Alle- gesorgt, auch fehlt eS nicht an der alten Gemüthlichkeit.
*• Rennen zu Frankfurt a. M. Am 19. und 25. April er. find die elften diesjährigen Renntage zu Frankfurt a. M., an welchen 12 Rennen, darunter 5 Steeple Chases, mit ca. 18 000 Mk. an Preisen und Ehrenpreisen zur Entscheidung gelangen. Die Kämpfe im Sattel zwischen Ofsi- zieren der ganzen deutschen Armee bieten ein sehr interessante- Schauspiel, sodaß ein Ausflug nach der schönen Frankfurter Rennbahn sehr lohnend ist.
** Wetterbericht, von der Nordsee zieht sich zwar noch n südöstlicher Richtung eine Furche niederen Druckes gegen da- Festland herein, doch ist der größte Theil des gestern m Nordwesten gelegenen Minimum- nach Norden abgezogen. Außerdem driogt von der Westküste Frankreichs her hoher Druck mit Macht gegen Central-Europa vor. Heute stand >afielbe zumeist noch unter de« Einfluß der ersterwähnten Depresfion, doch dürfte das barometrische Maximum wcchr- cheinlich zur Herrschaft gelangen. — voraussichtliche
Depeschen des Bureau „Herold/
verttu, 16. April. Die Uebersiedelung deS kaiserlichen Hoslagers wird voraussichtlich am 27. dB. erfolgen.
Berlin, 16. April. Als Nachfolger Stephans wird, wie die „Volkszeitung" meldet, nunmehr der bisherige Unter- staatSfecretär im Reichspostamt, Dr. Fischer, genannt. An defien Stelle wird der bisherige Direktor im Reichs- Postamt, Fritsch, und an Fritschens Stelle der Vortragende Rath Geh. Oberpostrath Henne treten.
Berlin, 16.April. Der Prozeß Kofchemauu wurde heute Nacht 121/, Uhr zu Ende geführt. Der Gerichtshof verurthetlte Koschemann zu 10 Jahren und 1 Monat Zuchthaus unter Anrechnung von 3 Monaten Zuchthaus auf die Untersuchungshaft, ferner zu 10 Jahren Ehrverlust, Westphal zu 1 Jahr Gefäogniß unter Anrechnung von 4 Monaten auf die Untersuchungshaft. Frau Westphal, Weber und Frau Gürtler wurden fretgesprochen.
Berlin, 16. April. Am 24. d. Mts. wird, wie bereitbekannt, vor dem neu gebildeten Disciplinarhofe am Kammer- gerichtSgebäude die Verhandlung gegen den ReichS-Commtffar Dr. Peters unter dem Vorsitze des Senarspräfideuten Groschaff stattfinden.
Berlin, 16. April. Zu den Verhaftungen von Socialdemokraten, die am 7. April im 4. und 6. Reichstagswahlkreise erfolgt find, berichtet der „vorwärts", daß sämmt- liche bis dahin noch in Haft gewesene Personen am Mittwoch Abend wieder auf freien Fuß gesetzt worden find.
Neapel, 16. April. Wegen Unfähigkeit ChprtaniS übertrug die griechische Regierung die Führung der italienischen Freiwilligen dem polnischen Grasen JaraszewSki. Letztere erließen eine Proklamation an die makedonische christliche Bevölkerung, sich zu erheben und mir den griechischen Freiwilligen für die Freiheit gegen daS Türkenjoch zu kämpfen.
Pari-, 16. April. Bon ofsiciöser Seite wird mit- getheilt, daß die Anwesenheit deS deutschen Reichskanzler- jeder politischen Bedeutung entbehre.
WolfiL telegraphische- Lorrsspo«bL»z-B»reaL.
Berlin, 16. April. Die „Nationalzeitung" schreibt: Profesior Robert Koch ist vorgestern in Bombay eingetroffen, um fich an den Arbeiten der deutschen Commission zur Erforschung der Pest zu betheiligen und deren Leitung zu übernehmen. Die übrigen Mitglieder dieser Commisfiou find unter Führung deS Profeffors Gaffkh-Gießen bereits am 8. März in Bombay angekommen. ES gelang ihnen, fich eine verhältnißmäßig günstig gelegene Arbeitsstätte zu sichern, so daß sie alsbald mit ihrer Thätigkeit beginne« konnten. Um Kochs Arbeiten Über die Rinderpest int Cap- lande weiterzuführen, begibt sich Dr. Kolle vom Institut für Jnfectionskcankheiten mit zunächst einjährigem Urlaub «ach der Cap colo nie. Er wird dort, wie die „Berliner Klinische Wochenschrift" berichtet, im Auftrage der Capregierung Studien über die Rinderpest und Lepra mache« und hygienisch-bakteriologische Beobachtungsstationen organifiren.
verfolgt, weiß, daß sie fich zu ost mit dem Winde dreht und «an ihr nicht trauen kann. In Pretoria wird man auch nicht mit Blindheit geschlagen sein, um dies nicht schon jetzt einsehen zu können.
Mac Kinley-Tarif. Mac Kinley, der jetzige Präfi- dent der vereinigten Staaten Nordamerikas, scheint fich, entgegen seinem Vorgänger, die Zollerhöhung als erste Aufgabe gestellt zu haben und kann man fich lebhaft vorstellen, mi welchem Mißfallen die neue Zollpolitik in den betresienden Kreisen, besonders auch in Deutschland Aufnahme gefunden hat. Dieselbe kann nur dazu dienen, den auswärtigen Handel Deutschlands mit Amerika zu erschweren, vielleicht gar in manchem Artikel unmöglich zu machen. ES nimmt daher auch kein Wunder, daß wegen der Zuckerausfuhr bereits eine Interpellation, im deutschen Reichstage für die zu nehmende Stellung Deutschlands eingebracht worden ist und scheinen auch bereits andere Staaten, wie Italien, Niederland, Frank- reich entschloffen zu sein, bei der amerikanischen Regierung vorstellig zu werden. In Deutschland trifft die Erhöhung nicht nur die Zuckerausfuhr, sondern noch viele andere Artikel, wie Leder-, Textil-, Manufacturwaaren, die dort ein großes Absatzgebiet finden. Glücklicherweise ist beim amerikanischen Volke die Begeisterung für den neuen Zolltarif nur gering und da Nordamerika ein besonderes Interesse daran hat, den Absatz seiner laudwirthschaftlicheu Probuctt in Deutschland gesichert zu sehen, so sieht man den Folgen de- neuen Tar'fS mit einem gewissen Mißbehagen entgegen.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- unb Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Parts, 16. April. Die hiesige Ausgabe des Newyork^ „Herold" meldet auS Konstantinopel, der dortigk griechische Gesandte erwarte heute den Befehl seiner Regierung. Konstantinopel zu verlassen.
Koustauttnspel, 16. April. Die Meldung, daß an der Befichtigung der bulgarischen Befestigungen rufsischeOffi- ziere theilgenommen hätten, sowie die Vorbereitungen der bulgarischen Reserve-Einberufungen beunruhige» hier sehr.
Athen, 16. April. Die Regierung unterhandelt mit einigen ersten Geldinstituten, denen fich eine Reihe auswärtiger Bankiers angefchloffen haben, wegen einer Anleihe, die voraussichtlich in kurzer Zeit perfect werden wird.
Athen, 16. April. Infolge der unsicheren Polltische« Situation ist hier eine allgemeine Geschäftsstockung ein- getreten.
Kandis, 16. April. TürkischerseitS verlautet, daß Kreta Egypten unterstellt werde und der Bruder deS Khedive zum General-Gouverneur ernannt werden soll.
verkaufend
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Politische Wochenschau.
Griechenland und die Türkei. Ein Vorfall, den man schon vor drei Wochen als bevorstehend betrachten 4 ?1?2m^LfiQttflefunbctt' indem es inzwischen an der griechisch-türkischen Grenze zu einem ersten Blutvergießen oe- kommen ist. Einige tausend Griechen find in das türkische Gebiet eingedrungen, und unterliegt es heute ebenfalls keinem Zweifel mehr, daß, trotz der verschiedenartigsten Gerüchte, der Angriff von griechischer Seite erfolgt ist. ES wird zwar von Griechenland energisch in Abrede gestellt, daß reguläre griechische Truppen an diesem Streifzug theilgenommen haben, di- Thatsache an fich ändert fich hierdurch nur wenig. Bor einigen Monaten hätte eine derartige Grenzverletzung noch für den Frieden Europas einen drohenden Character haben können, heute indeffen steht man einen solchen Act mit kühlere« Auge an, umsomehr, als die Thatsache feststeht, daß eS nicht in der Absicht der Mächte liegt, Griechenland in seinem ge- tetzlosen Vorgehen zu unterstützen oder sich gar in einen griechisch-türkischen Kampf mit Waffengewalt einzumischen. Die seitens der Mächte an andere Balkanstaaten gemachten Vorstellungen, fich von jedem Einmischen fern zu halten, scheinen bis jetzt ihren Zweck nicht verfehlt zu haben, denn die Nachrichten, die aus Sofia und Belgrad vorliegen, find der Natur, anurhmen zu können, daß auf die Neutralität dieser Staaten gerechnet werden kann- eine Thatsache, bie in- sofern besondere Beachtung verdient, als Griechenland doch einsehen muß, daß es auf eine Unterstützung dieser Länder nicht zu rechnen hat. Welches war nun der Zweck, den diese griechischen Freischaareu mit dem Grenzübergang verfolgten, denn wenn dieselben auch keinen directen Befehl von der Regierung hatten, so ist eS doch gewiß, daß sie diesen Act mit Wissen derselben vollbracht hatten. War eS, um der europäischen Diplomatie einen neuen Streich zu spielen oder aber ein Vorspiel zu bedeutenderen feindlichen Demonstrationen, denn nach dem, was der griechische Ministerpräsident DelyanniS kürzlich geäußert haben soll, wäre Griechenland gezwungen, binnen wenigen Tagen einen entschlossenen Schritt zu thun, da eS bei seinem jetzigen Zustand seiner Fiuanzen unmöglich ein Heer von 80,000 Mann für längere Zeit auf Kriegsfuß erhalten könne, ohne ungeheure Opfer zu bringen. Schon kürzlich meldete die „Times" daß der griechische Staatsschatz nahezu erschöpft sei, und die einzige HülfSquelle noch in der inneren Anleihe bestände, welche jedenfalls in der herrschenden Begeisterung voll gezeichnet würde. Ein Gesetzentwurf betr. dieser neuen Anleihe von 23 Millionen Drachmen ist bereits vor- gelegt worden. Was nun die früher geplante Blocade des Piräus anbetrifft, so scheint dieselbe ihrer Verwirklichung noch ferner gerückt zu sein, als sie früher war- anscheinend ist man fich über die Art der Blocade noch nicht einig und sollen die Mehrzahl der Admiräle des internationalen Geschwaders die Ausdehnung derselben auf den Golf von Korinth und den Peloponnes als absolut erforderlich halten, wenn solche Überhaupt einen Zweck haben soll.
England und Transvaal. Die in letzter Woche öfters in der Preffe gemachten Muthmaßungen über einen kaum ausbleibenden Confl ct zwischen diesen beiden Staate« scheinen mehr unb mehr ihre Begründung zu finden. England scheint einmal die Absicht zu haben, die südafrikanische Republik seinem Besitze einzuverlriben und unterläßt denn auch nicht, alle Hebel in Bewegung zu setzen, und zu einem günstigen An- fangSresultat zu gelangen. Der durch Cecil Rhodes gemachte Versuch, bie Angelegenheit auf inbirectem Wege ohne Mtt- HÜlse von amtlicher Sette besorgen zu laffen, hat fich infolge beS Mißerfolges, den Dr. Jameson mit seinem Streifzuge erlitten hatte, als unausführbar erwiese«. Englanb sucht nun ber Transvaal-Republik in anderer Weise eine Schlappe beizubringen unb biefe besteht in ber Annexion der in portugiesischem Besitz fich btfinblichen Delagoa-Bai. Da die Trans- Vaal-Republik in diesen Gegenden keine eigenen Häfen besitzt, so ist eS ihr so zu sagen nur durch Benutzung der Delagoa- Bai möglich, am Welthandel theilzunehmen. Gelingt eS Eng- land daher, diesen längst gehegten AnuexionSplan zu verwirklichen, d. h. Portugal, daS fortwährend in Geldverlegenheit ist, zur Abtretung zu veranlaffen, so liegt eß klar auf der Hand, daß eß England ein leichtes wäre, Transvaal von dem Weltverkehr abzuschneiden, unb eS mit onberen Worten zu xuiniren, falls es nicht vorzieht, fich Englanb ans Guabe oder Ungnade zu ergeben.
Die kürzlich von Mr. Goschen gesprochenen Worte, daß Großbritannien Alles aufbieten werde, die Suprematie in Afrika zu erhalten, bestätigt an fich schon, daß bie Delagoa- Meldungen auf einem Theil Wahrheit beruhen, trotzdem die englische Preffe ihr Möglichstes thut, bie obenerwähnten wirklichen Absichten zu bemänteln. Wer bie Politik John BullS
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