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Wn 41 Zweites Blatt. Donnerstag den 18. Februar
1897
Mehener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
Amts- und Anzeigrblutt für den Kreis Gieren
Hratisöeitage: Hießener Jamilienötätter
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
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Hiehener Anreißer erscheint täglich, mit Ausnahme drS Montags.
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Feuilleton.
Dirnstmsdchm und FsbriKmsdchen.
ES ist ein Sonntag «Nachmittag. Warmer Herbst« sonoeoschein fluthet über die Häuserreihen eines großen ober« schlesischen JadustrieorteS und versucht daS entsetzlich nüchterne Aussehen der kahlen Rohbauten ein wenig zu wildern. Mit wahrem Behagen ruht er aus der mit Del gestrichenen hellen Front eines villenartigen Gebäudes, das sich einige Meter au» der Häuserzeile zurückgezogen hat, al» schäme eS sich seiner schmutzigen Kameraden.
In dem erhöhten, breiten Thüreingauge steht ein junges, ländlich, aber sauber gekleidete» Dienstmädchen. AuS dem blatteruarbigeu Gesicht blicken ein paar kluge, sreundliche Augen aus den bunten Meoschenstrom, welcher sich auf dem schmalen Fußwege hin- und herdrängt. Hin und wieder fliegt zu dem einsamen Mädchen ein Gruß herüber, welcher mit sreundlichrm N cken erwidert wird.
Plötzlich legt daS Mädchen die Hand über die Auge« und blickt scharf in daS Menschengewühl hiu.
Wahrhaftig, dort kommt ihre Schulfreundin, die schöne Wanda. Wie stolz sie ausfieht, wie ein Fräulein au» der Stadt! Ein feines dunkles Kleid umschließt ihre hohe Gestalt, auf dem hübschen Kopfe mit den blitzenden schwarzen Augen fitzt ein neuer Hut mit wehenden Straußenfedern und ein brennend rother Sonnenschirm wölbt fich über der ganzen Erscheinung. Ach, wie unscheinbar war fie doch dagegen, die arme, kleine Marie mit dem blatterunarbigen Gesicht und dem röthlichen Haar. Ja, die Wanda war schon immer ein schöne» Mädchen, obwohl fie nur die Tochter eine» Kesselschmiede» ist. Und wie sich die jungen Burschen um fie »rängen!
„Guten Tag, Marie!" ruft jetzt Wanda herüber. „Wie geht»? Wa» machst Du denn? Kommst Du nicht mit spazieren? Heute Abend wird in der „Krone" getanzt, da» wird famoS werden!"
„Ich kann nicht fort. Die Herrschaft ist spazieren gegangen und kommt erst in einer Stunde wieder. Dann will ich einmal zur Mutter htnübergehen."
„Armes Ding, sür die paar Pfennige auch noch Sonntags zu Hause fitzeu! DaS würde wir schon pasien. Man muß fich doch einmal amüfiren!"
„Weiter, weiter," drängen die Begleiter WandaS, lauter Schlepper, die fich am Sonntag abwühen, den städtischen Gigerl nachzuäffen.
„Dummrs Mädel," wendet fich einer an Marie, „waS stehst Du hier wie ein Psahl in der Grube? Komm mit, sollst wein Schatz sein!**
Marie flüchtet vor dem zudringlichen Burschen in den Hausflur. Als fie wieder heraustrttt, ist die Gesellschaft verschwunden.
„FamoS! Amüfiren! Dummes Mädel!" klingt eS ihr noch im Ohr, und aus der Ferne nicken ihr die alles überragenden weißen Straußenfedern wie höhnend zu.
„3a, eS ist schon eine andere Sache, wenn man auf der Grube arbeitet. Da hat man jeden Abend und jeden Sonntag frei und verdient viel Geld, daß man fich schon schöne Sachen kaufen kann, einen Hut mit Straußenfedern — doch nein!" unterbricht Marie ihren Gedankeugang, fie würde mit der Freundin doch nicht tauschen. Ihre Herrschaft ist ja so gut zu ihr, und waS hatte fie nicht gelernt! ,Und Nähen, Stricken, Kochen, Plätten — das find doch andere Arbeiten, al» tagtäglich schmutzige Kohlen oder Schlacken zu laden."
Mit diesen Gedanken tritt Marie in die Küche ein,
welche von Ordnung und Sauberkeit strahlt. Mit geschickter Hand packt fie einige Leckerbiffen ein, ^welche ihr die Frau Jnspector Mittag» eiogehäudigr hat. Sie freut fich schon auf die Ueberraschung, welche fie mit den guten Sachen der Mutter bereiten will.
Ein Jahrzehnt ist in» Land gegangen. Im Judustrie- bezirk ist wieder einmal eia warmer Herbst etugekehrt. Heute ist LöhnungStag, der monatliche Erntetag der Bäcker, Fleischer, Kaufleute und Gastwirthe. Die sogeuauntea Mohren-Kneipen find schon am frühen Nachmittag überfüllt. AuS einer dieser Fuselhöllen wankt ein Mann heran», deffea lehmüberklebtes Costüm den Ziegelstreicher, deffen gemeines, aufgedunsenes Geficht den Trunkenbold verräth. Er taumelt aus dem Orte hinaus und schlägt daun einen der vielen Fußwege ein, welche nach allen Seiten hin daS hügelige, weit ausgedehnte Bruchfeld durchkreuzen. An tiefen, gähnenden Trichtern wankt er vorbei, der Höhe zu, wo weit auSge« dehnte Ziegeleien bemerkbar werden. Dort stehen zwischen den Schuppen Behausungen, welche halb Hütte, halb Stall zu sein scheinen. Da» find die Asyle der gesunkenstev Ar- beiter, Stätten, in welchem Schmutz, Elend und Laster hausen — der Genius der Menschheit wendet trauernd sein Antlitz von ihnen.
Dor einer dieser Höhlen kauert ein dunkeläugige» Weib. Ein Kind hält fie au der Brust, drei andere haben fich träge in dem dürren und kohlenbestaubten Haidekraut aus- gestreckt. AuS dem abgehärmten Angesicht der Frau blickt eine Welt voll Trübsal.
(Schluß folgt.)
Bekanntmachung.
Donnerstag den 18. Februar d. I., Nachmittags V22 Uhr, sollen die an Großh. Polizeiamt abgelieferten gefundenen, von den Verlierern nicht abgeholten Gegenstände, darunter verschiedene Gold- und Silberfachen, Sonn« und Regenschirme, Kleidungsstücke, Brillen u. f. w., im alten Rathhaufe dahier zu Gunsten der Armenkaffe gegen Baarzahlung versteigert werden.
Gießen, den 15. Februar 1897.
Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.______________
Allgmemkr Verein für Armen- nn- Krankenpflege.
Die auf Mittwoch den 17. Februar einberufene Geueral-Ber sammluug muß auf acht Tage verschoben werden und wird nun
3XF* Mittwoch den 24. Februar TM
abgehalten werden._______[1589]______Der Vorstand: Schlosser.
Die Frankfurter Bank
(Reue» vaukgedäude: Reue Mainzerstratze 69)
übernimmt
Werth Papiere zur Verwahrung und Verwaltung
(offene Depots)
auch Testamente, Hypotheken und dergl. Documente,
ebenso:
»ormuudschaft» , tvftegsckraft»- ««d »tftwrte Depot», sowie solche, wovon die Rntznietzuua dritten Personen znfteht, unter den im Reglement festgesetzten Bedingungen, sie besorgt hiernach:
die Abtrennung und Einziehung der Zins- und Dividenden-Coupons, die Entgegennahme von Hypotbekenzinsen,
die Controle über Verloosungen und den Jncasso verlooster resp. zurückzahlbarer Papiere, sowie auf Antrag die Versicherung gegen Coursoerlust bet Auslassungen, den Bezug neuer Couponsbogen oder definitiver Stücke, die Besorgung ausgeschriebener Einzahlungen, Convertirungen und Ausübung von Bezugsrechten noch vorher erhaltenem Auftrage und Einzahlung der erforderlichen Geldbeträge; ferner: — , _
den ««- und Berkans von Wertpapiere«, sowie alle «" der ««läge n«d verwerth««g von Tapttalten verbundene« Manipnlatione«.
Da« Reglement, sowie die zur Deponirung erforderlichen Formulare sind
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Concursverfahren.
In dem Concursverfahren über das Vermögen des Schuhmachers Heinrich Reiuschmidt zu Großen- Buseck ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters und zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichniß der bei der Vertheilung zu berücksichtigenden For derungen Schlußtermin auf Dienstag den 16. März 1897,
Bormittags 10 Uhr, vor dem Großherzogl. Amtsgerichte Hierselbst bestimmt.
Gießen, den 15.Februar 1897.
Orth, 1610
GerichtSschreiber des Gr. Amtsgerichts.
Concursverfahren.
Das Concursverfahren über das Vermögen des Schuhmachers Kaspar Müller zu Großen-Buseck wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben.
Gießen, den 16. Februar 1897. Das Großherzogliche Amtsgericht.
gez. Schmidt.
Bekannt gemacht:
Orth, Gerichtsschreiber. 1611
Die Lieferung von Kasernen- GerLthe« zur Ausstattung von Chargenstuben, Speisesälen, Montirungskammern rc. soll am Dienstag de« 23. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, im Geschäftszimmer der unterzeichneten Behörde, in der Kaserne, woselbst auch die Bedingungen zur Einsicht und Unterschrift ausliegen, öffentlich verdungen werden.
»t. Garnison Berwaltung 1592 Butzbach.
Gummi-Schnhe, beste Marke, für Herren und Damen, empfiehlt 322
H. Rubsamen.
Holz-Versteigerung.
Donnerstag den 18. d. Mts. wird in dem hiesigen Gemeindewald folgendes Holz versteigert:
17 Eichen Stämme von 26 bis 50 cm Durchm, 2 bis 9 rn Länge — 9,23 fm,
44 rm Buchen-Scheit,
38 ., „ Knüppel,
49 „ „ Stöcke,
1000 Wellen Buchen-Reisig,
50 rm Eichen-Scheit,
60 „ „ Knüppel,
66 „ „ Stöcke,
1020 Wellen Eichen Reisig. Zusammenkunft Vormittags 91/« Uhr auf der Kreisstraße Gießen—Leihgestern, Hohe Rehschneise.
Großen-Linden, 9. Februar 1897. Gr. Bürgermeisterei Großen-Linden. ____________Leun.________1406
Holzversteigerung.
Freitag den 19. Februar d. I., von Vormittags 9Va Uhr, soll im Oppenroder Gemeindewald nachverzeichnetes Holz versteigert werden:
20 Eichenstämme von 14—25 cm Durchm. und 6—13 m Länge --- 5,68 fm,
91 Kiefern- und Fichtenstämme von 13—37 cm Durchm. und 8 bis 10 m Länge — 59,82 fm, 147 Fichten-Derb- und «Reisslängen, x= 6,88 fm.
Es ist Schnittholz unter denKiesern- und Fichtenstämmen.
Die Zusammenkunft ist auf der Kreisstraße Oppenrod—Albach, bei der Seifwiese.
Oppenrod, den 13. Februar 1897. Großh. Bürgermeisterei Oppenrod.
Balser. 1523
Holzversteigerung
im Kksseibachrr Gemeindewsl*
Dienstag den 23. Februar, Vormittags 9</2 Uhr beginnend, soll im Keffelbacher Gemeindewald, in verschiedenen Districten, nachverzeichnetes Holz versteigert werden:
48 Eichen-Stämme, bis 42 cm Durchmesser, 12 m Länge, 21,39 fm,
80 Radel-Stämme, bis 26 cm Durchmesser, 17 m Länge, 31,57 fm,
1 Buchen - Stamm, bis 40 cm Durchm., 3 m Länge, 0,38 fm, 15 Nadel - Derbstangen, 9 cm
Durchmesser, 10 m Länge, 0,77 fm,
41 rm Buchen-Scheitholz,
8 „ „ Knüppel,
10 „ Eichen- „
162 ,, Nadel-
300 „ Buchen-Reisig,
68 „ Eichen- „
163 „ Nadel- „
10 „ Buchen- und Eichen-Stöcke.
Der Anfang und die Zusammenkunft ist am Hainberg am Fußpfad von Keffelbach nach Odenhaufen.
Kesselbach, den 16. Februar 1897. Großh. Bürgermeisterei Kesselbach.
Stein. 1601
Holzversteigerung im Skmeilldemaid Ehris-shnM am Montag den 22. d. Mts. aus den Districten Kompach, Langenstrauch, Hoherstrauch und Thalberg:
166,53 fm Eichen-Stammholz,
24,42 „ Kiefern- „
12,32 „ „ Stangen,
6,1 rm Eichen-Nutzholz.
Versammlung Morgens 8% Uhr beim Vorsteher. 1612
Ehringshausen, 16. Februar 1897. Der Bürgermeister.


