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Nr. 64
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Gieheaer Jlnjeiger erscheint täglich,
*tit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Ka milien ö tätter Verden dem Anzeiger Svöchentlich dreimal beigelegk.
Zweites Blatt. Mittwoch dm 17 MSr,
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Weßener Anzeiger
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Kenerat-Wnzeiger.
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr.
chratisöeikage: Hießener Jamitienblätter.
Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
Aintlichrv Lbeil.
Nr. 10 deS Reich- Gesetzblatt-, ausgegeben den 12. d. Mts. enthält:
(Nr. 2365). Bekanntmachung, betreffend die Beschäfti- ßung von Arbeiterinnen auf Stetnkohlen-Bergwerken und «uf Zink- und Bleierz-Bergwerken im Regierungsbezirk Oppeln, vom 11. März 1897.
Gießen, den 16. März 1897.
• GroßherzogltcheS Kreisamt Gießen.
v.-Gagern.
Bekanntmachung.
«n Stelle eines Kreisstraßeuwarts mit dem Wohnsitz in Allertshausen oder einem der umliegenden Orte sowie diejenige eines solche« mit dem Wohnsitz m Wieseck oder Trohe sollen bis zum 1. April I. I. besetzt werden.
Bewerber wollen ihre Meldungen bis längsten- 21. M. fftc die erstgenannte Stelle bet dem Bezirksaufseher Maring er in Grünberg, für die andere. Stelle bei dem Bezirksaufseher Senßfelder in Gießen schriftlich erstatten, wobei Alter und seitherige Beschäftigung unter Anschluß etwaiger Zeugnisse über frühere Arbeitsleistungen ähnlicher Art auzugeben find.
Gießen, den 13. März 1897.
Der Kreis - Ausschuß des Kreises Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung^
Betr.: Die Abhaltung von Körterminen zwecks Eintragung der Zuchtthiere in das Provinzial-Herdbuch im ersten Kör bezirk.
Die Körcommtssion des ersten KörbezirkeS (Vogelsberger Vieh), wird an folgenden Tagen im Kreise Gießen nachfolgende Körtermine abhalten:
1. In Grünberg den 23. März d. I-., Morgen- 11 Uhr, 2. In Weickartshain den 23. März d. I-., Mittags 2 Uhr,
3. In Freteuseen den 23. März d. I-., Mittag» 3 Uhr,
4. In Bingmühle den 23. März d. I-., Mittags 4 Uhr,
5. In Queckborn den 24. März d. I-., Morgen- 9 Uhr,
6. In Reiskirchen den 24. März d. I-., Morgen- 10 Uhr, T. In Großen-Linden den 24. März d. I-., Mittag- 2i/2 Uhr.
Die Züchter von Vogelsberger Vieh, welche ihre Thiere in das Herdbuch erntragen lassen wollen und bez. Anmeld, ungen schon an mich haben ergehen lassen, werden ersucht,
ihre betreffenden Thiere an einem von der betreffeoden Groß, herzoglichen Bürgermeisterei hierzu bezeichneten Ort aufzu- stellen, damit die Arbeiten der Eommisfion ohne Aufschub er- ledigt werden können.
Sollten noch weitere Diehzüchtßr ihre Thiere kören laffen wollen, so werden dieselben ersucht, dieselben gleichfalls an den betreffenden Körterminen vorzuführen, vorher aber dem Borfitzenden dieser Eommisfion, Herrn Oberamtmann Hoffmann in Hofgüll, oder dem Geschäftsführer Herrn Oberverwalter Beilstein in Laubach direct Mittheilung davon machen zu wollen.
Laubach, am 13. März 1897.
Der Präsident deS landwirthschaftlichen Verein- für die Provinz Oberheffen.
Friedrich, Graf zu SolmS-Laubach.
Deutsche* Nei4h»tag
191. Sitzung. Montag den 15. März 1897.
Eingegangen ist der Auslieferungsoertrog mit den Niederlanden.
DaS Schuldentilgungsgesetz wird in dritter Lesung definitiv angenommen.
Eine Petition zur Errichtung eines Postgebäudes in Tondern wird der Regierung zur Kenntnthnahme, andere zur Ergänzung des S 22 des Preßgesetzes (Verjährung von Anklagen gegen Verleger) der Regierung zur Erwägung überwiesen, eine weitere betr. Rückerstattung der Kronlastengebühren, die während des Zollkrieges mit Rußland in russischen Häfen erhoben wurden, wird durch die Commission durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen beantragt.
Abg. Jebsen (nl.) beantragt, die Petition dem Reichskanzler zur Berückfichttgung zu überweisen.
Nachdem noch der Dtrector im Reichsschatzamt v Körner dafür gesprochen, es bet dem Beschluß der Commission zu belassen, wird nach kurzer Entgegnung deS Abg. Jebsen der Antrag des Letzteren angenommen.
Weitere Petitionen werden ohne Debatte nach den Vorschlägen der Commission erledigt.
So wird eine Petition betr. Nichtetnklagbarkeit der an ausländischen Börsen abgeschlossenen Blanco-Termin-Grschäfte in Getreide und Mehl dem Reichskanzler zur Erwägung, eine andere zur Bekämpfung des Mädchenhandels zur Berücksichtigung und eine dritte betr. die schleSwtg-holsteintschen Quarantäne-Anstalten für dänisches Vieh zur Kenntntßnahme bezw. Erwägung überwiesen. Es handelt sich dabet um Schließung der Landquarantäne Hatdding (welches Verlangen „zur Kenntntßnahme") und der Serquarantänen Kiel und Flensburg (welches Verlangen dem Reichskanzler „zur Erwägung" überwiesen wird).
Morgen 2 Uhr: Auslieferungsvertrag mit den Niederlanden, Auswanderungsgesetz.
Schluß 2 Uhr.
Locale» uttfc provinzielle».
D Klein Linden, 15. März. Am SamStag Abend feierte der Gesangverein „Eintracht" in den Localitäten des Herrn Rinn fein 32jährtges Stiftung-fest. Nach Vortrag einiger gut gesungener Lieder de- Vereins unter Leitung seine- Dirigenten, Herrn Gröninger aus Gießen, trugen noch einige gut ausgeführte Theaterstücke und Vorträge von Mitgliedern des Vereins zur Verschönerung de- Abends bei. Eine besondere Weihe hatte da« Fest noch zu verzeichnen, indem der Verein in der Lage war, einem treuen Mitgliede in Anerkennung seiner Verdienste, die er at- Mitglied und Sänger dem Verein 25 Jahre geleistet hat, ein Ehren» diplom auszustellen.
n. Friedberg, 15. März. Der hiesige Vorschuß- und Creditveretn ist in der Lage, seinen Mitgliedern eine Dividende von 8 pCt. aus dem Reingewinn de- vorigen Jahre-, der inSgesammt über 40000 Mk. beträgt, auszuzahlen.
A A»r de« Ohmthal. 15. März. Wie sehr in diesem Frühjahr Streu» und Futtermittel mangeln, und dem zufolge hoch im Preise sind, erhellt aus einer am SamStag zu Kirschgarten abgehaltenen Versteigerung. Der Centner Kornstroh, Maschinendrusch, wurde mit 3 Mk., der Centner Heu sogar mit 4 Mk. bezahlt. Im vorigen Jahre kaufte man den Centner Heu für Mk. 1.80 bis 2 Mk. Demnach gilt das Heu gegenwärtig da- Doppelte des vorjährigen Preises. Gut ist es, daß bei diesen Futterpreisen da- Haupt- kraftfuttermittel, der Mais, erheblich int Preise herunter- gegangen ist. Man bezieht den Doppelcentuer Mais zur Zeit zu 10 und 11 Mk., wähend er im Nothstandsjahre mit 13 und 14 Mk. bezahlt wurde. Infolge dieser Verbilligung ist die Nachfrage nach Mais gegenwärtig ziemlich stark.
(§) Groß Eichen, 15. März. Einen schweren Unfall erlitt hier ein Schneidermeister von Ruppertenrod. Derselbe wollte mit einem bei der Molkerei haltenden Milchfuhrwerk nach Hause fahren, glitt aber, als er seinen Sitz einnehmen wollte aus, und stürzte von dem ziemlich hohen Wagen herab auf Steine. Da« Nasenbein wurde ihm vollständig zertrümmert, sodaß die Knochensplitter hervordrangen, auch an der Stirne erhielt er eine klaffende Wunde. Wäre der Verunglückte auf den Hiuterkopf gefallen, so hätte bei dem hohen Falle leicht eine tödtliche Verletzung eintreten können.
n. Schlitz, 15. März. AIS Beweis für den guten kirchlichen Sinn der Gemeinden in unserer Gegend sei hier mit- getheilt, daß durch eine Collecte für Anschaffung einer neuen Kirchenorgel in Queck 1200 Mk. gesammelt wurden.
Feuilleton.
Eine Bierreise.
Humoreske von G. Krickeberg.
(Nachdruck verboten.)
Mein Freund Alexander schrieb mir, daß er mich besuchen würde. Wir hatten zusammen Jura studirt, bis der Tod seines älteren Bruders ihn zwang, umzusatteln und anstatt der Gesetzesparagraphen rationelle Schafszucht und die Berwerthung des Kunstdüngers zu stuoiren. Seitdem — es waren beiläufig zehn Jahre her — lebte er in Ostpreußen »nb wir hatten uns nicht wehr gesehen.
„ES ist schön, daß Du kommst, alter Freund," dachte ich, „Dein Besuch wird mir die willkommene Gelegenheit bieten, einmal wieder ein Stück Berlin kennen zu lernen. ES gibt außer mir noch einige andere gebildete Berliner, die ihre Kenutniß der Vaterstadt durch Besuch von außerhalb Vermitteln laffen." Ich entwarf also mit liebevoller Berücksichtigung der Lücken in meiner Heiwathkuude ein Programm für Freund Alexanders Besuch- dabei konnte ich es nicht verhindern, daß ein ahnungsvoller Schauer mich überrieselte, kenn ich an die fabelhafte Ausdauer der Kleinstädter den Lehen-würdigkeiten der Residenz gegenüber dachte- mau ist »it dreißig Jahren, besonders wenn man e- sich in schuldiger Rücksicht auf die dereinstige Geheimrath-würde hat angelegen sein laffen, ein gewiffes achtunggebietendes Embonpoint zu erwerben, doch am Ende nicht mehr fo leichtfüßig wie Hirsch in der Tanzstunde.
Ich hatte Alexander al- ein schmächtiges, blasses Liirfchchen mit dem spärlichen Anflug eine- vchnurrbärtchen» i» der Erinnerung, jetzt präsentirte er sich mir al- ein Hüne, au« Gesundheit und Krast zusammengefügt- dabei stand der krause, blonde Vollbart auffallend hübsch zu dem gebräunten veficht und den treublickenden blauen Augen. Gegen diesen stählernen Riesen kam ich bleichgefichtiger epikuräifcher Acreu- Nensch mir recht kläglich vor.
Wir speisten Unter den Linden — ich kratze mich noch jetzt in Gedanken verlegen hinter den Ohren, wenn ich an die- Mittagsmahl zurückdenke: Die Hühnersuppe war bei Alexander ein Mehlbrei, Rebhuhn und Sauerkohl konnte er zu Hause alle Tage eflen, beim Ragout fiu ließen sich so hübsch alte Reste verwenden, die Seefische wären alt, wenn fie in Berlin ankämen, und zur Austersauce würden con- servirte Austern verwandt- der Spargel wäre bindfadendünn und ohne Köpfe, die Schoten hätten ihr schönes grüne» Aussehen von giftiger Farbe und zu den Würstchen ver- wendete man in Berlin allgemein Pferdefleisch — und er zog fich die entschiedene Nichtachtung des Kellners zu, als er in feiner gemächlichen Weise mit seinem breiten ostpreußtschen Accent erklärte: „Da seien graue Arbsen mit Spack oder so ein Teller kräftigen Flacks doch ein ganz anderes Assen."
Als wir beim Kaffee angelangt waren, fragte er mich: „Wa- unternehmen wir jetzt?"
Ich räusperte mich und dann raffelte ich mein Programm, das ich mir mühselig mit möglichst practischer AuS- nützung der Zeit zurechtgelegt hatte, herunter: DaS ethnographische und daS Postmuseum, den Victoriapark und die Singakademie, Volles Meierei und die Gemäldeausstellung bei Gurlitt — alles wollte ich meinem alten Freunde mit Aufopferung meines eigenen Wohlbehagens vor Augen führen, — er sollte mit mir zufrieden sein.
Da lachte Alexander, daß ihm die Thränen über die Backen liefen.
„Um Gotteswillen, höre auf," pustete er, „willst Du mich denn tobt machen? Nicht einen Tag hielte ich die» aus! Warst doch sonst ein fideleS Knetpgenie und jetzt bist Du unter die Propheten gegangen? Nein, mein guter Dicker, diese Abhetzerei wollen wir unS getrost ersparen, da habe ich einen besseren Vorschlag: Weißt Du, wa- wir jetzt zunächst vornehmen werden--eine urfidele Bierreise wie
in alten schönen Zeiten."
„Topp, eine Bierreise!"
DaS war ein famoser Gedanke. Wie lange schot, hatte ich keine rechtschaffene Bierreise mehr gewacht — im Grunde ist eß ja auch ein heilloser Blödsinn, fich den Magen mit einem Uebermaß aller möglichen Sorten Biere« zu überladen und sicher nicht gesünder als die vergifteten Schoten und die conservirten Austern. Aber leider ist ein Blödsinn oft recht amüsant — wir würden also eine Bierreise machen.
„Gib doch Deinen Stock dem Kellner zur Aufbewahrung," rieth ich meinem Freunde, denn mir erschien dies Stockungeheuer mit der Riesenkrücke aus Hirschgeweih etwas stark ländlich - aber Alexander wies dies Ansinnen mit Entrüstung zurück. Von seinem Knüttel trennte er fich nie, und er ließe ihn auch nirgend- stehen- zudem könne man nie wissen, wie solch ein Stock einem von Nutzen zu sein vermöge. Er sei ja ein harmloser Mensch, der gewiß keinen Streit provocire, aber mit „diesem hier" würde er jederzeit seinen Mann stehen.
Ich schwieg und dachte bei mir, Freund Alexander sähe ganz danach au», al- ob er eS auch ohne „diesen" thun würde.
So traten wir, gegen alle Eventualitäten gerüstet, die projectirte Bierreise an.
Alexander erwies fich als ein urgemüthlicher Cumpan- er hatte etwas so bieder-herzliche» und vertraueneinflößendeS in seinem Wesen, daß man fich ihm rückhaltlos hingeben konnte. Wir wanderten, wie e» zu einer vorschriftsmäßigen Bierreise gehört, auS einem Local ins andere. Alle Stätten, auf denen wir ehemals mit Eifer und Erfolg daS Studium der Bierologie betrieben hatten, suchten wir wieder auf, und Freund Alexander schüttelte mehr als einmal bekümmert fein Jupiterhaupt, wenn er da, wo wir dereinst in einem bescheidenen Restaurant gekneipt halten, einen großen, prächtig auSgestatteten Bierpalast fand.
(Fortsetzung folgt.)


