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Redaction, Expedition
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Hratisöeitage: Hießener Aamilienökätter.
Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Der
Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.
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Die Gießener Aamitienötälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
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Amts- und Anzeigsblatt für
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Aurtllcher Ltzell.
Gießen, 15. Februar 1897. Detr.: Die öffentlichen Tanzbelusttgungeu.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
*» die Oroßh. Bürgermeiftereien der Landgemeinden des Kreises.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 12. No- vrmber 1895 (Anzeiger Nr. 269) machen wir Sie darauf aufmerksam, daß dle Foimularien zu den zu erstatteuden Berichten in der Schreibmaterialienhandlung von Wilhelm Klee dahier zu haben find.
v. Gagern.
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Gießen, den 16. Februar.
Personal-Nachrichten. Se. Kgl. Hoheit der Groß. Herzog haben Allergnädigst geruht: 1. den Vortragenden Rath bet der Abthetlung des Ministeriums der Finanzen für Eisenbahnwesen Geh. Oberbaurath Arthur Wetz zum hessi- scheu Vortragenden Rath in dem Königlich preußischen Mini« pertum der öffentlichen Arbeiten- 2. unter gleichzeitiger Er. vennung zu Mitgliedern einer Eisevbahndirection in der hessisch preußischen Etsenbahngemeinschaft: den Director bei der Hessischen LudwtgS-Etseubahn Gesellschaft, Commerzienrath Philipp M a s ch m a n n zum Oberregierungsrath; den Director bet der hessischen Ludwigs-Eisenbahn Gesellschaft, Baurath Theodor Hehl zum Geh. Baurath- den Oberingenieur bei der Hessischen LudwigS-Eisenbahn Gesellschaft, Baurath Ferdi- «and Winkler zum Regierung-' und Baurath- den Bor- fiarid deS CentralbureauS der Dtrection der Oberhesfischen Eisenbahnen, Finauzroth Philipp Burger zum Regierung-« rath- den Vorstand der Baubehörde für Nebenbahnen in Starkenburg, Baurath Philipp Stahl zum Regierungs- und Baurath- den ständigen juristischen Hilfsarbeiter bet dem Ministerium der Finanzen, Finanzrath Wtlh. Welker zum Regterungsrath - den ständigen juristischen Hilfsarbeiter bei dem Ministerium der Finanzen, Finanzrath Dr. Gustav Clemm zum RegierungSrath- 8. zu Vorständen von Inspektionen in der hefsisch.preußischen Etsenbahngemeinschaft und zwar: den Bezirk-ingenteur bei der Hessischen Ludwig--Etsenbahngesell- schaft Wilhelm Ampt zum Eisenbahndirector mit dem Range
der RegierungSräthe- den Bau- und BetriebSinspcctor bei der Maiu-Neckar-Eisenbahn, Baurath Friedrich Stegmayer zum Regierungs und Baurath- den BetriebSconrrolleur bet der Hessischen Ludwig-Etsenbahngesellschaft Ludwig Frey zum Eisenbahndirector mit dem Range der Regirrungsiäthe- den Eisenbahnbau. und BetriebStnspector bet den Oberhessischen Eisenbahnen, Baurath Georg Scyoberth zum Etsen- bahndirector mit dem Range der Regterungsrälhe- den Eisen« bahnbauinspector bei den Oberhesfischen Eisenbahnen, Baurath Ludwig Roth zum Regierung-' und Baurath- den Bezirks- ingenieur bei der Hessischen LudwigS-Gisenbahn-Grseüschast Friedrich Weiß zum Eisenbahndirector mit dem Range der RegterungSräthe- den BetrtebScontrolleur bet der Hessischen Ludwigs'Eisenbahngesrllschaft Heinrich Mülwert zum Eisen« bahndirector mit dem Rang der RegterungSräthe- ' den Obergüteriuspector bei der Hessischen Ludwigs Eisenbahn« Gesellschaft August Klöß zum Eisenbahndirector mit dem Rang der RegterungSräthe- den Eisenbahn Bau« Jnspector bei den Oberhessischen Eisenbahnen Karl Q u e r n e r zum Eisenbahndirector mit dem Range der RegterungSräthe- den Maschinenmeister bet der Hessischen Ludwig- Eisenbahn-Gesellschaft Georg Heuer zum Etsen« bahnmaschinen-Inspektor- 4) den Eisenbahn - Bauinspector Jacob Getbel und den Vorstand der Baubehörde für Nebenbahnen in Oberhrffen, Eisenbahn-Bauinspector Arthur Wolpert, zu Eisenbahn-Bau- und BetriebSiuspcctoren und den BetriebScontrolleur bet den Oberhesfischen Eisenbahnen, Eisenbahn-Bauinspector Friedrich Heß unter Belaffung deS Titels „Eisenbahn-Bauinspector" zum Werkftättevorsteher — in der hessisch-preußischen Eisenbahn-Gemeinschaft — sämmt- lich mit Wirkung vom 1. April d. I. an zu ernennen. An demselben Tage: den Eisenbahn-Bauinspector bei den Oberhessischen Eisenbahnen Heinrich Simon zum Bau« und BetriebStnspector bei der Main Neckar-Bahn mit Wirkung vom 1. April d. I. an zu ernennen.
VeVMkschckKSc.
* Lützellinden. 15. Februar. Gestern starb hier unser Pfarrer, Herr Hugo Schonebohm, im 59. Lebensjahr.
* Frankfurt a. M., 15. Februar. Ein trauriger Fall, der die Warnung, nicht mit Schußwaffen zu spielen, wieder einmal in erschreckender Form vorträgt, hat sich gestern er« eignet. Abends gegen 7 Uhr wurde der 14 Jahre alte Mertanschitler Jul. v. Et ff auf dem Mufikaotenweg mit
einer Schußwunde im Hinterkopf bewußtlos aufge- fanden. Der Knabe war Nachmittags mit drei Mitschülern nach der Mainkur gefahren, um dort im Wald zu schießen. Sie hatten ein Terzerol und einen Revolver mit Munition bet sich. Bei der Heimkehr zielte auf dem Musikantenweg einer der Jungen mit feinem Terzerol, das er für entladen hielt, nach dem Kopfe deS vor ihm gehenden v. Eiff, ein Schuß krachte und v. Eiff fiel zu Boden. Im ersten Schrecken liefen die Begleiter davon - der unglückliche Schütze kehrte jedoch zurück, rief um Hilfe, holte eine Droschke und trug so dazu bei, daß der Schwerverletzte sofort in Bürgerspital eingeliefert werden konnte. Er leugnete zwar Anfang-, legte dann aber doch ein Geständniß ab. Die beiden Jungen waren befreundet und hatten keinerlei Streitigkeiten. Die Kugel ist vermuthlich ins Gehirn gedrungen, an dem Aufkommen des Getroffenen wird daher gezweifelt. Er ist der einzige Sohn seiner Eltern.
* Eine interessante Mittheilung über den Circus entnehmen wir der von der „Union Deutsche Verlag-- gesellschaft" in Stuttgart herauSgegebenen „Zllnstrirten Chronik der Zeit". So groß der Unterschied des modernen Ctrcu» von demjenigen früherer Zeiten auch geworden ist, eine Einrichiung ist unberührt geblieben von allem Wechsel der Veränderungen: wir meinen den inneren Kreis, die Manege, deren Durchmesser stets und überall 13 Mtr. beträgt. Sei es in China oder Peru, in einer der großen europäischen Hauptstädte oder in einem kleinen Marktflecken — niemalS toirb man einen CircuS antreffen mit einem anderen Ringe als dem von 13 Mtr. ES giebt natürlich einen-Grund für diese merkwürdige Gleichmäßigkeit. CircuSreiter und CircuS- Pferde find Nomaden- wohin sie auch kommen in der Welt, überall müffeu sie den nämlichen Ring finden, sonst wären ihre Vorstellungen gestört, wenn nicht gar unmöglich gemacht. Für den 13-Meter-Ring trainirt, haben sich Roß und Reiter an die EtnwärtSbeugung beim Umfliegen desselben, an den ganz bestimmten Neigungswinkel gewöhnt, den der Radius von 6y, Mtr. bei der gegebenen Geschwindigkeit bedingt. An der Innenseite hat jede Manege auch eine demgemäß schräge Ueberhöhung deS Erdbodens.
* Börsenhnmor. Angesicht- der Entsendung von griechischen Schiffen nach Creta hieß es am Donnerstag an der Berliner Börse: Die Cretenser find die ersten, die seit langer Zett . . . einen Kreuzer von Griechenland zu sehen bekommen.
Fe«illeton.
Kleine Züge aus Melanchthons Leben.
Zur 400jährigen Gedächtnißfeier seine- Geburtstage-.
Von Hermann Frenzel.
(Schluß.)
In der That, Melanchthou bekam seine Frau, aber er bereute die Annahme nicht, sondern vielmehr, daß er in die Sitcher mehr verliebt gewesen, al- recht ist. Bon seiner Frau sagte er: „Sie ist ein Mädchen von solchen Eigenschaften nub solcher GemüthSlage, wie ich'S vom Himmel nur wünschen Kante."
Am 25. November, dem Tage der Einsegnung der Ehe, IKß der eifrige Profeffor seine Vorlesung ausfallen, welchen N sauer gewordenen Entschluß er den Studenten durch einen Anschlagzettel mit der Motivirung ankündigte, er werde H an diesem Tage „angenehme Muße" verschaffen. Freilich, borgen fanden die Neuvermählten genug vor, da Beide kein Vermögen hatten und da- Gehalt des Gelehrten nur hundert Eulden betrug. Obgleich nun Käthe eine sorgliche Hausfrau nur und der treue Famulus Joh. Koch ihr nach Kräften Wand, auch der Kurfürst häufig Wild, Fische und Wein für den neuen Haushalt spendete, ließ sich doch mit hundert Salden schwer genug auskommen, umsomehr als Melanchthou rls unpractischer Gelehrter mit dem Gelbe nicht umzugehen »ußte. Mit vieler Mühe gelang e- endlich Luther, ihm eine örrdoppelung seines GehaltS zu erwirken, das im Laufe der )ahre bis 400 Gulden stieg.
Einfach genug muthet uns heutigen Tages die häusliche Einrichtung de- Profeffor- an. Nirgend» Luxus und Pracht. Schlichtes Steingutgeschirr und Blechlöffel hatte Käthe mit «die Ehe gebracht. „In der Familienstube", heißt eS in hier aus Anlaß der Jubelfeier erschienenen, von D. Paul laiser in Leipzig verfaßten Biographie de- Reformator-, .befand fich außer dem braunen großen Kachelofen in der Witte ein Tisch, dazu eichene feste Stühle und Bänke, ein Mr Truhen und der an der Thür aufgehängte Brodkorb.
In Melanchthons Zimmer waren auch keine LvxuSmöbel zu entdecken. Sein Ruhebänklein, ein einfache- Sopha, gesellte fich erst in den späteren Jahren seines Leben-zu dem Arbeit-- tisch, den Stühlen und Büchergestellen. Er war schon ganze vier Jahre verheirathet, hatte aber seiner Frau noch kein neue- Kleid kaufen können ... Er selber hatte in der Regel nur einen Rock, der im Winter mit Pelz gefüttert war."
Allerdings zeigte sich Melauchthon als ein gar freigebiger Herr, der immer für Arme und Freunde eine offene Hand und eine offene Tafel hatte. Er war so gutmüthig, daß er Niemand ohne Hilfe oder ein gutes Wort entließ. Hilfsbereit gegen Jedermann, in Worten und Werken. Seine Freunde verweilten oft und gern in seinem Hause, er war einem Scher- nicht abhold, sprach gern von seinem Vaterlande und nahm sogar an einem Tänzchen in Ehren theil. So ging er, immer wohlthätig, gastfrei, aufopfernd und gut, oft über seine Mittel, fein. Gehalt zerfloß ihm unter den Händen und der Verkauf der zahlreichen Ehrengeschenke, die er von allen Seiten empfing, wußte oft aushelfen. Sein eigener Schwieger- sohn, der Arzt Peucer, rieth davon ab, ihm zu schenken, da er'S doch gleich wieder weggebe. Einen Besucher, dem die kostbaren Münzen des Professors in die Augen stachen, fragte er, welche davon er wünsche, denn die solle er haben. Der dreiste Herr erwiderte.darauf: „Ich wünsche sie alle." Melauchthon war ob der frechen Antwort zwar verduzt, aber doch zu gutmüthig, ihm da» Verlangen abzuschlagen: er schenkte ihm die ganze Sammlung.
In der Kost hielt er fich und fein Haus einfach, er selbst aß wie ein Vöglein, sodaß Frau Katharine oft genug Jum seine Gesundheit Sorge trug. Seine Kinder liebte er zärtlich, ja er verschmähte e» nicht, von ihnen zu lernen. Einst wandte er sich mit der Frage an seine Tochter Anna: „Was machst Du, wenn die Mutter zankt?" Und als sie antwortete: „Nicht-", lächelte er und nahm fich vor, künftig auch nicht» auf die Schmähungen seiner Gegner zu erwidern. Diesen Borsatz hielt er redlich, wie er überhaupt, in seiner Jugend reizbar, später immer ruhiger und sanfter wurde. Freunde
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§
I
Haber ihn an der Wiege eines seiner Kinder fitzen sehen, mit der einen Hand schaukelnd, mit der anderen das Buch haltend, worin er las. Er hatte im Ganzen vier Kinder, zwei Knabe» und zwei Mädchen. Ein Sohn, Georg, starb früh, und eine Tochter Anna, verheirathete fich unglücklich und erreichte ebenfalls nur ein Alter von 25 Jahren. Ihre Kinder nah« der Großvater ins Haus, ebenso den Sohn seine» Bruder- Georg.
Da- Erstaunlichste an dem sschwächlichen Männchen ist und bleibt jedoch seine Arbeitskraft. Selten gönnte er fich mehr als vier oder fünf Stunden Schlaf, feinen Tag füllte» Studien, Arbeiten, Vorlesungen, Conversationen, Correspon- denzeu. Ein Wunder, daß fich dieser rastlose Geist nicht vor der Zeit aufriet'! Denn wenn der edle Mann auch für fei» Werk noch viel zu früh starb, fo erreichte er doch immer ei» Alter von 63 Jahren. Seine treue Ehefrau war ihm im Tode vorausgegangen.
Als seltsam verdient der Umstand hervorgehoben zu werden, daß Melanchthon, 14 Jahre jünger als Luther, de» Freund auch gerade um 14 Jahre überlebte. Die letzte» Lebensjahre des Greise- brachten leider Sorgen und Stürme der schlimmsten Art. Die Schrecken de- Kriege» trieben ih» au» Wittenberg hinweg, von Zerbst nach Nordhausen, von da nach Braunschweig. Seine Gegner der alten und neue» Richtung verlästerten ihn, weil er ihnen zu nachgiebig erschien. So war er müde, recht müde, al- er am 19. April 1560 sanft verschied.
Am Tage vor seinem Tode ließ er fein Reifebett aufstellen, indem er lächelnd bemerkte, er werde darin zur Heimath reisen. Sein letzte- Wort, als Antwort ans die Frage seine- Schwiegersöhne-, ob er noch etwa- wünsche, war: „Nicht- al- den Himmel! Darum fragt mich nicht» mehr."
In der Schloßkirche zu Wittenberg, neben Luther- Grab, fanden seine sterblichen Ueberreste ihre Ruhestätte. Tausende weinten um ihn und man darf wohl sagen: Diese Thränen flössen ebensowohl dem Menschen al» de« Reformator!


