Issue 
17/01/1897 Zweites Blatt
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

695

Eintritt:** Oüeder IO Pf

Mitglieder 30 Pf,

®emeinb;öetttetuna nette mir gegenüber ,7* gesagt Stützpunktes ent« "lt der ganzen Sache er labt sich jo um Weit ober gar Um der Angreifer ein Mann ist, von bem mgelium galt? Die mMangel an Tact von Herrn Pfarrer Anschuldigungen gegen , unb sich nicht ber» $urbe° und die pri= :rrer Stoffer hat r ßonftlfion bit u» : zu schleudern; ich chtiMgen Mich \i 693

r, Laplan.

Ibau.

aouar:

oncert

7«

116, So!« SW® rs Herrn C. Ärault gotrie 30 Pfg.

MGicßen kMPSlüW Rahnstem.

Sonntag? zenhaus!

gfjtwifM - Färbt».

JSS? Iss»

Ä"'"

LKi.-- fhf# phie * * ,

Mr. 14 Zweites Blatt. Sonntag den 17 Januar iS 07

Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener KamisienStätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger.

Vierteljähriger Avonnemcntspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expeditia» und Druckerei:

Schulstraße Ar.7.

Fernsprecher 51.

Amts- unb Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Stummer bis Bonn. 10 Uhr.

Gratisbeilage; Gießener Kamitienötätter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgeg«. i

Derrtsches Reich.

Darmstadt, 15. Januar. Mittwoch, 13. Januar, fand im Gtogherzoglichen Palais am Lutfenplatz der zweite dies- winterliche Hofbatl statt. An demselben nahmen Ihre Königlichen Hoheiten drr Gro hh erzo g und die Groß. Herzogin, Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm, J.J. D.D. der Prinz und die Prinzessin zu Solms Braunfels, I. D. Prinzessin Alfred zu Nienburg-Büdingen nebst Prin­zessin-Tochter, Se. Erl. der Graf zu Erbach-Fürstenau und Graf EiiaS zu Erbach Fürstenau, im ganzen 234 Personen, teil. Die Ballmufik führte die Capelle des 1. Großh. Inf.« (Leibqarde ) RegtS Nr. 115 aus. Darmst. Z.

WMV

n. Ans Oberheffeu, 14. Januar. Die Mathilden- ftiftu ng für Oberhessen hat für daS Jahr 1897 rund 1150 Mk. für wohlthätige Zwecke zur Verfügung gestellt. In erster Linie sollen hiervon Kleinktnderschulen bedacht werden.

n. Büdingen, 14. Januar. Unsere Molkereigenossen, schäft plant die Errichtung einer Rahmstation in Ran- stadt, sobald dort und in der Umgegend 1000 Liter Milch geliefert werden, was nach den fortwährenden Beitritts­erklärungen wohl bald der Fall sein wird. Ein großer Vortheil für unsere Molkerei besteht darin, daß sie viele ihrer Producte in der Stadt selbst verwerthen kann. DaS Platzgeschäft hat nämlich ein monatliches Conto von rund 2000 Mk. Man kann hiernach bemessen, wie viele Ver­packung«- und andere dergleichen Kosten hierdurch gespart werden. Zu bemerken ist noch, daß es der Molkerei ge­lungen ist, durch sehr günstige Abschlüsse mit Fabriken ihren Genossen billige und gute Futterartikel zu liefern. Die Ersparung beträgt bei manchen Artikeln etwa ein Drittel deS sonstigen Preises.

»* Rieder Breidenbach bei Romrod, 14. Januar. DaS 25jährtge AmtSjubiläum beging am 12. dS. Mts. Herr Bürgermeister Sch eerer von hier. Aus diesem Anlaß veranstaltete die Gemeinde eine besondere Feier, welche in glanzvoller und in einer, den Jubilar besonders ehrenden Weise verlief. Um 3 Uhr Nachmittags bewegte sich ein Festzug, voran die Schule mit roth-weißen Fähnchen, dann

Feuilleton.

Eine Spazierfahrt nach Norwegen.

Reiseerlebnisse von Joseph Kahn, Ranstadt (Oberheffen).

(6. Fortsetzung.)

E »blich sollten wir Bergen, die herrliche nordische Stadt, zu sehen bekommen Im Nu waren so und so viele Fern­gläser nach der Richtung, wo die Stadt un- entgegen« zuschwimmen schien, aufgezogen. Die Aussicht, die man vom Schisse aus genießt, ist wirklich eine der herrlichsten, die es geben kann. Ganz nahe vor uns die vielen rothen Dächer, umkränzt von kleinen und großen Schiffen mit ihren Masten und Segeln, im Hintergründe die sieben Berge, darauf zer­streut viele herrliche VillaS, ein köstliches Panorama, von dem sich das Auge nur ungern trennt. Wie eine Perle im Meere liegt sie da, deS Nordens schönste Stadt. Die Herren Pädagogen hatten schon auS ihren Bädrkern oder Meyer hecauSgefunden, daß der ältere Theil BergensTiSkebrigge" heiße, da derselbe einstens von den Deutschen angefiedelt worden ist.

Capitän Goll trat auf mich zu, um mir in seiner freundlichen Weise von den Merkwürdigkeiten Bergens zu erzählen.Vergessen Sie nicht, mein lieber Herr, TiSke- bijgge zu besuchen, eS ist einmal von den Deutschen ange­fiedelt worden." Ich versprach eS ihm natürlich. Unten in der Cajüte traf ich den Maschinenführer, ein Kopenhagener, der gern Aufschluß an Reisende gab.Vergessen Sie nicht, TiSkebrigge zu besuchen, eS ist einmal von den Deutschen angefiedelt worden," schloß er seine interessante Darstellung. Als ich am Nachmittag in einer Wirthschaft bei einer Flasche Del saß, redete mich ein nett gekleideter Herr in ziemlich gutem Deutsch an.Sie find wahrscheinlich fremd hier," sprach er zuletzt. Ich bejahte.Dann vergessen Sie nicht, TiSkebrigge zu besuchen, es ist einstens von den Deutschen angefiedelt worden." Ich dankte ihm für die Neuigkeit. Bei einem Spaziergange durch die Stadt begegnete mir ein Bettler, dem ich ein 10 Dere-Stück in den Hut warf. Er war so gerührt von der großen Gabe, daß er mir btt Hand circa fünf Minuten lang schüttelte. Zitternd sprach er end­lich:Mein Herr, ich bin alt und gebrechlich und kann Ihnen keinen Dienst für Ihre große Gabe thun, aber da ich sehe,

Ortsoorstand, Schulvorstand rc. nach der Wohnung des Bürgermeisters. Hier angekommen, sang die Schuljugend daS Lied:Lobet den Herrn", worauf Herr Beigeordneter Kasper im Namen der Gemeinde die Geschenke, nämlich einen schönen Sessel und ein nettes Schreibzeug mit folgender Ansprache überreichte:Sehr geehrter Herr Jubilar! Die hiesige Gemeinde will den heutigen Tag nicht vorübergehen lassen, ohne ihrem Oberhaupt die Anhänglichkeit und Liebe zu beweisen. Sind es doch heute 25 Jahre, daß Sie das ehren- und zugleich mühevolle Amt eines Bürgermeisters an­traten. Der Gemeinderath hat mich beauftragt, Ihnen, ver­ehrter Jubilar, zu Ihrem 25 jährigen Amtsjubiläum im Namen der Gemeinde die herzlichsten Glückwünsche zu über­bringen und Ihnen diese Geschenke als ein Zeichen der An« hänglichkett und Anerkennung zu überreichen. Möchten Sie dieses Schreibzeug noch lange Jahre in Ihrer Amtsthätig- keit benutzen und Ihnen die seitherige eiserne Gesundheit er­halten bleiben. Möchten Sie immer in diesem Sessel Er­holung finden und darin mit Freuden an den heutigen Tag zurückdenken. Nehmen Sie, verehrter Jubilar, nochmals die herzlichsten Glückwünsche entgegen." Nach .einem weiteren Gesang der Schulkinder ergriff Herr Lehrer Rothermel zu der eigentlichen Festrede das Wort. In gewandter Weise entledigte sich Redner dieser Aufgabe. Er pries die vortreff­lichen Eigenschaften deS Bürgermeisters und die vielseitigen Verdienste desselben um das Wohl der Gemeinde. Seine Rede klang in einem Hoch auf den Jubilar aus, welches leb­haften Widerhall fand. Bewegten Herzen» dankte der Ge­feierte für die ihm über alle Erwartung so reichlich erwiesenen Ehren und sür die hübschen Geschenke. Sein Hoch galt der Gemeinde Nteder-Breidenbach. Die Schulen erfreuten die Versammlung darauf mit einem Vaterlandslied und entfernten sich, mitWecken" beschenkt. Nunmehr nahm der gesellige Theil der Feier seinen Ansang. Der Jubilar ließ eS sich nicht nehmen, in seiner Behausung die Festtheilnehmer auf das Liebenswürdigste zu bewirthen. Eine recht gemüthliche Stimmung griff bald Platz. Den ersten Trinkspruch brachte Herr Districts Einnehmer HaaS von Romrod mit einem Hoch auf Se. Kgl. Hoheit den Großherzog aus, in welches die Anwesenden jubelnd einsttmmien und die Hymne stehend ! fangen. Musikalische Unterhaltung, schöne Lieder und allerlei Trtnksprüche brachten einen stimmungsvollen Wechsel. In

daß Sie fremd sind, so will ich Sie auf etwas Interessantes hier aufmerksam machen. Dort drüben liegt Tisk* Ich ließ ihn nicht vollenden, sondern entfernte mich mit einer Geschwindigkeit von ihm, um die mich ein Radfahrer hätte beneiden können. Am nächsten Tage sah ich einen kleinen Letchenzug. Ich glaube, eS war der Bettler, der an ge­brochenem Herzen starb.

Jeder, der auf dem Bollwerk stand oder dem wir später auf der Straße begegneten, hatte einen Regenschirm in der Hand, denn in Bergen soll eS beinahe jeden Tag regnen. Wenn die holländischen Schiffe hier vorbeifahren, rufen sie den norwegischen Schifffahrern zu:RepnetS in Bergen noch?" woraus der Bergener antwortet:Bläst der Wind in Holland noch?"

Die Stadt, die ehemals Björgvin hieß, war im Anfänge dieses Jahrhunderts die größte Stadt und der wichtigste Handelsplatz Norwegens. Vom Anfänge des 15. bis zur Mitte des 17. Jahrhundert- war sie bekanntlich eine der vier großen HandelScomptoire deS HansabundeS. Gegen Ende de« Mittelalters war sie die Residenzstadt mehrerer Könige Norwegens und prangte da mit 22 Kirchen und fünf Klöstern, von denen jetzt nur noch die Domktrche und die Marienkirche existiren. Nördlich von der Marienkirche liegt die alte Königsburg, spätere Festung Bergenhuu» mit Walken­dorfs Thurm.

Unser erster Gang war nach dem Fischmarkt,Torv" genannt. ES schien, als hätte man das halbe Meer auS- geplündert. Fische von allen Größen und von allen mög­lichen Arten konnte man auf den Brettern liegen sehen. Manche davon zeigten noch Spuren von Lebenslust. Hunderte von Booten liegen dicht am Ufer und der rauh aussehende Fischermann reicht der Frau, die hauptsächlich als Verkäuferin eine Rolle spielt, die schönsten und größten Lachse herauf. Die Preise find lächerlich niedrig, dennoch bemerkte ich, wie manche Madame mit der gutmüthigen Fischerfrau um einige Oere feilschte. Dabei denkt die feine Dame nicht, welchen Gefahren der arme Fischer sich womöglich ausgesetzt hatte, als er bei Sturm und Wind auf dem trügerischen Wasser hinfuhr. Stockfische, Makrelen, Lachse und Dorsche bilden den Hauptfang. Ich sah Fische, die über einen Meter lang waren und fett wie Schweine. Fisch bildet denn auch die Haupt­nahrung im Norden. Man macht sogar Fischwurst, Fisch»

längerer, ausgezeichneter Rede feierte Herr Pjarrer Klingen- schmidt die Tugenden des Jubilars und seiner Familie und endete mit einem Hoch auf dieselbe. Herr Bürgermeister Scheerer dagegen gedachte mit warmen Worten der vor­gesetzten Behörde und brachte ein Hoch auf Herrn Kreisrath vr. Melior mit Einschluß der Verwaltungsbehörden des Kreises auS. DaS in allen seinen Thetlen auf daö Schönste verlaufene Fest endete erst einige Zeit nach Mitternacht. Die wohlthuende Einmüthigkeit, mit welcher Nieder-Breidenbach sich zur Feier rüstete und dieselbe beging, ist für die Ge­meinde wie für ihr Oberhaupt ein gleich ehrendes Zeugniß. Eine dem Jubilar zugedachte Auszeichnung konnte leider nicht gleichzeitig verliehen werden, weil Großh. KreiSamt Alsfeld zu spät von dem bevorstehenden Jubiläum Kenntniß erhielt. Die Verleihung wird, wie aus guter Quelle mitgetheilt wird, in aller Kürze erfolgen.

Literatur und Rrrnst.

Das 2. Heft von dem nationalen Prachtwerk: ftaiftt Wilhelm der Große, Deutschlands Retter und Rächer do» vr. Adolf Zebltcke, Verlag von Louis Abel, Berlin 8., Sebastianstraße 29, Preis 50 Pf., ist jetzt erschienen i-nb enthält wie das 1. Heft eine Anzahl von interessanten Voll- und Doppel­vollbildern aus dem Leben Kaiser Wilhelm I. Der Verfasser schildert in anschaulicher Weise in diesem Hefte die Folgen der Uneinigkeit des deutschen Volkes, die furchtbaren Bürger- und Religionskriege, welche Deutschland verheerten und es zum Tummelplätze auslän­discher Heere machten und viele Gebiete des Reiches verlieren ließen. Er weist nach, wie die Hauptschuld die Kaiser aus dem Habsburger Geschlecht trifft, welche jede Reform des Reiches und Der Kirche ver­hinderten und die Veranlassung zu immer weiteren Zerrüttung des Reiches waren, während die Hohenzollern seit der ältesten Zett bestrebt waren, die Macht und Größe des Reiches zu fördern und zu heben, so daß das Werk Kaiser Wilhelm« als die Vollendung der Bestrebungen seiner Ahnen erscheint, die sich vergebens bemühten, das Deutsche Reich zu resormiren und seine Macht wieder herzu­stellen. Durch die Nachweisung des Zusammenhangs der Ereignisse in der Gegenwart mit den vergeblichen Bestrebungen in der Ver­gangenheit erhält dieses Werk einen ganz besonderen Werth, insofern es die hohe Bedeutung der weltgeschichtlichen Thaten, die der große Kaiser vollführte, erst recht veranschaulicht. Es wird daher dieses Werk jedem erwünscht sein, der sich über Kaiser Wilhelms große weltgeschichtliche Bedeutung unterrichten will und ist daher besonders alS eine Ergänzung der Geschichtswerke zu empfehlen, welche sich meistens in nebensächliche Details verlieren und die Hauptsache verdunkeln.

suppe, aber beide schmeckten mir nicht besonders. Außer Rennthierbraten sind alle Sorten Fleisch höchst mager und unappetitlich. Der Lärm auf dem Markte war so groß, daß man ihn wohl in der ganzen Stadt hören konnte. Der Geruch aber war noch größer und trieb unS bald dem uahe- liegentenTiSkebrigge" zu. In der Mitte deS Marktplatzes steht daS Monument des Dichters Holberg. TiSkebrigge heißt wörtlich: deutsche Brücke, die man, vomTorv" kommend, überschreiten muß, ehe man sich in dem berühmten Stadttheil gleichen NamevS befindet. Dieses alte Häuser- viertel liegt längs der Oftseite der Barg und wird so ge­nannt nach der Zeit, da die Hanseaten hier waren. ES ist eine lange Reihe hoher, weiß gemalter Packhäuser, welche mit langen, dunklen und engen Durchgängen fich' bis nach Oevergaden hinstrecken. Die Häuser wurden nach der großen Feuersbrunst in 1702 wieder aufgebaut und haben meistens ihr altes Gepräge von der Zeit der Hanseaten behalten. Die Häuser wenden ihre Giebel der Straße zu und, wie schon erwähnt, werden die meisten als Magazine für die nordischen Producte und als Comptoirs für die nordischen Händler, die sogenannten StuerS, benutzt.

ßur ZeitStaeveners tider wenn die Nordländer mit ihren Maaren ankommen, und 100 Schiffe gleichzeitig im Lause von 14 Tagen expedirt werden sollen, herrscht hier eine Geschäftigkeit und Thätigkeit, die fich lohnt, anzusehen. Vom Fisch- und Thrangeruch muß man natürlich fich nicht abschrecken lassen. DaS Hansamuseurn mit den merkwürdigsten Reliquien jener geschäftigen Zett bildet einen der Hauptan- ziehungspunkte dieses StadttheilS. Am Abend bestiegen vir e neu der fieben Berge, Floens genannt, der 300 Meter hoch ist, und von welchem man eine Aussicht über die ganze Stadt und ihre Umgebung genießt. Der Weg ist schlangevsörmig angelegt, und je näher man dem Gipfel kommt, um desto herrlicher wird daS Bild, um desto malerischer liegt die nor­dische Stadt unter uns, die Hauser rücken immer mehr zu­sammen, bis endlich ein Panorama sich vor uuö auSspanut, wie keine noch so glückliche und phantafievolle Malerhaud hinzaubern könnte. Ja, ich selbst kam mir wie verzaubert vor, so überwältigend wirkten die Schönheiten der Natur auf mich.

(Fortsetzung folgt.)