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16.10.1897 Zweites Blatt
 
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SamStag den 16 October

Nr. 243 Zweites Blatt.

Gießener Anzeig er

Kenerat-Mnzeiger.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis (Sieben.

chratisbeikage: Gießener Aamitienökätter.

Lllr Xnnoncen-Barean; bei In- unb LurianbeS nehm« «nzei-e» für batSirßcucr Ä*jti|erw cntyt«.

neebmc von Anzeigen zu ber Nachmittag- für b« fotgenben Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Dir Gießener Damitieuttüller »erben dem Anzeiger »Gchentttch dreimal beigelegt.

Der

Gteßeuer Zuzeiger erscheint täglich, «rit Ausnahme bei Montags.

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Mexikos Staatsoberhaupt.

Bon Friedrich Gerhard.

(Nachdruck »erboten.)

Die unlängst au- Mexiko eingetrofjeuen Telegramme, die Iber das Attentat auf da- dortige Staatsoberhaupt, den General Porfirio Dtaz berichteten, haben vorübergehend das allgemeine Interesse auf besten Persönlichkeit gelenkt, die leider bestimmte in jener Republik interesfirte Kreise aus­genommen im Allgemeinen weniger bekannt ist, al- fie er verdient.

Porfirio Dtaz, der schon seit 1884, in der dritten Amts- periode, die Geschicke jener Nord« und Süd-Amerika verbin­denden Republik lenkt, ist der geborene Staatsmann im vollsten Sinne de- Worte- und kann, wenn der Vergleich gezogen werden darf, mit Recht derBismarck" seines Lan­des genannt werden.

Von Beruf Soldat hat er bis in sein reifere- MauneS- alter in den Kriegen der Republik gegen die Bereinigten Staaten und gegen da- den Mexikanern von Napoleonischer Willkür aufgezwungene Kaiserreich Maximilians die Waffen für sein Vaterland getragen. Eine seiner hervorragensten Waffenthaten war die Besiegung der Franzosen bei Puebla, in welchem die kriegsgewohnten, kaum aus dem Krimfeldzuge znrückgekehrten Kerntruppen Napoleon- HI. dem Ungestüm und der genialen Leitung der um ihre Freiheit kämpfenden Mexikaner nach hartnäckigem Widerstande unterlagen.

Als nach dem Tode von Benito Juarez nach den Be« stimmungeu der Verfassung der Präsident des obersten Gerichts­hofes Lerdo de Tejada zu« Präsidenten ernannt wurde, und «vier ihm die alte Mißwirtschaft, die leider in den spanisch- amerikanischen Republiken an der Tagesordnung ist, auf- Neue einzureihen drohte, gelang e- Porfirio Diaz nach wieder­holten Kämpfen im November 1876 die Hauptstadt Mexiko zu erobern und die Regierung zu stürzen. Im Februar 1877 wurde er zum Präsidenten gewählt, welche Würde er seither, nur mit vierjähriger Unterbrechung, zum Segen seines Lan- des inne hat.

Als er die Regierung 1884 zum zweitenmale übernahm, «ar das Land im jämmerlichsten Zustand. Heer und Beamte waren monatelang nicht bezahlt, die öffentlichen Kaffen scham­los auSgeraubt und Unficherdeit herrschte im ganzen Lande.

Mit eiserner Faust begann er Ordnung zu schaffen. Schonungslos unterdrückte er jeden Widerstand gegen seine Ziele und war dabei in der Wahl seiner Mittel niemals verlegen- allein man darf an mexikanische Verhältnisse keinen

europäischen Maßstab legen, und der endliche Erfolg gab ihm | Recht. Heute, nach zwanzig Jahren seiner Regierung, genießt daS Land absolute Ruhe, Eisenbahnen dnrchziehen eS jetzt nach allen Seiten, Handel und Industrie hat sich in un­geahnter Weise entwickelt und fremdes, in ganz besonderem Maße deutsche- Capital und deutscher Unternehmungsgeist finden unter dem Schutz einer starken stetigen Regierung ein reiches Feld und befriedigende Rechnung.

Trotz alledem läßt derAlte", wie er in Volks- und Regierungskreisen genannt wird, e- nicht an der nöthigen Wachsamkeit fehlen. Trotz seine- hohen Alter- er ist ein Siebenziger ist er geistig und körperlich noch voll­kommen rüstig, und wenn ihn der Tod auch von seinen wenigen mächtigeren Gegnern befreit hat, so kennt er den Volk-characrer oder besser gesagt den der herrschenden Osfi- zier-- und Beamtenkaste doch zu genau, um nicht zu wissen, daß nur eine starke Hand fie Niederhalten kann. Zu diesem Zweck hat er sich in der mexikanischen Armee eine sichere Waffe geschaffen, die ihm nie versagt. Selbst Soldat vom Scheitel bis zur Zehe, weiß er, wie er die meisten- au- Indianern bestehende Truppe zu behandeln hat. Sie ge­horchen ihm, der selbst indianische- Blut in den Adern, als einem der Ihrigen blindlings, und er sorgt dasür, daß durch öfteres versetzen der Generale und Verlegen der Regimenter au- einer Garnison in die andere kein allzu innige- Ber- hältniß der höheren Offiziere zur Truppe entsteht und so den Keim zu einer neuen Revolution bilden könnte. Er kennt, wir gesagt, seine Leute. So hat z. B. keine der im Land vertheilteu Brigaden irgendwelche nennen-werthe Artillerie, dieselbe ist wohlweislich in der Hauptstadt stationirt, und auf die Frage: warum? hat der Mexikaner ein vielsagende-, jede« Kenner militärischer Verhältnisse leicht verständliche- Lacheln.

WaS er al- Staatsmann geleistet, zeigen seine bereit» oben geschilderten Erfolge. Er hat eS verstanden, für die­jenigen Ministerien, denen er nicht persönlich vorstehen kann, stet- die geeigneten Persönlichkeiten zu finden, wofür al- beste- Beispiel der jetzige Fiuanzminister Jos6 Limantour dient, der die Finanzen Mexiko- so in die Höhe gebracht hat, daß trotz der herrschenden SilberkrifiS (Mexiko hat Silberwährung) die Z'nsen der Staatsschuld jederzeit an­standslos gezahlt werden und am Schluffe de- letzten Finanz­jahres in den Staatskassen nach Bezahlung aller Gehälter noch ein bedeutender Ueberschuß verblieb, ein Ergebniß, da­bei den übrigen südamerikanischen Collegen Herrn Limantour- I jedenfalls ein verwunderte- Kopfschütteln zur Folge hatte.

Bierundzwanzig Stunden nach dem Attentat brachte der Telegraph die Kunde, daß der Attentäter bereit- vom Volke au- dem Gefängniß herau-geholt und gelyncht worden sei. Wenn die- vielleicht auch nicht ganz ohne Wissen der in Frage kommenden Behörden geschehen und nach europäischen Begriffen zu verurtheilen ist, so find hierbei doch die dortigen ganz ander- gearteten Verhältnisse zu berücksichtigen. Jeden- sall- wünscht jeder Kenner mexikanischer Verhältnisse de« ersolgreichen, energischen Präsidenten Porfirio Diaz im Jn­tereffe seine- Volke- noch eine recht lange segensreiche Re­gierung.

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Grimberg, 14. Oktober. Unsern gestrigen und heutigen Gallmarkt begünstigte viel bessere- Wetter, al- nach den vorau-gehenden regnerischen Tagen zu erwarten stand. Der gestrige Hauptmarkttag war sehr stark besucht und erinnerte durch die zahlreichen Gäste von der Rabenau mit ihren malerischen Trachten an die srühere Glanzzeit de- berühmten Marktes. Augenscheinlich zeigte dieser Besuch au- genannter Gegend den Bortheil der Londorfer Bahn. Der Biehmarkt de- ersten Markttage- war stark mit Rindvieh und noch stärker mit Schweinen befahren. Der Handel bei beiden Viehklaffeu ging sehr lebhaft und wurde großer Ab­satz erzielt. Bei dem Rindviehmarkt, dessen Prei- seither trotz allem Futterreichthum nicht auf die gewünschte Höhe gehen wollte, kann eine bemerkeu-werthe Besserung festgesteüt werden. Für die Jungschweine wurden hohe Preise bezahlt­es galten das Paar Ferkel 35-40 Mk., 4050 Mk. und 50-60 Mk., Läufer (Einlegeschweine) daS Paar 100110 und 110120 Mk. Der Juxplatz war wohl durch baß vorauSgeheode Regenwetter mit Buden u. dgl. schwach be­setzt, umiomehr staute sich der Besuch vor den wenigen vor­handenen. Die Grünberger Geschäftsleute, namentlich Wirt he und Metzger, durften mit dem Ausfall de» Geschäft- zu­frieden sein.

§ Ruppertenrod, 14. Oktober. Vorgestern Mittag zogen über unsere Gemarkung zwei Gewitter, eine seltene Erscheinung um diese Jahre-zeit. Beide Gewitter waren von je einer starken elektrischen Entladung begleitet, bei der der Donnerschlag so heftig war, daß ihatsächltch die Fenster­scheiben in den Häusern erzitterten. Der Blitz fuhr dabei in einen Baum an der Straße nach Ober-Ohmen zu.

Feuilleton.

Bit btibtn Virr-Fetdwebel.

Nutz den Briefen von Fräulein Anna Schröder an ihre Freundin Gnstel mttgetheilt von Fritz Woldeck.

(Nachdruck verboten.) Neuenteich, den 10. August 1894.

Meine liebe, gute Gustel!

Denk Dir nur, wa- un- bevorsteht: Einquartierung! Seit zwölf Jahren haben wir keine gehabt. Ich weiß mich noch zu erinnern, daß mich ein alter Wachtmeister auf sein Pferd gehoben hat und mit mir auf dem Hof umhergeritten ist. Damals war ich gerade sieben Jahre alt. Hoffentlich bekommen wir wieder Cavallerie am liebsten waren mir Husaren. Papa meint freilich, er zöge Infanterie vor, denn die Cavalleristen bekämen vor dem Manöver immer die In­struction, fie sollten fich ja nicht beim Haferstehlen ertappen lassen, wobei der Hauptnachdruck auf baßertappen lassen" gelegt würde. Da- war vielleicht damals, als Papa sein Jahr abgedient hat, und vielleicht gar nur eine üble Rach« rede von Infanteristen, die auf die hübschen Eavalleristen neidisch waren. Und wa- weiß Papa überhaupt davon?! Als er damals im Dienst den Arm gebrochen hat und Ganz- Invalide wurde, mußte er daheim bleiben, als seine Alters­genossen all die herrlichen Siege erfochten, und da war er so verdrießlich, wie Mama immer erzählt, daß er fich gar nicht mehr mit militärischen Angelegenheiten beschäftigt hat. Noch heute sagt er, daß daS einem alten Krüppel nicht zu- käme, der anno 70 hinter dem Ofen gesessen härte. Außer­dem hätte ein Landwirth ohnehin olle Hände voll zu thun, um durchzukommen, so daß er fich besser um nichts andere» bekümmern solle. Da ich nun aber nicht Landwirth bin, so habe ich doch ein Recht, mich auf die Einquartierung zu freuen.

Bor Allem muß ich aber noch ein neue- Kleid haben, und daS mußt Du mir besorgen, denn bei unS gibt eS

nicht» Ordentliche-- ich müßte wenigstens nach Danzig fahren unb kann doch al» Aelteste nicht abkommen, da Mama in Kiffingen ist. Auf einliegendem Zettel ist alle» verzeichnet, was ich gebrauche- bitte, kaufe es sofort und sckicke e» zu Eurer Schneiderin, die ja mein Maß hat. Am 16. muß das Kleid hier fein.

Mit herzlichem Dank im Voraus

Deine Anna.

Reueuteich, den 17. 8. 94. Beste Gustel!

Reizend, ganz reizend! Du hast meinen Geschmack so gut getroffen, daß ich Dir nicht einmal Vorwürfe darüber machen will, daß Du mich mit solchen nicht verschont hast. Ich weiß gar nicht, was Du willst?! WaS ist denn zwischen mit und dem Assessor S. vorgefallen, als ich im vorigen Winter bei Euch auf Logir-Besuch war? Der Herr hat viel mit mir getanzt, ist mit mir Schlittschuhe gelaufen und hat fich gern mit mir unterhalten, wenn er Deinen Bruder besucht hat. Darum bin ich doch nicht verpflichtet, mich nicht auf die Husareu-Osfiziere zu freuen. Der Herr Assessor ist wir ganz gleichgiltig, vollkommen gleichgiltig. Freilich, er hat mir ein sehr hübsche- Bouquet auf den Bahnhof ge- bracht, al» ich abreiste. DaS verpflichtet aber doch beider­seits zu nichts. Adieu, ich bin sehr böse.

Anna.

Reuenteich, 20. 8. 1894. Liebe Gustel!

Mit den Husaren ist eS nichts- nicht einmal Dragoner. Infanterie, fimple Infanterie! Ein Bice-Feldwebel mit 40 Mann! Sie hätten uns doch wenigstens einen Lieutenant schicken können. Ich bin übrigens neugierig, was er im Civil-Berhältniß ist- hoffentlich auch Jurist! Papa hat natür- Itd) bestimmt, daß er mit naß speist. Wenn er nur musikalisch wäre! Vielleicht spielen wir dann vierhändig, wie damals mit dem Assessor K. Solche Symphonie klingt doch zwei­

händig gar nicht, und ich bin noch so altmodisch, für unsere alten Meister und für schöne Melodien zu schwärmen, nicht bloß für falsche Quinten und verminderte Septimen, wie baß heute zum guten Ton gehört.

Die Einquartierung bleibt mehrere Tage. Unser Ver­walter meint, e» fände bei un» nur ganz einfache» Brigade- Exercireu statt, wobei gar nicht- zu sehen wäre. Auch da» noch!

Deine sehr enttäuschte Anna.

Reueuteich, d. 24. 8. 1894.

Gustel, liebe Gustel, lache mich nicht an-! Mit der Einquartierung find wir schrecklich reingefallen. Am 21., Nachmittag-, kommt richtig unser herrliche- Krieg-Heer an* marschirt. ES war am Morgen sehr heiß und staubig ge­wesen und nachher war ein Gewitter mit Platzregen ge­kommen. Die Leute sahen entsetzlich an- der Herr Bice- Feldwebel nicht um ein Haar besser. Ich fand da- über­haupt schon nicht schicklich, daß einem die Soldaten so in» Hau- geschickt wurden, ohne vorher einigermaßen Toilette zu machen besonder- in ein Hau-, in dem fich Damen befinden. Dafür müßten doch die Vorgesetzten sorgen. Aber da» war noch nicht alle-. Natürlich complimentirte Pap« den Bice-Feldwebel in» Fremdenzimmer und ließ ihn bon* durch Friedrich zu Tisch bitten.

E» muß wahr sein: er hatte fich schon wieder ganz sauber gemacht unb sah in seiner Eomwißunisorm recht statt­lich aus: Ein hochgewachsener, kräftiger, ionnenoerbramtcr Herr von etwa 28 Jahren mit langem, strohblondem Schnurz bart. Daß er ohne Helm unb Degen kam. rounberte «ich schon, ebenso, daß er sich nicht vorstellte.Bopa mußte ihm erst abfragen, daß er Gericke hieße. Auch fiel e- ihm nid)t ein, mir den Arm zu bieten, al- wir zu Tisch ginflcn.

(Fortsetzung folgt.)