trosen-Artillerie ist von FriedrichSort in der Stärke von 68 Mann heute früh nach Wilhelmshaven abgefahren. Morgen trifft Admiral Knorr mit dem Capttän von Holtzendorff in Kiel ein, nm den Kreuzer „Deutschland" auf Deeklarheit und Gefechtsklarheit zu insptctren.
Lemberg, 13. December. Die Demonstrationen für den Grafen Badeni sollen so lange und mit ste gendem Maße tu ganz Galizien fortgesetzt werden, bi- ihr Zweck, die Wiedereinsetzung Badeni» zum Statthalter von Galizien, erreicht sein wird. Wenn Badeni, so äußerte fich ein Mitglied de» Parlament» an» Ostgalizten, wieder unser Statthalter ist, dann kann Baron Gautsch da» Hau» auflösen so oft er will, wir fürchten keine Neuwahl.
Prag, 13. December. Gestern fanden wieder einzelne Demonstrationen statt, weshalb da» deutsche Theater und andere öffentliche deutsche Gebäude scharf bewacht wurden. Etwa 20 Berhafrungen wurden vorgenomwen. Für die durch die letzten Excrffe geschädigten jüdischen Kaufleute find bi»her 50000 Mark au» Deutschland, davon 15000 Mark von Baron Rothschild au» Frankfurt a. M., etngegangen.
Rom, 13. December. Die CabinetSbildung Rudtnts ist gescheitert. Die politische Lage gilt al» sehr ernst.
Brussel, 13. December. Die Bereinigung der Veteranen hielt gestern eine Versammlung ab, in welcher beschlossen wurde, eine energische Propaganda für die Reor- ganisatton des Heere» auf der Grundlage de» persönlichen Dienste» einzuleiten.
Madrid, 13. December. General Wehler ist hier eingetroffen. Mehrere Generale erwarteten ihn am Bahnhof. Republikaner, Carlisten und Conservative empfingen den General mit lebhaften Hochrufen.
Berlin, 14. December. Der Kaiser hatte fich gestern Abend bei de« commandirendeu Admiral v. Knorr zum Diner angesagt, an welchem u. A. theilnahmen: Fürst Hohen« lohe, die Minister o. Goßler und v. Miquel und die Staats, seeretäre der Reichsämter. Bon 7 bi» 107« Uhr verweilte der Kaiser im Kreise der Geladenen, worauf er nach dem neuen Palai» zürückkehrte.
Berlin, 14. December. Der Abgeordnete v. Bollmar leidet schon seit einigen Wochen an einem Influenza- Anfall. Sein Befinden hat fich durch eine jüngst unternommene Agitationsreise derart verschlimmert, daß er für einige Zeit außer Stande ist, fich an den parlamentarischen Arbeiten zu betheiligen.
Berlin, 14. December. Für die Deutschen in Oesterreich fanden gestern Abend zwei Kundgebungen statt. Die eine erfolgte in einer vom Verein deutscher Studenten einberufenen und von über 1000 Personen besuchten Versammlung, welche nach mehreren Referaten über die Vorgänge in Oesterreich beschloß, an alle deutschen Universitäten in Oesterreich Sympathie-Telegramme zu senden. — Eine zweite Protestversammlung gegen die Unterdrückung der Deutschen in Oesterreich und gegen die neuesten Ausschreitungen de» tschechischen Pöbels hatte der „Germanische BolkS- bund" veranstaltet. Hier sprach Reichstagsabgeordneter Pro- feffor Förster und erntete großen Beifall. Eine im Sinne seiner Ausführungen verfaßte Resolution gelangte schließlich zur Annahme.
Berlin, 14. December. Von Eugen Wolff erhält daS „Verl. Tagebl." ein Telegramm au» Shanghai, welchem zu entnehmen ist, daß die chinesischen Kaufleute und überhaupt die chinesische Bevölkerung in Tientsin, Tschisu, Shaughat und an der ganzen chinesischen Küste sich zu der Besetzung der Kiao-Tschau>Bucht durch die Deutschen vollständig gleichgültig und indifferent verhalten. Die in China und Japan ansäsfigen deutschen Kaufleute sammeln für die Marinetruppen in der Kiao-Tschau-Bat die Mittel zu einer WeihnochtSgabe.
Co«aU» mmö proHniieOw
Gießen, den 14. December 1897.
B ’* Bon der Universität. Nach dem Personalver- zeichntß der Großh. LudewizsUniverfität besuchen die an derselben gehaltenen Vorlesungen 674 immatriculirte und 35 nicht immatriculirte Hörer. GS studtren Theologie 58, Rechte 198, Mediciu 155, Thierheilkunde 58, Zahnheil- kmtde 5, Philosophie 7, Mathematik 27, Naturwissenschaften 25, Chemie 37, Pharmacie 6, Cameralwiffenschaft 25, Forst- wiffenschast 13, Geschichte 7, klassische Philologie 17, neuere Philologie 36.
** btadtthealer. Im Wiesbadener Residenztheater, sowie an den Bühnen zu Hannover, Hamburg, Dresden, Berlin rc. hatte der neueste LaufS-Kraatz'sche Schwank „Die Logenbrüder" einen ganz außergewöhnlichen Erfolg. Die Direction Kruse-Helm hat fich beeilt, den ausgezeichneten Schwank auch für hier anzukaufen und wird denselben am Mittwoch den 15. cr. zur erstmaligen Aufführung bringen. Wir laffen eine Kritik deS „Wiesbadener Tageblatt" folgen: Zwei bewährte Schwank-Autoren, Karl Laufs und Curt Kcaatz, haben fich wieder einmal zu löblichem Thun versammelt, indem fie einen recht au-dehnungsfähigen Sack zwischen fich stellten und nun begannen, ihn im Schweiße ihres Angeficht» mit tollen Einfällen und toller Situationskomik vollzustopfen. Ste schleiften ihn auf die Residenz- Theaterbühne und dort wurde er gestern unter dem Jubel de» äußerst zahlreichen Auditoriums auSgeleert. Wirklich eine urfidele Sache, diese „Logenbrüder", fideler fast, wie Lauf» „Toller Einfall" und an Komik „CharlehS Tante" nicht nachstehend: Man höre: (Folgt Inhalt.) Genug, es war so viel Komik in diesem Schwank, daß fie für drei Stücke gereicht hätte, und diese Komik — wir können ihre Streiche hier nicht alle wiedergeben — hielt, mit kleinen Intervallen, bi» zum Schluffe vor, wo fich zwei Paare kriegten und der eine der Pseudofretmanrer den andern ordentlich anpumpen konnte. Selten ist im Refidenz-Theater so viel gelacht worden wie
gestern. Nach jedem Actschluß mußten die Autoren wieder und wieder erscheinen, um sammr den Darstellern stürmischen Beifall einzuheiwsen.
*• Birberthal Bahn. Die der Zweiten Kammer unterbreitete Anfrage der Abgeordneten Köhler nnd Genossen, die Kleinbahn Gießen — Rodhetm a. d. Bieber betreffend, wurde in der SamStag»-Sitzung beantwortet. Die Anfrage ist folgende:
1. Sind der Großh. Regierung die oben geschilderten Zustände bekannt?
2. Ist t» der Großh. Regierung noch möglich, die Ju- tereffeu und Rechte der Anwohner der Rodheimerftrahe zu Gießen zu wahren?
8. Ist event. Großherzogliche Regierung bereit, die beregte Angelegenheit einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen und auch zu erwägen, ob e» fich überhaupt empfiehlt:
a. Landstraßen im Allgemeinen al» Fahrbahnen für Dampfmaschinen rc. zu benützen,
b. die so wie so schon schmale Lahnbrücke bei Gießen durch Uebersührung der Eisenbahn noch mehr zu verengen ?
4. Ob die Großherzogliche Regierung gewillt ist, die Kleinbahn-Gesellschaft event. zur Verlegung der Bahnstrecke hinter die Rodheimerstraße und mit Einmündung in den vorhandenen Bahnhof zu veranlassen?
Ftnanzminister Weber verliest die Antwort der Regierung. Dieselbe lautet:
Die Anfrage der Herren Abgg. Köhler und Genoffen, die Eisenbahn von Gießen nach Bieber betrrffend, beehre ich mich, wie folgt, zu beontworten:
Den Bewohnern der Rodheimer Straße war, wie allen Betheiligten, durch öffentliche Auslegung der Baupläne und Abhaltung einer Verhandlung zur Entgegennahme etwaiger Einwendungen Gelegenheit geboten, ihre Jutereffen und Rechte geltend zu machen und durch Abgabe protokollarischer Erklärungen zu wahren. Ueber diese, bet dem Termin vor- gebrachten Einwendungen hat die Großh. Regierung Entscheidung getroffen, wobei für fie in erster Linie da» öffentliche Jntereffe maßgebend sein mußte.
Die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen Landstraßen für Nebenbahnen mitbenutzt werden sollen, ist durch das Gesetz, die Nebenbahnen betreffend, vom 29. Mai 1884 geregelt. —
3. Dem Bauunternehmer ist auferlegt worden, die Brücken über die Lahn und den Lohbach angemeffen zu verbreitern.
4. Die Verlegung der Bahn hinter die Rodheimer Straße ist auSgeschloffen, weil dies den Interessen und berechtigten Wünschen der Stadt Gießen widersprechen und die AuSführnng de» BahnprojectS überhaupt vereiteln würde. —
Eine Besprechung der Interpellation wird nicht beantragt.
** Berloosung. Bei der am SamStag in Darmstadt stattgehabten Verloosung de» Kunstvereins für daS Groß- herzogthum Hessen wurden u. A. nachverzeichnete Gemälde, Radirungen usw. von den dabei bemerkten Gießener BeretnS- mitgliedern gewonnen: „Seinequai bei Paris" von F. Wucherer, Frankfurt a. M., Gewinner: Buchhändler August FreeS in Gießen. „Orientalin" von Effmberger, Rom, Gew.: Ver- lagsbuchhäodler Töpelmann in Gießen. „Am See" von K. Schickhardt, Stuttgart, Gew.: Professor Dr. Schiller in Gießen. „Dame in Strohhut" von H. Dietz, Darmstadt, Gew.: Professor Dr. Krüger in Gießen. „Die Jagd nach dem Glück" nach Henneberg, Gew.: Rentner I. L. Walther in Gießen. „Das Werk von Heinz Heim", Gew.: 6 Mitglieder, darunter Procurist A. Heichelheim in Gießen. Eine Mappe mit 6 Münchener Originalradirungen, Gew: 25 Mitglieder, darunter Kaufmann Max Friedberger, Rechtsanwalt Labrotffe, Pfarrer Schlosser, LandgerichtSpräfident Freiherr v. Ricou, Commerzienrath Wilhelm Gail, Commerzienrath S. Heichelheim, Dr. Ploch in Gießen. Eine Mappe mit sechs Düsseldorfer Originalradirungen, Gew.: 4 Mitglieder, darunter Geh. Medictnalrath Dr. Bose in Gießen. „Landpartie", Photogravure von Knau», Gew.: Peter Wilson Erben in Gießen. Nach Darmstadt fielen 31, nach Offenbach 10, nach Mainz 4 und nach WormS 3 Gewinne.
•• Der 35. Berdaudstag der hessische» laudwtrthschast- licheu Genofsevschaften findet am Montag den 20. December 1897, Vormittag» 10 Uhr, zu Darmstadt im großen Saale des „Darmstädter HoseS" (Rheinstraße) statt. Tage»- orduung: 1. Jahresbericht de» BerbandSdtrector» für 1896/97. 2. Vorlage und Entlastung der Rechnung für 1896. 3. Generalberichte: a. über die BerbandSrevifivnen, b. über die MolkereibetriebSrevifionen, c. über die Thätig- kett der milchwirthschaftlichen Versuchsstation. 4. Bericht über den 13. BeretnStag der deutschen laudwirthschaftltchen Gevoffenschasten zu Dresden. (Berichterstatter die Delegirten Heuerling und Ritz.) 5. Die Heranziehung der Vorstandsmitglieder und Beamten der Genossenschaften zur Alter»- und JuvaliditätS - Versicherung. (Berichterstatter: Kreis- amtmann Hölztnger.) 6. Bericht über den Stand der genossenschaftlichen Organisation de» Getreideverkaufs und die Lagerhausfrage. (Berichterstatter: Dr. Thieß.) 7. Die wirthschaftliche Bedeutung der Wtnzcrgeuoffenschaften. (Berichterstatter: Weivbavlehrer Schulte-Eugens). 8. Die Errichtung von Molk-retschulen im Großherzogthum.
•• ReichSgerichiseotscheidnagen. (Nachdruck verboten.) Ein angenehmer Nachbar ist der Schneidermeister W. K. in Gießen, der am 5. October d. I. vom Landgericht Gießen wegen Beleidigung eine» jungen unbescholtenen Mädchen», dabei ihren Eltern in dem nämlichen Hause wohnte wie der Angeklagte, zu einer Gefängnißftrafe von einem Jahre ver- urtheilt wurde. Der Angeklagte wurde überführt, mit verstellter Hand Briefe an süaf Studentenverbindungen geschickt zu haben, die er mit dem Namen de» unbescholtenen jungen Mädchen», der Tochter anständiger und angesehener Eltern, unterzeichnete. In diesen Briefen erklärte die angebliche Schreiberin: fie sei willen», Herrenbesuche anzunehmen. Der
Angeklagte focht da» Urtheil mit dem Rechtsmittel der Revision an und rügte zur Rechtfertigung derselben Verletzung prozessualer RechtSno.men, besonder» unzulässige Beschränkung der Bertheidiguug in einem für die Entscheidung wesentlichen Punkte durch Ablehnung eine» Bewe>»avtrage». Der Angeklagte hatte nämlich in der Hauptverhanbluug beantragt, einen Zahlmeisteraspirant zu vernehmen. Der erste Richter hatte den Antrag al» unerheblich adgelehnt und auf Grund der Beweisaufnahme festgestrllt, daß das junge Mädchen von ganz makellosem Rufe sei. Der Reichsanwalt hielt die Beschwerde wegen Ablehnung deS BeweiSantrageS für durchgreifend^ der erste Strafsenat erkannte jekoch auf kostenpflichtige Verwerfung der Revision de» Angeklagten, da der Abwe'snngSgrund de» ersten R chter», e» seien keine That- fachen angegeben, die zur Colortrung de» Antrag» diene» könnten, nicht rechtSirrthümlich seien Da» Urthe l eine» Zeugen über den Ruf eine» jungen Mädchen» ist keine erhebliche Thatsache, sondern nur ein Urrhetl. Nun Härte ja zwar der erste Richter dem Angeklagten zur Colorirung seine- BeweiSantrageS Anregung geben können, von seinem Fragerechte Gebrauch zu machen, e» ist aber erwiesen, daß sowohl der Angeklagte, wie auch sein Bertheidiger genug Gelegenheit halten, ihnen wichtig erscheinende Thalsachen geltend za machen.
•• Wetterbericht. Während im Süden de» ErdtheilS da» Barometer noch weiter gestiegen ist, hat daS Depressionsgebiet im Nordwesten Europa» durch ein neue» nachrückender Minimum sich vertieft und zieht heute eine Furche mit geringem Drucke über die Nordsee zu einem Theilmintmuw, welches über der Ostsee und Ostpreußen lagert. Die Luft- druckverthetlung ist in ganz Central-Europa sehr ungleichmäßig. Die Witterung ist demzufolge meist trübe, aber mild, und fanden stellenweise Niederschläge statt. Die Morgentemperaturen find gestiegen. Voraussichtliche Witterung: Andauernd ziemlich mild, aber unbeständig und zeitweise unruhig mit stellenwetsen Niederschlägen.
4- Nidda, 12. December. Gestern tagte i« Saale zu» Gambrmu» dahier die zahlreich besuchte General-Versammlung des landwirthschaftlichen Bezirk» - verein» Büdingen, unter Vorsitz de» Herrn Geh. RegierungSrath Klietsch-Büdingen. Von den verschtedeven interessanten Vorträgen bezw. DiScusfioven find besonder» bemerkeuSwerth das Referat de» Herrn LandwtrihschaftSlehrerS Lintz über „wirrh- fchaflliche Grundsätze der Düngung", der Bersawmlung»be- schluß über vorzugsweise Benützung deS Chilisa peter für weiche» Feld, sowie der Vortrag de» Herrn kreiSthrerarzte» Schmidt über Rothlaufseuche und deren Heilung durch Impfung. Nach Erledigung der Tagesordnung fand ein gemeinsame» Mahl im Gambrinu» statt.
Friedberg, 12. December. Der „Friedb. Ztg." zufolge wurde in der am vergangenen Sonntag dahier im „Pfälzer Hof" stattgehabten Versammlung der deutschen Reform- Partei Herr Gutsbesitzer Leopard in Melbach al» Candidat zur Reichstagswahl aufgestellt.
Vcrmücbtc*
* Die Gratis Hose. Auch ein Stück nicht ganz lautere» Wettbewerb» wird aus Berlin mitgetheilt: „Eine Hose gratis bei Einkauf für 10 Mark", also lautet die Anpreisung eines dortigen KleidergeschäftS. Die „Grati»"-Hose ist eine Bade Hose.
* Fester Preis. Kleiderhändler: Der Anzug kostet 50 Mk. — fester Preis! (Der Kunde, welcher schwerhörig ist, legt 15 Mk. auf den Tisch.) Kleiderhändler (zögernd): „Na, meinetwegen, aber eigentlich hatte ich 50 Mk. gesagt!"
Eingesandt.
«teste«, 14. December 1897.
Der Gptelplan M Sladttheater».
In der Besprechung über die letzte Aufführung deS Thrater- Bereins hat der Herr Recensenl dieses Blatte» bim hiesigen Publikum das Epitheton ornane, „anspruchslos", zuerkannt. Tas vcrehrliche Publikum braucht sich darob nicht gekränkt zu fühlen; daß ihm da» liebenswürdige, in feiner Art klasftfche Lustspiel „Dte Journalisten" von Gustav Freytag gefallen Hai, stellt seinem Geschmack ein sehr gutes Zeugnitz aus. Um der Wahrheit aber die Ehre zu geben, muß man sagen, daß fich daS Gießener Theaterpubltkum im Allgemeinen den Darbietungen gegenüber höchst kritisch verhält und Stücke abgelehnt hat, die in größeren Städten eminent«" Beifall gesunde» Haden. Zwischen Theater und Publikum besteht eine natürliche Wechselwirkung. DaS Theater wirkt auf daS Publikum, aber umgekehrt das Publikum auch auf das Theater. Und damit komme» wir zu einer berechtigten Forderung, die di« Theaterbesucher in Bezug aus den Sptrlplan des Theater« hier zu stellen Haden. Nicht als ob die Direction wegen Auswahl der Stücke, insbesondere der Novitäten irgendwelcher Vorwurf träfe. Im Gcgentheil, an leitender Stelle ist man bemüht, ein wechfeloolles und gut«» Programm «tuzuhalten. Man vergleiche jedoch einmal den Sptetplan unserer Nachbarbühnen mit demjenigen unsere» Stadttheater». Da wird ma» unschwer finden, daß d>« auswärtigen Bühnen allwöchentiich höchstens eine Novität herauübringen, während auf der hiesigen Bühne in der Noottätensolge die reine wilde Jagd über die Bretter saust. Was ist die Folge dieser Novttätenhetze § Der Schauspieler — sei er auch noch so begabt — ist nicht tu. Entferntesten in der Lage, seiner künstlerischen Aufgabe gerecht zu werden, ihm bleibt keine Zett, tn den Geist seiner Rolle etnzudrtngen mid Gestalten berauszu- arbeiten, wie sie etne ernsthafte Wiedergabe guter Theaterstücke verlangt. Der Schauspieler wtrd durch die Immense Arbett-kraft, die ihm zugrmuthet wird, zur Ungründlrchkett verführt, er wtrd unlustig und matt und dasrrn etD,s Gute» tn thm steckt, wtrd eS durch diese -Maffeletstungen" gründlich verdorben. Ta wir nun in Gieße» künftig nicht mehr mit einer Wanderbühne, sondern mit etne» ständigen Theaterp-rsonal rechnen sollen, treten an dieses auch wahrhaft künstlerische Aufgaben heran. Auf der einen Seite soll sich daher daS Publikum daran gewöhnen, gut und sorgfältig vorbereitete Stücke öfters, alS schlecht etnstudtrte einmal zu sehen. Aus der anderen Seste muß die Direction selbst hier die Jntttattoe ergreifen, die „Masienproductton" etnftrllen und den Spielplan dergestalt etn- richten, daß nur etne Minderzahl tadellos emgeübter Stücke an die Oeffintlichkett gelangt. Uebrr kmz uöet lang wird in Gieße» die tragische Muse ihr Heim in e.nem neuen Hause ausschlagr». Die Zett bi» dahin braucht nicht ungenützt zu virgehen. Im neue» Hause wir^ man naturgemäß an die Darsteller auch höhere Forderungen ft llen. Daß aber dte Localfrage eine dringliche ist, geht schon da.au» hervor, daß der Theaterleitung tn einem sortrrährend von Vereinen, Zigeunercapellrn und Spiritisten besetzten Saale kau»


