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Nr. 24t Zweites Blatt
Donnerstag de« 14. Oktober
Gießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger
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stehe, bezw. wie derselbe festgestellt werde, bemerkte Herr Schlenke, daß durch geeigoete Versuche der Proceutsatz des EintrockoenS sich leicht frststelleu laste- feuchte-Getreide a«s- zuschlteßen, gehe nicht an, denn gerade durch ihre Trocken- eiurichtuogen sollten die Lagerhäuser dem Laudwirthe zu statteo kommen, wenn seine Ernte durch Feuchtigkeit gelitten. Weiter erklärte er, daß er kleine Organtsarioneu für bedenk« ltch halte, weil daun die Rentabilität in Frage gestellt werde.
Herr Oberbürgermeister Guauth bemerkte, daß die Anregung zur Errichtung öffentlicher Lagerhäuser tu Gießen von den Händlern ausgegangen sei- die Vertretung eines städtischen Gemeinwesen- habe aber allen Jntereffen Rechnung zu tragen, de-halb sei mau in Gießen auch mit den Land« wirtheu in- Benehmen getreten, die öffentlichen Lagerhäuser sollten allen zur Verfügung stehen. Er meine, au- demselben Jutereffe, daß der Händler an Lagerhäusern habe, könne der Laudwtrth seine Schlüffe ziehen und fich sagen, waS dem Händler gut ist, schadet dem Landwirth nicht, beiden Jntereffen könne ganz gut gedient werden. E» sei ouu Sache der Laudwirthe fich zu entschließen und zu prüfen, inwieweit ihnen bei Benutzung öffentlicher Lagerhäuser die Nachbarschaft de- Handel- zu Statten komme.
Herr Graf Ortola bemerkte, daß mit Rückficht auf die verschiedenartigen Aufichten in Bezug auf practtsche Ausführung fich die Einsetzung einer Comwisfion empfehle, die practtsche Erfahrungen sammeln solle. Die Platzfrage spiele hierbei eine hervorragende Rolle, besonder- seit die Wetterau mit neuen Bahnanlagen mehr aufgeschloffeu sei- auch müste die Frage geklärt werden, ob die Mischung de- Getreides oder deffen strenge Sortirung vortheilhafter sei. Hauptzweck de- Lagerhauses aber solle sein, dem Laudwirthe tu Zeiten des Uebeifluffe-, besonder- aber kurz nach der Ernte, die Möglichkeit zu geben, mit feine« Prodocte zurückhalten z» können- er empfiehlt unter Hinweis auf die Nothwendigkeit den Körnerbau wieder rentabel zu machen, ernsthafte Erwägung der Angelegenheit, fie sei im Hinblick auf die allgemein bedrückte Lage der Landwirthschaft geboten.
Der Vorfitzende hält es nicht für gut, gleich bindende Beschlüffe zu faffeu- die Debatte habe brauchbare» Material geliefert und bedeute schon einen Schritt vorwärts, er wünsche Einsetzung einer Commission, der daS in einer vorher einzn berufenden Ausschußfitzung vorzuberathende Material über die wichtigsten Punkte zu unterbreiten fei. — Nachdem in seinem Schlußwort Herr Sch lenke nochmal- aufgefordert, rrnsthaft an die Sache heranzutreten und die Schwierigkeiten nicht zu groß sich vorzustelleu, wurde die Bersammluug geschloffen.
-8. Romrod, 12. Octoder. Herr Hartmann Bern* Hard aus Brooklyn hat für die hiesigen Armen 100 Mark gespendet. Bernhard und seine Frau, geb. R chtberg, beide in Romrod geboren, find vor 46 Jahren nach Amerika ans- gewandert, reichten dort einander dir Hände zum Bunde für da- Leben und find nach mancherlei Schicksalen zu Wohlstand gelangt. Beide stehen jetzt im 67. Lebensjahre- die Sehn« sucht nach dem alten Baterlande und nach den hier lebenden Verwandten war der Grund einer im letzten Sommer au»« gesührten Reise nach Deutschland. Möge den beiden rüstige« Alten, die jetzt wieder jenseits des Ocean- weilen, ein ungetrübter Lebensabend beschieden sein.
□ Darmstadt, 12. October. Mit der Herstellung des Bauzaune- sür da- neue MuseumSgebäude am Noro- ende deS Paradeplatzes wurde soeben begonnen- man hofft, noch in diesem Jahre die Fundamente ausiühreu zu können. — Durch verschiedene Umstände hat fich die Ausbringung der Leitung sür die elektrische Straßenbahn verzögert, so daß die Bahn wohl vor 1. November nicht tu Betrieb genommen werden kann. — Viel bewundert wird gegenwärtig eine Seidenstickerei-Nachbildung des bekannten Rafael'schen Bilde- der Madonna di Sau Sisto (in der Staat-galerie zu Dresden) von Frl. Ri p berg er in Dre-deo, die hier öffentlich ausgestellt ist. Man muß sagen, daß die kunstverständige Dame in dem ihr zur Verfügung stehenden Material Außerordentliche- geleistet hat. Der bekannte kunstgewerbliche Forscher Friedrich Fischbach hat fich recht anerkennend über die Leistung ausgesprochen. — Am 20. October beginnt da- Winter-Semester an der Technischen Hochschule. Durch Abmachungen mit größeren technischen Etabliffemeut- hier konnte diese- Mal während der Ferien eine namhafte Anzahl jüngerer Techniker daselbst practisch arbeiten.________________
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g den 16, Oktober, let W (Ute W Fein des Stiftungsfestes, ö mit fyftntutotik ea ä 30 PH, zu habri Mfiotflra&e; ssnsur Ihl, B*; IAH i,u. bei Peter Berg, SM imenlarten 80 M. Oer Vorstand.
Anbei, ße 8,1.
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Gieße», den 13. October.
Die genosievschaftliche Berwerthung bei Getreide-, bezw. Errichtung vo» öffentlichen Getreide Lagerhäuseni bildete den ctnzigeu Gegenstand der Ta-e-ordnung für die vorgestern in Steins Garten hier abgehalreoe Hauptversammlung deS landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Ob er Hess en. Bor Eintritt in die Tagesordnung wachte t'et Vorsitzende, Se. Erlaucht Graf Friedrich zu SolmS-Laudach, einige einleitende Bemerkungen. Zunächst coustatirte er mit Geuugrhuung, daß der Verein wichtige und einschneidende Maßregeln in Verfolgung seiner Ziele hat treffen können und daß besonder- die auf Förderung der Viehzucht gerichteten Bestrebungen seine Thäligkett av-gefüllt- die Zuchtvtehhöfe im Bogel-berg hätten fich gut bewährt, auf demjenigen zu Zwiefalten wurde die Tuberkulintmpfuug de- BtehbestandeS vorgenommev, daffelbe stehe bezüglich der anderen Znchthöfe bevor, sodaß AuSficht vorhanden sei, dieselben in l rankheit-freiem Zustande zu erhalten. Al- weitere bedeutsame, von dem Verein ergriffene Maßregel bezeichnete Se. Erlaucht die Einrichtung von Herdbüchern, die große Bedeutung sür die Züchtung reiurasfigrn Viehes haben und großen Anklang gefunden hätten, über 1500 Stück Rindvieh seien bereit- in die Herdbücher eingetragen, einige Körtermine, die diese Zahl eihötzen würden, stünden noch au». Gleiche, auf Züchtung reinen Raffevteh- gerichtete Bestrebungen bestehen auch in den nachbarlichen preußischen Kreisen Wetzlar, Marburg, Kirchhain, Biedenkopf, fie schloffen fich mit der Provinz Ober- tzefftn zu einem Herdbuchverbande zusammen- ohne diesen Zusammenschluß könne eigentlich auch gar nicht an Einheitlichkeit in der Züchtung gedacht werden. Für da- nächste Jahr plane der Verband eine Ausstellung tu Gießen, b>tc Opferwilltgkett der Behörden Gießen» uud ihre Quält- ftcatiou zu solchen Veranstaltungen habe fich bereit- glänzend bewährt. Der Verein selbst werde die Viehzucht- gesellschafteu fördern und neue bilden nach einem bestimmten Organisation-plan.
Hierauf erhielt Herr GutSbefitzer Sch lenke, zweiter Präsident des Verein-, daS Wort zum einleitenden Referat über die Lagerhaus frage. Er bezeichnete zunächst den genossenschaftlichen Verkauf de- Getreides al- eines der kleinen Mittel, mit denen der Landwirthschaft über die schwere Krise htoweggeholfen werden solle, e- müßten, bevor Staat-. Hilfe in Anspruch genommen werden solle, erst alle Mittel der Selbsthilfe erschöpft werden. Redner führte al- Beispiel sür die Zweckmäßigkeit der Lagerhäuser u. A. an, daß bereit- In Bayern solche Lagerhäuser für kleine Laudwirthe bestehen, auch im Regierungsbezirke Eaffel seien solche durch Genossenschaften errichtet worden. Der Zweck der Lagerhäuser solle sein, einer größeren Anzahl laudwirthschaftlicher Betriebe die Sammlung ihres verkäuflichen Getreide-, deffen Reinigung, Lagerung und schließlich den Verkauf zu ermöglichen. Der stetig wachsende Großmühlenbetrieb verlange «roße Quantitäten gleichmäßigen (rornn auch gemischten) Ge- treibe-, welcher die Herstellung eme- gleichmäßigen Mehles ermögliche. Der Vorzug, den das ausländische Getreide bet Müllern und Bäckern habe, liege in dem gleichmäßigen, in Lm Lagerhäusern gemischten Product, die- müffe auch bet uns erstrebt werden. Die frühere Art de- Handdrusches hatte neben ihren Nachtheilen auch ihre Vortheile, ein solcher bestand u. A. darin, daß der Bauer seine Frucht nach und nach verkaufen konnte, weil da- Dreschen den ganzen Winter yindurch dauerte, heute wo die ganze Ernte mit der Maschine gedroschen werde, häuse fich die Frucht in wenigen Tagen so an daß e- oft an Raum zum Schütten fehle- das zwinge den Bauer zum Verkauf, unter Umständen zu jedem Preise. Schon dieser Mißstand sei bestimmend, für die Eröffnung von Lagerhäusern einzutreten. Oft habe der Bauer auch Geld aölhtg, die- könne er fich verschaffen durch Etulieferung seine« Getreides in Lagerhäuser, wo es bi- zu einem bestimmten Theile des Werthe- beliehen werde, auch dadurch werde der Zwang, verkaufen zu müffen, abgestellt. SpeculationSgelüste sollen die Lagerhäuser nicht befördern, sondern eS solle hiermit s« gehalten werde«, wie mit den an die Zuckerfabriken ab* gelieferten Rüben, d. h. der Bauer solle für sein Product den richtigen Werth desselben erhalten. Er verkenne nicht, d,ß manche Schwierigkeiten sich dem Vorhaben in den Weg stellen werden, sei aber auch überzeugt, daß solche ebenso überwunden würden, wie diejenigen, die bei Errichtung von Zuckerfabriken und GeuoffenschaftSmolkereien überwunden morden. Die Platzfrage berührend, bezeichnet Referent Gießen imfolge seiner Lage und günstigen Verbindungen nach den giroßen Absatzgebieten als besonder- geeignet zur Errichtung bion Lagerhäusern. Die Kosten würden allerdings hohe
vierteljährig«? Avonuemevtspreis, 2 Mark 20 Pfg. erit Bringerlohn.
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werden, den« es müffe, sollen die Lagerhäuser ihren Zweck voll und ganz erfüllen, mit maschinellen Einrichtungen gerechnet werden, doch würde hier auf Beretnthilfe und Unterstützung seitens der Regierung zu rechnen sein. Die Stadt Gießen habe sich zur Errichtung von Lagerhäusern erboten, wenn eine mäßige Verzinsung deS AnlagecapitalS garantirt werde. Bor allem solle man nicht mit Mißtrauen an die Sache gehen, damit einmal der Ansang gemacht werde. Redner sprach fich des ferneren anerkennend über die bisher betätigte Opferwilligkeil der Regierung, namentlich in Bezug auf die Förderung der Viehzucht aus, er fei überzeugt, daß mit der Viehzucht der Gltreidebau gefördert werde, man werde einsehen, wie wichtig der Getreidebau sei- der 8 Centner Roggen und 10 Centner Weizen betragende Durchschnitt-- drusch sei noch ein utederer, ihn zu steigern, liege gerade an den kleinen Betrieben, denn fie wlrlhschasteten noch am wenigsten intensiv.
Der Herr Vorsitzende empfahl die Vorschläge de« Herrn Schlenke, dabet bedauernd, daß die Stimmung für Lagerhäuser nicht so sei, wie eS wünscheuSwerrh erscheine- er habe schon vor mehreren Jahren versucht, oberhesfische Land- wirthe für die Benutzung deS Lagerhauses in WormS zu interesfiren, um zu erfahren, wie sich die Sache mache. Für ihn sei es noch eine Frage, wie in einer Lagerhaus- Genoffenschaft die verschiedenartigen Jntereffen etozelner Land- wtrthe geeinigt werden könnten, ob hierbei nicht auch die Preisunterschiede Schwierigkeiten böten, ferner ob die Lagerhäuser auch wirklich den Landwirthen und nicht den Händlern zu gute kämen- er stelle in Aussicht, daß der Provinzial- Berein Alle- thun werde, die Sache zu sörderu, was in seinen Kräften stehe.
Herr Schlenke theilte mit, daß daS Wormser Lagerhaus für Laudwirthe und Händler errichtet worden sei- daß daS Projekt Gegurr finden werde, bezweifele er nicht, der Preis des in da-Lagerhau- eingelieferten Getreides richte fich nach der Qualität, die durch Sachverständige begutachtet wrrde- die Kosten der Einlagerung würden etwa 25 Pfg. pro Doppel- centner betrage» - er glaube annehmen zu können, daß die Lagerung im eigenen Hause theurer sei.
Herr Dr. Braden, Geh. Regierung-- und KreiSrath zu Friedberg, bemerkte, daß mau dorr der Sache sympathisch gegenüberstehe, er legte der Bersammluug die Bortheile, die Ersparniß an Arbeitskräften und Zeit dar, die au- dem LagerhauSbetrieb fich ergeben- die Laudwirthe wären nicht mehr genöthtgr, wegen Raummangel ihre Frucht zu verkaufen- er conftatirte weiter, taß im Kreise Friedberg fast kein Getreide wehr direkt verkauft werde, die dort zu entrichtenden Händlerprovifioneu stiegen' bis zu 1 Mk. pro Malter, so theuer werde der Lagerhausbetrieb nicht. Die Lagerhäuser böten die Möglichkeit, das Getreide in Sorten zu theilen und zu reinigen, er sei deshalb nicht sür Mischung, denn große Mengen einer Sorte besriedlgten jeden Großwühlenbefitzer. Bei richtiger Behandlung werde baß Getreide vor Verderb bewahrt, beffer wie im eigenen Hause, auch der Berkehr mit den Proviantämtern werde erleichtert, wa- nicht zu unter* schätzen sei. Ferner werde der einheitliche Sortenbau gefördert. Er empfehle, territorial den Bezirk, für welchen ein Lagerhaus zu errichten wäre, nicht zu groß zu wählen, ferner bte Mit- glieder zu verpflichten, ihren Grsawmtverkauf einzuliefern. Es wüßte weiter möglich gemacht werden, daS eiugelteferte Getreide mit zwei Dritttheilen deS taxirten WertheS zu beleihen. Er verspreche fich Bortheile, wenn nach diesen und anderen bewährten Grundsätzen verfahren werde.
Herr Schlenke wendet fich gegen die Annahme, daß die Bewerthung des Getreide- nach Qualität seine Schwierigkeiten habe - man könne die Bewerthung ruhig einer au- vertrauenswürdigen Personen bestehenden Comwisfion ebenso überlaffen, wie etwa die Bewerthung de- Grund und Boden- bei Feldcousolidirung, eß gäbe doch genug Leute, welche die Sache verstünden.
Herr vr. v. Peter, Landwirthschastßlehrer zu Friedberg, hätte eß mit Freuden begrüßt, wenn durch einen Referenten auch praktische Ersahrungen bargelegt worden wären. Die zu errichtenden Lagerhäuser mühten möglichst einfach sein, etwa tote solche in der bayrischen Pfalz bereit- vorhanden. Er empfehle, eine Comwisfion zu beauftragen, sich an Ort und Stelle solche Lagerhäuser anzusehen, um sür hiesige Ber« hältuiffe etwas paffendes zu finden. Der nächste Schritt zur Concentration des Getreideverkausß müffe seiner Meinung nach in den Gemeinden selbst geschehen, fie sollten nicht nur politische, sondern auch wirthlchaftliche Gemeinschaften bilden, man solle deshalb zunächst die Gemeinden veravlaffen, die Sache in die Hand zu nehmen.
Auf eine Anfrage aus der Mitte der Bersammlung, > wer ben Verlust trage, der durch Ewtrockoen u. s. w. eut-


