Ausgabe 
14.9.1897 Zweites Blatt
 
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Nr. 215

Der -leheser Anreiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS.

Die Gießener AamlkienStLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Zweites Blatt. Dienstag bett 14. September

1807

Kießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

vierteljähriger Avonncmcntspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Kchutstraße Ar.7. Fernsprecher 51c

2lints- und Anzeigeblntt für den Ureis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Hratisbeikage: Gießener Jamikienökätter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger- tntgtgM.

2lmtlid?cr Lhcil.

Orotzherzogliche Fachschule für Elfeubeiu- schnitzerei und verwandte Gewerbe zu Erbach i. Odenw.

Die Anstalt stellt sich die Aufgabe, tüchtige Elfenbein- 4inb Holzschnitzer heranzubtlden, denen eine vollständige theo­retische und praktische Ausbildung geboten wird- in gleicher Weise dient fie zur Ausbildung von Drehern, Ctseleuren, Stuckateuren unb verwandten Berufsarten.

DaS Wintersemester beginnt

Montag den 4. October.

Unterrichter wird von drei Fachlehrern und zwei Hilfs­lehrern in folgenden Lehrfächern:

Frethand- und Linearzetchuen, kunstgewerbliches Zeichnen und Entwerfen, Modelltreu nach ornamentalen und figürlichen Motiven, Vorträge über plastische Anatomie, Stillehre, Materialienkunde, Aufsatz, Buchführen, Rechnen, Geometrie, Veranschlagen und Wechsellehre- Schnitzen, Drehen und Fayon- ntren in Elfenbein, Horn, Holz, Perlmutter, Schildpatt - Kerb- und Flachschuitt, Holzbrand, Einlege­arbeit (Intarsia, Boulle)- Eiseltren in Silber, Treiben tu Kupfer, Montireu tu Edelmetall tu verbiuduug mit Elfeubeto, Glas, Achat usw.

Der Unterricht wird durch eine reiche Modell- und Vor- btldersammluog, sowie gut auSgestattete Werkstätten unterstützt.

DaS Schulgeld beträgt 10 Mark im Halbjahr.

Unbemittelten Schülern kann die Entrichtung des Schul­geldes nachgelassen, sowie Auswärtigen der Besuch der Schule tut* einen UmerstützuugSbeitrag erleichtert werden. Bei Gesuchen um Gewährung der einen oder anderen Art dieser Erleichterungen werden neben der Vermögenslage des SchülerS auch die Vermögen-Verhältnisse der HetmathSgemeiude oder öaS Vorhandensein geeigneter StiftuugSmittel in Betracht gezogen.

Anmeldungen und Gesuche sind au die Unterzeichneten -u richten, welche wettere Auskunft ertheileo.

Erbach, im September 1897.

Der Vorsitzende des AuffichtSratheS: Der Großh. Hauptlehrer: Stegwüller. Görig.

Vetttfche» Resch.

Berlin, 11. September. DenBerl. Pol. Nacht." zu­folge hat sich Graf Pofadowßkh nur deshalb an der Ab­nahme des DoppelschraubendawpferSBremen" betheiligt, nm von den neuen SicherhrttS-Borrichtungen gegen Schiffs­unfälle, insbesondere gegen Colltsionen, Kenntmß zu nehmen.

Kiel, 11. September. Prinz Heinrich tritt nach Aus- lösung der Herbstflotte einen Urlaub au und begibt sich mit Gemahlin an den Darmstädter Hof, wo er mit dem Zaren­paar zusammentreffen wird.

Köln, 11. September. Zu dem gestrigen Eisenbahn­unglück wird noch gemeldet, daß ein Bahnwärter die Ge­fahr des Zusammenstoßes erkannt und durch Knallpatronen den Führer des Personenzuges zu warnen versucht hatte. Allein es war zu spät. Der Zug fuhr mit aller Gewalt auf die im Geleise stehenden Güterwagen, den auf seinem Posten auSharrenden Bremser zermalmend. Gestern Abend wurde ein Geleise frei. Die AufräumuugSarbeiten nehmen noch den ganzen heutigen Tag in Anspruch. Maschinist und Locomotivsührer deS Personenzuges hatten sich durch Ab­springen retten können.

Arrsknrd.

Budapest, 11. September. Den Meldungen hiesiger oppositioneller Blätter, die ungarische Aristokratie wolle den zu Ehren Sr. Maj. des Deutschen Kaisers hier veranstalteten Festlichkeiten ferub leib en, um auf diese Weise gegen den Ministerpräsidenten Bavffh zu demonstrireu, wird tu hie­sigen bestunterrichteteo Kreisen mit der Versicherung entgegen- getreten, daß diese Meldungen jeder thatsächlichen Grundlage entbehren. ES haben bereits so zahlreiche und so hervor­ragende Vertreter der ungarischen Aristokratie ihr Erscheinen zu diesen Hoffesten augemeldet, daß schon heute feststeht, daß der ungarische Hochadel bet dieser Gelegenheit auf da- Glän­zendste und tu größter Zahl vertreten feto wird.

Rom, 11. September. Rudint wird tu den nächsten Tagen io Florenz einem Bankett beiwohnen und dabet die internationale Lage und die Verhältnisse Italiens besprechen.

Monza, 11. September. Der König und die Königin find mit dem Marquis Visconti Beuosta heute Vormittag aus Homburg hier eingetroffen.

Part», 11. September. Der König von Siam traf heute Nachmittag mit seinen drei Söhnen in dem Sonderzuge des Präsidenten, der ihm nach Brüssel entgegengesandt war, hier ein. Präsident Faure und das gekämmte Ministerium waren zum Empfange auf dem Bahnhofe erschienen. Der Präsident und der König von Siam schüttelten sich die Hände und der Präsident hieß den Gast willkommen. Beide sprachen englisch. Nach der Vorstellung der Anwesenden fuhren der Präsident und der König zusammen nach dem Hotel Grammon, wo der König Wohnung genommen hat. Der Präsident be­gab sich sodann nach dem Elh'se zurück, wo ihm der König alsbald einen Besuch abstattete. Späterhin erfolgten Besuche bei den Präsidenten der Kammer und des Senat«.

Sau Sebastian, 11. September. Die Königin-Re- geutin kehrt morgen nach Madrid zurück.

Belgrad, 11. September. In der StaatStabakfabrik find große Uuterfchleife entdeckt worden. Der Director sowie die drei nächst höchsten Beamten find tu Untersuchung genommen.

Athen, 11. September. Ein an die Regierung aus Wien angelaugte- Telegramm meldet, daß Artikel 2 bei FriedenSvertrageS betreffend die Eoutrole über die Höhe der Kriegsentschädigung gestern in allen Einzelheiten festgestellt unb von der Pforte angenommen sei. Die griechische Regierung befürchtet, daß ihre Meinung tu der Frage deS Arrangement- mit den alten Gläubigern Über­haupt nicht gehört werde und daß der zu zahlende Zinsfuß einfach von den die Eontrole führenden Vertretern der Mächte festgeftellt werde.

New-York, 11. September. Der Vorschlag betreffend eine- S chtedSvertrageS zwischen Hawaii und Amerika wird von den hiesigen Blättern verurtheilt. Die Zeitung Gun" sagt, mau solle jeden Schiedsvertrag verwerfen, da die Beziehungen zwischen den beiden Staaten täglich gespannter werden. DaS Blatt giebt zu, daß die Japaner bald die Herren der Insel sein würden, wenn man ihnen die Ein- wanderuugSfreihett ließe.Mail" undExpreß" bezeichnen die Zustände auf der Insel als eine sonderbare Mischung von Offenherzigkeit und diplomatischer Strategie und fügen hinzu, Japan schlage den Schtedsvertrag vor, mit dem ge­heimen Gedanken, daß derselbe zu seinen Gunsten aus- fallen werde.

Istirlstiia ter wwieigf* ftutynta opmUxttti.

Dienstag den 14. September: Der Ring des Nibelungen. Borabend: Rhetngold. Mittwoch den 15.September: Der Rin­des Nibelungen. Erster Abend: Walküre. Donnerstag den 16. September: Der Waffenschmied. Freitag den 17. September: Die schöne Helena. Phantasien im Bremer RathSkeller. Samstag den 18. September: Der Ring deS Nibelungen. Zweiter Abend: Siegfried. Sonntag den 19. September: Margarethe. Montag den 20. September: Der Ring bei Nibelungen. Dritter Abend: Götterdämmerung.

Schauspiel-««-.

Dienstag den 14. September: Hans Lange. Mittwoch den 15. September: Galeotto. Vorher: DaS Gewitter. Donnerstag den 16. September: Neu-Frankfurt. Freitag den 17. September: John Gabriel Borkmann. Samstag dm 18. September: Fall Klemenceau. Sonntag dm 19. September, Nachmittags3*/,Uhr: Die relegirten Studenten. Abmds 7 Uhr: Neu-Frankfurt. Montag den 20. September: Nachruhm.

und unappetitlich ist es, Fliegmgift in Tellern aufzustellen. Wer diese Quälgeister auf einmal in 5 Minuten los werden will, benütze nur das weltberühmteSalma* von Apoth. Eng. Lahr in Würzburg. (Stehe heutiges Inserat.) 5460

Feuilleton.

Ab es regnen wird?

Eine heitere und wahre Geschichte von Carl Neumann-Strela, (Nachdruck verboten.)

Vor etwa fünfzig Jahren lebte in einer pommerscheu Provinztalstadt der Holzhändler Fritz WelmS in glücklichster Ehe mit seiner Frau Minna, Mteutng genannt. Eisen­bahn gab ei dort noch nicht. Mau konnte die Stadt nur aus Wegen erreichen, die viel zu wünschen übrig ließen.

In der Hauptstraße hatte WelmS HauS und Hof, Speicher und Remisen. Er bewohnte daS HauS allein. Weßhalb auch vermiethen?

Wir haben unten Platz genug," sagte er,und weil ich kein Trampeln über un« leiden mag, lasse ich'« oben leerstehen."

Gewiß," meinte Mientng,wir können unS das leisten."

WelmS war ein sehr wohlhabender Mann. Er verstand sein Geschäft, kaufte billig ein, hielt beim Verkauf auf gute Preise und gab sich mit unsicheren Kunden grundsätzlich nie ab. Baar gegen baar stand über seinem Pulte geschrieben. Mäßig in seinen Ansprüchen, hätte er den Handel eigentlich ^ufgrben können, da er bereit-sein Schäfchen inS Trockene .gebracht". Doch jeder Mensch, sagte er zu Miening, müßte Beschäftigung haben, denn die Zeit würde dem NichtSthuer zehnmal so lang. Sie nickte dazu, und deßhalb setzte er den .Handel fort.

WelmS lebte streng nach der Uhr. Punkt Zwölf kam rrr auS dem Comptoir und setzte sich an den gedeckten Tisch. Sein Appetit war stets vorzüglich und die gute Frau strahlte ttior Vergnügen, jwenn sie ihn so rechtetnhaueu" sah.

Ach, Miening, gespickter Hecht! Sieh doch an,

eine junge gebratene GauS? Leberklöße mit Schmor­braten, daS lasse ich mir gefallen! Geräucherter Schwein-- köpf mit Grünkohl, sapperlot!"

So ging es den einen wie den andern Tag. Welmi langsam und bedächtig, dennwer sich Zeit zum Essen läßt, ißt bedeutend mehr". War er dann satt, so legte er Messer und Gabel mit der gewohnten Bemerkung hin:ES soll einmal einer gesagt haben, da« Essen wäre eine tägliche Qual. Kannst Du Dir solch einen Schaf«köpf denken?"

Nach der Mahlzeit folgte der übliche MtttagSschlaf. Zwanzig Minuten vor Drei mußte Miening WelmS regel­mäßig wecken. Hierauf brachte daS Mädchen den Kaffee. Die erste Taffe ward langsam, die zweite rascher getrunken, denn täglich pünktlich um drei Uhr öffnete WelmS Sommer und Winter daS Fenster. Dann hielt er die Hand hinaus, um sich zu überzeugen, ob er etwa einen Regentropfen fühlte. Regen war ihm ein Greuel, und nach seiner Meinung gab es Beispiele, daß es sogar bei heiterem Himmel ge­regnet hatte.

Miening, was meinst Du? Ob es regnen wird?"

Da« war seine tägliche Frage. Sagte die gute Frau nein, so ging er bis vier Uhr spazieren. Zuckte sie aber die Achseln und sagte, daß eS vielleicht doch regnen könnte, dann zog er es vor, zu Hause zu bleiben.

Früher hatten sich die Nachbarn über die auSgestreckte Hand gewundert. Allmählig war ihnen dieser Anblick jedoch so zur Gewohnheit geworden, daß fie sich gar nichts mehr dabei dachten.

Zweimal io der Woche ging WelmS deS Abends, nach­dem er sich daheim erst an Spickaal, Gänsebrust, Flundern, Krabben oder waS e< sonst nochso 'n bt-chen zum Knabbern" gab, gelabt hatte, in die Ressource. Er plauderte dort nur, spielte nie und trank zwei Gläser Dünnbier. Wenn eS jedoch Neun schlug und der Trompeter vor der Hauptwache den

Zapfenstreich blteS, konnte ihn nicht- mehr daselbst zurück- halten.

Da war der Herr Eonsul, der mit WelmS in derselben Straße wohnte, doch ein ganz anderer Mann. Der verstand zu leben und sein Leben zu genießen, war immer fein ge­kleidet, immer liebenswürdig, immer ein aufmerksamer Ver­ehrer der Damen, denen er die schönsten Blumen schickte. Als Junggeselle konnte er sich daS leisten. Früher hatte er ein Korngeschäft betrieben, dann war er Rentier und Consul irgend eine« kleinen ausländischen Staate- geworden, der ihn kaum ernstlich in Anspruch nahm. Reich mußte er freilich sein, denn, sagten die Leute, wer beim Kornhandel Glück hat, dem geht eS wie unserem Herrn Consul! Pferd und Wagen, Kutscher, Diener, ein Reitpferd, Badereisen der Herr Consul konnte sich baß erlauben. Und seine Diner-, die tr den Honoratioren gab, waren geradezu berühmt. Immer gütig, immer lächelnd, immer mit Grazie erscheinend, war er der Stolz der ganzen Stadt. Mochten die anderen am Abend zu Hause speisen und dann in der Ressource Dünnbier trinken, er dort warm, trank seine Flasche Bordeaux zu einem Thaler, spielte mit dem umwohnenden Landadel, der sich pünktlich einftellte, Whist ober L'hombre unb machte sich ein ganz befonbereß Vergnügen daran-, einige Bowlen zum besten zu geben.

(5r muß sehr reich sein," sagte WelmS, und Miening fügte hinzu:Natürlich mächtig reich."

Einst mußte WelmS zum Abschluß eines besonder- günstigen Geschäfts auf einige Tage verreisen. ES handelte sich um den Kauf eineß großen Holzbestandes- er entschied sich indeß erst nach der Heimkehr dafür und gab dann schrift­lich Auftrag, ihm den ganzen Bestand zu dem verlangten Preise von 5000 Thalern zu senden.

(Fortsetzung folgt.)