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Zweites Blatt.
Sawsta, den 18. Mär,
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Gießener Anzeig er
Kenerat-Anzeiger.
Die Gießener Aamilieuvtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Der
-irtztner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS.
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Alle Anooncen-Bureaux deS In. und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Zur Vergebung der Lieferung von Basaltlava. Band, und Wandstetoen au die Firma Graff u. So. hier auf Grund der von genannter Firma eiogereichteu SubmissionS-
Sitzung der Stadtverordnete«
am 11. März 1897.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Wolff, von Setten der Stadtverordneten die Herren Adami, Brück, Emmeltus, Faber, Flett, l)r. Gutfletsch, Habenicht, Haubach, Heichelheim, Heyligen- ftaedt, Hornberger, Jughardt, Keller, Kirch, Löber, Loos, Orbig, Petri, Scheel, Schiele, Schmall, Vogt und Wallenfels.
Herr Oberbürgermeister Gnauth brachte vor Eintritt iin die Tagesordnung ein Schreiben zur Kenutniß, in welchem Frau August Heß WIttwe dankt für den Ausdruck des Beileids und die Blumenspenden, womit die Stadtverord- meten-versammlnug daS Andenken des kürzlich verstorbenen Stadtverordneten Heß ehrte.
Die Gesuche des Herrn Jacob Gorr VII. von Heuchelheim, Christian Haubach und Georg Sichler von Gießen um Erlaubniß zur Errichtung von Backftein- hSuschen im Neustädter Feld werden dem Anträge der Sommisfion entsprechend ausnahmsweise und widerruflich, die ersten beiden auf die Dauer von zwei Jahren, befür« wortet. ।
Da» Gesuch der Brauerei Jhring in Lich um Gr- I laubniß zur Erbauung einer Trinkhalle auf der LiebigShöhe wird unter der Bedingung befürwortet, daß zwischen einer bereit» bestehenden Halle und der neu zu errichtenden ein Abstand von mindesten» 5 Metern verbleibt.
Da» Gesuch deS Herrn H. Bad ui n um Erlaubniß zur Erbauung eine» Stallgebäudes am Leihgesterner Weg I toirb ebenfalls ausnahmsweise und unter der Bedingung befürwortet, daß der obere Stock in Fachwerk ausgemauert I und das Holzwerk sichtbar gelaffen wird.
Die Firma Heyligenftaedt & Co. beabsichtigt, bei ihrer neuen Fabrikanlage einen Neubau zum Bauen großer I Berkzeugmaschinen zu errichten. DaS Gesuch soll auSnahmS- vetse genehmigt werden.
zum Bauen in der Steinstraße wird ebenfalls beanstandet und -war auf Grund des § 16 der OrtSpoltzeiverordnung, »ach welcher hinter jedem Wohnhaus ein mindestens 8 Meter langer und 4 bis 6 Meter breiter Hofraum sich befinden muß.
Herrn P. Senßfelder, welcher beabsichtigt, au seinem Hause in der Stephanstraße eine Einfriedigung anzubringeu, soll die in § 1 der neuerlich erlassenen Abäuderaug der Ort«, polizeiverordnuug vom 10. Mat 1890 vorgesehene Entschädigung für die im Jutereffe der Straßenherstellung zu ver- stärkende Grundmauer im Betrage von 65 Mark bewilligt werden.
Dem Gesuch des Herrn Emil Noll um pachtweise Ueberlaffung eines Holzlagerplatzes am Lutherberg soll gegen Entrichtung des üblichen Pachtgeldes entsprochen werden.
Der wegen Regultruog der Hofmaonstraße nöthigen Ueberlaffung von Gelände an Herrn Bauunternehmer Winu, sowie dem Austausch von Gelände zwischen Stadt und de« Eigeuthum des städtischen Hospital» wird zugestimmt.
Zu dem Gesuch des Herrn Jos. Stein um Ertheiluug der Coucesfion zum WirthschaftSbetrieb im Hause Afterweg 7 wird die Bedürfnißfrage bejaht, weil im bett. Hause bisher schon Wirthschaft betrieben wurde.
Dagegen wirb die Bedürfnißfrage verneint bezüglich de» Gesuches des Herrn Heinrich Nau für das Haus Steiustraße 74, weil der negative Erfolg der bisher von Herrn Kratzenberger und Anderen betriebenen Wirthschaft zeige, daß ein Bedürfoiß nicht vorhanden.
Ebenso wird verneint daS EoncesfiouSgesuch deS Herrn Heinrich Winn für da» neu zu erbauende Haus Ecke der Bleich- und Stephanstraße, weil bezeichneter Stadttheil noch zu wenig bebaut, um daraus ein Bedürfuiß begrüudsn zu können.
Au» gleichen Gründen wird verneint die Bedürfnißfrage bezüglich des von der Orauienbraueret Dillenburg eingereichten Gesuchs für das HauS Göthestraße 54.
Bejaht wird die Bedürfnißfrage bezüglich des Gesuches des Herrn Chr. Kruse, welcher die Wirthschaft auf LonhS Bierkeller weiter betreiben will.
Zu dem Gesuch deS Herrn H. Elges, welcher in dem von ihm erworbenen Hause SelterSweg 68 Wirthschaft be- treiben will, hatte die Commisfion berichtet, daß ein Bedürfniß zum Ausschank von Branntwein nicht vorliege, wenn Gesuch- steller lediglich Schankwirthschaft treiben wolle, dagegen würde die Bedürfnißfrage zu bejahen sein, wenn mit der Schank- wirthschaft Logirwirthschaft verbunden würde. Die Ber- sammiung beschloß im Sinne des Commisfion» Antrags.
In früheren Sitzungen wurde über die Anlage erhöhter Trottoirs in der Südanlage verhandelt und oem- gemäß, nachdem der Antrag auf Anlage eines Reitwege» abgelehnt worden, der Versammlung ein neues Straßenprofil vorgelegt. Dasselbe fieht für die Häuserseite gen. Anlage eine Trottoirbreite von 3,60 Meter, sowie eine Fahrbahnbreite (einschließlich der Goffe) von 7 Meter vor. ES wird dem- entsprechend beschloffen, nachdem die Herren Adami und Heichelheim fich für eine größere Trottoirbreite ausgesprochen hatten.
Ueber die Anlage erhöhter Trottoirs in der Weiden- gasse, welche ebenfalls bereits vorberathen wurde, find Erhebungen augeftellt worden. Danach wäre die Anlage ! von Trottoire von I Mtr. 60 Ctm. Breite angängig von der Ecke des Röse'fchen Hause» bis zu den Neuen Bäuen bei einer nach dieser Seite hin möglichen Fahrbahn von 5 Mtr Breite. Die Baudeputation ist iadeß der Anficht, daß die Kosten nicht rentirten,- die Belastung deS Polizeiamts in der Weidengaste sei nur noch eine Frage der Zeit und damit entfalle ein großer Thetl deS Verkehrs. Herr Oberbürgermeister Gnauth theilte hierbei, mit, daß GroßherzogltcheS Ministerium sich bereit erklärt habe, in Verhandlungen zu treten wegen Uebertragung der Wohlfahrts- und Verwaltungspolizei auf die Stadt. Bei der sonach in Aussicht stehenden Trennung der Polizei nach ihren verschiedenen Zweigen werde sich da» Bedürfniß nach zweckmäßiger Unterbringung in einem größeren Bau, etwa in einem auf dem Gelände an der Lonh- straße und Gartenftraße zu errichtenden, geltend machen. DaS alte Polizeigebäude in der Weidengasie würde dann abgängig werden. Die Versammlung beschloß auf Antrag der Bau- deputation, von Anlage erhöhter Trottoirs in der Weidenaaffe abzusehen.
Vermischtes
• Kiuderspielzeug vor zweitausend Jahren. Bei den Au», grabungen, die Frhr. v. Hehl in WormS tu den auf seinem Besitzthum gelegenen römischen Gräbern vornehmen läßt, wurde, wie die „W. Ztg." mittheilt, auch ein Kindergrab bloSgelegt, das reich mit Spielsachen gefüllt war. DaS Kind, ein Mädchen von ungefähr zehn Jahren, hatte außer verschiedenen schönen Gläsern, welche seine vornehme Herkunft vermuthen lasten, einen ganzen Satz kleiner, unserem Brummkreisel ähnlicher Spielsachen mitbekommen, dabei noch aus blauem und grünem Glase gefertigte Spielmarken, ferner e.nen kleinen, eine Ente vorstellenden Bogel aus Thon und zwei niedliche Schälchen aus Glas in der Größe unserer Uhrgläser.
Herr C. v. Münchow will in der Wolkengaffe ein Wohnhaus errichten. Da» Gesuch wird auf Grund des § 26 ta Allgemeinen Bauordnung beanstandet, weil das Bau- i wruno oer von genannter Firma etr object "A rechtwinklich zur Straßeoflucht zu stehen kommt aagebote wird Genehmigung ertheilt uiü in Rücksicht auf die künftige Verbreiterung der Wolken- 9 9
gaqe der Giebel de» Baues mißständig werden würde. I ___________
Da« Gesuch des Herrn Audr. Euler «m Erlaubniß S
Cocales tutfc provinzieller.
0. Ans Oberheffeu, 11. März. Die Zeit rückt nach und nach heran, wo der Bauer mit seinen Pflugarbeiten beginnen kann und handelt e» fich darum, die Frühjahr». Saatfrüchte: Gerste und Hafer, sowie seine Same- reien bereit zu stellen. Unter den Sämereien verdienen die verschiedenen Sorten von Kleefarnen: deutscher, ewiger (Luzerne) und türkischer (Esparsette) Kleesameu diese» Jahr eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Da» ibetg6agene Fahr 1896 war bekanntlich sehr naß. Der Kleesamen ist daher fast vollständig in Deutschland mtßrathen und darum sehr theuer. Die Folge davon hat fich deshalb bereit» gezeigt, nämlich: Der Kleesamen ist nicht bloß sehr theuer, sondern auch ziemlich schlecht. Mau führt darum diese Sämereien au» Amerika und Rußland ein, die sich für unser Klima und unseren Boden wenig eignen. Unter diesen Umständen finden wir un» veranlaßt, besonder» die kleinen Landwirthe dringend zu ermahnen: fie möchten bei Anschaffung ihrer Kleesamenarten äußerst vorsichtig sein, wenn sie ihre diesjährige Kleeernte nicht aufs Spiel fetzen wollen. Die größeren Landwirthe sind in solchen Fällen gewitzigter. Sie gehören meistens landwirthschaftlichen Consumvereinen au, welche ihren Samen im Großen beziehen und dadurch schon billigere Preise erhalten. Außerdem wird ihnen die Keimfähigkeit garantirt. Beide wichtige Punkte fallen bet dem Kleinbauer, der bei Kleinhändlern kauft, weg. E» soll daher hier eindringlich vor Uovorfichtigkeit gewarnt werden, die fich bitter rächen wird. Wer Kleefarnen kaufen muß, der kaufe nur bet ganz soliden Geschäften und verlange Garantie für Keimfähigkeit.
Bad-Rauheit», 9. März. Die Meyer'fche Ga»- iS aa # Besitze eine» Monopol» war, wurde für 62,000 Mk. an die Stadt Bad-Nauheim verkauft. Die Uebergabe erfolgt am 1. April l. I»., doch wird der bis. herige Besitzer den Betrieb noch bis zum 1. October 1897 leiten. Das Etablissement soll mit allen Fortschritten der Jetztzeit versehen werden und den Abnehmern ein möalichst gutes und billiges Licht liefern. 9
, „ 10. März. In I-tzl-r Zeit flnb di- Preise füt
befleie Miethwohnungen ganz enorm gestiegen, wa» man in erster Linie der bevorstehenden Garntfonsvergrößeruna zuschreibt. Auch die Bauplätze steigen rapid im Preise. In einzelnen Bauquartteren, wo man vor einigen Wochen da» Klafter (gleich 6% Quadratmeter) noch für 80 Mk. haben konnte, bezahlt man jetzt schon sür die gleiche Fläche 120 Mk. A"ch in weniger gesuchten Quartieren wird eine verhSltntß- mäßige Steigerung des GeläudepretseS wahrgenommen.
△ Mainz, 10. März. Zur Warnung des Publi- kums wird amtlicher SeitS mitgetheilt, daß in hiesiger Gegeno in letzter Zeit viele falsche Thalerstücke circultren. Sie tragen das Bildniß des Königs Wilhelm von Preußen fflfiU 18661 sehr täuschend nachgeahmten
Falfificate, die daS Münzzetchen A führen, find leichter al» bie ächten Stücke und fühlen fich fettig an. - Einem nicht gerade kleinen Theil der Beamten der Hessischen Ludwig»- bahn will seit der staatlichen Uebernahme viele» bezüglich der Diensteintheilung und der GehaltSregulirung nicht passen, zumal man fich vor der Verstaatlichung vielfach der Hoffnung hingegeben hatte, daß mit Eintritt der StaatSver- waltung den Schmerzen und Wünschen der Beamten mehr Rechnung getragen würde, als unter der Privatverwaltung. Fortgesetzt begegnet man daher in der hiesigen Localpreffe allerlei Klagen und Beschwerden aus hiesigen Beamtenkreisen, was die neue Verwaltung in der letzten Zeit veranlaßt hat, eine schärfere Tonart anzuweuden und strenge Nachforschung nach den Verfassern solcher klagenden Zuschriften an die Zeitungen anzuftrengen. Beamte, welche als Einsender oder Verfasser derartiger ZeituogSpublicationen ermittelt werden, haben sofortige Dienstentlassung zu gewärtigen.
Amtlichem Theil.
Bekanntmachung.
Es ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß durch Ueberladen von Lastfuhrwerken, sowie durch Verwendung ^hmer, abgetriebener, kranker und zu schwacher Pferde zum Transport von Lasten — insbesondere tn dem aufsteigenden Xbeileber Frankfurterstraße — Thierquälereien verübt werden.
Wir sehen uns daher veranlaßt, die dahier verkehrenden auswärtigen, sowie die einheimischen Fuhrwerksbesitzer hiervon mit dem Anfügen zu warnen, daß die Schutzmannschaft angewiesen ist, in solchen Fällen Strafanzeige wegen Verfehlung gegen § 860 pos. 13 des Reichsstrafgesetzbuchs zu erheben, sowie zu veranlassen, daß Pferde obiger Beschaffen- heit außer Dienst gestellt werden.
Gießen, den 11. März 1897.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung,
betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Äitterlbaufee.
Am Donnerstag, 18. März 1897 findet die Ueberweifung der neuen Grundstücke und die Versteigerung der Maffegrundstücke statt. ö
Zusammenkunft Vormittags 9 Uhr an der hölzernen Lahnbrücke zu Ruttershausen, wo auch die Versteigerung»- vedingungen bekannt gegeben werden.
Die Ueberweifung der neuen Grundstücke erfolgt unter dem Vorbehalt, daß
1. Meliorationsarbeiten auf den überwiesenen Grund- stücken auch fernerhin vorgenommen werden können,
2. da wo sich die Nothwendigkeit kleinerer Eigenthums- Veränderungen in Folge von Wege- und Grabe«- anlagen und berg!, ergibt, die neuen Eigenthümer solche zu dulden haben.
Friedberg, 11. März 1897.
Der Bereinigungscommissär:
2458 Dr. Göttelmann, Großh. KreiSamtmann.


