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Nr. 292 Zweites Blatt. Soautag dev 12. December
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frtdjnnt täglich, Mit AuSnahmr M Montaß».
Di« Gießen er y**irieeiratl<r werden brwi Anzeiger WAchentlich dreimal drigelegt.
Gießener Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Arris Gieren.
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Derrtsches Reich.
Berlin, 9. December. Im Verein deutscherEtsen« und Stahlindustrie lle r berührte der Laodtag-abpeord- nete Bucck im Jahresbericht zunächst die Frage der F acht- ermäß gungeu für Sch ffoaumatertaiien. ES fei begründete Aussicht vorhanden, dan nunmehr fettens der StaatSeisen- bahnverwaltung dieser Frachtermäßigung bald Folge gegeben werde. Eme Rundfrage beS D r.inS über die Wirkung der Handelsverträge hat ergeben, daß in erster Linie der russisch- den'sche Handelsvertrag günstig auf die deutsche Industrie zurückg wiikt hat. Mehrfache auf eine Durchbrechung unseres herrfcheuden Zoll ystems an den HandelSmiuitter gerichtete Anträge hat tneier, nrch^em er Gutachten vom Verein deuischer Eisen- und Stahl udustr'eller eiugeholt hat, die sich in begründeter Weise gegen bitte Durchbrechung au»sprachen, abschlägig befchteden. Der Vortragende bespricht sodann die Arbetterfrage, indem er besonders eilgehend den Ausstand der engiiich-n Masch nenbauarbeiter behandelt, in welchem sich der TerrvtiSwuS der Tra e Union» im ganzen Umfange offenbart habe. Dicfen TerrortSmuS zu brechen, seien die englisch n Arbeitgeber fest enischiosstU. Der Kampf sei ihnen ausged äugt, eS sei ein Kamps um die Existenz drr englischen Jutust.tr. Man verhand le odann über die Stellungnahme zu der Pariser Weltausstellung. Beschlossen wird: ,Dcr Verein lehnt als solcher eine Beschlußfassung über die Beschickung der AuSft'llung ab uub überläßt btc Entscheidung über die Beschickung den einzelnen Werken- er totib aber eine Rundfrage unter seinen Mitglieteru veranstalten, um zunächst zu ermitteln, welche Werke bereit stab, bte AuS- stellung za befch cken. Die letztem werden sodann zu einer T'tzung eingeladen werden, in welcher zugleich die Frage einer eventuellen Eolleclivausstellung erwogen werden soll.
— Zu dem Borge Yen der selbstständigen Petroleum Händler Südw estdeuts chlan dS geaen die Monopolbestrebcngen der Standard O l Eo. und hcer deutschen Zwe.ge gab Herr Pakhetser, Leiter der Marwh im- Bcemer Petroleum Acliengesellschaft, in der letzten Volts-
Versammlung der Mannheimer Hande skammer eine eiugevenee Erk älung zu Protokoll, nach weicher die von seiner Gesellschaft gethanen ©dritte im Volke vielfach nicht verstanden, auch seiner Gesellschaft Übel autgedeutet worden seien. Die Stellung der Handelskammer wurde dahin gekennzeichnet, daß sie eine grundiätz iche Gegnerin aller monopolistischen Bestrebungen sei. Zr begrüßen sei jedenfalls, wenn eine leistunoSsähige unabhängige Gesellschaft am h'efigen Platze eine Niederlage begründe, weil baß nur zur Belebung deS B-rkeh» untere» Platze» beitragen würde.
• Kola, 9. December. Heute Nachmittag hat die Beerdigung deS von seinem Stubenältesten erstochenen Soldaten des 16. Infanterieregiment» unter militärischen Ehren, Begleitung der Capelle beß Regiments unb mehrerer Osfiz'ere stattgefunden. D-e Untersuchung kannte noch nicht abgeschlossen werden, da drr tödtltch verletzte Stubenälteste bisher nicht vernehmungsfähig ist.
* Schneeberg, 2. Dicember. Ein zum Militär ausge- hobener junger Mann wurde hier mit 6 Monaten Gefän^niß b straft, weil er sich vorsätzlich einen Finger der rechten Hand abhackte, um vom Militär frei zu kommen. Nach Verbüßung dieser Strafe mußte der junge Mann seiner Mtliärpfiicht bei der A b iterabthe lung in DrcSdcn erfüll'«.
• Sin Semeinderath fin de siäcle. Der Gemeinde- rath deS unweit Paris belegeuen S ädtchenS EtampeS hat in feiner letzten Sitzung befchloffen, den mit der Abfassung der SitzungSprotocolle betrauten Secretär durch einen — PH onogr aphen zu ersetzen. Da» ist bi» jetzt die erste französische Gemeindeversammlung, die sich zu dieser ingeniösen Verwendung der E ison'schen Erfindung sür ab* «inistrative Zwecke verstanden Hst. Die Annahme beß Vorschlages ging übrigen» nicht so ohne weitere» von statten. Bereit» am 29. November theilte ber Maire von EiampeS seinen Collegen mit, ein gewtffer Herr Grattery suche um die Ermächtigung nach, auf seine Kosten im Sitzungßsaale
der Stadtverordneten einen Phonographen anbringen zu lassen, ber getreu alle Debatten unb Reben wiedergeben würde, unb er verpflichte sich, gratis die Sitzungsberichte mitzuthetle» umer der Bedingung, daß ihm das ausschließ iche Monopol dieser Einrichtung zuerkannt wü>de. Die Gemewderäthe waren aber nicht alle über diesen Vorschlag entzückt. Während nämlich die tmen die Bor-Heile dieser neuen Combi- nation in den begeistertsten Ausdrücken rühmten, wandten I andere ein^ der Phonograph könne nicht die DiScretion und Delicatefie eines bescheidenen und seiner Aufgabe gewachsenen SrcretärS haben, daß das Instrument nicht die schätzcnßwerthe Gabe besitze, alle Verstöße feinsinnig auSznscheidev, die von ihrer Beredsamkeit fortger flenen Collegen g'geu die Gra- matik, da» Pcotoc^ll und die — Schick.ichkeit sich zu Schulden kommen lass n könnten. — Einige mißtrauische Naturen glaubten sogar dem Bewerber höchst perfide Absichten unterschieben zu müfftn; denn Herr Grattery müsse dock, meinten ste, irgend einen Beweggrund haben, um diesen kostspieligen Apparat aus eigene Kosten im Stadthause anbringen lassen zu wollen. Diese vorfichiigen Herren vermochten aber die Mehrzahl ihrer Collegen nicht für fich zu gewinnen, und die Anhänger des modernen Fortschrittes gingen siegreich aus der Abstimmung hervor. Welche Motive Herrn Grattery bei seinem Anerbieten geleitet haben, ist allerdings schwer zu er- rathen. Vielleicht verfolgt er die Absicht, die feinen Bemerkungen, Erinnerungen und Witze zu sammeln, die der bekannte Chroniqueur Au'ölten Scholl, der Stadtrath von (Stampe» ist, seinen Collegen zum Besten zu geben pflegt.
• tii Roman voll ö. Sine Wiener Zeitung brachte folgende ergötzliche Erzählung, die ein wahre» Bravourstück der Alliteration genannt werden darf: Wilhelm Werner war wohlhabender Weber, Wirderverkäufer wollener Maaren. Wanda Wieland war Wäscherin, während weniger Wochen Wickrlsrau. Wilhelm wie Wanda waren Waisenkinder. Wanda wurden W lhelmS Werbung Wilhelm» W-ib. Wilhelm war warmblütig, weichherzig, wonnetrunken, Wanda» Weiberlaunen willfahrend, Wanda wußte, Wein, Weib, witzig Wort, waren
Feuilleton.
Unser» Zimmerlust.
Von Dr. med. A. Ebing.
(Nachdruck verboten.)
KO. Alle», wa» lebt, da» athmet, selbst süc die Pflanzenwelt ist da» Athmen ein unentbehrlicher Lebensprozeß. Ohne gute, reine Luft ist keine Gesu-dhett denkbar. Alle» organische Leben wird durch den Sauerstoff der Luft angeregt und unterhalten, daher man ihn auch titbenßerreger, Orygen, nennt. Doch nicht nur bei den Vorgängen de» Ent- stehen», de» Leben», sondern auch bet denen be» Vergehen», beß verwesen» begegnen w,r ihm, denn durch ihn wird bte Materie fortwährenb zerstört, zerlegt und bann wieder in neuer Form aufgebaut. Dadurch ist der Sauerstoff, der Lebenserreger, auch der Verderber unserer animaliichen und pflanzlichen Nahrungßmtttel, denn der Zutritt von Sauerstoff «acht unsere Weine sauer, vergährt unser Biec, verursacht Fäulniß, Moder und Rost, doch indem er dieses thnt, ruft er eben wieder andere Welen, andere Mod fkattocen in» Seben. Er ist aber auch der Vernichter ansteckender Fäulniß- stosse, denn r» ist bekannt, daß sonnige Luft die Fiüffc deß- instcirt, denn sonst wären sie längst verjaucht und da» Menschengeschlecht an Epidemien zu Grunde gegangen, aus* gerottet worden. Die atmosphärische Luft besteht anß 21 Thrilen Sauerstoff und 79 Theilen Stickstoff, der nur al» BcrdünnungSmttrel des ersteren dient, ba reiner Sauer- stoss noch unmöglicher zu a-hmen ist, al» etwa reinen ©piritufi zu hinten. Der Sauerstoff verursacht den Stoffwechsel be» Lebens, er verbindet sich mit E erneuten, die ihm beaeanen; so oxydirt er beiiptelSweise den Stickstoff im «enschlichen Organismus zu Harnsäure, den Wasserstoff zu Wasser unb d n Kohlenstoff zu Kohlensäure. «u» diesen vier Elementen: Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff unb Kohlen- stoss bestehen hauptsächlich alle Lebewesen.
Um gesund zu sein, bedarf eS etntß energischen Stoffwechsels, unb um bieten möglich zu wachen, muß ber Organismus den verbrannten, ben oxydirteu S'off entfernen, au»* scheiden. Dazu bedarf er derjenigen höheren Temperatur, welche man „Lebenswärme" nennt, deren Quelle da» Athmen ist Wo dieses sich verlangsamt, ba finkt bie LebenSwätme, ba’ berminbert fich ber Stoffwechsel, wo dagegen bas Athmen beschleunigt wirb, da steigt die LebenSwärme, ba hebt fich ber Stoffwechsel unb infolge dessen bie Gesundheit.
Bon der Luft allein kann ber Men'ch nicht leben, er
muß dem Sauerstoff auch etwa- zum Verbrennen geben, er muß also gut essen unb trinken. Atqmung und Ernährung müssen im Einklänge stehen, sonst gibt eS Kra. kheiten. Bei zu reichlicher Nahrung wird btr Mensch im günstigen Falle fett, sonst aber entstehen Kränksten, tote Hämorrhoiden, Leder- ober Gtchtleiden. Bei schlechter Nahrung magert der Mensch ab, denn sein Fett ist sozusagen fein Kohlendepot, welches in Zeiten ber Noth in Angriff genommen wird. Darum magert auch ber fette Winterschläfer während beß langen Schlafe» ab, darum schtvi det der Höcker de» Kameels, dieser Kohlenvorrath de» Wüstenschiffe», wenn der Carawanen- zng zu große Ansprüche an bie Stiftungen be« Th tre» stellt. Bei anbauernfcem Hungern treten Scropheln unb Dchwind- sucht auf.
Kräftige Diät und entsprechenbe Bewegung im Freien finb die Umverjalmtttrl gegen jede Krankheit, sie sind baß einige E ixir zu einem langen Leben. L ioer find nur wenige Menschen in ber Lage, beide» vereinen zu können. Fesselt UN» aber Bcrns unb Pflicht gar zu lange im Hause, so sollen wir doch nach Keästen dafür sorgen, daß in un eien Wohn- und Schlaf- mmern eine reine Luft fich befindet. Biele Krankheiten neunten ihren Ursprung au» dem Mangel an freier Lusrnthmung und zwar durch sitzende Lebensweise oder au» andauerndem Athmen in verdorbener Lust, wie fie in Überfüllten ArbettSräumen, Schulen, WinhShäuseru unb dergleichen vorkommt Ob die Lust schlecht oder gut ist, e> kennen wir am ehesten durch den Gcruchfian. Leider gewöhnt sich die Rase gar zu leicht an schlechte Gerüche, aber ein Gang in bte friiche Luft gibt ihr ba» Untertreibung» vermögen wieder.
Was bie Lust in ben übersüllten und mangelhaft ge» lüfteten Räumen verschlechtert, daß ist nicht nur die au», geatmete Kohlensäure, sondern auch ein giftiger, noch nicht genügend erkannter Stoff, ber nach Meinung hervorragender Gelehrter ein Alkaloid auß dem Reiche der Leichengifte fein soll.
Jo unseren Wohnzimmern ist im Winter ein gutziehender Ofen em vorzüglicher Luftverb-sserer: er führt die verdorbene Luft ab, während die Thüren und Fenster durch ihre Ritzen immer kalte, frische Lust eindringen laffen. Diese R-tzen im Ämter ängstlich zu verstopfen, ist daher gesund- heitSschädlich, wenn eS sonst an genügender Lüftung mangelt. Eß ist viel gesünder, diesen langsamen Eintritt ber frischen Luft zu gestatten und etwaß mehr Brennmaterial zu opfern, als umgekehrt. Selbst im Winter öffne man von Zeit zu Zeit die Fenster, im Sommer lasse «an dieselben, wenn
eben möglich, den ganzen Tag offenstehen, denn da» beste und b lligste Mittel, um gute Luft zu Haden, ist unb bleibt stet» da» einfache Lüften,
Alle sog. Räuchermittel, mögen fie noch so schön duften, machen die Luft nicht biffer, nicht reiner, fie verdecken höchsten» den schlechten Geruch derselben, Heden aber ihre schädliche Wirkung nicht auf. Daß vergesse man nie bei einfachen nab noch mehr bei ansteckenden Krankheiten. Nur beß« inficirende Mittel, wie Chlor, zerstören schädliche Stoffe, aber dteseß ZerstörunqSmittel selbst ist für die Lunge gefährlich unb muß durch Lüftung entfernt werden. Auch bte Wänbe lassen Luft burch, nur feuchte Wände thun diese» nicht, daher herrscht in feuchten Wohnungen stet» eine auffallend riechende und dumpfe Lust.
Die Reinheit der Lust hängt durchauß nicht von der Größe deß Z mmerß, sondern in erster 8 nie von der Zufuhr ber friichrn Lust ab, so daß also ein kleiner Raum mit guter Luft-Erneuerung gesunder sein kann, al» ein hoher und großer.
Bei der Heizung der Oefen im Winter ist zu beachten, daß die Defeo in ber Stube selbst geheizt werden und nicht von außen, tote e» noch in manchen Häusern ber Fall ist. So nöthig in ben Wohnungen bie frische Lust ist, so nachtheilig ist die Zugluft, in welcher viele Menschen im Sommer und Winter leben. In Häusern, wo ber Wind bie Treppen und Gänge von der HanSthür biß zur Dachößnung durchstreift, ist eß unmöglich, gesund zu bleiben. Man gewöhnt fich nicht an die Zuglust,- bte schädlichen Folgen bleiben nie an», und je später fie eintreten, desto bedenklicher werden fie.
Die E-sahrung hat gelehrt, daß fich der Mensch in einer reinen Lust von 16 Grad Reaumur am Wohlften sühlt. Jemand, der in solcher Luft friert, ist entweder kränklich oder durch Unthätigkeit in einen der Kränklichkeit analogen Zustand geraten, durch welchen die Lebenswärme herabgesetzt wird.
Der Sitzende ober Unthätige bedarf nur der Bewegung im Freien, um sofort feine eigene Wärme zu der Lufttemperatur wieder in baß richtige Berhältntß zu bringen. In Kinberstuden bulbe man nie mehr al« 16® R, benn ba» Blut ber Kinder, welche» schneller und energischer Wärme erzeugt, würde in einer höheren Temperatur baß Uebermaß an Blutwärme nicht abgeben können,- bie Kinder selbst würden dadurch träge, schlaff und schläfrig werden. Rur altere Leute ober nervöse Personen können ba« Zimmer biß zu 18® K- hetzen lassen.


