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12.10.1897 Zweites Blatt
 
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Nr. 239 Zweites Blatt. Dienstag ben 12. October

1897

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erscheint täglich, »it Au-nah»< bei Montags.

Die Gießener yeeifireiratirr werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal brigelegt.

Meßmer Anzeiger

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bei falgenden Tag ers»r-inenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.

chratisöeikage: chießener Kamikienökätter.

Alle Annoncen-Bureaux des In- unb Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger"

Deutsche» Reich.

Berlin, 9. October. DiePost" bezeichnet die von mehreren Blättern gebrachten Einzelheiten der Tirpitz'schen Marine-Vorlage all auf Combinationen beruhend. Hat diSher die Marine-Verwaltung es nicht für augezeigt ge­halten, ihre Pläne im Einzelnen zu veröffentlichen, so wird auch aus dem Dchooße der verbündeten Regierungen keinerlei Mittheilung in die Oeffeutlichkeit gelangen. Wie es stets üblich gewesen ist, so werden, wie diePost" bestimmt mit- theilev kann, auch diesmal erst, nachdem der BundeSrath end- «iltig darüber entschieden hat, die Etatsforderuugen des Reichs- «arineamtS bekannt gegeben werden.

Berlin, 9. October. Die allgemeine Ausstellung für Nahrungsmittel, Volksernährung, Armee- und Marine- Verpflegung ist heute vormittag im Meßpalast eröffnet worben. Die Prinzessin Friedrich Leopold, die Protectoriu bet Ausstellung, hatte die Tochter deS Reichskanzler», Prin- zeffin Elisabeth Hohenlohe, mit ihrer Vertretung betraut. An­wesend waren u. A. Fürst Hohenlohe, der CultuSminister, der KriegSwinister, der commandirende Admiral Knorr, hohe Militärs und Beamte des Staates und der Stadt.

Berlin, 9. October. DerKreuz Ztg." zufolge ist von couservativer Seite mit der Aufstellung der Reichs- tagScaudidaten in den einzelnen Wahlkreisen bereits be­gonnen worden. Das Blatt meint, die Personeufroge werde bei den kommenden Wahlen eine hervorragende Rolle spielen.

Cmltrg, 9. October. DaS russische Kaiserpaar beab­sichtigt mit dem Sroßherzog und der Großherzogin von Hessen im nächsten Dienstag der Kaiserin Friedrich auf Schloß Friedrichshof einen Besuch abzustatten.

Lrefelb, 8. October. Noch in Crefeld, aber nach Schluß her General-Versammlung des Evangelischen Bundes, lief tut» de« Geheimen Livilcabinet des Kaiser- folgende Depesche ein:

Auf Befehl Seiner Majestät deS Kaisers und Königs habe ich die Ehre, der zehnten General-Versammlung des Evangelischen Bundes den Allerhöchsten Dank für den freundlichen Huldtgungsgruß auszusprechen.

(gez.) von LucauuS, Geh. CabinetSrath."

tzamburg, 9. October. In der heutigen Sitzung des soeialdemokratischen Parteitages ist die Entscheidung über die Frage der Betheiligung der Socialdemokratie an ben preußischen Landtagswahlen gefallen. Zunächst wurde die Aufhebung des Kölner Beschlusses vom Jahre 1893, welcher die Nichtbetheiligung an diesen Wahlen ausgesprochen hatte, mit 160 gegen 30 Stimmen gut geheißen und sodanr mit 147 gegen 63 Stimmen anerkannt, daß diese Angelegen­heit keine fpeeifisch preußische, sondern Sache der ganzen Partei sei. Hierauf wurde eine vom Abg. Bebel beantragte Resolution angenommen, welche nach mehrfachen Abänderungen folgenden Wortlaut erhielt: Die Betheiligung an den nächsten preußischen Landtagswahlen ist überall geboten, wo die Ver­

hältnisse e» ermöglichen. Inwieweit die Wahlbetheiligung in den einzelnen Wahlkreisen möglich ist, entscheiden die betreffen­den Parteigenossen nach Maßgabe der localen Verhältnisse. Compromisse mit anderen Parteien dürfen nicht abgeschlossen werden. Bet der Berathuvg über die Organisation wurde beschlossen, anstatt des geschästsführenden provisorischen Aus­schusses wieder einen Parteivorstand zu wählen, wie eS vor dem vorgehen de» Ministers v. Köller gewesen war. Die Parteileitung wurde wieder nach Berlin verlegt. Es wurde außerdem beschlossen, daß die einzelnen Parteiorte 10 pCt. ihrer Einnahmen an die Centralstelle abzuführen haben. Zum Orte deS nächsten Parteitages wurde Stuttgart gewählt. In den Vorstand der Gefammtpartei wurden einstimmig als Borfitzende Bebel und Dinger berufen, zum Kasstrer Gert ch und zu Schriftführern Pfannkuch und Auer. Mit einem Schlußwort des Vorfitzenden, einem Hoch auf die deutsche Socialdemokratie und dem Absingen der Marseillaise wurde der Parteitag geschlossen.

Ausland.

Wie», 9. October. Wegen furchtbarer Schneestürme auf der Nordbahn mußte der gesummte Verkehr auf der Strecke Wtgstadtl-Bautsch eingestellt werden.

Wie», 9. October. Der deutsch-uationale Abgeordnete Jro wird sein Mandat infolge Aufforderung seiner eigenen Parteigenossen uiederlegen.

Budapest, 9. October. Die Socialdemokraten berufen für diesen Monat nach hier einen Feldarbeiter-CongreH ein. In Saljotarjano find zwei soetaldewokratische Agitatoren verhaftet worden.

Literatur und Xuuft»

Meyers «oyyersatitms.Lexleo« nahezu vollendet! Nicht ohne das Empfinden staunender Bewunderns nehmen wir den vor­letzten (XVI.) Band der neuen Auflage zur Hand, der einen der Schlußsteine zu dem Werke bildet, das wir mit Stolz zu den Zierden unsrer Litteratur zählen. Es verdient sestgestellt zu werden, daß die Herausgeber von Meyer« EonversationS-Lexikon mit eiserner Be­harrlichkeit und seinem Verständniß ihre Kräfte der durchgreifenden Modernistrung des Werkes und seiner Anpassung an die Anforderungen unsrer Zeit mit voller Hingebung gewidmet haben. DiefeS ernste Wirken, unterstützt von vollendeter Meisterschaft in der Beherrschung des riesigen Stosses und in der Hinetnbeztehuna des illustrativen Elements, hat nach zweierlei Richtung hin entscheidend auf die Ge­staltung des EonversaiionS Lexicons eingewirkt: eS hat den hohen wissenschaftlichen und künstlerischen Standpunkt, den erzieherischen Werth dieser Encyklopädie in allen Punkten gewahrt unb dennoch dem Werke durch sorgfältige Berücksichtigung der treibenden Kräfte unb Strömungen, durch gemeinverständliche Darstellung den Eharacter eines Hilfs- unb Nachschlagebuchs für baS tägliche Leben ausgebrückt. Zu einer nähern Kennzeichnung des neuerschienenen sechzehnten Bandes bedarf eS hiernach nur weniger Worte. Der reiche textliche Inhalt, die Stichwörter Sirup bis Turkmenen umfassend, der künstlerisch vollendete illustrative Tbeil mit nicht weniger als 378 Textbtldern, 75 Tafeln in Holzschnitt und Farbendruck unb 18 Karten unb Plänen bestätigen eben von Neuem das vorhin im Allgemeinen ausgesprochene

Urtheil. Einer hochinteressanten Abhanblung begegnen wir unter dem Stichwort Sprache unb Sprachwissenschaft (mit einer .Sprachenkarte ber Erbe*), bie dem Nichtsachmann ben heutigen Stand der Linguistik (Sprachvergleichung, Sprachphilosophie rc Igelst- und lichtvoll oorsührt. Eine weiiergehende Bedeutung haben auch die Artikel Sprachfehler (mebicinisch) und Sprachunterricht. Reich vertreten ist daS Gebiet der Rechts- und Staatswissenschaften. Der Artikel Staat unb bi» sich anschlleßenben Zusammensetzungen: Staatsangehörigkeit, Staats­bankrott, StaatSbtenst, Staatsrecht, StaatSfchulben rc. geben in new bie GrunbzÜge ber Kameralwlssenschaft roieber unb gewähren, »er- vollstänblgt durch die ausführlichen und instructloen Beittäge Iber Steuern, TtlgungSsondS u. a., auch dem bieten DlSclplinen Fern­stehenden klare Einsicht in Dinge, die daS Interesse des Staats­bürgers berühren. Die Socialdemokratie (Wesen, geschichtliche Entwickelung in Deutschland unb im AuSlanbe) ist ebenso wie bet SoclallsmuS eingehend behandelt. Beide Arbeiten gewinnen neben ihrer wissenschaftlichen Bedeutung noch an Werth durch die ruhige Sachlichkeit, mit der in klarer, allgemein verständlicher Sprache jene Bestrebungen zur Darstellung gelangen. Von ben geschichtlich - geographischen Beiträgen ist vor allem bie umfassende Abhandlung über da» Türkische Reich (mit schöner politischer unb GeschtchlSkarte) zeitgemäß; ber geschichtliche Theil führt ben Artikel blS zum August 1897 fort. Bei der schier unerschöpflichen Fülle des Stoffe« wollen wir noch der besonder» Berücksichtigung de« Verkehrs­wesens in Meyers ConversationS-Lextcon gedenken, welcher so Muster- gültige Aussätze wie Stadtbahnen (mit Tasel), Telegraph (mit Tafeln), Telegramm und viele andere ihre Entstehung verdanken. Der Bilder- schätz deS neuen Bandes läßt deutlich die sich stets gleichbleibende Sorgfalt erkennen, Herausgeber der planmäßigen Ausbildung des illustrativen Theil« ihres Werke« unausgesetzt zuwenden. Von bem Kartenmaterial wirb namentlich bie mit großer Genauigkeit auSgeführte Karteber beutsch-asrikanifchen Kolonie Togo, bann aber auch bie Dar­stellung ber Südpolarlänber (mit ben Routen ber Forschungsreisenben) bie ernste Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Daß ben in biefen Banb fallen« dengrvßern Städten (Stettin, Stockholm, Straßburg, Stuttgart. Triest, Turin) wie sonst schöne, brauchbare Pläne beigegeben find, ist selbst- verständlich.

>,ld#la ter «ntetzta /rnUxrtn IlMtznt«. Cperabaal.

Dienstag den 12. October: Die Puppenfee Mittwoch den 13. October: KönigSkinder. Donnerstag ben 14. October: Die Hugenotten. Freitagben 1b. October: Wilhelm Teil. SamStag ben 16 October: Tannhäuser. Sonntag ben 17. Oktober, Nachmittags 31/t Uhr: Vogelhänbler. Abends 7 Uhr: Mignon. Montag ben 18. October: Der arme Jonathan.

G«ya«spieU»a»A.

Dienstag ben 12. October: Zwischen zwei Schlachten. Was die Leute sagen. Die Neuvermählten. Mittwoch den 13. October: Der Hüttenbesitzer Donnerstag den 14. Ok­tober: John Gabriel Borkmann. Freitag den 16 October geschlossen. Samstag den '16. October: Othello. Sonntag den 17. October, Nachmittag« 3'/, Uhr: Die releglrten Studenten. Abend« 7 Uhr: Gebildete Menschen. Montag den 18. October: Zwischen zwei Schlacht en. Wa« die Leute sagen. Die Neuvermählten.

Verkehr, CanO- «nd

(Seher«, 7. October. Der heute hier abgchaltene letzte dies­jährige Viehmarkt war mit Rindvieh nicht, mit Schweinen sehr gut befahren, namentlich mit Ferkeln und sogenannten Läufern. Junge Ferkel, 6 biß 8 Wochen alt, kosteten da« Paar 18 bl« 30 Mk. Ferner wurden fehr gesucht FrÜhjahrSferkel zum Einlegen, daS Paar kostete 70 bi« 90 Mk. An fetten Schweinen war nur wenig da, daS Pfund Schlachtgewicht kostete 62 bl« 64 Pfg.

Feuilleton.

Seine kleine Cousine.

Von Michel Triveley.

(Schluß.)

Die Thür wurde geöffnet, Jean war zu Hause an- gelangt.

Diehl fieh! Im Eßzimmer ist noch Licht," sagte er zu fich und trat ein.

Rock auf, Alice?"

Ja . . Jean . . wie Die sehen "

Der junge Mann begann zu lächeln.

Wie Sie sehen! Du dutzest mich jetzt also nicht «ehr? DaS ist ja etwas ganz Neue« !"

ES ist besser, so, Jean, Ihre Mutter findet, und mit Recht, daß ich jetzt zu alt bin, um mir diese Vertraulichkeit noch weiter erlauben zu dürfen."

Und als Jean widersprechen wollte, fuhr fie fort:

Ja, eS sind Vertraulichkeiten, die ich bei einigem taett hätte vermeiden können. Ihre Güte zu mir hinderte onich, darauf Acht zu geben, und ich bin Ihnen dankbar dafür"

Ueberrascht betrachtete Jean seine kleine Cousine unb Iah, daß fie verweinte Augen hatte.

Aha," dackte er bei fich,ich sehe schon, wie der Hcsse läuft. Mama ist bei dem Gedanken an meine Heirath berute Abend etwas aufgeregt gewesen und Alice hat die Zache bezahlen müssen . . . Arme Kleine! Mama ist manch­mal recht hart zu ihr!*

Dann sagte er, um daS arme Kind zu trösten:

Na, das hat gewiß die Taute auf dem Gewissen . . Siu zu hartes Wort, weil man eine Taffe oder einen Teller hat fallen lassen . . . Aber wegen einer solchen Bagatelle brauchst Du nicht in Verzweiflung zu geratheu. Du weißt doch, daß Mama im Grunde genommen die beste Frau von der Welt ist . . . Aber daß Du mich nicht mehr dutzest, das giebt'S nicht! Ich verbiete Dir ausdrücklich, Die" zu sagen, hörst Du?"

Nein, mein Jean, ich will nicht- namentlich wegen Deiner Heirath . . . Wenn Fräulein Henriette Dubois*

Ach, wenn eS das nur ist, das ist erledigt."

Wie?"

Die Heirath ist in die Brüche gegangen."

Oh!"

An dem Tone, in dem Alice diesesOh" ausstieß, mußte Jean, und wenn er noch so gleichgiltig gewesen wäre, sofort erkennen, daß fie ihn liebte.

Alice war blutroth geworden und dachte im Dillen:

WaS soll nun aus mir werden, jetzt, da et errathen hat, daß ich ihn liebe denn er muß es errathen haben. Wie soll ich ihm jetzt nur laß Gesicht sehen?"

Ader auch Jean dachte bei fich:

Die liebt mich! Und jedenfalls schon seit langer Zeit. Wie ist nur möglich, daß ich daß nicht schon längst ge- sehen habe?"

Alice stand noch immer gesenkten Haupteß da und schien seinen Blick zu fliehen- da näherte er fich ihr und legte seine Hand aus die des jungen Mädchens, baß am | ganzen Leibe zitterte.

Meine liebe, kleine Alice, Du bist also glücklich, daß ich^rnlch nicht verheirathe?"

Oh, Jean! Jean!"

Jetzt konnte er fich nicht mehr halten, neigte fich über fie und küßte fie auf die Stirn.

Willst Du mein Weib werden?" erklang es von seinen Lippen.

Alice brach statt jeder Antwort in Schluchzen ans.

Seit zwei Stunden höre ich Dich sprechen- hat Dir Alice nicht gesagt, daß Du noch zu mir kommen sollst?" fragte Madame Clodat, die aus dem Schlafzimmer herbei- geeilt war.

Dann warf fie einen Blick auf ihre Nichte:

Ach, fie weint schon wieder! ... die reine Fontaine seit heute Abend! ... Na, lassen wir fie . . . Wie stehts denn mit Deiner Heirath k"

Alles in Ordnung, Mama!"

*D, wie glücklich ich bin! . . . So kann ich also morgen meinen Antrag stellen?*

Die Mühe brauchst Du Dir nicht zu machen."

Dann ergriff er Alicens Hand, die noch immer zitterte, und sagte:

Hier stelle ich Dir meine kleine Braut, Deine neue Schwiegertochter vor, liebe Mutter, umarme fie!"

Wie?"

Ja, wir lieben uns beide von Herzen . . . WaS willst Du dagegen thunk . . . Und dann hast Du doch noch den vortheil, daß Dein Sohn Dich nicht verlassen wird."