Ausgabe 
12.9.1897 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

bi« 12'/, unb

''M«*»«, * "?' M LKr L-Z dch-7^'«»> L» ÄL «s 8 ti? B«tone. e , ** Röhl.

*2* ften

200

ranco.

anstatt

linber.

Tchafe. - lUhr.

vie gewöhnlich.

[8290

.tu

S561

ihäoier, Neaen- asae 41, Ottmar lardt.

)\ade

>0 Pffl.)

fwflfli

10 Ölt an.

ladl ;tor« «iiunfl-

tersweg. s|0

Nr. 214 Drittes Blatt. Sonntag den 12. September

1897

Der

erscheint täglich, W* Ausnahme de- Montag».

Di« Gießener Damilienvtäller Weben dem Anzeiger w-chentlich dreimal tzeigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerak-Mnzeiger.

Bierteljähriger Abouaemelltspreisr 2 Mark 20 Pfg. eit Lringerlohn. Durch die Pog bezag« 2 Mark 50 Psg.

Rebaction, Expebttia» und Dntdcrei: |

-chnkftrateAe.7.

Fernsprecher Mc

Anrts- und Anzeigeblntt füv den Tiveis Gieszen.

| chratisöeikage: Gießener Kamikienölätter.

Annahme von Anzeigen zu ber Nachmittag» für den felflmben Tag erscheinenden Nummer bi» Dorm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Lureaux de» In- und AuSlande» nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger- cnlye*.

Anrtlirh-v Löeil.

Bekanntmachung.

Nachstehend wird ein Abdruck der von der General­versammlung des landwtrthschaftlichen BeztrksvereinS Gieße» genehmigten Rechnung pro 1896/97, sowie deS Voranschlag» pro 1897/98 unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenutuiß gebracht:

1) daß Gesuche um Bewilligung von Subventionen zum Besuche von Ackerbauschulen, sowie deS Obftbaumwärter- Cursu» zu Friedberg bis zum 16. October 1897 bet dem Unterzeichneten einzureichen find;

2) daß zur Bestreitung der Kosten der Impfung der Ge­meindebullen mit Tuberkulin 50 Mk. in Ausgabe vor­gesehen find und daß jeder Gemeinde, die ihre Bullen impfen läßt, ein Zuschuß zur Bestreitung dieser Kosten in dem Betrage von 12 Mk. au- der BeztrksvereinS- kaffe entrichtet werden wird.

Anträge find alsbald nach vollzogener Impfung der Bullen mit Tuberkulin unter Angabe deS Resultat- der Impfung etuzureichen.

3) daß die für Hebung der Riodviehzucht vorgesehenen Mittel tu folgender Weise verwendet werden sollen:

) zur Abhaltung einer BiehpreiSvertheiluog in Grüoberg 500 Mk.,

b) zur Subveutiouirung von Gemeinden, welche Ballen rein Vogelsberger oder Stmmenthaler Raffe anschaffen und dieselben nur zur Reiu- zucht verwenden laffen oder in denen Biehzuchtveretne gegründet werden, 800 Mk. Zur Bestreitung der durch den Ankauf von reinen Bullen entstehenden höheren Kosten wird auS der land- wirthschaftlicheu BezirkSveretnSkaffe ein Zuschuß nicht unter 50Mk. bewilligt, wobei im Concurrenzsalle die ärmeren Gemeinden vorzugsweise berück- fichtigt werden sollen.

Anträge find unter Vorlage der Körscheine alsbald nach dem Ankauf der Bullen an den Unterzeichneten einzusenden.

4) daß zur Hebung der Ziegenzucht 100 Mk. in Au-gabe vorgesehen find und daß hieran- Gemeinden, welche Ziegenböcke rein Schweizer Raffe anschaffen, zur Be­

streitung der hierdurch entstehenden Kosten eine Sub­vention bis zu dem Betrage von 25 Mk. bewilligt werden soll. Im Concurrenzfalle werden die ärmeren Gemeinden vorzugsweise berückfichtigt. Anträge sind unter Angabe des Ankaufspreise- de- Ziegenbocks ein­zureichen-

5) daß für Abhaltung von Wandervorträgen 200 Mk. in Ausgabe vorgesehen find. Aus diese« Betrage sollen die Diäten der Wanderlehrer und die Kosten de- TrauSport» derselben auf der Eisenbahn bestritten werden.

Die Großh. Bürgermeistereien, welche wünschen, daß in Ihren Gemeinden derartige Vorträge gehalten werden sollen, werden ergebenst ersucht, mir dies unter Angabe de» Thema-, über welche- der Wanderlehrer einen Vortrag halten soll, sowie deS Tage- und de- Local-, au resp. in welchem der Vortrag gehalten werden soll, mitzutheilen.

Gießen, den 6. September 1897.

Der Director deS landwirthschaftlichen Bezirk-Vereins.

C. Jost, RegierungSrath t. P.

Rechnung

de- landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen pro 1896/97.

Einnahme.

xM.

1. Kaffevorrath au- vorhergehenden Jahren 102.67

2. Beitrag des landwirthschaftlichen Provinzial-

Vereins aus Mitgltederbeiträgen 381.50

3. Beitrag der Aachener-Münchener Feuerver- ficheruvgSgesellfchaft 51.20

4. Beitrag deS Provinzialverein» zur Hebung

1000.

der Rtndviehzucht

5.

dto.

der Ziegenzucht

41.66

6.

dto.

deS Obstbaues

100.-

7.

dto.

für Wandervorträge

200.

8. Beiträge der Sparkaffen Gießen, Grünberg, Hungen und Laubach 787.18

9. Bezug von Saatkartoffeln und künstlichem Dünger 2128.21

10. Capitalziusen 98.58

11. Zurückempfangene Capitalien 1300.

Summa 6141.

Ausgabe.

12. Bureaukosten 20.

13. Vergütung für Schreibereien 90.

14. Vergütung für den Diener 24.

15. Für Formularten und Drucksachen 24.28

16. Subventionen an Schüler des Obstbau EursnS 210.

17. Für Jmpfnng von Gemeindebullen mit Tuberkulin 23.

18. Beitrag an den Obstbauverein Friedberg 100.

19. Für Wandervorträge 20.60

20. Für Hebung der Rtndviehzucht 1005.

21. n n Ziegenzucht 76.

22. Für Saatkartoffeln und künstlichem Dünger 2430.60

23. Gehalt des Rechners 50.

24. Für die HanShaltungSschule in Lindheim 50.

25. Au-geliehene Eapttalien 1700.

26. Sonstige Ausgaben 5.90

Summa 6768.28

Abschlag.

Einnahme 6141. JL Ausgabe 5768.23 Kaffevorrath 372.77 Jt.

Boraufchag

der landwirthschaftlichen Bezirksvereius Gießen pro 1897/98-

Einnahme. **

1. Kaffevorrath aus vorhergehenden Jahren 372.77

2. Beitrag de» landwirthschaftlichen Provinzial­vereins 330.

3. Beitrag der Aachener und Münchener Feuer-

BerficherungSgesellfchaft 56.60

4. Zur Hebung der Zucht des Rindviehes 1000.

5. Zur Hebung der Ziegenzucht 100.

6. Capitalziusen 129.50

7. Beitrag des ProvinzialoereinS zur Hebung des Obstbaues 100.

8. dto. für Wandervorträge 200.

9. Beiträge der Sparkaffen Gießen, Grünberg, Hungen und Laubach 787.18

10. Zurückempfaugeue Capitalien 450.

Summa 3526.05

Der Seeraub in alter und neun Zeit.

Bon Alexander Bauer.

(Schluß.)

In der neueren Zeit ragt vor allem die Seeräuber. Verbindung der Flibustier hervor, die fich sogar zu einer Art staatlicher Anerkennung durchrang. Die Entstehung der Verbindung ist auf das Jahr 1625 und den Krieg mit Spanien zurückzuführen. Frauzöfische Abenteurer nahmen die Insel St. Christoph weg und trieben von hier aus Kaperet. Später siedelten sie nach St. Domingo über und verlegten fich anfangs auf die Jagd der wilden Rinder, meßhalb fie auch Buccanier genannt werden, in der Folge aber auf die Seeräuberei. Den Namen Flibustier erhielten fie von den leichten Fahrzeugen (fiy-boata), die fie benutzten. Sie wählten regelrechte Anführer, gaben fich Gesetze und bildeten eine förmliche Ptratenrepublik, die fich durch groß­artige Raubzüge nach den Inseln und nach dem Festlande gefürchtet machte. Den Spaniern hatten fie unauslöschlichen Haß geschworen, weßhalb fie lange Zeit von Frankreich und England oegünstigt wurden. Ihre Plünderungszüge be- schränk,en fich nicht allein auf den Golf von Mexiko,- fie überschritten ebenso die Landenge von Panama und ver­wüsteten die Küsten de» Pactfischen Ocean» von der MagelhaenS-Straße bis hinauf nach Kalifornien. Furcht and Schrecken übertrieben noch die Thaten der Flibustier, welche wirklich ans Wunderbare grenzten. So eroberten fie unter ihrem Anführer Morgan die Stadt Panama (1671) und plünderten die Städte an der peruanischen Küste. Da fie, denen immer neue abenteuerliche Elemente au- Frank­reich und England zuströmten, zuletzt den Engländern selbst gefährlich wurden, entzogen diese ihnen ihren Schutz. Bet «einem Angriff auf Kartagena in Columbia ging der größte Theil der tapferen Freibeuter zu Grunde (1697); von da «n verschwanden fie allmählich vom Schauplatze.

Mehrere Jahrhunderte hindurch bethätigten fich afrika­nische und türkische Korsaren al- gefährliche Gegner des fried­lichen Seehandels. Mit erstaunlicher Kühnheit enterten fie die Schiffe, raubten fie au- und brachten die Jnsaffen auf die nordafrikanischen Sclaveumärkie. Erst in neuerer Zeit gelang e», ihnen das Handwerk gänzlich zu legen, völlig starb überhaupt die Seeräuberei nie aus, bald waren es griechische, bald persische, bald amerikanische Piraten, von deren Thaten die Seefahrer zu berichten hatten. Australische Sträflinge erlangten hin und wieder die Freiheit, erbeuteten Schiffe und trieben fich als Piraten in den Gewäfferu der Südfee umher. Mehr al» alle andern gelangten indeffen in neuerer Zett die Malaien in den Ruf, kühne Seeräuber zu sein. Alle Umstände vereinigten fich, fie dazu zu machen. Von Hinterindieu wanderten fie nach ihren jetzigen Wohn­fitzen, den Inseln des malaiischen Archipele, auS. Am Meere lebend, von zum großen Thetle unabhängigem, kriegerischem Character, tapfer, grausam und listig, erblickten fie im Fisch­fang und in der Seeräuberei von jeher ihre natürlichen Erwerbsquellen. Deßhalb war die Schifffahrt bet ihnen in hohem Grade au-gebildet. Ihre Holzschiffe, Prau», werden (nach Siever») besonders von den Central- und Oftmalateu verfertigt. Früher wachten ganze Flotten von ihnen die Gewäffer zwischen Afien und Australien unsicher und bi- auf den heutigen Tag haben dir Sulu-Insulaner noch nicht auf den Seeraub verzichtet.

Als handelnde Elemente in dem jetzt gemeldeten un­geheuerlichen Falle werden Aischinesen genannt. Arschin ist ein Malaienstaat, der den nördlichsten Theil der Insel Sumatra einnimmt. Bis 1873 war den Holländern nicht gelungen, der kriegerischen Bewohner dieses Staates, au deffen Spitze ein Sultan stand und dessen Größe auf mehr als 50,000 Quadratkilometer angegeben wird, Herr zu werden. Allein die fortgesetzten Seeräubereien der ätscht- nefischeu Bevölkerung drängten zur Thal: Am 26. März 1873 erklärte die niederländische Regternng an Atschin den Krieg. Doch die Unterwerfung der verzweifelten Insulaner

war keine leichte Sache. Die erste Expedition mußte fi^ nach schweren Verlusten zurückzteheu, erst einer zweiten stärkeren gelang die Eroberung der Stadt, und noch zahl­reiche andere, die Geld und Truppen in Masse kostete», hatten die Ueberwältigung eines TheileS des atschinefischeu Gebiet-, der 1880 zur Provinz erklärt wurde, zur Folge. Im Innern des Lande- blieb aber alle- beim Alten. Hier herrscht der Sultan noch völlig unabhängig und feine Unter« thauen führen gegen die Niederländer einen fortgesetzte» Guerillakrieg, indem sie über deren Posten und Stretfzügler herfallen und fie verwunden und ausrauben.

Die Alschinesen find entstanden aus der Vermischung der eingeborenen Bevölkerung mit arabischen und anderen durch die Entwickelung des Handel» und die Annahme des J-lam eiugewanderteu Elementen. Ihre einstigen Stamme-« geooffen, die Batak», haben fich dagegen ihre Ursprünglichkeit bewahrt. In der 1800 Meter über dem Meere liegenden Hochebene auf dem nordwestlichen Theile der Insel ansässig, leben fie ohne politische Gesammtverbtndung in einzelnen Famtlienstämmen.Jedes Dorf ist nnabhängtg und hat einen erblichen Häuptling. Dabei ist das merkwürdige Volk auf der einen Seite ziemlich civilifirt, die Kunst, zu lesen unb zu schreiben ist bei ihnen so alt als allgemein, die In­dustrie steht auf verhältnißmäßig hoher Stufe, fie find sonst friedlich und gastfrei; auf der anderen Seite waren fie 6t» neuerdtng» dem Genüsse des Menschenfleische- ergeben.* (Daniel.) Bom Meere abgeschuitten, werden fie indessen der Seefahrt nicht gefährlich, während die Alschinesen und andere Malatenstämme fich selten eine geeignete Beute ent­gehen lassen. Allerdings sieht man ihnen scharf auf die Finger, und eS ist wohl möglich, daß angeficht» dieses neuesten schrecklichen Ereignisses schärfere Maßregeln gegen die räube­rischen Horden ergriffen werden.