Ausgabe 
12.5.1897 Erstes Blatt
 
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Berlin, 11. Mat. Den Morgenblättern zufolge wird die Kaiserin infolge einer Erkrankung deS Kronprinzen den Kaiser nur auf einen Tag nach Wiesbaden begleiten, vielleicht auch gauz auf die Reise nach Wiesbaden verzichten unb den Aufenthalt auf Schloß Urville möglicherweise ab- kürzen. AuS demselben Grunde wird der Kaiser feinte Aufenthalt in Wiesbaden wahrscheinlich auf drei Tage de- schränken.

Berlin, 11. Mai. In den letzten Tagen hat, wie der Vorwärts" meldet, zwischen der Regierung und den größeren Parteien ein Meinungsaustausch über den Schluß der Reichstagssession stattgefunden. Wie eS heißt, soll die Gesfion noch in der Woche vor dem HimmelfahrtSfeste ge­schloffen werden. Eine endgültige Vereinbarung ist jedoch noch nicht getroffen, da die Besprechungen darüber, welche Vorlagen noch zur Verabschiedung gebracht werden sollen, bisher ein Resultat nicht ergeben haben.

Berlin, 11. Mai. Nach einer Meldung auS Friedrichs- rnh nahm Fürst Bismarck gestern den Fackelzug des Hamburger RetchStagSwahlvereinS entgegen. Der Fürst hielt nach Entgegennahme der Huldigung eine Ansprache an die Erschienenen.

Hamburg, 11. Mai. Südwestlich von Helgoland hat eine Co llission zwischen dem norwegischen SchiffeBubvar" und dem holländischen DampferVirginia" stattgefunden. Beide Fahrzeuge sind gesunken. Die Mannschaft deSBudvar" konnte sich retten. Neun Mann von derVirginia" find ertrnnken. Außerdem wird ein Boot mit acht Manu vermißt.

WB. Berlin, 11. Mai. Nachdem von Seiten Griechen­lands alle Bedingungen erfüllt wurden, von welchen die deutsche Regierung ihre Mitwirkung an einer Intervention der Mächte abhängig gemacht hatte, ist der deutsche Gesandte in Athen angewiesen worden, fich an den Mediationsverhand- langen zu betheiligen. Die betreffende Weisung ist noch gestern Abend nach Athen abgegangen.

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Gießen, den 11. Mai.

Ordensverleihung. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem berittenen Gendarm Heinrich Buchhammer vom Großh. Gendarmerie-CorpS die Erlaubniß ertheilt, die ihm von Sr. Majestät dem Kaiser verliehene Medaille zum Krouenorden 4. Klaffe annehmen und tragen zu dürfen.

Kirchliche Dienstnachrichten. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den von sämmt- ltcheu Riedesel Freiherrn zu Eisenbach auf die evangelische Pfarrstelle zu Udenhausen, Decanat Alsfeld, präsentirten Pfarrverwalter Heinrich Böchner zu Schlitz für diese Stelle zu bestätigen.

* Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Bersammluug Freitag den 14. Mai 1897, Nach- mittag« */a4 Uhr. 1. Gesuch deS Jean Borck um Er- laudnitz zur Aufführung einer Halle in seinem Garten an ber Marburgerstraße. 2) Gesuch deS Theodor Brück um Erlaubniß zur Ausstellung eine« Häuschens in seinem Garten an Schiffendergcrweg. 3) DeSgl. deS LandgerichtSregiftratorS Jäger zur Aufstellung einer Gartenhütte. 4) DeSgl. des Änbreafl Euler zum Bauen in der Steinstraße. 5) Gas- leitung in der Hofmannstraße. 6) Herstellung erhöhter Trottoirs,- hier: a. ASphaltirung am Markt und in der MäuSdurg; b. Pflasterung deS KieSstreifeuS auf dem nörd­lichen Bürgersteig des LindenplatzeS mit gemustertem Mosaik. 7) Wiederherstellung deS alten SchloffeS; hier: des Heiden- thurmes und Abbruch einzelner Gebäudetheile. 8) Errichtung eines Aussichtsthurmes auf der Hochwarte. 9) Errichtung öon Feuermeldestellen. 10) DaS Betreten der Bahnstrecken innerhalb der Gemarkung Gießen Seitens städtischer Bau­beamten und Arbeiter. 11) Rechnung der Gemeindekranken. Versicherung pro 1896; hier: Prüfung derselben. 12) Die Untersuchung deS von auswärts eingeführten Fleisches. 13) Gesuch des L. Hellmold um Erlaubniß zum WtrthschaftS- Betrieb im Hause Steinstraße 23. 14) DeSgl. des Hugo Fatum im Hause Frankfurterstrabe 82.

** Maria Stuart im Theaterveretn. Immer wieder aufs Reue nimmt uns der Zauber Schiller'scher Rhetorik gefangen, ganz besonders inMaria Stuart", wo das Historische entschieden vor dem Sentimentalischen in den Hintergrund tritt, lieber der gestrigen Darstellung durch das Ensemble des Kölner Stadttheaters unter der Oberregie des Herrn Otto Beck waltete ein guter Stern. DaS zahlreich er­schienene Publikum folgte der Aufführung mit wachsender Theil- nähme und zeichnete nach jedem Acte die Darsteller durch herzlichen Beifall auS. Frau Milan-Dor 6, die Heldin des Kölner Stadttheaters, die im vergangenen Jahre die hellste Begeisterung auf der Bühne des Theatervereins wach- rief, ist inzwischen aus dem Verband des Kölner Schauspiels geschieden und nach Hamburg übergefiedelt. An ihrer Statt begegneten wir zum ersten Male der sympathischen Erschei- nung der Frau Jaroslawa Roberts. Die Künstlerin wirkt durch ihre natürliche Sprechweise, eine vornehme Geste unb burch eine anmmhige Art, fich ohne befonbere Effecte i«r Geltung zu bringen. Sie war bie Maria, bie Leiden- fäaften erfährt und entzündet, sie war die Schuldige, aber ihre Schuld war eine andere, als bie, für welche sie ben Tob erlitt. Die Elisabeth ber Frau Teller-Habelmann feilte sich al« eine wohldurchdachte, reife Kunfileistung dar. In ber Gartenscene kam ber Gegensatz, in ben ber Dichter bat ganze Stück hinburch bie Königinnen stellt, zu vollenbetem Ausdruck. Hier war Elisabeth ganz bie kaltfinnige Königin, die über Leben unb Tob ber Stuart gebietet, hier war Maria die Flehenbe, bie ber Glanz ber Hoheit umfließt, die Ge­fangene, die das Gefühl weckt, daß rechtens ihr ber Hermelin ber Elisabeth gebührt. Der Burleigh des Herrn Leo Counarb war ein Meisterstück glanzvollen Spiels unb Euter Charakteristik. Herr Monarb all Mortimer that in

seiner Leidenschaftlichkeit del Guten zu viel. Der feurigste Liebhaber rechtfertigt nicht die wilden GefühlSauSbrüche del Herrn Monarb. unter benen gestern dal Haus erbebte. Die Damen Caroline HaniuS (Kennedry), Jfa Dubois (Margarethe Buel), bie Herren Forecht (Leicester), Nogall (Taldot), Tenhaeff (Paulet), Hecken (Melvil) verbienen mit allen Ehren genannt zu werden. Der Davison bei Herrn Otto Beck machte ben lebhaften Wunsch in uni rege, den geschätzten Künstler an einer größeren Aufgabe seine Kräfte entfaltet zu sehen. Die Gallerten bei Theater- saalel waren von höheren unb anbereu Töchtern überfüllt, baß Parquet sah man Knaben bil zu sechs Jahren zieren. So hat sich auch bie Gießener Jngenb nicht versagen wollen, dem GeniuS Schiller zu huldigen. Während die Königin von England mit ihren Großen über dal Geschick ber Stuart zu Rathe saß, drang deutlich vernehmbar aal einem an­grenzenden Oeconomiehofe daß Gebrüll stallfroher Kühe in ben Saal. Unb bie Kühe haben gebrüllt:Hier stehen wir der Maria Stuart benachbart, uni ist, wir wissen nicht wie. O ihr guten Gießener, bie ihr jebes Jahr so oft mit Be­hagen ben Gelbbeutel zieht, wann enblich schwingt ihr euch zu einem Theatersaal auf?"

♦P.A. Sport- unb Volksfest in Gieße». Neben ber Rennbahn, bei welcher ber Fehler einer zu geringen Steigung in ben Curven, ben bie Bahn bei Darmstadter Radfahrer- Vereins beim letzten Rennen am Sonntag gezeigt hat, ver- mieben worden ist, läßt Herr Bichler noch zwei Lawu- Tennißplätze Herrichten. Auf dem Festplatze selbst sollen für die Dauer des Festes vom 30. unb 31. Mai acht Buffets errrichtet werben, so baß für baß leibliche Wohl ber Fest- theilnehmer in ausreichender Weise gesorgt ist.

Der erste der drei Eisheilige», Mamertus, hat diesmal seinen Ruf bewährt, denn heute war nicht nur sehr kühl, sondern gab auch Schnee!

Einquartierung. Dem Vernehmen nach erhalten wir in ben Tagen vom 27. August bil 4. September in Gießen unb Umgebung große Einquartierung, ba beabsichtigt sein soll, in biesen Tagen bie hessische Division hier zusammenzuziehen.

* * Gedenkstein. Die Lahnkalk- unb Marmor - Jnbuftrie Aug. Gabriel jr. hat ber Gießener Ruber - Gesellschaft einen Gebenkstein auß bem Material ber Bieberbrüche mit in golbenen Buchstaben eingegrabener Wibmung geliefert. Der Stein ist bazu bestimmt, in baß Denkmal eingefügt zu werben, welcheß bie beutschen Sportvereine beabfichligen, zur Erinnerung an bie Zentenarfeier in Berlin zu errichten. Der Stein wirb einige Tage im Schaufenster ber Möbel- ftrma Aug. Obmann am Selterßweg außgestellt werben.

Hafsia. Nach Erfüllung ber satzungßmäßigen Pflichten ist der Kriegerverein Engelrob mit 44 Mitgliebern in ben Lanbeßverbanb der Kriegerkameradschaft aufgenommen und dem Bezirk Herbstein zugetheilt worben.

* * Buchhalter Bereinigung. Behufß ©egrünbung eineß Vereinß beutscher Buchhalter, ber neben der mate- rieHen vornehmlich auch bie geistige Hebung bieseß für bie Geschäftßwelt so nützlichen Staubes bezweckt, werben in allen Hanbell- unb Jnbustrieplatzen bie Berufßgenoffen aufgeforbert, ihre Abreffe an Director Reil, Berlin - Friebenau, zur weiteren Veranlaffung einzusenbeu.

DaS nächste deutsche Säugerfest, welcheß anfänglich in Graz abpehalten werden sollte, wird nun aller Voraus­setzung nach, doch wie gewünscht, in den Mauern Frank­furts stattfinben. An ber Spitze steht die Frankfurter Sängervereinigung, unterstützt von über 300 deutschen Ge­sangvereinen, unter denen sich auch sarnmtliche hessische Gesang- Vereine befinden. Am Montag den 17. Mai Abends 8»/, Uhr wird in Frankfurt a. M. im großen Saale des Zoologischen Garten eine allgemeine Sängerversammlung abgehalten, in welcher bie Sängerfestfrage erörtert werben soll. Der Mittel­rheinische Sängerbunb unb Gau-Main-Sängerbunb, bie leb­haft für Frankfurt a. M. als nächsten Festort eintreten, beabsichtigen, einen Mittelbeutfchen Sängerbunb zu schaffen.

"* Sine Radfahrer-Mtheilung deS 11. ArmeeSorpS. Bei ben bieljahrigen größeren Truppenübungen soll baß Fahrrab einem erweiterten Versuch bezüglich seiner Verwenbbarkeit bei einem größeren Cavalleriekörper unterworfen werben. Zu liefern Zwecke wirb bei ber Eavallerie-Divisfion bei 11. Armee- CorpS eine befonbere Radfahrer-Abtheilung ausgestellt werben, welche von bem Pionier-Detachement blefer Division in ber Stärke von einem Offizier unb 60 Mann bargestellt wirb. Dieses Pionier-Detachement ist bie zu jeber Cavallerie-Divifion gehörige einzige Fußtruppe, bie mit außerorbentlichen Schwierig­keiten zu kämpfen hat, um ber Cavallerie überallhin unb mit jleidjer Schnelligkeit folgen zu können. Wenn auch im Frieben >al Fortschaffen auf Wagen sich ohne Weitere! ausführen äßt, so wirb bleß im Krieg nur in b-n seltensten Fällen ich ermöglichen laffen; retenbe Pioniere zu schaffen, ft aber bei ber Kürze ber Dienstzeit ausgeschlossen, unb so ieht zu erwarten, baß baS Fahrrab in biefer Beziehung bie nvthwenbige Abhilfe gewähren wirb. Leiber ist baß in Ge­brauch befinbliche Militärsahrrad noch viel zu schwer, unb wenn man auch nicht gleich zum leichtesten Sportrabe über- zugehen braucht, so könnte bie Bauart beß KriegSfahrrabeß etwas erleichtert unb namentlich auch bie Luftgummireifen eingeführt werden, wie ihn die Franzosen ebenfalls an ihren Fahrrädern haben. Der weitere Schritt zur Einführung >eS FaltradeS, welches fich bei den vorjährigen Manövem des zweiten franzüfifchen Armee-Corpß besten! bewährt hat, st bann nur klein.

Wetterbericht. Daß Centrum ber nörblichen Dlpres- ton hat zwar an Tiefe verloren. Der niebere Druck ge­winnt jeboch im Norbosten unb Osten sowie über bem Mittel- meergebiet noch an Raum. Im Westen besteht dal baro- metrische Maximum fort, doch ist auch hier namentlich über den BiSkaja-See unb Süb Frankreich daß Barometer wieber gesunken, daß Wetter war am Morgen in unseren westlichen Gebietßtheilen meist heiter, doch bleibt bie Wetterlage noch immer unbeständig. Voraussichtliche Witterung: '

Fortdauernd nnbestänbigeß Wetter mit stellenweisen Rieder- schlägen.

-1- Manzenberg, 10. Mai. Die hiesige Gemeinde darf heute auf eia schöne!, erhebende! Fest zurückschauen. In unserem Gottelhause, daß durch eine im vorig n Jahre au»- geführte Renovation ein freundliches, schmucke! Aulsehen er­halten hat, wurde gestern die neue, von einer Württemberger Firma erbaute Orgel durch Herrn Kirchenmufikmeister Mendelssohn au! Darmstadt geprüft unb ihrem Gebrauche übergeben. Der Einweihung, bie in einem festlichen Gottes­dienste vollzogen würbe, folgte Nachmittag! um fünf Uhr eine kirchlich-mufikalische Feier, veranstaltet von bem wohl­geschulten Kirchenchor Münzenberg unter Leitung feines mufikkunbigen Dirigenten, Herrn Pfarrer Weimar. Daß Programm war sowohl in seiner Zusammenstellung alß auch in seiner Ausführung wohl gelungen. Die Orgel selbst würbe burch verschiedene Borträge deß Herrn Kirchenmusik- meisterß in ber ganzen Fülle ihrer Tonkraft wie in ihren zarten Registern zu Gehör gebracht. Alß Solisten hatten in freunblicher Weise ihre mufikalischen und gesanglichen Kräfte zur Verfügung gestellt: Frl. Werner auß Cassel, Frl. Jäger unb Herr Pfarrer Weber nebst seinen beiden Fräulein Töchtern auß Lich. Alle Mitwirkeuben haben durch ihre Leistungen ungetheilteß Lob verdient, und sei ihnen auch an dieser Stelle herzlicher Dank ausgesprochen.

W. Ober WidderSheim, 10 Mai. Unsere Eichen-Stamm Hölzer, auch von geringerer Güte, find in diesem Frühjahre sehr gesucht. Es erscheinen Liebhaber auß ben westphäli- scheu Bergwerkßgegenben unb zahlen für ben Cubikmeter Eicheu-Grubenholz biß zu breißig Mark.

n. Stammheim, 10. Mai. Gestern würbe Im Gasthaus zumWeißen Roß" hier bie Delegirtenversammlung bei dem Hasfia-Bunb eingegliederten Bezirks Altenstadt unter dem Vorsitz des Präsidenten, beß Herrn Wagner von Altenstabt, abgehalten. Aus dem Geschäftsbericht ist zu ent­nehmen, baß ber Bezirk 370 orbentliche unb 69 Ehrenmit- glieber hat; baß BereinSvermögen betragt 2416 Mk. und baß Inventar hat einen Werth von 3230 Mk; bie auß- gezahlten Unterstützungen betrugen im letzten Jahr 636 Mk Seit ber Grünbung würben nunmehr nicht weniger als 9459 Mk. an erkrankte VereinSmitglieber all Unterstützung bezahlt. Auf Vorschlag beß Herrn Vorfitzenben würbe be- schloffen, in diesem Jahr kein BezirkSfest abzuhalten, wer! mit bem nächsten Jahr bie fünfundzwanzigjährigen Jubel­feiern anfangen, bie voraussichtlich Gelegenheit genug zeem Abhalten von Festen geben.

L. Lißberg. 10. Mai. Während man vor nicht gar langer Zeit bie alten Baudenkmäler ruhig ihrem zerstörenden Schicksale, bem Zahn ber Zeit überließ, ja sogar nicht! ba- gegen hatte, wenn bie alten Burgen förmlich alß Steinbrüche für bie Umgegenb benutzt werben, hat jetzt ein besserer Sinn Platz gegriffen. In den Thurm unserer ehrwürdigen Burg­ruine, ber im VolkSmunbe feiner Figur wegen ben Namen baß Lißberger Sauerkrautfaß" erhalten hat, schlug ber Blitz ein unb richtete empfindlichen Schaden an. Bon Seiten ber obersten Baubehörbe würben gegen 600 Mk. bewilligt, um ben Schaben auszubeffern unb ba! alte Baudenkmal zu er­halten. Daß btefe Bestimmung in bem Nibderthale, zu besten schönster Zierde unsere Burgruine gerechnet werben kann, mit großer ©efriebigung ausgenommen wirb, bedarf keiner besonderen Versicherung.

§ Aos de« Ohmthal. 10. Mai. Die Falb'kche Voraus fagung, baß vom 8. Mai ab fich baß Wetter bessern werde, hat fich biß heute nicht erfüllt; baß Maiwetter ist noch immer regnerisch unb empfindlich falt. Daß die gegenwärtig in ber Blüthe ftehenben Obstbäume, bie alle, bi! auf bie Aepfelbäume ihre BlÜthen erschloffen, burch baß höchst nn- günftige Wetter Schaben nehmen gilt alß sicher, werben doch die Blüthen gerabezu ausgewaschen, fobaß die Befruchtung gestört wirb. In ber That fxnbet man bei näherer Unter­suchung, baß viele junge Fruchtknoten absterben unb schwarz werben. Einen Bortheil hat baß kalte Maiwetter aber boch, bilbet eine Schutzwehr gegen baß Ungeziefer, dem sonst gleichfallß bie Blüthen zum Opfer fallen. So bemerkt man auch bie Maikäfer vereinzelter wie sonst unb von Klagen über Verheerungen beß Rapßkäferß, bem seit ein paar Jahren schon die RapSernte zum größten Theil zum Opfer fiel, hört man Heuer nicht!.

vab Nauheim. 9. Mai. Heute Morgen wurde im Hofe beß GasthofeßZur Bellevue" die Leiche beß Kochlehrlings Franz Steinle aus Baden-Baben 6ufgefunbe». Der erst 18 jährige junge Mann war vom vierten Stock in ben Hof gestürzt unb hatte einen Bruch beß Schäbelß »ad ber Wirbelsäule erlitten. Ob bloß bie Unvorsichtigkeit beß sehr kurzsichtigen Menschen baß Unglück herbeiführte ober ob ber» selbe fich vorsätzlich in die Tiefe stürzte, um seinem Leben ein Ende zu machen, bleibt dahingestellt. Ein junger Kellner, der in demselben Zimmer schlief, hatte im tiefem Schlafe ben Eintritt seine! Zimmergenoffen in da! Schlafgemach unb ben Sturz desselben in die Tiefe nicht wahrgenommen und erst heute Morgen baß traurige Ende desselben erfahren.

F. Ans dem Revier Seldkrücke». 10. Mai. Die Hopse», anlagen bei Schwetzingen, bie sich eines guten Rufes erfreuen, holen fich ihre Hopfenstangen bet unß im Vogelßberge, benn unsere Fichtenberbstangen zeichnen fich burch große Wiberstandlfähigkeit gegen öitterungleinflüffe unb durch billigen Preis auß. Die Stangen find btß zu 40 Fuß 10 Meter lang unb schlank wie au! einer Büchse ge- chosftu. Entgegen Ihrer Nachricht auß der Oberförster ei Grebenhain, wonach dort bald keine Fichtenwälder mehr fein werben, bemerken wir für unsere Reviere, baß wir noch reich- liebe Vorräthe haben. Nach Schwetzingen gehen demnächst ca. 2400 Stämme ab.

A Bom westlichen Vogelsberg, 10. Mai. Zur gegen­wärtigen Zeit beß Sartof s elf etzeni finb bie Kartoffeln sehr hoch im Preise gestiegen. Während Anfangs ber Doppel- centner Mk. 56 kostete, wird er jetzt mit Mk. 78 be»