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11/09/1897 Erstes Blatt
 
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ffir. 2E3 Erstes Blatt Samstag den 11. September

Der Hießeuer Anzeiger erscheint täglich, eilt Ausnahme des Montags.

Die Gießener Anmikienökälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

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Asnts- und Anzeigebl^tt für den Ureis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr.

Gratisbeilage: Gießener Aamilienölätter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger- mtgeye.

Anntlictzer Theil.

Bekanntmachung, betreffend: LandespoUzetltqe Abnuyme oer Nebenbahnen Friedberg-Hungen und Beieuheim-N-dda.

Die landeSpolizeiltche Prüfung und Abnahme der Neben­bahn von FriedbergHungen und BeienheimNidda soll Mittwoch de« 15. und Donnerstag den 16. d. M. und zwar insbesondere am 16. d. M. Nachmittags die Abnahme der im Kreise Gießen gelegenen Strecke stattfindeu.

Alle Diejenigen, welche wegen Einzelheiten der Bahn- Anlage namentlich auch wegen Verlegung und Aenderung öffentlicher Wege, Ab- und Zufahrten aus Grundstücke, Ein­friedigungen, Aenderung von Wafferläufen und Vorfluth- verhältniffen, sowie Herstellung von Schutzvorrichtungen gegen die au« dem Bahnbetriebe entstehenden Gefahren und Nach­theile Einwendungen zu erheben oder Anträge zu stillen haben, werden hiermit aufgefordert, solche an dem genannten Tage (16. September) vorzubringen. Die Abnahme-Com­mission wird Nachmittags zwischen 3 und 3t/, Uhr in Ge« maikung Obbornhofen, 3i/i bis 4 Uhr tn Gemarkung Bellersheim, 4 bis 41/3 Uhr in Gemarkung Feldheim, 4i/i üts 5 Uhr in Gemarkung Inheiden und 5 bis 51/2 Uhr in Gemarkung Hungen die Strecke befahren, und wird es sich empfehlen, daß die Interessenten ihren Bürgermeistern von den beabsichtigten Reclamationen vorher Kenrnniß geben und sich demnächst zu den angegebenen Zetten, bei welchen aber Verspätungen eintreten können, an demjenigen Wegübergang einfinden, welcher dem Gegenstände ihrer Beanstandung am nächsten liegt, damit sofort Augenschein eingenommen werden Cann.

Gießen, den 10. September 1897. GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen, v. Gag ern.

Gießen, den 10. September 1897. Betr.. Wie oben.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen au die Grosth. Bürgermeistereien Obbornhofen, Bellersheim, Utphe, Inheiden und Hungen.

Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie ortsüblich publiciren laffen und sich selbst zu den angegebenen Zeiten am Anfänge Ihrer Gemarkung oder auf dem vorherliegenden Bahnhofe einfinden.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß wir wegen größerer Verbreitung der Maul und Klauen­seuche in benachbarten Gemarkungen die Abhaltung des auf den 15. l. Mts. angesetzten Viehmarktes in Kirtorf ver­boten haben.

Alsfeld, den 7. September 1897. Großherzogliches Kreisamt Alsfeld.

Dr. Meli 0 r.

Die Bedeutung der russisch-französischen Allianz.

Es ist nur zu natürlich, daß die Zarenworte, in denen die Verkündigung eines BündniffeS zwischen Frankreich und Rußland ausgedrückt sein soll, noch immer den Gegenstand lebhaftester Erö-terung bilden und verschieden commentirt und gewürdigt werden. W'.e wir schon hervorgehoben haben, ist unsere Preffe dem Ereignisse gegenüber sehr kühl ge­blieben, trotzdem Deutschland bei der Angelegenheit sich als Nachstbetheiligter" betrachten kann, da Frankreich im Grunde genommen die Allianz nur angestrebt hat, um sein Müthchen »n uns zu kühlen oder wenigstens dem französischen Volke die Aussicht hierzu zu eröffnen. Bekanntlich war man recht gespannt darauf, wie Fürst Bismarck die Verkündigung der -russisch-französischen Allianz aufnehmen und beurtheilen werde. Wir haben bereits gemeldet, daß der Alte im Sachsenwalde dem Ereignisse keine allzu große Bedeutung beimißt, wie er renn Überhaupt die an fürstlichen Tafeln gehaltenen osficiellen Reden nicht sehr hoch veranschlagt. Daß dieses Urtheil des Staatsmannes, den man den Größten unserer Zeit nennt, «inen deprimirenden Eindruck auf die Franzosen machen mußte, ist leicht erklärlich^ aber sie haben sich doch darüber Hinweggefetzt. Niedergeschmettert aber müssen alle ernsten I Politiker jenseits der Vogesen werden, wenn sie lesen, was '

j-tzt russische Blätter über die Allianz zwischen Frankreich und Rußland schreiben. Danach mehren sich in Petersburg die Stimmen, welche versichern, daß keinerlei schriftliches Uebereinkommen die beiden Länder verbinde. Die ganze Allianz beruht demnach nur auf mündlichen Abmachungen, auf gegenseitigen Versicherungen der Freundschaft, wie sie bei solchen Gelegenheiten stets ausgetauscht werden. Nicht unmöglich ist es ja und man wüßte eS eigentlich als sicher voraussetzen daß thatsächlich auch Abmachungen erfolgt find für bestimmte Fülle, in denen auf Grund irgend welcher internationaler Verwickelungen der eine oder der andere der beiden Staaten bedroht erscheint. Daß aber solche mündliche Erklärungen nur einen zweifelhaften Werth haben, wenn sie nicht schriftlich festgelegt find, braucht nicht näher erörtert zu werden. Und die Franzosen sind fest davon überzeugt, daß ein vollständig einwandfreier Vertrag vorliegt, verbrieft und unterfiegelt. Ihre Enttäuschung würde eine schwere sein, wenn sich die Meldung desGash- danin" bestätigt, welcher über das angebliche Bündniß an kompetenter Stelle Erkundigungen eingezogrn hat, die ein negatives Ergebniß gehabt haben sollen. Das genannte Blatt hat weitreichende Verbindungen, welche die Möglichkeit zulassen, daß eine zutreffende Mittheilung veröffentlicht. In diesem Falle wird die bereit« früher verbreitete Version immer wahrscheinlicher, daß der Zar, als er in letzter Stande der Anwesenheit Faures in Rußland den Ausdruckalliirte Nationen" gebrauchte, dies gleichsam au« Mitgefühl für den armen Präsidenten that, den er nicht mit ganz leerer Tasche wieder gen Frankreich ziehen laffen wollte. Wenigstens stehen die ersten, in Peterhof und Kraßnoje-Selo gehaltenen Toaste, welche an Kühle und vornehmer Reservtrtheit nichts zu wünschen übrig ließen, in kraffem Widerspruch zv den herz­lichen Worten, welche Nicolaus II. seinem Gaste schließlich mit auf den Weg gab. Ersteren mögen die Erinnerungen an die begeisterten Ovationen warm gestimmt haben, welche ihm daß französische Volk beim Verlassen Frankreichs be­reitete. Und dann hatte sich die Republik die Reise ihres Präsidenten ein schönes Stück Geld kosten laffen, der ganze parlamentarische Apparat hatte aufgeboten werden müffen, um Faure die Rußlandfahrt zu ermöglichen. Deshalb lag ein gewiffeS Entgegenkommen des Zaren so nahe, daß man sich hätte wundern müffen, wenn eS nicht erfolgt wäre. Außerdem muß Rußland immer darauf Rücksicht nehmen, daß es des französischen Marktes zur Unterbringung seiner Anleihen bedarf.

Die allzu kühnen Erwartungen, welche man in Frank­reich an die Verkündigung der Allianz knüpfte, die über­schwänglichen Hoffnungen, denen die französischen Chauvinisten bereit« Ausdruck zu verleihen begannen, mögen wohl in Petersburg verstimmt haben, weshalb der kalte Wasserstrahl in Gestalt der oben genannten Artikel der Petersburger Preffe erfolgte. ES wird sich nun bald zeigen, ob diese Sprache in Frankreich einen Eindruck macht und auf die Situation der gegenwärtigen Regierung einwirkt. Vorläufig hat die letztere in der gegenwärtigen Kammer noch eine an­sehnliche Majorität- aber das französische Volk ist zu un­berechenbar und läßt unvermittelt auf Liebe Haß folgen. Sieht eS ein, daß Faure und die jetzige Regierung sich von der russischen Diplomatie haben hinterS Licht führen laffen, dann wirft eS den Präsidenten und das Cabinet rücksichtslos über den Haufen. DaS letztere ist überhaupt schon für französische Verhältnisse über Gebühr lange am Ruder und nach Ansicht aller unterrichteten Kreise nur gestützt durch die Rücksicht auf den Zaren, dem man nicht neuerdings ein Beispiel geben wollte für die wenig stabilen Verhältnisse in Frankreich. Bis zum Beginn der Kammersession wird die französische Regierung noch verschont bleiben, dann aber wird sie den schärfsten Angriffen ausgesetzt sein, gegen die eS keinen Widerstand geben dürfte, wenn sich die russisch- französische Allianz thatsächlich Herausstellen sollte als ein Schein- Bündniß. (xx)

WolffS telegraphische« Corresvoirdenz-Burean.

Berlin, 9. September. Der Vicepräfideut des Staats« Ministeriums, v. Miquel, ist heute Nachmittag hier wieder eingetroffen.

Berlin, 9. September. DieNordd. Allgem. Ztg." hört, daß auf die durch Vermittelung des JustizmintsterS in die Zeitungen übergegangene Aufforderung an Referendare zum Uedertritt in den ReichSmartn e d ten ft so viele, den Bedarf weitaus überschreitende Anmeldungen eingegangen find, daß eS angebracht erscheint, weitere Anmeldungen zurück- zuhalten.

Kronberg, 9. September. Auf Schloß Friedrichs« Hof findet bei der Kaiserin Friedrich heute Abend unt 7 Uhr ein Diner zu 30 Gedecken statt, an welchem das per Bahn eintreffende italienische Königspaar, daß Gefolge, sowie der preußische Ehrendienst theilnehmen werden.

Homburg v. d. Höhe, 9. September. General Graf Häseler zog bereits im Laufe deß Vormittagß das Groß feiner Truppen hinter die Nidda zurück. Die Arriäre-Garde blieb in ihrer alten Stellung an den Höhen an der Nidder und hielt die verfolgenden Bayern auf. Die bayerische Cavalieri?, bestehend auß zwei Divisionen, verstärkt durch heute etngetroffcne Regimenter, erschien gegen 9 Uhr in der rechten preußischen Flanke. Se. Majestät der Kaiser machte wir diesen Divisionen eine hervorragend außgesührte Attacke gegen die rechte Flanke der zurückgehendea Preußen. An dem Manöver nahmen auch Prinzregent Luitpold, der König von Sachsen, Großfürst N kolauß und andere Fürst­lichkeiten Thetl. Die Majestäten langten nach 2 Uhr wieder in Homburg an.

Homburg v. d. H., 9. September. Im Fortgang des Manövers verließ um 12 Uhr auch die preußische Nachhut ihre Stellung und folgte dem Gros. Das Gefecht wurde hier abgebrochen.

Homburg v. d. H., 9. September. Der König von Italien schenkte der hiesigen katholischen Kirche 1000 Frcß.

Hamburg, 9. September. DieHamburg-Amerika- Linie" hat der Werft von Blohm u. Voß in Hamburg den Bau von zwei großen, für den Dienst zwischen Hamburg und Westindien bestimmten Dampfern übertragen.

Roßlau (Anhalt), 9. September. Heute Morgen gegen 51/2 Uhr fuhr auf dem Güterbahuhofe in Roßlau ein von Magdeburg kommender Güter zug infolge nicht rechtzeitigen Haltens vor dem Haltsignal des Bahnhofes einem einfahrenden Güterzuge von Cöthen tn die Flanke, wobei Soco* motioe und Tender des Magdeburger Güterzuges zertrüm­mert wurden, weitere 6 Wagen entgleisten und wurden mehr oder weniger stark beschädigt. Personen wurden nicht ver letzt. Beide Hauptgeleise der Strecke RoßlauWittenberg werden für den durchgehenden Verkehr voraussichtlich bt« gegen 6 Uhr Nachmittag« gesperrt fein Der Personen­verkehr wurde durch Umsteigen an der Unfallstelle aufrecht­erhalten.

Wien, 9. September. Die Deputation der I6er Husaren stellte sich im Laufe de« TagrS mehreren Erzherzögen und anderen hochgestellten Perlönlichkeiten vor und nahm Nachmittag« in Schönbrunn am Diner beim Kaiser Thetl. Der Führer der Abordnung, Oberstlieutenant Rundstedt, begibt sich am Sonntag auf Einladung de« Kaiser« zu den Manövern bei Toti«.

Petersburg, 9. September. DerNowoje Wremja" zufolge ist Admiral Makarow am 6. September auf dem DampferIoan Kronstadtßki" in JeniffeiSk eingetroffen. Makarow war Ende Juli von Vardoe in See gegangen, war durch die Jugor-Straße, das Karifche Meer nach der Mündung de« Jenissei gefahren, hatte bei der ersten An­siedelung Galtschtch angelegt und bann seinen Weg den Jenissei hinauf nach Jenisseisk genommen.

Athen, 9. September. Die Einnahmen, welche die griechische Regierung als Garantie der KriegSent- schädignngS-Anleihe angeboten hat, belaufen sich im Ganzen auf 10240000 Drachmen. Darunter befinden sich die Rofinenstener und die Zolleinnahmeu im Betrage von 4526000 Drachmen, die besonderen, in den Häfen der jonischen Inseln erhobenen Zölle mit 1 729000 Drachmen, die Feigenfteuer mit 50000 Drachmen, der Ankerzoll mit 573000 Drachmen, die Einkünfte auS den Postwerthzeichen und Postkarten mit 1570000 Drachmen und die Zollein­nahmen au« Laurion mit 1 392000 Drachmen.

Depeschen der Bure«» .Herold.*

Berlin, 9. September. Der Kaiser wird morgen Nachmittag von Homburg auS seine Reise nach TotiS zu den dortigen Manövern antreten. Die Kaiserin kehrt nach Potsdam zurück.

Berlin, 9. September. Wie dieNordd. Allg. Ztg." hört, ist von der Meldung derFranks. Ztg.", Deutschland habe den chinesischen Hafen Tung Dung Kow gekauft, um dort eine Flottenstation einzurichten, in hiesigen unter­richteten Kreisen nichts bekannt.

Berlin, 9. September. DerVolkSztg." wird au« unter­richteter Quelle mitgetheilt, daß der bisherige Reichstags« abgeordnete von Güstrow, Graf v. Schlieffen, bei den nächsten Reich-tagSwahlen nicht mehr candidtren werde. An feiner Stelle wird als confervativer Candidat wahrscheinlich General Bronsart von Schellendorf aufgrstellt.