B' Rektoi
1 am Main.
,*tre* 4S
Mionafo ir-
' ».«!
28»
Isvoll
: Don,
8che-Fabrik.
‘Hemden 1
ln 32J
1 wahL~
et- uni Packet- Siegelmarken
a billigen Preiiea die
Brei (Pietsch i Setiey*),
!iou 1893-18®*
ab 32«
f6, IM
1, aniam ■
1891
»r
Kavkoo»a' c. dts- c.
80 1Ä S> q s
April l8S7- ten.
. S°ld-A-t- ttugtel«1
6): u. iuntth^S' d._______"
icht
ectf ?
101J
O
s&<**
*«6'*
rtKfrtrf“*“
Nr. 85 Zweites Blatt. S-mStag dm 10. April
189?
Der Oietze«er Auzeiger «Ichkint täglich, »U Ausnahme drS Montag».
Die Gießener 3<e mitte* Otä Her werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal deigelegt.
Hießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
Vierteljähriger Nvo nnemeutrpreis r 2 Mark 20 Psg. mit Vringerlohn. Durch di« Post bez«ge» 2 Mark 50 Pjg.
Redaction, Expediti»» und Druckerei-:
-Lutstraße Ar.7.
Fernsprecher 51.
Amts- und I^tjeujeWaH für den Ureis
«**ahme von Anzeige* zu der Nachmittag» für de* folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.
Hratisöeikage: Gießener Kamilienötätter.
Alle Annoncen. Bureaux de» In- und Äullanbe» nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgege*.
Aintlicher TKeil.
w _ Gießen, den 7. AprU 1897.
ve tr.: Die Vertilgung der Maikäfer.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen «• Mt G—tzh. CtofttrefütarcUB M Äwtifei.
3«bem wir Sie wiederholt ans das nachstehend abge- Druckte Reglement vom 11. April 1894 aufmerksam machen, beauftragen wir Sie, im Falle in Ihrer Gemarkung -der r »em Theile derselben ein Hanptmaikäferflug dieses Jahr eintritt, fefttt die iw - 1 bei Xeglemeetl vvrgeschrieleue» w«°l« I* treffe» »ad ul biel alllalb anzuzeige».
»eiter wollen Sie bis zum L. 3*Ii l. I. berichte», wir hoch fich die für rubr. Betreff verausgabten Kosten be- laufe» und wie groß ungefähr die Zahl der vertilgten Maikäfer ist/ letztere Zahl ist in Litern anzugeben.
v. Gageru.
Polizei Verordnung, Ictwfftub die Vertilgung der Maikäfer, »uter Zustimmung des ZkretSauSschuffeS und mit Ge- »ehmigung Großh. Ministeriums des Inner» und der J»stiz vom •. März zu Nr. M. I. 5910 wird in Gemäßheit bei Art. 78 bei Ges. vom 12. Juni 1874, die innere vermal» tung und die Vertretung der «reise und Provinzen betr., für be» «reis Gießen verordnet was folgt:
§ 1.
Jeder Besitzer eines Grundstücks ist getzalte», innerhalb eine! von der Ortspolizeibehörde zu rbestimmenbeu und öffentlich bekannt zu machenden, geeignete« Zeitraums fämmtliche a»f dem Grundstück befindlichen Bäume und Gebüsche täglich «orgenl bis spätestens 8 Uhr burchfchütteln bezw. durch, fache, und die gesammelten Maikäfer auf geeignete »eise vernichten zu laffen. von den Waldungen unterliegen dieser Bestimmung nur die mit Lanbholz bestockten BestandSräuder längs der Felder, Wiesen, Sulturflächen, Blößen, Schneisen und »ege.
5 2.
In jeder Gemeinde bestimmt der Temeinderath alljähr- lich eine oder, wenn erforderlich, mehrere Commisfioven von je drei Mitgliedern, welche fich davon zu überzeugen haben, daß die in § 1 angeordneten Maßregeln befolgt werden. Finden dieselben, daß bei einzelnen Befitzeru die» nicht oder nicht in genügender Weise der Fall ist, so kann auf deren Antrag die OrtSpolizetbehörde das Sammeln der Maikäfer
auch gegen den Willen der BerfügungSberechtigteu auf deren «osten vornehmen laffen.
Bezüglich sämmtlicher Waldungen fällt die vorstehende einer Commisfio« überwiesene Aufgabe der StaatSforftver- waltung zu.
§ 3.
Zuwiderhandlungen gegen die in 8 l getroffene» Anordnungen werden auf Grund des Art. 78 des Gesetzes vom 13. Juni 1874, die innere Verwaltung rc. betr., mit Geld» strafe bi» zn 30 Ml. bestraft.
ß 4.
vorstehende» Reglement tritt mit dem heutigen Tage in «rast.
Gießen, den 11. April 1894.
Grobherzogliches SreiSamt Gießen.
__________________v. Gagern.__________________
Bekanntmachung,
betreffend: Die Maul- nnd Klauenseuche- hier die Abhaltung von Viehmärkten.
Das Großh. Ministerium des Innern hat die Abhaltung eines Viehmarktes zu Dauern he im am 26. April d. I. erntet den nachstehenden Bedingungen genehmigt:
1. Für Auf- und Abtrieb ist je eine bestimmte Stelle zu schaffen. Der Marktort hat das nöthige Auffichts- personal zu stellen, damit den getroffenen Anordnungen genau nachgekommen wird.
2. Auf den Markt dürfen nur Thiere aus unverseuchten Orten des Großherzogthum» Hessen, Thiere von Händlern nur dann, wenn fie mindestens sieben Tage in unverseuchten Orten in seuchefreiem Zustande zugebracht haben, aufgetrieben werden. Beim Auftrieb der Thiere ist durch eine streng zu handhabende Lontrole der betreffenden Ursprungsscheine zu verhüten, daß andere Thiere auf den Markt gebracht werden.
3. Außer der Controle der Ursprungszeugnisse hat selbstverständlich auch die thierärztliche Besichtigung der Thiere vor dem Auftriebe zu erfolgen.
Büdingen, den 3. April 1897.
Grobherzogliches Kreisamt Büdingen.
Klietsch.
der Stadtverordnete«
am 7. April 1897.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnanth, Herren Beige' ordneten Grüneberg und Wolff, bon ©eiten der Stadtverordneten
die Herren Adami, Brück, EmmeltuS, Flett, Faber, Haubach^ Habenicht, Heichelheim, Helfrich, Homberger, Keller, Kirch, LooS, Löber, Orbig, Scheel, Dr. Thaer und Wallenfels.
Herrn Brauereibefitzer Bichl er, welcher nm die Er- laubniß zur Entfernung einer Anzahl Weidenbäume am Wege »ach TextorS Hardt nachgesucht hat, wird solche» gegen eine an die Stadtkaffe zu leistende Entschädigung von 60 Mark und unter der Bedingung gestattet, daß an Stelle der de» Graben markirevden Bäume ein Schutzgeländer errichtet wird.
De« Gesuch des Herrn Philipp Schwan um Er- laubniß zur Errichtung einer provisorischen Halle an der Rod» heimerftraße, hinter der dort stehenden Feldscheuer, wird stattgegebeu.
Da» Gesuch de» Herrn Friedrich Soft um Erlaubuiß zur Errichtung einer Wohnung mit Stallgebäude an der Rod- heimerstraße wird ausnahmsweise befürwortet.
In die Lommiffion zur Begutachtung der gegen bk Reblaus getroffenen Schntzmaßregelu werden tote im vorige» Jahre die Herren Flett, Ehr. Haubach, Steinberger und Helfrich wiedergewählt.
Nach Mittheilung Großh. Polizeiamts soll eine neue Milchverkaufsordnung erlassen werden, da die ftühere fich als unzuverlässig erwiesen. Zn diesem Zwecke ist die Entnahme von Stallproben sowohl von der nach Gießen vo» auswärts wie der hier erzeugten Milch und deren Untersuchung durch das chemische Untersuchungsamt nöthig. Die in Gießen verbraucht werdende Milch stammt au» 267 Ställen, do» denen aus jedem eine Probe entnommen werden sollte Koste, betragen 2 Mk. pro Probe, wovon 50 pEt. als Rabatt sür die Gemeinden abgehen, hierzu komme« noch die Kosten sür die Gefäße und de« Transport, so daß fich die Gesammtkoste« auf ea. 300 Mk. belaufen, die auf die Stadtkaffe zu Übernehmen find. Die Versammlung genehmigte diesen Eredit. Es soll in der neuen Milchverkaufsordnung der Schwerpunkt der Untersuchung auf die Stallmilch gelegt und damit den bereits in landwirthschaftliche« versa»«- langen eingehend besprochenen, lediglich auf Untersuchung der verkausSmilch beruhenden Unzuträglichkeiten thunlichst vor- gebeugt werden. Die Commiffton hat anerkannt, daß eine von diesem GefichtSpunkte ausgehende Milchverkaufsordnung mehr den Interessen sowohl der Eonsumenten wie der Verkäufer entspricht.
Zu dem Gesuch deS Herrn Ed. Böhm um Erlaubniß »um Betrieb einer Schankwirthschaft im Hause Rodheimer- straße 36 spricht fich die Versammlung unter Hinweis auf eine Anzahl in unmittelbarer Nähe befindlicher Branntwein- Verkaufsstelle« für Verneinung der Bedürfuißfrage ans.
Feuilleton.
Angenommen.
Humoreske von Graf Günther R»fe»hage».
(2. Fortsetzung.)
Aber das nicht allein, — in einem ausführlichen Begleitschreiben hatte fie dem Redacteur die Gründe auseinander- zesetzt, die fie zwangen, zur Feder zu greifen; rührend und ergreifend waren die Zeile« und kein fühlendes Herz konnte ihrer Bitte widerstehen.
Aber in den stillen Nächte« kamen ihr trotz ihrer Sicherheit Bedenken und Zweifel aller Art, da schwand ihr Selbstvertrauen dahin, — da sagte fie fich, wie entsetzlich viel jusammengeschrieben würde, daß doch kein Schriftsteller lediglich zu seinem Vergnügen arbeite, und daß doch alle, Männlein und Weiblein, den sehnlichsten Wunsch hätte«, gedruckt vnb honorirt zu werden.
Und je länger die Redactiou schwieg, desto größer wurde ihre Angst, ihre Unruhe. „Ist ihr lange» Schweigen ein gute» oder ein böse» Zeichen für mich?" so fragte fie fich tausendmal den Tag über, und je mehr fie fich fragte, desto unruhiger, desto nervöser wurde fie. e
Und ihre ganze Krankheit war weiter nicht» al» die ißdtliche Angst und Furcht vor dem Postboten, der die Ent- Iteibmg bringen mußte. Sobald die Glocke gezogen wurde, iibald da» Mädchen da» Zimmer betrat, sobald fie eine« TttphanSboten auf der Straße begegnete, dachte fie stet»: ,Run kommt die Entscheidung, der Brief ist bat*
Ader der Brief kam nicht — die Tage und Wochen gingen dahin, ihre Wangen wurden blasser und blasser, die tiaantitäten Stahl und Eisen, die ihr der alte Haularzt itrerbnete, wurden immer größer, die täglichen Spazier- die fie z» ihrer Erholung mit ihrer Mutter uuter- vrhwea mußte, immer weiter, die Absagen, die die Eltern I
mit Rückficht auf da» Befinden ihrer Tochter auf die zahlreich einldufenben Einladungen schriebe«, immer häufiger, die Geschenke, mit denen der alte Geheiwerath da» Roth auf die Wangen seine» Kinde» zurückzuzaubern versuchte, immer werthvoller, die Tage, an denen die Köchin Fräulein Ellen» Liebling»gerichte auf den Tisch brachte, mehrten fich von Woche zu Woche, die Besuche ihrer Freundinnen, die fie zu zerstreuen und zu erheitern versuchten, nahmen täglich z«, — aber alle» war vergeblich, der Brief kam nicht, und der vermochte doch allein zu Helsen.
Und nun waren e» nur noch acht Tage — dazu war e» noch mitten im Winter, wo die Tage bekanntlich viel kürzer find al» im Sommer.
Da faßte fie fich endlich ein Herz und fragte bei btt Redactiou, der fie die Arbeit eingefanbt hatte, telegraphisch an — Rückantwort bezahlt. Morgen» um 10 Uhr gab fie die Depesche auf — in drei Stunden konnte nach ihrer Berechnung die Antwort da sein. Sie verlebte die Zeit wie eine Fieberkranke, wie eine Mörderin, die fich sogt: „In drei Stunden wirft Du geköpft, wenn nicht die Gnade de» König» Dir doch noch da» Leben wiederschenkt.*
Aber au» den drei Stunden, in denen fie der Antwort harrte, wurden drei Tage — drei Tage, die ihr trotz der Winterszeit entsetzlich lang vorkamen, und drei endlose Nächte. Die Aufregung, in der fie lebte, die Unruhe, die fie quälte, die Ungewißheit Über die Gestaltung ihre» ganzen ferneren Lebens, — die» alle» trug dazu bei, fie wirklich krank zu machen.
Endlich, am vierten Tage Mittags, kam die Antwort, fie riß das Telegramm auf und las ,Dankend abgelehnf, sonst nicht», und fie hatte doch für zehn Worte die Rückantwort bezahlt!
Da» war der erste Gedanke, der fie bei dem Lesen des kurzen Bescheide» ergriff, bann aber machten fich ihre Sorgen unb ihr Kummer in einem Thränenstrom Luft und fie weinte die bittersten Thränen, fie weinte wie alle Kinder Israels
I zusammen, da fie an den Wässern Babylon» faße« und weinten.
Wa» nun? Jetzt war e» vorbei mit ihrem Leben, mit Ihrem Glück, fie selbst hatte eß verscherzt unb verspielt. Wie sollte fie da» Dasein fernerhin ertragen, tote sollte fie vor ihren Eltern, vor ihren Angehörigen bie Auflösung ihrer Verlobung erklären und rechtfertigen? Alfred zürnte ihr noch immer, — feit dem Tage, da er fie verlassen, war kein Brief zwischen ihnen gewechselt worden — nur leere Briefbogen hatten die Couvert» enthalten, bie er in regelmäßigen Zwischenräumen gerade so wie sonst schickte, um durch da» Ausbleiben jeglicher Correspondenz die Eltern nicht z» beunruhigen und um jeglichen verdacht zn vermeiden.
So war eß zwischen ihnen verabredet worden, erst der AuSgang der Wette sollte den alten Briesverkehr wieder Herstellen oder ihn für immer abbrechen.
Auch heute Morgen hatte Ellen wieder einen Brief ihre» Verlobten erhalten, fie hatte ihn achtlos auf de» Schreibtisch geworfen, da» Couvert gar nickt erst geöffnet, wa» sollte der leere Briefbogen ihr auch sagen?
Aber jetzt in ihrem Schmerz, da fie fich nach eine« Zeichen von ihm sehnte, nahm fie das Schreiben wieder zur Hand und betrachtete die Aufschrift, die Züge seiner Hand mit tiner Liebe unb Wehmuth, als wäre es das letzte Mal. Und war e» nicht auch da» letzte Mal, baß er an fie, wenn ouch nur znm Schein, geschrieben hatte? Heute noch wollte fie ihm schreiben, daß fie die Wette verloren, daß fie fich selbst für unwürdig erachte, fernerhin feine Braut zu fein. Würde er ihr antworten? Nein, wozu auch? Ihr Entschluß war fest und unabänderlich, er kannte fie und ihre« Character und wußte, baß fie durchsührte, waS fie fich borgenommen.
(Schluß folgt.)


