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1S97
Nr. 34 Zweites Blatt. Mittwoch dm 10. Februar
Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Aamirienvtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
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Laubach, 4. Februar. Am heutigen Tage verstarb dahier der Director des hiesigen Gymnasiums, Dr. WindhauS, im besten Manne-alter. Der Verstorbene hatte einige Tage vorher, am 26. v. MtS., das 50. Lebensjahr zurückgelegt. Kurz nach Beginn des neuen Jahres warf ihn ein Unterleibs- etden auf das Krankenlager und wenn auch Mitte vorigen MonatS eine Befferung eingetreten zu sein schien, so unterlag »derselbe doch, nach etwa vier Wochen, der tückischen Krankheit, cherr Dr. WindhauS war geboren am 26. Januar 1847 zu Darmstadt, studirte, nach Besuch deS dortigen Gymnasiums, Gasten klassische Philologie und erhielt nach bestandenem Examen seine erüe Verwendung 1868 als Lehrer und Dirigent ver höheren Bürgerschule in Oppenheim. Als Einjährig- Freiwilliger im 4. Großh. Hess. Infanterie-Regiment nahm derselbe am Feldzuge gegen Frankreich 1870 Th eil. Nach d arauffolgender 17i/,jähriger Wirksamkeit als Lehrer an dem l'udwig-GeorgS«Gymnasium zu Darmstadt wurde er 1889 I um Director an der Realschule und Proghmnasium zu Friedberg ernannt. Bei Gelegenheit des 350jährigen Jubt- !äums dieser Schule wurde ihm das Ritterkreuz 1. Klaffe teö Verdienstorden- Philipps des Großmüthigen verliehen. Am 31. Januar 1894 wurde er zum Director hiesigen KymuafiumS ernannt, welche Stellung er am 1. April 1894 rntrat und das er nunmehr nahezu drei Jahre leitete. — (liugebende Pflichttreue und größter Gerechtigkeitssinn zeichnete !uine Amtsführung aus- mit eingehendem Wohlwollen für i aS Wetterkommen seiner Schüler verband er die erforderliche Strenge in Durchführung der von ihm getroffenen Anord- rangen. Die Schule verliert an ihm viel- die Frequenz
i erselbeu hat sich unter seiner Leitung um ein Drittel geseigert und machte die erhöhte Schülerzahl einen Neubau ncforderlich, um dessen Zustandekommen und innere Ein- riichtung sich der Verstorbene bedeutende Verdienste erwarb. K i. p.!
-o- Aus der Wetterau, 5. Februar. Ein junges Ehepaar von Södel wollte jüngst in Nieder-Mock- t abt, dem Heimathsorte der Frau, einen Besuch abstatten, fcaum hatte man den nur einige Minuten vom AuSgangS- piuukt entfernten Nachbarort Wölfersheim im Rücken, als sich plötzlich die Scheere vom Wagen auShängte und das Pferd in ein rascheres Tempo einsetzte. Der Mann, der dus mit dem Wagen in Verbindung stehende Pferd nicht lu-lassen wollte, sprang herunter und suchte dasselbe zum Stehen zu bringen, seine Frau auf der auf der abschüssigen Straße ruhig wetterrollenden Kutsche ihrem Schicksal über
lassend. Letztere gerieth bald von der Mitte des Weges ab und fuhr direct auf den Graben los. Hier kippte sie um, wobei die Frau herauSgefchleudert wurde. Inzwischen war auch der Manu zu Fall gekommen und mußte, um nicht nachgeschleift zu werden, daS Pferd laufen lassen. Dasselbe jagte nun herrenlos noch eine Strecke dahin, bis es auf der Höhe zwischen Wölfersheim und Berstadt ebenfalls Halt machte und auf die Lockungen seines Führers wieder zurück- kehrte. Nachdem die verloren gegangenen Stücke zusammen« gesucht und die Scheere von einem Wölfersheimer Schmied wieder ordentlich befestigt worden war, konnte die Fahrt fortgesetzt werden.
§ Aus dem nordwestlichen Vogelsberg. 5. Februar. Früher wie sonst haben jetzt schon die Holzverstetgerungen ihren Anfang genommen. Der seitherige gelinde Verlauf deS Winters hat an Brennmaterial nicht viel erfordert. Dessenungeachtet sind die Preise bei den ersten Holzversteigerungen keinesfalls billig zu nennen. ES kosteten seither im Durchschnitt vier Raummeter Buchenscheit 20 bis 24 Mk., desgleichen Buchenprügel 15 bis 16 Mk., zwei Raummeter Stöcke 10 bis 12 Mk., sechs Raummeter Buchenreifig 3 bis 4 Mk. Nutz- und Werkholz ist sehr hoch im Preise, da hiernach Seitens der großen und kleinen Holzschneidereien stets lebhafte Nachfrage herrscht.
△ Bou der Ohm, 5. Februar. Gegenwärtig ist die Zett, in welcher der Verkauf von Sämereien für das kommende Frühjahr stattfindet. Während die Preise für die Sämereien im Ganzen auf der gewöhnlichen Stufe stehen, ist der Preis für den Dickwurzsamen ganz auffallend billig geworden. Früher bezahlte man für das Pfund dieses Samens 80 Pfg. bis 1.20 Mk., jetzt nur 40 Pfg. Daß der Landwirth und namentlich die Hausfrauen ihr Augenmerk darauf richten müssen, nur durchaus guten Samen zu beziehen, bedarf wohl kaum des Hinweises, hängt doch von der Beschaffenheit der Sämereien in erster Linie die Erzielung guter, entwickelungsfähiger Pflanzen ab.
AuS Rheinhessen, 4. Februar. Ein tragikomisches Stückchen trug sich vor einigen Tagen in einem Dörfchen bei Alzey zu. Ein junges verlobtes Paar hatte den Tag der Hochzeit festgesetzt und aus Sparsamkeit nur die nächsten Verwandten zur Feier geladen. Wie groß war aber ihr Erstaunen und Erschrecken, als am Hochzeitstage nicht nur zahlreiche Ortseinwohner im hochzeitlichen Kleide erschienen, sondern auch auS näherer und weiterer Entfernung Freunde und Verwandte eintrafen, um den Ehrentag feiern zu helfen! Es fanden sich zum Schmause etwa 70 Personen ein, während
Alle Annoucen-Bureaux des In- und Auslandes nchmkn Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
man sich auf deren 20 gerichtet hatte. Die Einladungen waren von unbekannter Seite ohne Wtffen und Willen der Veranstalter erfolgt!
Citeratur rrrrd Kauft
— Kürzlich ist im Commissionsverlag von Emil Roth in Gießen ein kleines Schriflchen von Gymnasiallehrer Knöpfe! in Worms erschienen, auf das wir den Leserkreis des „Gießener Anzeiger" mit Recht aufmerksam machen dürfen. Der Titel lautet: „Statistische Untersuchungen über die «esammtlage der akademisch gebildete« Lehrer 1« Vergleich mit de« übrige« Beamte« im Großherzogthum Hesse«, «uter besonderer Berücksichtigung der »erhüttuiste i« de« größere« deutsche« Bundesstaate«.* Dieses Schrtslchen ist nicht nur von größtem Interesse für sämrntliche Beamten des Großherzogthums, sondern insbesondere auch für jeden Studirenden und für alle Eltern, als Rathgeber in der wichtigen Frage der Berufswahl. All' diesen kann nicht warm genug das eingehende Studium — nicht etwa nur die flüchtige fieetüre — dieses Schrifichens mit seinen mühevoll ermittelten statistischen Tabellen und klaren Folgerungen empfohlen werden. Es bietet für sämrntliche Berufe mit akademischer Vorbildung ein« reiche Fülle statistischen Materials, welches jedem Einzelnen volle Klarheit darüber verschaffen kann, was in pecuniärer Beziehung den Beamten in den einzelnen Berusszweigen geboten wird. Daneben enthält das Schristchen für alle Berufszweige interessante statistische Mittheilungen über die Zeitdauer der Vorbildung, die Zeit der defini- nitiven Anstellung, das Lebensalter der im Amt befindlichen Beamten , die durchschnittliche Dienstzeit der einzelnen Kategorien, Lebensalter und Dienstzeit der Beamten am Tage der Penfionirung u. dgl. mehr. Ferner sind vielfach außerhessische Verhältnisse und Zahlenangaben zum Vergleich berangezogen, insbesondere auch schon die Zahlen der neuen preußischen Gehalte, deren Genehmigung augenblicklich dem Abgeordnetenhause vorliegt. Wir glauben, daß diese wenigen Angaben genügen, dem Schristchen zahlreiche Freunde zu gewinnen. Der Ladenpreis beträgt 60 Pfennig.
— Die süchstsche Bieh-Berstcher«ngsba«k i« Dresde«, als größte Anstalt ihrer Branche, hat im verflossenen Geschäftsjahre wieder recht bedeutende Erfolge erztehlt. Das VersicherungScapital Mk. 26086875, die PrSmien-Einnahme Mk. 883059,50, sowie die Prämien-Reserve Mk. 240670,49 sind erheblich gestiegen und sämmt- liche berechtigten Schäden wurden in voller statutarischer Höhe mit der enormen Summe von Mk. 672933,64 prompt regultrt, d. h. die Beträge den einzelnen Beschädigten am Orte ihres DomicilS direct autzbezahlt. Bei den festen billigen Prämien sind Nach- oder Zuschüsse vollständig ausgeschlossen und können die Verficherungs- gelder behuss Erleichterung in zinsfreien Terminen gezahlt werden. Die solide und bestsundirte Bank konnte am 1. Januar d. I. mit einem für Schäden reseroirten Netto Betrage von ca. Mark 320 000 ihr 25. Geschäftsjahr beginnen. Vorstehende Thatsachen bilden mit die Ursache, daß die Bank einen so enormen Zugang neuer Mitglieder vom kleinsten bis zum größten Viehbesttzer zu verzeichnen hat. (Siehe heutiges Agenten-Gesuch.)
.VctiilUton.
Unerklärte Phänomene.
Von Knut Diefsenbach.
(Nachdruck verboten.)
Die Natur ist voll von Räthseln und Wundern. Wir Iclbft, unser Leben, Werden und Vergehen find nicht die kl'itnsten darunter. Doch nicht von Geheimnissen, welche außerhalb der Grenzen unserer Kenntniß stehen, soll hier die R-de fein, sondern von solchen, deren Ergründung der Fwrschung zwar bisher noch nicht oder nicht voll gelungen ist, die sie aber im Laufe der Zeit hoffen kann zu durchgingen und für welche sie jetzt schon wenn nicht befriedigende Erklärungen, so doch plausible Hypothesen zu bieten hat.
Ein Phänomen, welches den Gelehrten schon seit Jahr- buaderten viel zu schaffen macht, ist daS Polarlicht, jene in den höheren Breiten der beiden Erdhemtsphären auftreiende prachtvolle Lichterscheinung, die im Norden als Nordlicht, im Süden als Süd- oder Australlicht bezeichnet wird. Wenn Me Polarnacht auf die ungeheuren Schnee-Einöden der Polar- ümder herabsinkt, so bilden die Polarlichter den einzigen Ersatz !iir die fehlende Sonne. Was ihnen an Helligkeit abgeht, "setzen sie durch fast märchenhafte Farbenpracht. Doch ist mch ihre lichtspendende Thätigkeit nicht zu verachten, wenn fie auch nicht ganz der des Vollmondes gleichkommt, denn d>e Lappländer vermögen, wie Weinstein mittheilt, in manchen laichten beim Scheine eines Nordlichts durch den dichtesten Vald zu reisen. Die Erscheinung kann sich auf Minuten, stunden, ja selbst Tage erstrecken, das Licht ist weiß oder Mlich, zeigt indeffen häufig die herrlichsten Farben und ibergießt schließlich den Himmel in weiter Ausdehnung mit Michern Roth. Ebenso mannigfach wie die Farben, welche i ik trägt, find die Formen, die es annehmen kann, es bildet I 8o||tn, Bänder, Strahlen, Lichtfüllen n. f. w. Seine höchste ■
Vollendung erreicht es mit der Ausbildung der Krone, wenn dieser Höhepunkt erreicht ist, beginnen die Strahlen zu er» blaffen, die Umriffe zu verschwimmen, nur das röthliche oder gelbliche Leuchten des Himmels bleibt übrig. Indeffen wiederholt sich oft die kaum beendete Erscheinung, ja, daS Spiel deS Entstehens und Vergehens setzt sich mit kurzen Unterbrechungen viele Stunden, ja viele Tage lang fort. Das seltsame Licht sendet dabei einen milden, ruhigen Glanz auS, es leuchtet, aber erwärmt nicht. Trotz seiner milden Schönheit bringt es nichts weniger als einen ruhigen Eindruck hervor, es zeigt sich ein wildes Bewegen und Durcheinanderfahren der einzelnen Gebilde, ein stete« Verändern, Umformen, so daß der abergläubische Blick unserer Vorfahren die wunderbarsten Gestalten und ©eenen, wie zuckende Waffen, Schlachten und Kämpfe, Walküren auf glühenden Roflen und ähnliche phantastische Erscheinungen zu bemerken glaubte. Vielfach meinte man auch bei dem Auftreten der wunderbaren Licht- entwickelung ein zischendes oder summendes Geräusch zu vernehmen, eine Beobachtung, die von neueren Forschern keine Bestätigung erfährt, deren Unrichtigkeit oder Richtigkeit aber nicht mit Sicherheit festgestellt ist.
Fragt man nach der Entstehung dieses eigenartigen Phänomens, so muß vorläufig noch die Wissenschaft eine völlig befriedigende Antwort schuldig bleiben. Gewisse Ausschlüsse haben die Beobachtungen indeffen gezeitigt. Man hat entdeckt, daß die Polarlichter nicht nur häufig mit den magnetischen Störungen zusammenfallen, sondern daß sie auch hinsichtlich ihres Auftretens in Beziehung zu den sogenannten Sonnenflecken stehen, dergestalt, daß sich ihre Häufigkeit mit derjenigen der letzteren vermehrt und vermindert und sie sowohl mit den Sonnenflecken als den magnetischen Störungen die 11jährige Periode gemeinsam haben. ES erscheint also als sicher, daß ein geheimnißvoller Zusammenhang zwischen Nordlicht und Erdmagnetismus besteht, der sich schon in den daS Erscheinen der Polarlichter begleitenden und ankündigenden Störungen der MagnetNadel kundgibt. Daran dürfte auch
I die neuerdings versuchte, recht annehmbar erscheinende sLösung deS RäthselS nichts ändern, wonach man die Ursache deS
1 Phänomens in elektrischen Strömungen der Erde zu suchen hätte, denn Magnetismus und Electricität hängen innig zusammen. Die Spectralanalyse hat nämlich dargethan, daß es sich bei dem Nordlicht nicht um reflectirteS Sonnenlicht handle, sondern daß vielmehr wirklich glühende Stoffe bte Erscheinung hervorbringen, und zwar glühende Gase. Der Einwand, daß glühende Gase doch in gewissem Grade Wärme auSstrahlen müßten, während doch da« Polarlicht eine völlig aller Wärmestrahlung entbehrende Bildung ist, wird durch das Experiment Kochs widerlegt, der in Geißler'schen Röhren schon ein Aufleuchten der Gase bet 80 Grad Celsius unter 0 erzielte. Warum sollten also nicht elektrische Erdströmungen das Leuchten veranlassen? Für diese Theorie spricht noch die Wahrnehmung, daß auch zwischen solchen Strömungen und den Polarlichtern eine geheimnißvolle Verbindung beobachtet worden ist. So war daS Jahr 1859, in welchem durch elektrische Erdströmungen die Telegraphenapparate in Europa und Amerika in ungeheure Verwirrung gebracht wurden — wie Bölsche in seiner „EntwickelungSgeschichte der Natur" hervorhebt — ein Nordlichtjahr. So dürfen wir un« wohl der Hoffnung hingeben, mit der Zeit die interessante Frage vollständig aufgeklärt zu sehen, so daß wir die unglückselige Vergeßlichkeit jenes Studenten, welchen der Professor im Examen nach dem Ursprung de« Polarlichts fragte und welcher verlegen erklärte, er habe es gewußt, aber wieder vergessen, nicht allzu sehr zu bedauern brauchen. Der klägliche AuSruf des Professors — wenn «an mir erlauben will, die Anekdote vollends anzuführen — ist ja bekannt. „Die Wiffenfchaft," jammerte er, »zerbricht sich fett Jahrhunderten den Kopf darüber, wo das Nordlicht herkommt. Nun haben wir hier endlich einmal einen Menschen, der eS gewußt hat — und der hat e« wieder vergessen!"
(Schluß folgt.)


