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9.7.1897 Zweites Blatt
 
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Der frttitwct erscheint täglich, Ml Ausnahme drS Montags.

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Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für bte folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Norm. 10 Mr.

CoceUs und pvoVLnrieile-.

? Au» Oberhesfeu, 7. Juli. Die starke Verbreitung, ' welche die Ansichtspostkarten gefunden, hat sich auch auf da- Land au-gedehnt. Nicht nur in verschiedenen Ort­schaften findet man fie, auch bet den dörflichen Festen, wie Krieger», Sänger» und Turnfesten werden sie oft zum Er staunen der Festgäfte zum Kaufe angeboten. Welcher Be­liebtheit sich diese Ansichtspostkarten gerade bet solchen Festen erfreuen, zeigt augenscheinlich ihr starker Absatz. Mit der Mode, wie man wohl sagen darf, dieser Postkarten geht naturgemäß Hand in Hand die der Albums für tllustrirte Postkarten- In allen Ausstattungen und Größen bieten fie die Buch- und Schretbmaterialhandlungen an und fie werden viel und gern gekauft. Die früher so beliebt gewesenen Photo- graphie-Albums müsien zur Zeit ihren modernen Schwestern, den PostkartenalbumS, den Vorrang lassen. ES bleibt gewiß nicht ouS, daß sich Stimmen erheben werden, die für beffere Verwendung der für Ansichtspostkarten verwendeten Beträge auffordern, allein e- bleibt doch auch Thatsache, daß durch den neuen Industriezweig namentlich geringen Leuten, die eS doch meist find, welche die betreffenden Karten fetlbieten, ein kleiner Verdienst geschaffen wird. Daneben bildet ein Alum mit AofichtSpoftkarten oft die Quelle angenehmer Erinne« rungen. Allerdings der Geschmack ist gar verschieden.

§ Bon der Ohm, 7. Juli. An die Heuernte, mit der die Nachzügler kein Glück gehabt, indem das schöneHeu* weiter" vorüber, schließt fich die Ernte des Winter. samenS (Rapses). Derselbe hat einen sehr guten Ertrag geliefert. Seit einer Reihe von Jahren war der Winter­samen nicht so gediehen, wie in diesem fruchtbaren Jahr. Da daS Rapsöl im landwirthschaftlichen Haushalte einen sehr be* achtungswerthen Factor bildet, so ist der Ausfall der Raps» ernte wohl nicht bedeutungSlo«.

Darmstadt, 7. Juli. In Bibli» wurde heute Morgen der 27 jährige Bahnarbeiter Ludwig Berzel von Großrohr­heim bei dem Versuch, auf den Zug 8 Uhr 20 aufzuspringen, Überfahren- er starb eine halbe Stunde darnach.

Mainz, 4. Juli. In der Badeanstalt von OhauS sprang am Freitag Abend ein fremder junger Mann au- Versehen in daS Schwimmbassin. DeS Schwimmen- unkundig bet* schwand er sofort in den 3 Meter tiefen Fluthen. Den Be­

mühungen des Badewärters und mehrerer Badenden gelang es, den jungen Mann vom Tode deS Ertrinken- zu retten. t ,

Mainz, 6. Juli. 9000 Mk. gefunden bat am Sonntag Abend im Garteufelde ein Bahnarbeiter, der seinen werthvollen Fund sofort auf der Polizei deponirte. Dort hat der Verlierer das Geld abgeholt und sich dem Finder gegenüber sehr generös gezeigt.

lassen, der Vater aber trug den Flüchtling ohne Wettere- in seinen Wagen. Sobald die Polizei benachrichtigt wurde, daß die junge Dame in Sicherheit gebracht sei, " man den Galan wieder laufen. Seitdem hat er keinerlei Nach» richt mehr von seiner Geliebten erhalten, da diese streng be­wacht wird. Der betrogene Bräutigam beruhigt fich dabet jedoch nicht, sondern hat die Comteffe nicht bloS bei deren Eltern, sondern sogar bereit- beim Staatsanwalt und beim Justtzminister al» leine rechtmäßige Verlobte reclamirt.

einen schlechten Scherz, der ihm auch sehr übel be* kommen sollte, leistete sich in Aachen der Pumpenmacher B. damit, daß er selbst beim Stande-amte seinen Tod an* meldete, indem er den Namen seines Schwager- annahm. Die hierüber aufgenommene Sterbeurkunde also seine eigene unterzeichnete er dann noch mit dem Namen seine» Schwager«. Wegen biefeSScher,-»« wurde er auf drei Wochen in- Gefängniß geschickt.

Bekanntmachung.

Diejenigen Ort-gerichte, welche sich mit der Einsendung der Bau» und Culmr Veräaderung-.Verzeichniffe noch im Rückstände befinden, wollen dieselben nunmehr umgehend hier­her einsenden. Etwaige rückständige Meßbriefe können nadr geliefert werden.

Gießen, den 7. Juli 1897.

Großherzogltche» SteuerCommisiariat Gießen.

Bähr.

Dcrmifdfrto*

Eine Stiftung für Lungenkranke. Eine vom ver­storbenen Geh. Commerzienrath Gerson v. Bletchröder in Berlin testamentarisch angeordnete, mit einem Capital von einer Million Mark dotirte Stiftung, die zu Ehren seine- Vater» den Namen Samuel Bleichrödet'Stiftung führen soll, ist jetzt in'- Leben getreten. In diesen Tagen ist den Testa­mentsvollstreckern der landesherrliche Erlaß vom 12 Mai d. I. zugestellt worden, wonach der Samuel Bleichröber- Stistung zu Berlin die Genehmigung ertheilt und ihr auf Grund de- Statut- vom 28. November 1896 die Rechte einer juristischen Person verliehen wurden. Zweck der Stiftung ist, bedürftigen lungenkranken Personen, die nicht al- unheilbar zu erachten find, ärztliche Behandlung und Pflege in einem Krankenhause unentgeltlich zu gewahren. Die Zulassung geeigneter Kranken ist weder durch Alter, Ge­schlecht noch religiöse- Bekcnntntß beschränkt. Das Stiftung-* Capital beträgt eine Million Mark, wozu die seit dem Tode des Erblaffer-, dem 19. Februar 1893, laufenden und bi- ,u Beginn der Stiftung-thätigkeit anzusammelnden Zinsen treten. Da- Krankenhaus soll allen Anforderungen der Wtffenschaft und Erfahrung entsprechend eingerichtet und mustergültig erhalten werden. Es wird zunächst für zwanzig

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Der Fleischbedarf der Berliner Garnison ist, trotzdem über 16000 Mann in der Reich-Haupistadt und deren nächster | Umgebung stnttonm faib, ein uerhA.utßmWg » e.1 u g er. , Täglich werden für die Soldaten nur drei Stück Rinder im Schlachtgewicht von je 400 Kg. und 4 Schweine im ®e- w!cht von je 100 Kg. geschlachtet. Dazu kommt noch ein Gesammtverbrauch von 230 Kg. Speck pro Tag. Der ganze Bedarf an Lebensmitteln wird von mehreren großen Liese, tonten gestellt, da fich ein direkter Einkauf vom Landwirth . an die einzelnen Menagen schwer kurchsühren laßt und man mit den sogenannten Schlächtereigeuoffenschaften keine guten . Erfahrungen gemacht hat. Auch über den Fleischs und Brodbedarf der ganzen deutschen Armee find viel­fach übertriebene Vorstellungen verbreitet. Er betragt blo- 1 pCt. deS GesammiverbrauchS im Reiche. Im Durchschnitt erhalten die Soldaten sechs Mal Fleisch in der Woche, und zwar Ochsenflrisch zwei-, Kuh*, Hammel- und Schweinefleisch, sowie geräucherten Speck je einmal wöchentlich. Dec Fl<i ch- verbrauch ist pro Mann und Mahlzeit auf 150 Gramm, der Speckverbrauch auf 100 Gramm festgesetzt.

» »ne Liebesgeschichte au» der vornehmen Welt bildet ! in Antwerpen das Tagesgespräch. Die handelnden Per* sonen find ein früherer Diener eines Antwerpener gräflichen Hauses und dir einzige Tochter des letzteren. Jener ist der Verführer und Verlobte der Comteffe. Die Entdeckung des Liebesverhältnisses der 28jährigen Dame hatte den Zorn ihrer Verwandten auf fie geladen. Um ihrem Worte und ihrer Liebe treu zu bleiben, verließ sie da- elterliche Hau-, und da fie großjährig ist, forderte fie ihre Eltern schriftlich auf, fich wegen ihrer gesetzlichen Ansprüche mit ihr auS- einanderzusetzen- sie drohte, im Weigerungsfälle mit Hilfe eines Notar» ihre Rechte geltend machen zu wollen. Der Geliebte deS Fräuleins begab fich am folgenden Tage tn das Postamt auf dem Ostbahnhofe, um nach der dorten be­stellten Antwort zu fragen. Man händigte ihm auch den wirklich eingetroffenen Brief ein, auf der Straße aber wurde er von einem Polizeiagenten angeredet, der ihn nach seinen Personalien fragte. Als der Liebhaber feine 3Jenttat zu­gab, wurde er aufgefordert, fich mit dem Polizisten auf die Hauptstation der Polizei zu begeben. Dort fragte man ihn nach dem Aufenthaltsorte feiner Geliebten. Der ehemalige I Diener gab ihn ohne Weitere- an, da er überzeugt war, keine Macht der Erde könne seine Hetrathsplane mit der Dame durchkreuzen. ES wurde an den Vater der Entführten I relephonirt und der Liebhaber auf der Polizei festgehalten, damit der Vater in Begleitung deS Onkel- und Schwagers Zeit fände, fich in die Behausung der Entflohenen zu be* geben. Diese öffnete ahnungslos, und ehe sie fich versah, hatten fie die drei Männer so fest gepackt, daß fie, trotzdem fie die Wirthin zu Hilfe rief, nichts mehr ausrichten oder I fliehen konnte. Sie bat, man möge fie bet dem Geliebten

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Prof. Schröers Neuausgabe von Grieb- Englisch­deutschem Wörterbuch (im Verlage von Paul NeffHa Stutts gart, vollständig in 42 Lieferungen k 50 Vfg.) zeichnet fiA *n iwei- facher Hinsicht aus: einerseits gibt es die ConversattonsauSsprache genau an, wie ste wirklich tn lebendem Gebrauch sich findet, nicht in der früher üblichen lautirenden Weise; andererseits verzeichnet es bei jedem Worte die Etymologie, was von den uns bekannten modernen englischen Wörterbüchern sonst keines bat. Durch solche Rücksichtnahme auf di« phonetischen und sprachgeschichtlichen Forschungen der Gegenwart hat das Werk ein ganz eigenartige- Verdienst gewonnen. Es bedeutet eine Popularifirung der heutigen englischen Sprachwissenschaft im besten Sinne D-r iunge Anglist und der mit der Zeit fortschreitende Lehrer werden es als ein ebenso bequemes wie anregendes Nachschlageduch erproben.

A Im Verlage von Rich. Eckstein Nachf., Berlin W., er­schienSchlußnote", Novelle von Konrad Telmann. - Der geist­reiche Schriftsteller, dessen Name durch seine poestevollen, "terarischM Erzeugnisse einen bedeutenden Ruf genießt, bietet auch in dieser Novelle wiederum eine psychologische F"nmaleret; die Schilderung einesKünstlercharakters" und einer in ihrer Liebe bitter Betäubten und dennoch trotz mancher Seelenkampfe ausharrenden Frau ist darin meisterhaft und bietet die Genugthuung, die darauf zum Lesen verwandte Zeit einem zum Nachdenken anregenden, in schöner Form gebotenen Stoffe gewidmet zu haben. Wer die Novelle gelesen, wird Eonrad Telmann weil er schätzen. Die aparte schöne Ausstattung sei lobend erwähnt. ~g*

Tyeil.

Gießen, den 7. Juli 1897. Die

VE Kreis-Schulcommisßon Gießen

au die Schulvorstände des Kreises.

Bon nachstehender Versügnng geben wir Ihnen zur Be­deutung der Lehrer Ihrer Gemeinden Keuntuiß.

v. Gagern.

Darmstadt, am 29. Juni 1897.

Bett.: Deutsche Geschichte. Nach den Forderungen der Gegenwart für Schule und Haus bearbeitet von H. Weigand und A. Tecklenburg. Dritte verbefferte Auflage. Hannover 1896.

Das Grotzh. Ministerium des Innern Abiheilung für Schulangelegenheiten

au die Grotzherzogliche« Kreisschuleommisfione«.

Wir machen Sie auf die rubr. Darstellung der Deutschen Geschichte unter dem Anfügen aufmerksam, daß dieselbe be­sonder» die eulturgeschichtlicheu Verhältnisse in ein* gehender Weise berücksichtigt. DaS Werkchen wird den Lehrern bei Ertheilung d-S Geschichtsunterrichts eine werth­volle und wirksame Unterstützung bieten und zur Bereicherung und Belebung des Unterrichts wesentlich beitragen.

v. Knorr.

de Beauclair.