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FreUag den 9. April
Nr. «4 Zweites Blatt.
Meßener Anzeiger
Generat-Mnzeiger.
Amts» und Anzeigeblatt för den "Kreit Gretzen
Redaction, Expedition und Druckerei-:
^Lutstraße Hlr.7.
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Vierteljähriger aöouncmtutsprets: 2 Mark 20 Psg. nut Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Psg.
Die Gießener Mnmitienv kälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
Der
Oießeirer Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme de« Montag«.
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Gratisbeilage: Gießener Aamitienölätter.
Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Amtlicher Lbcil.
Rr. 14 de» NeichS'Gesetzblatts, aurgegeben am 3. d. M., enthält:
(Nr. 2372.) Gesetz über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung. Vom 24. März 1897.
(Nr. 2373.) Einführungsgesetz zu dem Gesetz über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung. Vom 24. März 1897.
Nr. 15 de» Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben am 3. d. M., enthält.
(Rr. 2374.) Grundbuchordnung. Vom 24. März 1897.
Nr. 16 des Reichs-Gesetzblatts, aurgegeben am 3. d. M., enthält:
(Nr. 2375.) Gesetz wegen Abänderung des Gesetzes, betreff mb die Beschlagnahme des Arbeit»' oder Dienstlohnes, und der Civil-Proceßordnung. Vom 29. März 1897.
(Nr. 2376.) Bekanntmachung, betreffend Aenderung der Betriebsordnung für die Hauptetfenbahnen Deutschlands, vom 5. Juli 1892. Vom 24. März 1897.
(Rr. 2377.) Bekanntmachung, betreffend Aenderung der Normen für den Bau und die Ausrüstung der Haupt- eifenbahnen Deutschlands, vom 5. Juli 1892. Vom 24. März 1897.
(Nr. 2378.) Bekanntmachung, betreffend Aenderung der Bahnordnung für die Nebeneisenbahnen Deutschlands, vom 5. Juli 1892. Vom 24. März 1897.
Gießen, den 7. April 1897.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
v. Gagerv.
Bekanntmachung.
Herr Lulturtechniker A. Cullmann von Gießen wird
Sonntag den LI. April 1897, Nachmittags 3 Uhr, in Lauter einen Vortrag über Drainage halten.
Zu diesem Bortrage werden alle Landwirthe und Jutereffenten freundlichst eingeladen.
Die Herren Bürgermeister von Lauter und der benachbarten Gemeinden werden ergebenst ersucht, dies in ihren Gemeinden zur öffentlichen Kenntniß bringen zu taffen und
vffruilUton.
Angenommen.
Humoreske von Graf Günther Rosenhagen.
(1. Fortsetzung.)
Ihr Trotz war erwacht.
„»a» gilt die Wette?"
„®a6 Du willst."
Da hatte sie nach einigem Zögern geantwortet: „Tod oder Leben", und alr er fie erschrocken ansah, hatte fie hinzu- gesetzt: „Ich fühle, daß Du Vieles an mir auSzusetzen hast — Du hoffst, daß da» sich später in der Ehe ändert, Du hoffst eS, aber Du glaubst selbst nicht daran. Die Wette gilt, ich will versuchen, fie zu gewinnen, gelingt es mir, so werde ich die Deine, wenn nicht, so trennen wir uns noch bei Zetten, denn ich will nicht eine Ehe eiugehev mit dem Bewußtsein, eine Frau zu sein, die da» Geld ihre» Gatten vergeudet."
Erschrocken war er aufgesprungen und hatte sie gebeten und angefleht, ihre Worte zurückzunehmen- er hatte fie launisch und kindisch gescholten, ihr auSeinandergesetzt, daß eine Verlobung zu ernst sei, um sie eines tollen Einfalles »egen wieder aufzulösen, ach, was hatte er nicht alles ge- lagt, um fie umzufttmmen! Alles vergeblich, und ihr letztes Bort war gewesen: „Ich werde Dir beweisen, daß ich nicht iai Geld auszugeben, sondern es auch zu verdienen verstehe - und wenn nicht, so werde ich Dich rechtzeitig von einem s«lch theuren Luxusartikel, wie ich es bin, befreien."
Acht Wochen waren feit dieser Aussprache vergangen, echt lange Wochen, in denen fie auch nicht für eine Secuude rtlvaS anders gedacht hätte, als „Geld, Geld." Lange schon bereute fie die in der Uebereilung gesprochenen Worte, aber Trotz und verletzte weibliche Eitelkeit hielten sie ab, um Ber- pihung zu bitten.
Was hatte fie nicht alles angefangen, um Geld zu verdienen, — auf welche Gedanken kommt nicht ein Weiber-
auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzu- wirken.
Gießen, den 7. April 1897.
Der Direktor deS landwirthschaftlichen BezirkSvereinS.
E. Jost, Regierungsrath i. P.
An die Bürgermeistereien des Rentamts- Bezirks Gießen.
Dir ersuchen Sie, in Ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lasten, daß die Handabgaben an Holz und Waldnebennutzungen vom 1. Quartal 1897 nur noch bis zu« 24. April 1897 ohne Kosten bezahlt werden können. Nach dieser Zeit wird daS BettretbungSverfahren eingeleitet.
Die Pachtbeträge für die Ende 1897 leihfällig werdenden Grundstücke (Gemarkung Schiffenberg) find am 1. Mai d. I. fällig, können aber noch 25 Tage später ohne Kosten entrichtet werden.
Gießen, den 6. April 1897.
Großherzogliches Rentamt Gießen.
Dexheimer.
Vammrschtes.
• Originelle Bittschrift. Einst überreichte dem König Friedrich Wilhelm!, ein Bauer eine Bittschrift in Gestalt eines leeren Bogens, auf dem im Viereck verschiedene Striche und Tintenklexe zu sehen waren. Auf die Frage des Königs nach der Bedeutung dieser eigenartigen Zeichnung erwiderte der Bauer, er könne nicht schreiben, habe deshalb seine Bitt- schrift gemalt. DaS Viereck sei ein Garten, die Striche bedeuteten sein Rübenland, die Tintenklexe aber des Amt« mannS Schweine, die ihm seine schönsten Rüben aufgefresten hätten, ohne daß ihm der Amtmann Vergütung gewähren wolle. Zugleich versprach der Bauer dem Könige, wenn er ihm helfe, einen Sack der schönsten Rüben. Lächelnd versprach der König Hilfe. Der Amtmann mußte Entschädigung zahlen- aufs Schloß aber wanderte bald ein großer Sack Rüben.
• „Die Suppe ist versalzen" — so lautet das Schreckens» wort, da» wohl so mancher Hausfrau schon unliebsame Momente verursacht hat. Das echte Liebigs Fleischextract, dieser Allerweltshelfer in der Küche, kann auch hier seinen
Segen spenden. Die versalzene Fleischsuptze wird durch Hinzufügen einer Mischung von kochendem Master und Fleischextract auf das Doppelte ober Dreifache ihre» Quantums vermehrt, je nachdem. Das zur Verwendung in Suppensorrn aufgelöste Fleischextract absorbtrt bekanntlich soviel Salz, daß es mit Leichtigkeit gelingen wird, die versalzene Brühe zu einem wohlschmeckenden Gericht umzugestalten, besten Heber» schuß für die nächste Mahlzeit aufzudewahren ist.
• Unheimlicher Knud in einer Cigarre Bor etwa vierzehn Tagen kaufte ein Herr au- Wiesbaden in eine» Frankfurter Etgarrengeschäft in der Katferstraße mehrere Cigarren. Als er eine dieser Cigarren anzündete, entstrsmte derselben ein eigeuthümlicher Geruch und au» der Asche schaute ein Metallftreifchen hervor. Der betreffende Herr faltete nun die Cigarre auseinander und fand darin ein mit Draht umwickeltes Papier, welches beim Auseinanderfalten einen Zwanzigmarkschein enthielt. Auf der Hülle stand geschrieben: „Der Cigarrendreher Eugen Mertens übergab kurz vor feinem Tode fein letzte- Vermögen dieser von ihm gewickelten Cigarre. Da es eine sehr «inderwerthige Sorte ist, so hoffe ich, daß der Schein in den Besitz eines armen Mannes geräth. Unglückliche Berhältuiffe zwingen mich, mein Dasein abzukürzen. Hamburg, 19. Mai 1895." Genaue Recherchen ergaben, daß am 21. Mai 1895 dex Arbeiter Eugen Merten- als Leiche aufgefunden wurde. Der Käufer der Cigarre, ein besserer Beamter, schenkte bett Schein einer mildthätigen Stiftung.
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~ ®on dem Prachlwerke „Die HattptpLdle der CMt* (Schlesische Buchdruckerei, Kunst- und BerlagSanstalt von S. Schott- laenber, Breslau), das ebenso durch seinen lirciarischen Werth wie die gediegene künstlerische Ausstattung sich zahlreiche Freunde erworben bet, liegt jetzt die 6. Lieferung vor. Dieselbe enthält de« Schluß der Schilderung Stockholms, die Beschreibung Kopenhagen« von A. Michel und den Beginn der Schilderung Brüssels von Camille Lemmonier. Die letztere besonders ist in ihrer Anschaulichkeit, ihrer Stimmung, ihrer stilistischen Vollendung ein Meisterwerk. DaS Heft enthält die Vollbilder: „ThiergartenbUder' (Stockholm); und „KungStradgarten" (Königsgarten); sowie zahlreiche Textillustrationen. — Der Preis des Heftes beträgt nur 50 Psg., das vollständige Werk wird 10 Ml. kosten.
THEE-MESSMER
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Herz, daS um den Geliebten kämpft. Und Ellen liebte ihren Verlobten mit der ganzen Gluth und Leidenschaft ihres Herzens, — wie sehr, da» merkte fie jetzt erst, da die Gefahr drohte, ihn für immer zu verlieren.
Noch vier Wochen, dann war die Frist, die sie sich selbst gesteckt, abgelaufen. Was sollte sie Anfängen und be- ginnen, waS sie nicht schon versucht hätte! An alle Frauen- zettungen hatte fie sich mit der Frage gewandt: „Wie kann ein hübsches, gesundes, kluges, musikalisches Mädchen, welches daS Elternhaus nicht verlaffen kann, um eine Stellung an- zunehwen, sich Geld verdieneu?" Au Antworten und guten Rathschlägen hatte es bet der Liebenswürdigkeit der Re- doctionen nicht gefehlt: „Sticken Sie," „fertigen Sie Prallinöe»", „geben Sie Clavierstundeu", „lesen Sie einer alten Dame vor", „geben Sie Sprachunterricht", „frifiren Sie in und außer dem Hause," „werden Sie Zahuärztin", „gründen Sie eine Kochschule, natürlich vorausgesetzt, daß Sie selbst kochen können", „fertigen Sie künstliche Blumen", „werden Sie Telephonistin, obgleich die Aussichten hierzu sehr gering find," — ach, waS war ihr nicht alles gerathen worden, aber nichts fand ihren Beifall, keinen der guten Rathschläge konnte fir befolgen, weil sie vergeffen hatte, bei der Anfrage an die Redaktionen den Zusatz zu machen: „wie kann ich mir Geld verdienen, ohne daß die Eltern oder sonst irgend Jemand ersährt, daß ich für Geld arbeite?"
Kein Mensch durfte etwas davon wissen, kein Mensch, daS ging nicht an, wenn fie nicht ihren Eltern und fich selbst die gesellschaftliche Stellung untergraben wollte. Für Geld arbeiten, — wenn da» Jemand erführe, man würde fie zuerst auslachen, dann aber allmählich den Verkehr mit ihr abbrechen, „denn mit Leuten, die für Geld arbeiten, kann man doch eigentlich nicht umgehen!" hörte fie im Geiste die Freundinnen sagen — und die Freundinnen, die mußten eS ja wissen, die verkehrten ja ebenso wie fie in der Gesellschaft.
Ellen war ein kluges Mädchen, — aber Klugheit allein reicht nicht immer aus, um fich über die Anschauungen und Sitten, in denen man erzogen ist, hinwegzusetzen. Ellen
wollte arbeiten, aber nicht für Geld, und fie wollte Geld verdienen, aber nicht dafür arbeiten — aus diesem Dilemma kam sie nicht heran».
Natürlich hatte fie sich sofort ein LotterielooS gekauft, aber die Waisenknaben erhörten ihr Flehen nicht, ihr Loo« wurde als Niete gezogen, ihr selbst zum Leide, anderen zur Freude.
Da, al» fie saft der Verzweiflung nahe war, schien sich ihr ein AuSweg, ein letztes Mittel zu bieten. An einem der Theeabende bei ihren Eltern war das Gespräch auf die neuesten Erscheinungen der Literatur gekommen, und da da« Gespräch von Damen geführt wurde, hatte man natürlich meistens über die Schriftstellerinnen gesprochen, über Marie Bernhard, Ossip Schubin, Ida Bohk-Ed und E. Eschricht und noch viele andere. Man sprach von den hohen Summen, die diese Damen verdienen müssen, und plötzlich war es Ellen, als fiele ihr eine Binde von den Augen. Daß fie daran aber auch noch nie gedacht hatte! Ruhelos wälzte fie fich in der Nacht auf ihrem Lager hin und her, und als der Morgen graute, stand der Entschluß bei ihr fest, eine Erzählung, eine Novelle zu schreiben. Gleich nach dem Frühstück machte fie fich an die Arbeit, hinter verschlossene« Thüren schrieb fie Bogen für Bogen und angstvoll fuhr fie bei jedem Geräusch, bei jedem sich nähernden Schritt zusammen, der Angstschweiß trat ihr dann auf die Stirn und die Hände bebten.
Nach acht Tagen rastlosen Fleißes war die Arbeit fertig, ein Pseudonym war schnell gefunden, und zitternd und zagend, das große Couvert unter dem Mantel verborgen, eilte Ellen eines Abend» zur Poft, um den Brief aufzugeben. Sie war sicher, daß die Redaclion die Arbeit annehmen würde, — nicht, al» ob fie so fest davon überzeugt gewesen wäre, daß ihre Arbeit gut fei — aber fie gestand fich offen, daß fie schon oft etwas gelesen hatte, was schlechter gewesen sei, und wenn man die Sachen angenommen hatte, so sah fie nicht ein, warum man die ihrige zurückweisen sollte.
(Fortsetzung folgt.)


