2805
Gefangnerem
h UH--
afinug
»Uhr,
Vorstand.
it
194»
6ü
ttnlt 108.8
chen von 1887 -
10P ib. Obl. M<
, t iq05 181 .Bk.u^'U 101-
LSt.^'9001^ dIk.v°r-b-^
Nr. 57
Zweites Blatt.
Dienstag de« 9. März
1S97
Amts- nnd Anzeigeblertt firv den TZreU Gieren
Gratisbeitage: Gießener Kamikienbtätter.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Alle Annonccn-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Die Gießener Ilamitiendtälter Verden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Der
Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Vierteljähriger Abonnementsprelsr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
----------------------- i
Redaction, Expedition und Druckerei:
-chutstraße Ar.7.
Fernsprecher 51.
Kichener Anzeig er
Keneral-Mnzeiger.
Verhältnisse, die ich in solcher Tragweite nicht ahnte. EineS aber thue ich noch heute: ich schreibe Großmama, daß das gestrige Glatteis mich vor dem Fallen auf dem trügerischen Glatteis des GrohstadtlebenS bewahrte. Und ich schreibe ihr auch, daß Erwine Sommer der Name des guten Geistes ist, der mir die gefährlichen Bahnen enthüllte."
Einen Augenblick huschte es wie Schreck über ihr Gesicht, daun sagte sie lächelnd:
„Thun Sie, was Sie nicht lasien können."
AlS die FrühliugSsouve das WintereiS aus Riffen und Gräben aufgesogen, stand Mamsell Sommers Stübchen leer. Zwischen der gelähmten Forstmeisterin und dem alten Fräulein hatte eS regen Briefwechsel gegeben. Endlich legte sich die hochfahrende Frau sogar aufs Bitten. Oft genug war wohl in den Jahren ihrer nie recht glücklichen Ehe das Bild der bescheidenen Erwine mahnend vor ihre Seele getreten. Und seit ihrer körperlichen Leideuszett ließen sich diese Reue- gedauken kaum bannen.
Da schrieb Paul, daß es der Papa eigentlich dieser einsamen, alten Erwine Sommer zu danken habe, daß sein Sohn sich jetzt ernstlich ans Arbeiten begebe. „Für Großmama wird eS von besonderem Interesse sein, daß dieses wackere, gutherzige Weiblein Großpapa« Bild jalS werthvolle ReminiScenz an die Jugendzeit bewahrt. Es hat den Ehren- platz unter ihren alten Bildwerken." — —
Trotz aller Bitteruiß, daran das Leben unbemittelttr, alternder Frauen so reich ist, war ErwinenS Herz der Brr- söhnuug mit der einstigen Rivalin zugänglich. Paul that redlich das Seine mit Zureden und sührte sie, endlich selbst als Stütze für Großmama in sein Vaterhaus. „Probeweise,- wie Erwine sich ausbedungen, „für Lebenszeit", wie Paul hoffte. Großmama ward entschieden zugänglicher, seit Erwine sie in verzeihender Milde pflegte.
Feuilleton.
Glatteis
Skizze von Frieda Storck.
(Schluß.)
Geliebt hatte er die Großmutter nie, jetzt schämte er sich in ihrem Rameu. Sie hatte es in ihrer unnachsichtigen Herrschsucht nie verstanden, sein kindliches Herz zu gewinnen. Seit sie durch eine Lähmung auf stete Hilfeleistungen angewiesen war, bemitleidete er sie wohl, doch lieben konnte er sie einmal nicht. Unbedenklich ergriff er die Partei der vom Glück Vernachlässigten.
»Erzählen Sie mir, bitte! Sie standen Großvater nahe?" drängte er.
Sie deutete auf die verblaßte Schrift unter dem Bilde.
„Lesen Sie!"
„Seiner geliebten Erwine zur Erinnerung an den Tav unserer Verlobung im Garten der Tante," entzifferte rr mühsam. „Sie waren seine Braut? Mein Gott, wußte Großmama darum?"
„Fragen Sie lieber nicht, junger Herr! Geschehenes ist nicht mehr zu ändern. Die schöne und reiche Erbin ditvkte ihm wohl begehrenSwerther als das schlichte Mädchen, dem er sich angelobt. Ich weiß auch, er kämpfte redlich gegen den Treubruch, denn er war nicht leichtsinnig. Er war ein armer Teufel- ich verlor mein kleines Vermögen, W ich in gutem Glauben einem Betrüger zu Lehn gegeben, da erschien sie im Hause unserer gemeinsamen Taute. Die Welt fand eS natürlich, daß er sich den Goldfisch sicherte und die unbedeutende Erwine aufgab. Die konnte Gott danken, daß sie eine paffende Stelle als Wirthschafterin fand."
Allgemach ward ihr Ton bitter. Sie wandte sich zum Feilster, als nähme sie lebhaften Antheil an der jubelnden AivLerschaar im Hofe.
„Llebes Fräulein, verzeihen Sie Großvater." Pauls Hand legte sich bittend auf ihren Arm. „Er hat eß vielleicht bitter bereut. Wer weiß, ob er Je recht glücklich war."
Sie blickte mit feuchtglänzendeu Augen auf.
„Wenn man einen Menschen so von ganzem Herzen liebt, dem verzeiht man alles. ES hat so sein sollen, sonst hätt'S unser Herrgott nicht zugelaffen. DaS Leben ist eine harte, aber lehrreiche Schule für die vom Familienglück AnS- geschloffenen. Aber ich murre nicht. Ich habe gesunde Gliedmaßen, wenn sich auch daS Alter aufdringlich meldet. Dann habe ich weine Erinnerungen, die Einsamkeit zu scheuchen. Und im großen Ganzen habe ich ein leidlich gutes Gewiffen, darauf schläft fich'S recht friedsam, wenn man täglich seine Pflicht gethan hat."
„Darum mahnten Sie mich so dringlich an meine Acten, und ich wäre doch lieber fröhlich im Stadtgarten gewesen," scherzte er.
„Ja so, mit der Lisa Bergner. Gut, daß Sie mich erinnern. Vorm Jahre wohnte sie noch hier im Vorderhause. Sehen Sie, da hat sie einen tüchtigen, rechtschaffenen Mann, der sich wie toll in sie verliebt hatte, auf Lebenszeit unglücklich gemacht. Er brachte auf ehrliche Art die Summen nicht auf, die das leichtfertige Ding für Tand und Leckereien von ihm begehrte. Bon ihr los konnte er nicht, so unterschlug er bedeutende Summen bei feinem Principal und fitzt nun im Zuchthause. Seine alte Mutter ist darüber in» Irrenhaus gekommen, daß ihr einziges Kind ihr solchen Schimpf anthun konnte. Die Lisa ist unterdeffen Solo-' tänzerin geworden und treibt die Verschwendung nun im Großen. Nehmen Sie meinen guten Rath an, bleiben Sie jenen Kreisen fern."
Sie hielt ihm die hagere, arbeitSrauhe Hand hin. Er schlug unbedenklich ein.
„DaS gelob ich Ihnen! Die Neugier trieb wich zu Ihnen, ich leugne eS nicht, und nun enthüllen Sie mir da
Bekanntmachung.
Zum Genoffenschaftsregister wurde eingetragen:
Laut Statut vom 15. Februar 1897 hat sich mit dem Sitze zu Lang-Göns unter der Firma „landwirthschaftlicher Consumverein, einge- tragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht, zu Lang-Göns" eine Genossenschaft gebildet. Gegenstand des Unternehmens ist: 1) gemein- stattlicher Einkauf von Verbrauchsstoffen und Gegenständen des landwirth- Mftlichen Betriebes, 2) gemeinschaftlicher Verkauf landwirthschaftlicher Erzeugnisse. Die von der Genossenschaft ausgehenden öffentlichen Bekanntmachungen erfolgen unter der Firma derselben, gezeichnet von zwei Vorstandsmitgliedern, im „Gießener Anzeiger". Die Willenserklärung und Zeichnung für die Genossenschaft muß durch zwei Vorstandsmitglieder statt- staden, wenn sie Dritten gegenüber Rechlsverbindlichkeit haben soll. Die Zeichnung geschieht in der Weise, daß die Zeichnenden der Firma der Ge- iloffrnschaft ihre Namensunterschrift beifügen.
Der Vorstand besieht aus:
1) Konrad Karl Brückel, Director.
2) Johannes Höhn, Controleur.
3) Johannes Wagner VIII, Stellvertreter des Directors.
4) Konrad Johannes Wentzel, Lagerhalter.
Die Einsicht der Liste der Genossen ist während der gewöhnlichen Äienststunden Jedermann gestattet.
Gießen, den 26. Februar 1897.
Großherzogliches Amtsgericht.
Neuenhagen. 2297
Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß der städtische Anedhof in der Zeit vom 16. März bis 15. Mai 1897 von Morgens 6 bis Abends 8 Uhr geöffnet bleibt, und daß die auf dem Friedhof Ver- vnleuden eine Viertelstunde vor Schluß desselben auf diesen durch ein Glockenzeichen aufmerksam gemacht werden.
Gießen, den 2. März 1897.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
_______________________Gnauth.____________________2227
Versteigerung.
Mittwoch den 10. März, Nachmittags 2 Uhr,
Herr Ferdinand Küster in Wetzlar in der hinter seinem Hause 4chgenen Scheune wegen Aufgabe der Oeconomie gegen baar versteigern:
1 Sämaschine (Saxonia), 1 Trieur, 1 Fegemühle, 1 Pferderechen (Tieger), Jauchewagen, 1 compl. Leiterwagen mit Kasten, 1 Ringelwalze mit einlegbarer Glattwalze, 1 Wiesenegge, 1 eis. Schuhegge, 2 Eggen, verschied. Pflüge, 1 Glaswagen (Victoria), div. Geschirr, Ketten und kl. Oeconomiegeräthe.
1*299 Ernst Boecker, Commissionär.
Bekanntmachung,
betreffend: das Betreten der Ufer und Böschungen der Wieseck.
Wir bringen hierdurch wiederholt in Erinnerung, daß die Ufer und Böschungen des Wiesecklaufes Eigenthum der Stadt sind und daß daher das Betreten dieser Ufer und Böschungen (namentlich auch im Stadtbereiche) Dritten und insbesondere den Eigenthümern der aufstoßenden Grundstücke nur insoweit zusteht, als dieselben dieses Gelände ein- für allemal von der Stadt gepachtet haben oder als zur Einbringung der je weils ersteigerten Heu- oder Grummetgrasernten innerhalb der dafür bestimmten Frist erfordert ist.
Das Aufsichtspersonal ist angewiesen, Zuwiderhandlungen unnach- sichtlich zur Anzeige zu bringen.
Gießen, den 5. März 1897.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
2294 ___________ Gnauth.
2168
Für die Verloosuugs-Commifsiou.
I. B.: Joutz, Bürgermeister
‘ Mel-MM;u Wich.
Das Großh. Kreisamt Friedberg hat die Abhaliung des dieSiührige« P, * c1, ,, am 1b. Mürz dahier wegen der Maul- und Klauenseuche ver- ooten, obgleich im ganzen Amte Butzbach die Seuche nicht herrsche, dadurch ver- °.nlaBIt' Vbcn °u8 circa 20 Gemeinden unserer Umgegend die Gemeindevorstande ein Gesuch an Großh. Ministerium gerichtet, die Abhaltung des Fasselmarktes zu gestatten, da keine Seuche in der Gegend herrsche und der ganze Viehstand stocke.
Es darf angenommen werden, daß die Genehmigung zur 'Abhaltung des yastelmarrtes noch erfolgen wird, jedoch findet die vorgefehene Verloosune unter allen Umständen in der seitherigen Weise am bestimmten Tage statt und kann der Loosoerkauf ruhig weiter betrieben werden.
Butzbach, den 1. März 1897.
^Kulmbacher
von Jos Sedlmayr
MÖNCHSHOF
FRANKENTHALER BRAUHAUS FRANKENTHAL i. Bayern.
Nürnberger „Siechenbier“ aus der 6. N. Kurz’schen Brauerei, J. 6 Reif.
1825
Bekanntmachung.
Die für den Bau eines Schulhauses für die Gemeinde StaufeubergerforderlichenArbeiten werden im Wege schriftlichen Angebots vergeben und sind Angebote bis Freitag, den 12. März l I, Vormittags 9‘/2 Uhr, bei Gr. Bürgermeisterei Staufenberg, bei welcher Pläne, Voranschläge und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, emzureichen.
Die Arbeiten sind wie folgt veranschlagt:
Steinhauer-Arbeiten 1012,80 Mk. Zimmer- „ 233,27 „
Schlosser- „ 1078,25 „
Glaser- „ 753,72 „
Schreiner. „ 2459,02 „
Weißbinder- „ 1251,14 „
Tapezier- „ 66,50 „
Pflaster- „ 385,— „
Kieslieferung „ 160,— „
Eisen- und Röhren
lieferung 47,80 „
Gießen, den 3. März 1897.
Der Kreisingenieur:
Stahl. 2154
Versteigerung.
Dirnstsg den 9. Msn l. I,
Nachmittags 3 Uhr,
versteigere ich gegen Baarzahlung:
1) in Ltebtgstratze 64 dahier r
1 eisernen Herd, 1 ovalen Tisch, einen Petroleumbehälter, 1 Regal, 1 Faß Heringe, 1 Faß Senf, 1 Wanduhr, Bier- und Weingläser u. a S.
2) in Marktplatz 20 dahier um 4 Uhr: 1 Pferd, 1 stlb. Taschenuhr, mehrere Oelgemälde und verschiedene Möbel.
Die Versteigerung ad. 1 findet bestimmt statt.
2289 Bor«, Gerichtsvollzieher.


