Ausgabe 
9.2.1897 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

hundert Mark quittircn und der Geldbrtef lautete über fünf­hundert. Er will morgen früh wiederkommen."

Das gibt mir den Rest! DaS Geld schon dagewesea und doch für un- verloren.

WaS fange ich an?" stöhnte meine Frau.Ich bin blamirt für immer! Ich mutz unter allen Umständen Kaffee und Kuchen holen laffen."

Die Verzweiflung erreicht den Gipfel. DaS Mädchen erscheint mit Korb und Teller, um Kaffee und Gebäck zu besorgen. Drinnen hörte man die Freundinnen ungeduldig auf ihren Stühlen hin« und herrücken. Meiner Frau stehen die Thronen in den Augen, mir der Angstschweiß auf der Stirne.

Da wird von Neuem ungestüm an der Klingel gertffen und herein tritt der ersehnte Stephan-bote, die rettende An­weisung in der Hand. Er hatte mich von weitem ins Haus gehen sehen und ist nochmals zurückgekommen, um mir das Erwartete einzuhändigen.

Wir waren gerettet!

Nur, wer jemals in unserer Lage war, vermag unseren Triumph zu ermessen! Nicht nur Kaffee und Kuchen gibt e- nun, sondern auch ein ausgezeichnete- Abevdbrod.

Trotzdem will ich an den Tag denken!

Hätte ich Geld gehabt, so wäre sicherlich die Kohlen« rechnung nicht präsenttrt worden, da- Petroleum nicht aus­gegangen, der Packetbote nicht gekommen, die Journale wären nicht einen Tag früher eingetroffen, mein Freund wäre nicht verreist und der andere nicht ohne Geld gewesen und unser Besuch wäre nicht erschienen.

Da ich aber auf den Geldbrtefträger wartete . . .

Ich kann versichern, am nächsten Tage regnete e- wie aus Gießkannen. Ade Parthie, Potsdam und Waldgenuß. Doch Geduld, mein Herz, es wird schon wieder schön werden wenn ich mich werde ausgegeben haben . . .

1335

N.

. * **!*»»

tcm

ttceO Rlottooat, T' Abends 8l/2 m nhorn, lubet frei.

O Pfg- an bet

nnnii^en Veiem 20

Der Vorstand

ille

liehe Beweisführung über d lamon'schen RÖstorodukij 1 Einsicht auf.'

572 10

170,1.80.2.00

fi

5 o »T

0

L C X 1 «s*ü

<D

® Z in

c

eit c u c

0 o

nh

sowie auf A. uni

Ä*.ft

li:

- F WMMit

la ge ^chutunarke ä 1 Pfand und bei: __

ach,'Giessen.

en

TlcbJ»

Nr. 33

Zweites Blatt.

Dienstag dm 9. Kebmar

1897

Gießener A nzeig er

Kenerat-Wnzeigcr.

ntti Anzeigeblatt für den "Kreis Gieszen

Redaction, Expedition und Druckerei:

-chutstratze Zlr.7.

Fernsprecher 51.

Vierteljähriger Nbonnemeutspreis r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringetlohn. Durch die Post bezognr 2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener

Aamikienvkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Der

Siebener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr.

Hratisbeikage: chießener Iamitienbtätter.

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Siehe«. den 8. Februar.

-u. Parlamentarisches au« Hessen. In Nr. 28 ds. Bl. studet fich bei der Besprechung des von oer Großh. Regie­rung wiederholt in Aussicht gestellten und hoffentlich in der kommenden Session des Landtages in Erscheinung tretenden Beamtengesetzes u. a. die Bemerkung, daßdaS Gros der Beamten vor allem eine Gehaltserhöhung fordere." Dies ist, insoweit wir die bis dahin bekannt gewordenen Be­strebungen, wenigstens der akademisch gebildeten Beamten, nach dieser Richtung zu übersehen vermögen, in der vor­getragenen Form nicht richtig. Die letztere wird dagegen leicht dazu beitragen können, weitere Kreise irre zu führen und denselben einen falschen Begriff von der angeblichen Be­gehrlichkeit der hessischen Beamten betzubringen. Das Be- dürfniß nach einem Beamtengesetz ist hervorgegangen aus den alljährlich fich wiederholenden und immer mehr häufenden Eingaben an die Regierung und die Kammern, in welchen einzelne Beamtencalegorien Beschwerde führen über, aller- dtngs auch theilweise unzureichende Gehalte, namentlich aber über die ungleiche finanzielle Bewerthung ihrer Leistungen gegenüber derjenigen Angestellter anderer BerwaltungSzweige, insbesondere der Juristen. Diesen thatsächltch bestehenden, unerquicklichen und die BerufSfreudtgkeit der betreffenden Beamten keineswegs sördernden Zuständen kann nur durch den Erlaß eines Gesetzes, bezw. durcheine nach allgemeinen und feststehenden Grundsätzen geregelte Normiruug der Ge­halte aller Beamtencalegorien" einmal für allemal der Boden entzogen werden. Daß hierbei dem System der DienftalterS- stufen vor dem des moralisch verwerflichen ZuwarteuS auf das früher oder später eintretende Niederbrechen der störenden Vordermänner der Vorzug eingeräumt werden wird, darf al- selbstverständlich gelten. Ebenso bestimmt erwartet man aber auch, daß bet dieser Gelegenheit die bis heute sorgfältig conservirte eximirte Stellung der Juristen endlich beseitigt wird/ denn, wennnach allgemein feststehenden Grundsätzen" verfahren werden soll und muß so darf dem Juristen neben dem mehr oder weniger berechtigten Vorzug, fich in fast allen Stellen deö Landes heimisch zu fühlen und der vielseitigen Avancement- Chancen desselben, nicht auch noch der weitere: einer finanziellen Ausnahmestellung reservirl bleiben. Es ist vielmehr hier der Anlaß geboten, die bestehenden Ungleich­heiten in der Bezahlung der nach ihrer Vorbildung und ihren sonstigen Gesammtverhältniffen gleichstehenden Beamten ge­rechterweise ouSzugleichen und die ohne Frage und mit Recht weitverbreitete Verstimmung und Unzufriedenheit der zurück gesetzten Beamten auS der Welt zu schaffen. Wenn daher ein großer Thetl der letzteren, wie geschehen, um Gleich­

stellung der Gehalte mit denjenigen der Großh. Wmiönaiur petttionirt, so wird hierin gewiß keine unbillige Forderung zu finden sein, und wenn ferner sich hierbei eine Erhöhung der ersteren ergibt, so beweist die- eben nur die seitherige, durch keine rechtlichen Gründe zu mottvirende Zurücksetzung in der Bezahlung aller übrigen Beamten den Juristen gegen- über. Also nicht grundsätzlicheGehaltserhöhung", sondern gleiches Maß ist die Parole, und nur unter diesem Zeichen wird daS zu erwartende Beamtengesetz unserm theuren Hessen- lande und dem Allgemeinwohl den Segen bringen, welchen die Thätigkeit zufriedener und dtenstfreudiger Staatsdiener in fich schließe. In dieser Beziehung hegen wir zu der Weisheit der Großh. Regierung und der beiden Ständekammern da- feste Vertrauen, daß sie das Richtige zu treffen wissen.

** Schuldienst Nachrichten. Am 13. Januar wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau auf dir Lehrer­ftelle an der Gemeindeschule zu Ober-Hainbruun präsentirte Schulverwalter Eugen Reinhardt daselbst für diese Stelle bestätigt/ an demselben Tage wurde dem Schullehrer Joseph Moser zu Jügesheim eine Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu HechtSheim, Kreis Mainz, an demselben wurde der Schulverwalterin Katharina Blaise zu Arheilgen eine Lehrerinneustelle an der Gemetudeschule daselbst, am 25. Januar wurde dem Schullehrer Wilhelm Schnell zu Mettenheim die Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Rodau, Kreis Dieburg, an demselben Tage wurde dem Schul­lehrer Johann Paul Schnellbacher zu Rodau die Lehrer­stelle an der Gemetndeschule zu Nieder-Ofleiden, Kreis Als­feld, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Friedrich Kraußmüller zu Vöckelsbach die Lehrerstelle au der Ge­metndeschule zu Iversheim, Kreis Worms, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Wilhelm Rai|ß zu Iber-Heim eine Lehrerstelle au der evaugel. Schule zu Ober-FlörShetm, Kreis WormS, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Joseph Nicolai zuOhmeS eine Lehrerstelle an der Gemetnde­schule zu Ruhlkirchen, Kreis Alsfeld, an demselben Tage wurde dem Schulleher Balthasar Porth zu Nieder-Ofletden eine Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Lauterbach, an demselben Tage wurde de« Schullehrer Joh. Schu­macher zu Gensingen eine Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Mettenheim, Kreis Worms, an demselben Tage wurde dem Schullebrer Conrad Dietz zu Lauterbach eine Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Osthofen, KretS WormS, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Georg Sch mahl zu Osthofen eine Lehrerstelltz an der Gemeinde­schule zu Genfivgen, Kreis Bingen, an demselben Tage wurde dem SchulamtSaSpiranten Heinrich Maus zu Uffhofen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bechenheim, KretS Alzey, übertragen.

** Vraurrel vtattftil. Im Großherzogthum Hessen waren im abgelauseuen Jahre von 209 Brauereien 173 im Betrieb; davon haben 167 uutergährigrS und 6 obergähriges Bier gebraut/ im Ganzen wurden in sämmtlichen Brauereien 1,166,273 Hectoliter Bier gegen 1,045,155 Hectoliter im Vorjahre gebraut. Die Brausteuer belief sich auf 1,142,014 Mk. gegen 1,057,884 Mk. im Vorjahre. Unter den Brauereien find 19, welche unter 60 Mk. Brausteuer bezahlen, 100 zahlen zwischen 60 und 3000 Mk., 28 zwischen 8000 uno 9000 Mk., 22 zwischen 9000 und 60,000 Mk., 4 über 60,000 Mk., darunter die höchstbesteuerte mit 102,500 Mk., welche fich in Mainz befindet.

** Vermächtnisse. Im Laufe der Monate October, November und December v. I. wurden von Sr. Köntgl. Hoheit dem Großherzog Schenkungen und Vermächtniffe be­stätigt, die zusammen die Höhe von 233,254 Mk. erreichen. Hiervon entfällt der größere Theil mit 111,200 Mk. auf wohlthättge Anstalten unseres GroßherzogthumS; dann folpt die katholische Kirche mit 100,704 Mk. Die evangelische Kirche erhält 12,360 Mk. und die isrealitischen ReligtonS- gemeinden erhalten 1090 Mk. An die Gemeinden entfallen 7900 Mk.

* Die Sterbekasse de» Verbandes deutscher Gastwirthe hat bisher überall die größte Anerkennung gefunden; ihr segensreiches Wirken (fie hat über V2 Million Mk. in vier Jahren für Sterbegelder ausbezahlt) sichert ihr die Herzen der Frauen und Angehörigen des GastwirthestandeS, für deren Schutz sie errichtet wurde. Die Beiträge sind so niedrig und die Zahluugsweise so erleichtert, daß Jeder bet- treten kann, während das 500 Mk. und 1000 Mk. betragende Sterbegeld innerhalb ein paar Stunden zur Auszahlung kommt. Der Reservefond der Sterbekaffe beträgt mehr als V< Million Ak./ auch sind der Kasse die Rechte der jurtsti- swen Person durch Se. König!. Hoheit Großherzog Ernst Ludwig von Heffen verliehen worden. So bringt die Zu­gehörigkeit zu diesem schönen Institute den Angehörigen drS GastwirthestandeS Schutz und Beruhigung, weshalb eS im eigenen Interesse aller Gastwirthe von Stadt und Land liegen dürfte, der Kaffe beizutreten.

0. Ortenberg, 5. Februar. Die Holzversteige- *rungen in unserer Gegend ergaben ungefähr folgende Preise: Buchenscheitholz 1. Klasse Mk. 6.80/ 2. Klaffe Mk. 5.50, Knüppel Mk. 5.25, Stöcke Mk. 3.65. Die Preise gehen etwa 20 pCt. höher, als der Tarifpreis. Die Holzfällungsarbeiten find schon gut vorgeschritten. Der schnelle Schneeabgang hat nachgelassen, der Winter behält seinen milden Character bei.

Wenn man auf den Gel-briesträger wartet.

Humoristische Skizze von Friedrich Thieme.

(Schluß.)

O weh unsere grausame, boshafte, niederträchtige Stütze muß mich falsch verstanden haben. Sie klopst, fie ruft. Wohl oder übel müssen wir un- zu erkennen geben.

Was gibt es?"

Die - Post

Die Post!" stöhne ich und eile hinaus. Warum habe ich mich auch nicht genau auSgedrückt. Die Packetpost ist da und ich soll fünfzehn Pfennige Bestellgeld zahlen!

Heute sind wahrlich alle Mächte der Hölle loS!" Bedauere, habe nichts Einzelnes."

Bitte, ich kann herausgeben."

Molitiöser Geselle! Als Postbote muß er doch wissen, daß man in der Regel auch nichts Ganzes hat, wenn mau kein Einzelnes zu befitzen bedauert!

Meine Frau, daS Mädchen und ich, wir suchen nach Einzelnem. Wir legen zusammen. Ich wühle in den schau­rigsten Einöden meine- Portemonnaies. Endlich kommt der Betrag zusammen. Ich gebe sieben, meine Frau fünf, da- Mädchen drei Pfennige. Die Gefahr ist glücklich abgewendet, der Angriff abgeschlagen.

Immerhin, ich halte eS nicht mehr auS! Die Qual ist zu fürchterlich! Fort will ich, sehen, ob ich nicht bei ein paar Freunden etwa- auftreibe.

Bärmann und Wolff werden mich ficher nicht im Stiche lassen!"

Ncin, Fortuna lebt noch! Ist nicht Bärmann, der «ben unserem Hause zuschreitet? Er will un-besuchen! Da­war Hilfe in der Noth.

Lieber Freund, waS führt Dich zur guten Stunde her?" begrüßte ich ihn enthufiastisch.

Ach, lieber Otto, entschuldige, ich bin in peinlicher Verlegenheit, kannst Dir mir nicht bis morgen früh fünfzig Mark leihen?"

Er hält inne. An meinem verstörten Gesicht nimmt er wahr, daß mir kein Kornfeld in der flachen Hand wächst. Ich brauche ihm kaum zu versichern, daß ich eben die gleiche Bitte au ihn zu richten beabsichtigte. Es versteht fich, daß ich nunmehr Wolf aussuche. Nicht sehr fiegeSgewiß, ich muß es gestehen. Vielmehr wette ich bei mir selbst meine ge- sammte Einrichtung gegen eine Flasche Pumpenheimer, daß ich ihn nicht antreffen werde, und ich gewinne die Wette.

Als ich wieder zu Hause anlauge, finde ich Besuch vor. Man denke! Im Salon fitzen drei Freundinnen meiner Frau, diese selbst blaß wie eine Leiche in der Mitte, tief gebeugt in dem Bewußtsein, nicht einmal Kaffee im Hause zu haben. Sie wirft einen angstvollen, flehenden Blick auf mich, als ich eintrete. Rasch entschlossen entschuldige ich mich mit einem wichtigen Gange und stürzte verzweifelt nochmals fort, um Geld aufzutreiben, Geld unter allen Umständen.

Zuerst auf die Post, um zu fragen, ob die erwartete Summe eingetroffen sei.

Gewiß, der Briefträger ist schon unterwegs damit und muß zur gehörigen Zeit bei mir anlangen.

Ich sehe nach der Uhr.»

Ein Viertel auf Fünf! Rasch nach Hause.

Meine Frau kommt mir auf dem Gange entgegen.

Tröste Dich," rufe ich ihr zu,in einer Viertelstunde find wir gerettet. Der Geldbrieflrägrr ist schon unterwegs." Mit Nichten," versetzte sie im äußersten Kleinmuth.Er war schon da."

Gesegnet sei"

Aber er hat daS Geld nicht dagelassen, weil Du nicht anwesend warst. Ich darf als Ehefrau ja nur bis drei-