Ausgabe 
8.12.1897 Zweites Blatt
 
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1807

Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Gieren

Hratisöeitage: chießener Jamilienblätter

Feuilleton.

ft

vor

Sie reißt

Alle Annoacen-Burraux deS Irr- und Ausländer nehm« An,eigen für denGießener Anzeiger" «nyt,«.

sie dieser Manul _

Wie gejagt, ohne ihn anzuseheu, fliegt sie zum Au»- gauge und steht auf der Schwelle vor der alten Laute, die eben hetmkehrt.

Sie fängt die Hrran-stürmende mit offenen Armen auf.

-Aber so was, Kindchen! Wo, in aller Welt, bist Du hergekommea? Um bte Zett »«bis ja »ar feinen Zu, w« Heidelb-r». R», ein Satte« Glück, lieber Ludwig, bah Sie

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ihr. *

Reisen Sie wirklich, Fräulein Theo?

Sicher! Mein Koffer ist schon fort."

Schwüle Pause. Sie schaut angelegentlich in die

heraus.

Sie ist in jähem Wechsel bleich uud roth geworden. Ist es ein Irrsinniger, der fie hier überfällt? Sie reißt fich lo» und flüchtet hturer den festen Lehnstuhl. Aus dieser Berschaozung wagt fie einen laogforscheoden Blick auf ihn. Sein Auge blickt ruhig, mit leuchtender Wärme, in ihre erregten Züge. Mit leichter Ironie sagt er:

Fürchten Sie uichtS, schöue Rumänin! DaS an« erwartete Glück, Sie hier wtederzuseheu, ließ mich für Minuten vergessen, daß wir in civtlifirtem Staate leben uud den gesellschaftlichen Formen unterworfen find. Sie werden zugebev, daß die Situation eine ungewöhultche ist, die mich iu etwa» entschuldigt."

Er hatte Recht. Sie, eine fremde, junge Dame, drang in sein Zimmer I Entsetzlich l Fort, hinaus! Für was hielt

Mr, 288 Zweites Blati.! Mittwoch den 8. Dccemdei

Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Ilnmirienvrälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Die Maasefaiie.

Novelle von Frida Storck.

(2. Fortsetzung.)

Wortlos starren fie fich iu die Aageu. Daun, mit zwei Riesenschritten, steht er neben ihr uud küßt, aller Etikette Hoho sprechend, ihre Hände. Dabei zwingt er fie zurück, vor den Schreibtisch. , .

Hier, haben Sie'S gesehen? Ihre Mausefalle! Und nun habe ich Sie selbst hier gefangen! Eine köstliche Thai- fache, die ich hinnehme, ohne nach dem Wie und Woher zu fragen." , _

Unaufhaltsam, in Hellem Jubel, sprudelt er die Worte

Baler sagen. Tante Rath haattrt in der Küche. Sie kauu fich nicht abgewöhneu, selbst zu kochen. Onkel Rath war em Feinschmecker und bezeichnet die Leistungen der Mädchen stet» mit mangelhaft.

Theo fitzt am Feuster vor dem Tischchen, an dem bte Halmapartteu »zu Drill" gespielt wurden. Sie hatte llgeut- lich für derartige Spiele nichts übrig, uud doch beschleicht fie der wrhmüthige Gedanke: Heute Abend ist» die letzte Partie! ES war doch immer sehr nett! Der ^/be Ludwig saß ihr stets gegenüber. Schaute fie auf, so traf eS fich, oatz er das Gleiche that. Oft einmal fragte Taute ungeduldig:

Wer ist denn am Ziehen?"

Jetzt uaht fein Schritt, die Thür geht, nun steht er

Gießener Anzeiger

Keneral-Wnzeiger.

Annahme »on Anze,gen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

chon von Schwetzingen zurück find. Daß Kind hätt sonst nicht ein und aus gewußt."

Vergebens setzte Theo zu einer Klarlegung der Verhält, niffe an. Der »liebe Ludwig" erklärte mit behaglichem Lächeln:

Allerdings, verehrte Frau Rath, ein immense- Glück, daß ich daheim war und bat gnädige Fräulein tu meinem Tusculum aufoehmen konnte."

Die Tante merkt in ihrer Freude Theo» Bestürzung nicht. Sie zieht fie liebevoll au fich.

Natürlich bist Du furchtbar ausgehungert? Willst Dich auch gleich äußerlich ein blichen erfrischen, arme» Ding? Dein Koffer kam schon an, kannst es Dir bequem machen. Besten Dank auch, lieber Ludwig! Wollen Sie Thee mit uoS triukeu? Können dann, zu Drirt, eine Partie Halma spielen." .

Sie find zu gütig! Ich komme sehr gern, Sie wiffea e» ja, da» heißt, wenn Fräulein" ein fragender Blick, er kennt ja ihren Namen nicht.

Du meine Güte! Habt Ihr Such denn nicht vor- gestellt?"

Nein, liebe Taute 1*

Endlich ein Wort vou ihr! Er fürchtete fast, fie sei auf immer verstummt.

Nun, die» der Sohu meiner Jugeodfreuudtn, Doctor Ludwig Bauer, Lehrer am Gymnafium. Er hilft mir über manche einsame Abendstunde weg. Und die» ist «ein Groß« nichtcheu Theo

Da» ist Ihr Theo?" lachte der Doctor auf. »Seit Tagen sprachen Sie wohl davon, weun Theo kommt, aber ich habe stet» gan einen Secuudauer gedacht, au dem ich noch mein Srziehertaleut für die reifere Jugend auSprobe« könnte." ä .

Nun lacht auch Theo belustigt auf. Der lähmende Bauu ist gebrochen. * ,

So! Der nette Retsekoffer ist gepackt und geht zur Bahn. Morgen wird Theo dem freundlichen Schwabenland

Kastavieubäume vor den Fenstern.

ES wird recht einförmig werden, wenn Sie gehen."

v, nicht ander», al» e» vor meiner Herkunft auch war. Sie spielen wiederzu Zweit.""

Damals kannten wir nichts Beffere». Damals hing ich auch meinen Gedanken nach. Ich wartete auf den Glücks- zufall, der mir eine gewiffe schöne Rumänin in den Weg führen sollte." ü

Bitte, lassen Sie die thörichte Geschichte ruhen."

Nicht doch Wer seine Schulden bezahlt, verbeffert seine Güter, ein löblich Sprüchlein, und doch möchte ich zeit­lebens Ihr Schuldner bletben. Diese-, Ihr Goldstück, trage ich seit Monden an der Uhr eigentlich ein unerhörter Luxus, denn dazumal brauchte ich da» Gelb sehr uothweudig darf ich'» auch ferner tragen?"

Es ist ja Ihr Etgeuthum. Sie kvuuen damit thuu, waS Sie wollen." ,. , ,,, ..

Da» heißt, e» ist Ihnen gletchgtlttg, ich selbst bin Ihnen gleichgtlllg."

(Schluß folgt.)

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Eeutuer ^ber^ne^ Verbringen der CokeS auf die betr- Lagerplwe (Keller. Stall ic.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, aeschiebt die» ohne besondere Vergütung.

Eine Preisermäßigung bei Entnahme von Wagenladungen erfolgt

Durch Stadtverordneten-Beschluß vom 30. September bejro. 28. Do tobet d I. wurden die Preise unserer Gaseokes bis auf Wettere- festgesetzt, sowie die V.rkaufsweis- ^^tiV^SeriaafWe:

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eingerichtet worden, nämlich bei den Herren:

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Jakob Kahl, Frankfurterstraße 151. Ed. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Pistor Nachfolger, Marktstraße Gustav Nuppel, Schillerstraße 5, Georg Schäfer, Licherstraße 2,

sammt^nfuhr wie das Gaswerk und schicken dreselben auch in Mengen «nter 5 Centner -u.

ffliefeen, am 29. October 1897.

Städtisches Gas- und Wafferwerk Gieß«.

Otto Bergen.___IUUUY

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