Nr. 2»0
Der
-iehener jtnjdyt »scheint täglich, mit Ausnahme des
Montags.
Die Gießener JamitleuVtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Zweites Blatt. Mittwoch den 8. September__________________
Gießener Anzeig e r
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Anrtliehrv Theil.
Bekanntmachung.
Nach Beschluß des Ausschusses deS landwirthschastlicheu Bezirksvereins des Kreises Gießen soll gelegentlich der Abhaltung deS BiehmarkteS zu Hungen, Montag den 20. September 1897 auf dem BiehmarktSplatze daselbst, eine Bteh- preiSvertheilung veranstaltet werden.
Zur Ausführung der VtehpreiSvertheilung werden wohl zur Verfügung gestellt werden:
a) von dem landw. BeztrkSverein Gießen 500 Mk.
b) von der Stadt Hungen 200 Mk.
Zusammen 700 Mk.
I. Ueber die Verwendung der von dem landwirthschaft-
lichen Bezirksverein zur Verfügung gestellt werdenden Mittel zu Preisen sind nachstehende Bestimmungen getroffen worden.
1) An der Ausstellung von Rindvieh können fich alle im Kreise Gießen wohnenden Viehzüchter, Viehhändler ausgenommen, betheiligen.
2) Sämmtliche aufzustellende Thiere sind bis Morgens 9 Uhr auf dem BiehmarktSplatze (GraSsee) zu Hungen aufzutreiben und von den Besitzern auf den ihnen von der Commission angewiesenen Stunden aufzustellen.
Nur pretswürdtge Thiere werden pramiirt, und zwar:
a) Bullen im Alter von 1 bis 2% Jahren,
b) Rinder, welche sichtbar trächtig find und
c) Kühe, die sichtbar trächtig find oder frisch gekalbt haben.
3. Die Thiere müssen von den Besitzern selbst gezüchtet oder zum Zweck der Zucht mindestens 2 Monate vor der PreiSvertheilung erworben sein und
4. folgenden Raffen angehöreu:
a) Bullen dürfen nur der reinen Vogelsberger oder der reinen Simmenthaler Rasse angehören.
b) Mutterthiere dürfen ebenfalls nur der reinen Vogelsberger oder der reinen Simmenthaler Raffe an- gehöreo, Mutterthiere der Simmenthaler Rasse werden aber auch dann prämtirt, wenn solche wenigsten- ausgesprochen des Simmenthaler Typus find.
5. Unter sonst gleichen Verhältnissen erhalten selbst- gezüchtete Thiere bei der Prämiirung den Vorzug.
6. Hinsichtlich der Bullen Simmenthaler Rasse ist urkundlich nachzuweisen, daß solche entweder dtrect aus dem Simmenthal eingesührt worden find, oder daß dieselben au- einer Reinzucht stammen.
7. An Preisen werden au- Vereinsmitteln gewährt:
A. Für Bullen.
a) für den schönsten Bullen Simmenthaler Raffe 45 Mk.
b) „ „ „ „ Vogelsberger Rasse 45 „
c) ein Preis von.........40 „
d) ,/ ff ff.........b0 ,,
e) zwei Preise L 20 Mk...... 40 „
zusammen 200 Mk. B. Für Kühe und Rinder.
a) zwei Preise L 35 Mk.......70 Mk.
b) n h i 30 ......60 „
c) // ,, 25 ......50 ,,
d) zwei Preise L 20 Mk.......40 Mk.
e) // // 15 „......30 ,,
0 // n 10 „...... 50 „
zusammen 300 Mk.
II. Bezüglich der von der Stadt Hungen zur Ausführung der VtehpreiSvertheilung zur Verfügung gestellten Mittel io dem Betrage von 200 Mk. gelten ebenfalls vorstehende Bedingungen, jedoch sollen auS diesen Mitteln auch nicht im Kreise Gießen wohnende Züchter bei Vorführung von preis- würdigem Vieh mit Prämien bedacht werden.
in. Es bleibt dem Ermessen der PrüfuogS-Commtsfionen überlaffeu, die bestimmten Preise innerhalb deS Gesammt- betrageS je nach der Güte der ausgestellten Thiere jeder Gattung auch zu übertragen.
Gießen, den 13. August 1897.
Der Director des laudwirthschaftl. BeztrkSverein- Gießen. Carl Jost, Regterungsraih t. P.
Bekanntmachung.
Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Staufenberg:
Am Samstag bett 11. September 1897 findet bie Ueberwetsung der neuen Grundstücke und die Versteigerung btt Maffegrundstücke im 3. Bereinigungsfeld statt. Zusammen
kunft Vormittags 9 Uhr am Gemeindehaus, wo auch die BerstetgerungSbedingungen bekannt qegeben werden.
Die Ueberwetsung der neuen Grundstücke erfolgt unter dem Vorbehalt, daß
1. Meliorationsarbeiten auf den überwiesenen Grundstücken auch fernerhin vorgenommen werden können.
2. da, wo fich die Nothwendigkeit kleinerer EtgenthumS- Veränderuugen infolge von Wege- und Grabenanlagen und dergl. ergibt, die neuen Eigenthümer solche zu dulden haben.
Friedberg, den 3. September 1897.
Der Bereinigung--Commiffär:
Dr. Göttelmann, Großh. Krei-amtmann.
• Frankfurt a. M., 4. September. Kalmückea- Karawaue. Die Besucher unsere- Zoologischen Garten- mögen fich wohl in den letzten 14 Tagen gewundert haben, daß nach dem Weggang der Samoaner die verkehr-störende Einfriedigung des SchaustellungSraume- nicht verschwand. Eingeweihte aber wußten, und wer darum fragte, dem wurde eS gesagt, daß dort bald eine zweite Völkertruppe ihren Einzug halten soll. Führte unS die Direetton des Gartens tn den Samoanern etn Jnselvolk vor, das tn Ruder- und Schwtmmkunst excellirt und dessen ganzes Wesen die dem Leben im üppigen Süden entsprechende Leichtigkeit zeigt, so bringt fie uns nun in den Kalmücken eine Horde von Menschen, die in den weiten Steppen Südrußlands zu Hause find, insofern bet ihnen, die ohne bestimmten Wohnfitz mit Sack und Pack, Kind und Kegel im Land herumziehen, von einem „zu Hause" überhaupt die Rede sein kann. Mit den Samoanern haben diese neuen Gäste für uns das gemein, daß wir fie oder ihresgleichen sobald nicht wieder hier zu sehen bekommen werden, da bet der bevorstehenden Heranziehung auch diese- VolkeS zum Armeedteust die Erlaubuiß zur Ueberführung derartiger Truppen in- Ausland schon diesmal von der russischen Regierung kaum noch zu erlangen war und künftig sicher nicht mehr gegeben wird. AuS dem Südosteo der europäischen Rußland, wo zwischen der Wolga und dem Don unendliche Steppen fich ausbreiten, hat Herr E. Gehring (den wir schon mit anderen Truppen hier sahen) seine Karawane hergeholt, von einer der wissenschaftlich merkwürdigsten und interessantesten Bölkergruppen, welche je den westeuropäischen Boden betraten. Der mongolischen Raffe angehöreod und einem buddhistischen Nomadenvolk entstammend, find die Kalmücken im 17. Jahrhundert auS Afieu etugewandert, haben aber der mehr astatischen als europäischen Natur deS Landes, in dem sie jetzt leben, entsprechend die Religion, Sitten und Lebensweise der Völker CeutralastenS ziemlich unverändert beibehalten und veranschaulichen dies Alles nun tn den Vorführungen bet ihrem Zug durch die Zoologischen Gärten Deutschlands. Im denkbar größten Gegensatz zu der unverwüstlichen Heiterkeit der Samoaner steht die melancholisch ernste Art dieser Steppenbewohner, aber vielleicht ist gerade dieser Unterschied von besonderem Retz. Wir behalten uns vor, über die Geschichte dieses Volke- und über seine engere und wettere Heimath später noch Nähere- zu berichten; die Ankunft der Truppe und die Eröffnung der Schaustellung am kommenden Mittwoch wird Gelegenheit und Veranlassung dazu bieten.
• Bet der diesjährigen Kaiferparade wurde zum ersten Male eine Neuerung beim Parademarsch eingesührt. Bon jetzt ab beträgt nämlich auf kaiserlichen Befehl der Abstand zwischen den einzelnen Compagnien beim Borbetmarsch tn der Parade statt 22 nur 11 Schritt. Hierdurch will der Kaiser die Zeitdauer merklich abgekürzt wiffen.
• Ein theurer Passagier. Auf dem Bahnhof Potsdam spielte sich am Samstag eine nach mancher Richtung be- merkenSwerthe kleine Scene ab. Als der Zug, der, von Magdeburg über die Station Wildpark kommend, tn Potsdam hielt, wollten mehrere Herren ein Coups dritter Klasse besteigen, wurden aber daran von einem Herrn gehindert, der mit einem prachtvollen russischen Windhunde, einem sog. Barsoi, die Abtheilung des Wagen- besetzt hatte. Der Schaffner wurde herangerufen, er stellte fest, daß der Herr für sich und den Hund zehn BilletS von Wildpark bis Berlin gelöst hatte und somit im Rechte war, das ganze Coups zu occoupiren. Die anderen Herren wurden daher veranlaßt, ein anderes Coups aufzusuchen und bald erzählte ihnen ein Eingeweihter, daß jener theure Paffagier, der für seine Reise von Wildpark nach Berlin neun BilletS beuöthigt, der Lteblingshund deS Kaiser- sei, den der Kaiser beständig
tn seiner Nähe habe, und den er nach der Rückkehr von der Parade am Samstag im Schloß vorfinden wollte. — Der Hund, ein Prachtexemplar, welchen der rusfische Zar dem Kaiser vor «twa Jahresfrist zum Geschenk gemacht hat, verbleibt auch stets des Nacht- tm Schlafzimmer des Kaiser- und «acht alle Reisen seine-Herrn zu Wasser und zu Laude mit. Vor einigen Monaten war der Barsoy der Held einer anderen Geschichte, von welcher damals einiges, aber nicht der amüsante Schluß mitgetheilt wurde. Der rusfische Windhund entsprang nämlich bet Gelegenheit einer Reise de- KatserS aus dem Packwagen, tn welchem er fich aufhielt. Der Sprung aus dem eilig dahiurollenden Zug that dem gelenkigen Thier nichts, eS lief vielmehr sofort querfeldein und war bald den Blicken entschwunden. Ein Bauer, bet welchem sich der Hund, als ihn der Hunger zu quälen begann, einfand, erfuhr in Folge der in großem Umfange angestelltrn Nachforschungen über den Verbleib deS Flüchtlings, daß es der Lteblingshund des Kaiser- sei, der ihm zugelaufen war. In seiner vermeintlichen Schlauheit ließ der Bauer seinen Gast „taxtren", und etn gefälliger Taxator bezifferte den Werth auf 18,000 Mark. Der Bauer begab fich nun mit dem Barsoi nach Berlin; er hatte einmal gehört, daß der „Finder" zehn Procent deS Werthes der gefundenen Sache zu beanspruchen habe, und er verlangte nun tm Schloß für dte Rückgabe seines „Fundes" das nette Sümmchen von — 1800 Mark. Als der Kaiser dies erfuhr, amüsirte er fich herrlich über die Werthschätzung, die sein Barsoi bei dem „Taxator" gefunden hatte, und erklärte scherzend, für 1800 Mark sei ihm der Hund selbst feil. Aber der Bauer kam doch nicht zu kurz, er erhielt nämlich dafür, daß er den Hund ausgenommen und gut verpflegt hatte, eine Belohnung von 300 Mark.
* Eine feine Sorte. Nach einer in den preußischen Amtsblättern veröffentlichten Bekanntmachung des Finanz» Ministers ist infolge eines Beschlusses des Bundesraths vom 2. Juli d. I. „die Verwendung von Huflattichblättern bei der Herstellung von Tabakfabrikaten von den Zolldirectiv- behörden widerruflich gestattet worden." Der BundeSrath scheint wegen der infolge der Aufstände auf Cuba und Manila eingetretenen Knappheit tn „Havannas" und „Manila-" so nachsichtig und weitherzig geworden zu sein. Hoffentlich beweisen fich dte Herren „Huflattichcigarren-Fabrtkanten" auch dankbar und dedtziren den Herren BundeSrathsmitgltedern je etn Kistchen von dieser edlen Sorte- wir find überzeugt, schon nach den ersten Zügen würde sicher der vorbehaltene Widerruf erfolgen.
• 1640 KUometer in 24 Stunden steht der Record der Locomottve. Natürlich konnte etne solche „Heldenthat" nur in Amerika vollbracht werden, dem Lande, wo daS Schnellfahren der Eisenbahnen zu einer Art Sport auSgenützt wird, wo man kürzlich einen Match zweier Locomotiven und dann wieder eine regelrechte Entgleisung zweier — natürlich leeren — Eisenbahnzüge veranstaltete. Die Gesellschaft der Union- Pactfic-Eisenbahnen hat die Locomottve gestellt, welche jene vieruvdzwanzigstündige Recordleistung vollbrachte. DaS Maschinenungethüm führt den Namen Nr. 39, und sein Führer uennr fich Thoma» Grogan, etn echter Aankee. Als Sonderzug hat Nr. 39 mit etnigen Wagen und zahlreichen Insassen die Strecke von Evanton (Wyoming) nach Omaha (Nebraska), welche 955 Meilen (eugl.) gleich 1540 Kilometer lang ist, tn genau 24 Stunden zurückgelegt. Der letzte Thetl de» Weges, von North Platty nach Omaha, 291 Meilen, wurde besonders schnell gefahren, nämlich in 4 Stunden 39 Minuten, was eine DurchschntttSgeschwindigkeit von 63* */a Meilen gleich 100 Kilometer in der Stunde ergiebt.
Wo soll Doering- Seife mit dee Eule zu finden und im Gebrauch sein?
In jeder Stadt.
'Jtpln jedem Dorfe.
In jedem Herrenhause. 2094
jyy Auf jedem Gute.
1MT* In jedem Haushalte.
PET In jedem Damen-Toilettezimmer.
In jeder Kinderstube, überhaupt
Ueberall da, wo man die Pflege der Haut zweckmäßig, erfolgreich und haushälterisch sparsam betreiben will. Doering- Seife mit der Sule kostet nur 40 Pfg.
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