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Lietzener Anzeiger erscheint täglich, ■tit Ausnahme de« Montags.
Die Gießener A>Rmtrten0tLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
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Bekanntmachung.
In der Gemeinde Burgsolms (Kreis Wetzlar) ist die Maul« und Klauenseuche amtlich festgestellt und Gehöftsperre ungeordnet, in Nauborn (KretS Wetzlar) ist die Seuche -erloschen und find die Sperrmaßregeln wieder aufgehoben »worden.
Gießen, den 5. August 1897.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
v. Gageru.
Bekanntmachung.
Der Großh. Geometer 1. Klaffe Heinrich Buttron tju Neunkirchen Hal auf fernere Ausübung der ihm nach Patent vom 22. Juni 1846 und 26. Januar 1855 gegatteten geometrischen Praxis verzichtet.
Gießen, den 5. August 1897.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
betreffend: Obstbau-Versammlungen.
Der Obstbautechniker des Oberheffischeo Obstbauvereins, Herr Metz auS Friedberg, beabsichtigt am Sonntag den Ä. August in Rödgen bet Gießen, und am SamStag den 15. August in Londorf, Nachmittag« 3 Uhr, Bor- rräge Über Krankheiten an Obstbäomen nud Beschickung der in diesem Herbst statt findenden Obst-Ausstellung in Frank« flirt tt. M. zu halten. Wir ersuchen die Herren Bürgermeister der Nachbarorte um ortsübliche Bekanntmachung und Etn- indung zur Beihetltgung an diesen Versammlungen.
Gießen, den 6. August 1897.
Der Vorsitzende deS Vereinsbezirks Gießen.
Dr. Wallau.
Deutscher Reich.
Berlin, 4. August. Ueber den Umfang der Fidei- commisse in Preußen gibt da« neueste Vierteljahrheft
Feuilleton.
Dein Herr!
Novellette von Conrad Telmann.
(Schluß.)
„Wer sagt Ihnen denn, daß ich ihn nicht liebe?" murmelte fie trotzig.
Er sah fie mit einem Blick an, vor dem fie im Innersten erbebte. So leidenschaftlich, so fiegesgewtß war er.
„Man kann doch nicht zwei Männer auf einmal lieben, Melanie. Und Sie lieben ja mich — mich. Sehen Sie, ich bin noch zur rechten Zett, in der zwölften Stunde gekommen. Sie dürfen jenem Andern Ihr Jawort nicht geben, ich dulde es nicht. Sie find jetzt in meiner Gewalt. Wenn Sie mir nicht geloben, von jenem frevelhaften Vorsatz ab- zustehen, kommen Sie überhaupt nie mehr lebend auS diesem Walde. Ich entführe Sie, ich compromittire Sie, — ich weiß noch nicht, was ich thue, aber jedenfalls laffe ich Sie nicht, bis Sie mir sagen, daß jener Andere nie Ihr Jawort erhalten wird. Glauben Sie nur nicht, daß ich scherze. Mir ist bitter ernst zu Muthe. Steht doch Ihr und mein Lrbensglück hier auf dem Spiel und zum zweiten Male laffe ich es nicht zertrümmern. Eher vag ich alles Aeußerste. Und glauben Sie auch nicht, daß ich wahufinnig bin. Ich wars — vor Schmerz und Verzweiflung, als ich damals übers Weltmeer ging. Dann, als mir die Kunde zuging, Die wären wieder frei geworden, sagte ich mir: nun wirst )u sie dir wieder erobern. Damals verstandest Du'S nicht, Ihr „Herr" zu sein, wonach fie doch verlangte in ihrem Fraueuftolz, der fich nicht eher beugen wollte, als bi» er besiegt war- jetzt lern es! Und ich zwang mich, eS zu lernen, Melanie. Ich weiß nicht, ob Sie mir daS Zruguiß auSstellen Lkrde, daß ich eS gelernt habe."
Ein halbes Lachen ging über ihre Züge hin, al« fie schmollend erwiderte:
„Uni dazu brauchen Sie so lange Jahre? Oder dachten £>le, ich müßte auf Sie warten?"
der preußischen Statistik bemerkenswerthe Ausschlüffe. Da- nach umfaßte von der Gesammtfläche des preußischen Staates mit 34 854 542,3 Hectar der Ftdeicommtßbefitz am Ende des Jahres 1895 2 121 635,8 Hectar, während sämmt- liche landwirthschaftliche Kleinwtrthschaften von 2 bis 5 Hectar zusammengenommen 1 402 115 Hectar an Fläche umspannen. Von der Gesammtfläche de« preußischen Staate« nehmen die Fideicommiffe ziemlich genau 6 pEt. ein. Darüber hinaus gehen die Provinzen Schlesien mit 13,66, Brandenburg mit 7,65, Westfalen mit 7,54, Schleswig-Holstein mit 7,28 und Pommern mit 6,64 pCt. - Posen hält fich saft genau auf dem Durchschnitte, die anderen Provinzen bleiben darunter, am meisten Hannover mit 2,13 und die Rhetnproviuz mit 2,65 pCt. Die Fideicommißwaldungeu umfaßten 2,74 pCt. der Gesammtfläche und 11,65 pCt. der Waldfläche de« Staates, von der Gesammtfläche der Fidei- commiffe aber 45 pCt. Da die Waldfläche des Staatsgebiets nur 23,25 pCt. der Gesammtfläche ausmacht, so find die Waldungen bei den Ftdetcommiffeu fast doppelt so ausgedehnt, als im Durchschnitte des Staates. Bon der Gesammtfläche der 1045 Fideicommiffe entfallen 88,19 PCt. auf solche von mehr als 1000 Hectar Umfang und 29,10 pCt. auf die 29 sehr großen Fideicommiffe mit mehr als 10,000 Hectar Fläche. Die sämmtltchen 1045 Ftdet- commtffe vertheileu sich auf 939 Ftdeicommtßbefitzer. Die Fideicommiffe von 10,000 Hectar und darüber befinden fich mit dem größeren Theile ihrer Fläche in dem Besitze von Inhabern aus regierenden oder standeSherrltchen Häusern, während von dem Ueberrefte der größere Thetl auf Familien entfällt, die nicht zum hohen Adel gehören. Bon den Fidei- commißbefitzern entstammen 23 aus regierenden Häusern, 41 dagegen aus deutschen standeSherrlichen Häusern, 20 aus sonstigen sürstlichen Häusern, 240 auS gräflichen Häusern - 525 gehören dem sonstigen Adel an, nur 90 entstammen bürgerlichen Familien. Letztere besitzen nur 37,821 Hectar fideicommiffartsch gebundenen Grundbesitz, während die 23 Inhaber auS regierenden Häusern allein 204,077 Hectar ihr Eigen neunen. Im Ganzen befindet fich der 17. Thetl des preußischen Staatsgebietes in den Händen von 939 Besitzern. — Die Anzahl der Fideicommiffe ist in der Zunahme begriffen.
Sein Gesicht leuchtete auf. „Melanie! Die Zett ist Ihnen also lang geworden?" Er griff nach ihren Händen.
„So hab tchs nicht gemeint," rief fie zwischen Lachen und Schluchzen.
Er aber hielt fie und sah ihr mit sieghafter Liebe in die Augen.
„Melanie, — wollten Sie fich wirklich heute Abend auf dem Balle mit einem Andern verloben?"
„Wenn Sie nicht gekommen wären. — Aber diese Fahrt war doch unnöthig. Nun hätte ich'- nicht mehr gethan."
Mit einem Jubelschret schloß er fie in seine Arme.
„Melanie! Und Du willst mein sein? Und ich soll „Dein Herr" sein?"
Sie gab keine Antwort, aber fie duldete eS, daß er ihr den Schleier vom Gesicht zog und ihre Lippen suchte und fand.
„Böser, wilder Mensch! Wie hast Du Dich verändert," sagte sie endlich auS einem tiefen Erstaunen heraus."
„Die Liebe kann viel, Melanie. Aber ich kann auch milde fein, — fürchte Dich nicht vor mir! Bor einer Liebe, die so viel gekämpft und gelitten hat, braucht man fich nicht zu fürchten. Sie ist im Feuer gehärtet wie Edelmetall. Und wenn in unserer Ehe je einmal ein Zweifel darüber herrschen sollte, wer von uns der Herr ist —"
„Dann fährst Du mich wieder bei Nacht in den Föhrentanger hinaus," ergänzte sie mit glückseligem Lachen, in dem doch immer noch etwas von der ausgestandenen Angst nach- zitterte. Ihre beiden Arme lagen um seinen Hals, ihre Augen brannten von weicher Zärtlichkeit.
Er aber schüttelte lächelnd den Kopf. „Ich glaube, Melanie, in einer rechten Ehe gibt eS gar kein Herrsetn, nur immer ein gegenseitiges Tragen und Dulden und immer, immer die Liebe, die ja Alles kann. Aber es wögen ja.wohl Stunden kommen, wo eS doch gut ist, sich dieser Fahrt zu erinnern." Er küßte sie strahlend. „Und nun will ich Dich heimfahren," setzte er hinzu und eß blitzte ihm um Augen und Mundwinkel.
„Aber Wilm! Ich denke, wir müffeu die ganze Nacht hier bleiben, daS Rad ist ja gebrochen" —
IMrmiWte»
* Weilburg. 4. August. Ein Arbeiter der Freifrau Baronin von Düngern verbrannte gestern Mittag in der Senkgrube am oberen KarlSberg daS darin befindliche trockene Unkraut. Als letzteres beinahe ganz verbrannt war, ent» stand eine Explosion mit weit hörbarem Knall. Nach näherer Untersuchung fand man 4 unversehrte Dynamitpatronen, welche der hiesigen Bürgermeisterei abgeliefert wurden. Man vermuthet, daß dieselben von dem vor zwei Jahren stattgehabten Diebstahl auS dem C. E. Roseukranz- schen Dynamit Magazin stammen. Der Platz vor der Senkgrube ist polizeilich abgesperrt..
• P. Kirchhain. 2. August. Der Vorstand deS Nord- bezirks, Gau-Verband Nr. 9 des Deutschen Radfahrer- BundeS, erläßt folgende Einladung an seine Mitglieder zur Betheiligung an der am 22. Augufi a. c. stattfiudenden Bezirks-Dauerfahrt zum HerbstbezirkStag zu Kirchhain: „Rach dem Beschluß des FrühjahrSbezirkstageS zu Gießen am 30. Mai a. c. findet der HerbstbezirkStag auf Einladung des Kirchhainer Radfahrer-VeretnS „Blitz", der mit demselben seine Bannerweihe verbinden will, am 22. August zu Kirchhain statt. Um die Zahl der Festlichkeiten nicht un- nöthig zu erhöhen, wurde beschlossen. da die Anregung zu einer BezirkS-Wander- oder Dauerfahrt gegeben war, diese Veranstaltung mit dem HerbstbezirkStag zu verbinden. — Ja Ausführung dieser Beschlüsse treten wir nun an die Bezirks- vereine heran, indem wir ihnen zurufen: „Auf! zur Wanderfahrt nach Kirchhain!" Die Tagesordnung zu der Herbst- vertreterfitzung, — bestehend in dem Bericht deS Vorstandes, der Wahl des BezirkSfahrwartes, Beftimmuüg über den Früh- jahrsbezirkStag und Berathung von Anträgen — geben wir mit dem Bemerken zur Kenutniß, daß Anträge zu derselben statutengemäß baldigst an den Bezirksfahrwart Herrn Störiko in Butzbach zu richten und die Herren Vertreter zu dem Bezirkstag ebendaselbst anzumeldeu sind. Auf Wiedersehen in Kirchhain! „All Heil!"
• München, 5. August. Vor ca. 14 Tagen unternahm ein junger Manu auS München eine Vergnügungstour nach Tirol. Seit dieser Zeit fehlt von dem jungen Manne jede Nachricht und man nimmt an, daß er in den Bergen verunglückt ist. Nach einer weiteren Nachricht wurde im Ztllerthal Mantel, Hut und GebtrgSstock des Vermißten auf- gefuoden.
„Gott bewahre!" fiel er lachend ein.
„Wilm, Du hast mich belogen?"
„Und daS Ganze war also ein rasstnirt angelegter Bubenstreich?"
„Gewiß. Selbst der wackere Droschkenkutscher war gar nicht betrunken. Ich stehe freilich nicht dafür, daß er es jetzt nicht wirklich ist, denn er trinkt diese ganze Wartezeit hindurch vermuthlich drüben auf meine Kosten Grog. Aber einen kleinen Rausch in Ehren verzeihen wir ihm an unserem Ber- lobungStage schon, Melanie, nicht?"
„Bist Du aber ein Spitzbube, Wilm! Und mit dem ehrlichsten Geficht von der Welt daS Alles? Und ich habe mich richtig abgeängsttgt, — ich habe sogar geweint, Wilm."
„Soviel Strafe verdientest Du schon dafür, Melanie, daß Du Dich heute Abend mit einem anderen verloben wolltest! Und wa« hätten wir all meine schlauen Combi- nationen auch genützt, wenn Du nicht darauf eingegangeu wärest, Dich von mir fahren zu lassen? DaS war leichtfinnig, mein Lieb, Du hast Dich selber in Dein Verderben gerissen. ES muß also doch wohl so etwa« wie Bestimmung gewesen sein, daß wir Beide noch in zwölfter Stunde zusammen kommen sollten, nicht?"
„Ja, Wilm. Und ich glaube: mit einem, den ich nicht in tiefster Seele lieb gehabt hätte — trotz Allem und Allem — wäre ich wohl nicht gefahren. Aber ich mußte eben. Du warft „mein Herr."
„In diesem Sinne willst Du 'S doch sein und bleiben, — Du Erzbetrüger, nicht?"
„BIS ans Ende meiner Tage! Aber nun den letzten Kuß, bevor wir zu Hause find! Ich habe Else gesagt, sie solle uns mit einem heißen Punsch erwarten. Ich darf doch noch für ein halbes Stündchen mit htnaufkowmen? Wie?"
„Gewiß, — um Dich in aller Ruhe von mir an den Ohren zerren zu lasten. Hier wag' ich's nicht, sonst bricht am Ende noch einmal ein Rad — Du — Du —"


