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Nr. 82 Awcites Blatt. Mittwoch dm 7. April
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Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
Redaction, Expedition und Druckerei-:
-chutstraße Ar.7.
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Vierteljähriger Avonnemeutspreiir 1 2 Mark 20 Pfg. mit vringerloha.
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Die Gießener Mamirienötäller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegr.
Der
Kieheuer Anzeiger erscheint täglich, »it Ausnahme drS Montag».
Amts- und Anzeigeblutt für den Tkveis Gieren.
Gratisbeilage: Hießener Jamilicnötätter.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Fenilleton.
Ichonzeil.
von M. Roda-Roda.
(Schluß.)
Daß sie «ich gefunden, daß mich Carla und ihre Kutter gefunden — das schmerzte mich tief. Und es nützte aichtS — mein verzweifeltes Sträuben. Ich kündigte «eine schöne, einsame Wohnung, denn fie zwangen mich »hnehtn täglich, nach Auffee htoeinzutrabeu, und so blieb ich Zleich lieber dort.
Die regelrechte Jagd begann wieder. Fräulein Carla kvkettirte mit mir, bearbeitete mich nach allen Regeln der „Kunst, in 28 Tagen Braut zu werden", die Freundinnen waren mit im Lomplott, meine Borficht verdoppelte sich. Ich nahte mich Carla nur daun, wenn eine oder zwei Freundinnen bei ihr waren, allein, sowie ich zwei Minuten bet ihr stand, verschwanden fie regelmäßig.
Doch ich konnte mich auf mich verlassen. Ich bin ein Römer au Character und Willen. Ob sich nun Carla den Faß verstauchte und, gestützt von mir, natürlich viel lang, lernet als die anderen, nach Hause gehen mußte, ob fie eine rwwiderstehliche Lust anwandelte, von mir ein wenig spazieren gerudert zu werden — es war einerlei. Ich that alle Pflichten eines wohlerzogenen jungen Mannes, aber nichts darüber. Und nach dem „Darüber" gelüstete eShfie eben. Siel Geduld besaßen fie nicht', die wackeren Königsteins. Jedenfalls weniger als ich, denn eines schönen Abends nahm mich Frau von Königstein „vor". Wir gingen in ein er Allee auf und ab. Carla in Gesellschaft voraus, wir hinterdrein.
Da begann Mama zu sprechen.
„Heute find eS genau vier Wochen, seit wir Sie fanden, Hnr von Waldstätteu!"
„Wie ungleich rascher entschwanden fie mir als die drei, die ich einsam und verlassen in dem kleinen Dorfe zubrachte," erwiderte ich höflich.
O, meine schönen, stillen Tage, voll der tödtlichsteu Langeweile! Aber der Mensch konnte wenigstens in Hemd- ärmeln vor die Thüre treten. Und ein Landaufenthalt ohne diese Annehmlichkeit ist für mich eben kein Landaufenthalt.
„Warum versteckten Sie sich auch vor ihren besten Freunden?"
„Meine Nerven — bedurften der größten Ruhe," stammelte ich entsetzt. „Ich ahnte — ahnte etwas."
„Ach war, Nerven. Schauen Sie sich meine Carla an, ob die etwas von Nerven weiß. So ein Mädel finden Sie nicht mehr."
„Nein, nein," dachte ich ängstlich, ich würde mich auch hüten, ein zweites zu suchen.
„ES geht bald heimwärts," fuhr Mama Königstein fort. Carla will nicht mehr hier bleiben. Erst heute Morgen sagte fie zu mir: „Mamachen, fahren wir nach Hause. Ich habe nicht das Herz, noch mehr hier zu verbrauchen I" Ein Goldkind das. Zu dieser Erholungsreise mußten ich und mein Manu sie geradezu zwingen."
„Natürlich brauchte fie Erholung," sagte ich wieder still zu mir selber, fie hat ja, Gott sei Dank, alles, was an fashiovablen Bällen, Concerten, Kränzchen und Thee dansanta in Wien gegeben wurden, besucht.
„ES ist überhaupt merkwürdig, — bitte, lassen wir das junge Volk vorangehen und setzen wir unS auf diese Bank, ich bin ein wenig ermüdet, — eS ist merkwürdig, wie Carla die Sparsamkeit, daS rechte Maßhalten in Allem, tu Arbeit und Vergnügen, schier angeboren ist."
Maßhalten! Ich allein hatte mit ihr im Fasching Heuer fiebeuundzwanzig Quadrillen getanzt I
„Die Trennung von ihr wird mir herzlich schwer werden," fuhr die gute Mama fort, „doch wie innig werde ich mich
——Swami
freuen, wenn mein Mädchen sich einst ihren eigenen Hausstand gründet! Denn was könnte an Glück noch mangeln, wo ein so ausgesucht harmonisches Wesen wie Carla schaltet und waltet."
Ich schwieg still, ich wußte ja, ein unvorsichtiges Wort und ich war verloren.
„Freilich wählt man lange für ein einziges Kind, aber was können wir Alten thun, wenn die Herzen der Jungen einander zufliegen? Drum wenn um Carla einmal ein Mann, der was Rechtes ist und vorstellt, wirbt, an uns soll eS nicht fehlen."
Ich weiß, ich that Unrecht, da ich jetzt aufstand und auf die zurückkommenden Mädchen zeigend, mich hastig entschuldigend, entfernte. Sie fing ja an wie alle anderen, nur endete fie, als sollte fie uns schon den Segen geben.
Meine Herren LeidenSgenossev, warum find wir allein schutzlos auf der Welt? Der Hase im Felde, der Hirsch, dar Reh im Walde, fie haben eine Zeit, wo sie ruhig vom frischen Klee, von den duftigen Krautern naschen dürfen nach Herzenslust — die Schonzeit. Warum find gerade wir da» ganze Jahr über vogelfrei, gehetzt und gejagt von muthigen Jägerinnen?
Gebt unS eine kurze Frist im Jahr, wo wir Athem schöpfen können, sicher vor Pfeil und Bogen. Nur zwei Monate! Nein, nur einen Monat!
Freilich — ich — ich — bei mir kommt alles zu spät. Meine Kretsjagd ist zu Ende — ich bin „waidrecht gefällt" und habe selber abgeblasen.
Kurz nach jenem ereignißvollen Tage erhielt ich endlich die Erlaubniß, die lange vorbereiteten, goldgeränderten Kärtchen versenden zu dürfen, die mich vor jeher Nachstellung sichern für alle Zeiten.
Ob die Braut, die ich mir selbst gewählt, auch die schönen Eigenschaften hat, die man ^mir in allen Zungen an Lili, Auguste, Toni, Anna, Marie und Carla besungen?
Prim Akpftlwem
empfiehlt 3372
C. Roth II.
BekaAMMachrmg.
Alle noch rückständige« Rechnungen über die zur Unterhaltung der städtischen Gebäude und Straßen im Rechnungsjahr 1896/97 ansgeführten Arbeiten und Lieferungen sind, bei Meldung der Nichtberücksichtigung, bis längstens 1, Mai d. Js. in doppelter Ausfertigung bei uns einzureichen.
Gießen, den 1. April 1897
Das Stadtbauamt
3874 S'ch mandt.
Bekanntmachung.
Dienstag, den 13. April 1897, Nschm. 2 Uhr, »iri im Bürgerhospitale dahier, Seltersweg 11, Mobiliar, bestehend in Betten, Schränken, Weißzeug, Kleidern, meistbietend öffentlich gegen Baar- ichlrrng versteigert.
Gießen, den 5. April 1897.
Armenamt Gießen. 3453
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taftm, Butter, Buttermilch, Magermilch stets frisch, sowie WMgliche Handkäfe, Schweizer-, Limburger- und Kochkäse liefert die 2752
Dampfmolkecei Giessen (Ph. Lahr).
Versteigerungen.
Mittwoch den 5 Mai l. I, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen OrtSgericht die den Friedrich Flimm Eheleute« in Gießen gehörigen Immobilien:
Flur 1 Nr. 9 LIVio — 64 qm Hofraithe in der Wallthorstraße,
Flur 1 Nr 912«/10 - 206 qm Hofraithe daselbst,
Flur 1 Nr. 913s/10 — 531 qm Grab, garten daselbst
öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 23. März 1897.
Großh. OrtSgericht Gießen.
I A.: Bogt. 2904
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Weidenhaus, Wehsteingaffe 43.
Submission.
Für die Großh. chirurgische und ophthalmologische Universitäts-Klinik sollen für das Rechnungsjahr 1897/98 auf dem öffentlichen Submisfionswege vergeben werden:
1. Die Lieferung von ca. 2400 Ctr.
Antracitkohlen,
2. die Lieferung von ca. 2400 Ctr. melirten Kohlen,
3. die Lieferung von ca. 500 Ctr. Hüttencoaks.
Die Bedingungen liegen auf dem Verwaltungsbureau offen.
Offerten, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, sind bis zum 24. April d. I., Vormittags 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzugeben. 3323
Die Zuschlagsfrist beträgt 14 Tage.
Gießen, den 31. März 1897.
Großh. Verwaltung- - Direction der chirurg. und ophthalm. Univ.-Klinik.
Bose. Vossius.
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Die zum Nachlaß der Frau Saht- selb gehörigen Waaren, als:
Bänder, Spitzen, Schleier, Stickereien, Besatzartikel, werden 2825-
Ludwigsplatz Nr. 15 zu bedeutend herabgesetzten Preisen ausverkauft.
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