Ausgabe 
6.8.1897 Zweites Blatt
 
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-ießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montage.

Die Gießener

A- mirienvtütter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal be,gelegt.

Zweites Blatt. Freitag den 6 August_______________________

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Amtliche» Löeit

^Nr. 35 des ReichS-GesetzblattS, ausgegeben den 2. d. M., enthält:

(Nr. 2409.) Verordnung, betreffend die anderweite Bemessung der Wittwen- und Waisengelder für die Hinter­bliebenen der ReichSbankbeamten. Vom 26. Juli 1897.

(Nr. 2410.) Bekanntmachung, betreffend die Einrichtung und den Betrieb der Buchdruckereten und Schriftgießereien, vom 31. Juli 1897.

Gießen, den 4. August 1897.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 3. August 1897.

Betr.: Den Unterricht in weiblichen Handarbeiten.

Die

W Kreis-SchulcommWm Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, die noch nicht mit den Gemeinden tm Sinne unseres Amtsblattes vom 9. März d. I. sich ver­ständigt haben, werden aufgefordert, ihre Berichte über den Erfolg ihrer Unterhandlungen nunmehr bis spätestens zum 15. August d. I. einzusenden.

v. Gagern.

Gießen, den 3. August 1897. Betr.: Lehrmittel in der Fortbildungsschule.

Die

Motzh. Kreis-SchiücsmmGon Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche im vorigen Jahre die Einführung des hessischen Lesebuches für Fortbildungsschulen tu ihren Gemeinden noch nicht durchzusetzen vermochten, werden aufgefordert, nunmehr baldigst mit den Gemeinden weiter zu verhandeln, sodaß bis zum Beginne der Fortbildungsschule das betr. Lesebuch in Händen der Schüler ist, was um so nothwendiger ist, als der ganze Unterricht der Fortbildungs­schule dieses Lesebuch zur Grundlage haben wird. Ihren diesbezüglichen Berichten sehen wir bis spätestens zum 1. October d. I. entgegen.

v. Gagern.

Oder hessischer Obstbauverein.

Am Sonntag den 8. August d. Js Nachmittags SVa Uhr,

findet im Gasthause zum Schwanen in Lollar eine Ver­sammlung statt, in welcher der GeschäftSsührer des Verein», Herr K. Reichelt-Friedberg, sprechen wird.

1. Ueber Krankheiten und Schädlinge des ObstbaumeS,

2. Ueber die Beschickung der Obstausstellung in Frank­furt a. M.

Die Mitglieder des Oberhesfischen Obstbauvereins, sowie sonstige Freunde der Sache werden hierzu etngeladen.

Gießen, den 4. August 1897.

Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Oberhesfischen ObstbauoereinS.

Dr. Wallau, RegterungSrath.

Gießen, den 4. August 1897.

Betr.: Abhaltung von landw. Vorträgen.

DaS Grobherzogliche Kreisamt Gieße« an die Grosth. Bürgermeistereien von Lollar «nd den benachbarten Orten.

Obige Versammlung wollen Sie in Ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt geben.

v. Gagern.

Locale» «nd sprovinziellc».

Uns dem Kreise AlSseld, 4. August. Nicht geringes Aufsehen erregt in unserem Kreise ein scheußliches Ver­brechen, das der Sohn einer Mühle bei ArnShain geplant «nd deffen Ausführung nur ein Zufall nicht ganz vollenden ließ. Dieser MüllerSsohn hatte ein Verhältniß mit einer Dienftmagd seiner Eltern, welche» nicht ohne Folgen blieb. Um nun diese aus dem Wege zu räumen, beschloß er, die Dienstmagd zu tödten. Er lockte fie wie wir von glaub­hafter Seite mttgetheilt bekommen auf den Heuboden,

warf ihr hier eine schoa befestigte Schlinge um den Hals und stürzte die Ahnungslose hinab in die Tenne, damit fich die Schlinge zuzöge. Durch die Wucht des Falle» brach aber da» Seil und das Mädchen fiel zu Boden. Der Der such, fie hier zu tödten, gelang nicht, indem die Bedrohte nach Hilfe schrie. DaS Mädchen wurde nun, um die Sache zu vertuschen, auf einem Wagen zur Klinik nach Marburg gebracht. Bei der ersten Gelegenheit jedoch, al» das Mädchn wieder Herr seiner Sinne ward, soll es in Neustadt die That zur Anzeige gebracht haben. Der Sohn des Müllers befindet sich bereits in der Untersuchungshast und man hat die hohe CautionSsumme, die der Vater stellen wollte, nicht angenommen.

* Sie muß el wissen. Ein junger Bursche, der tm Garten eine- Lehrers an der Eckenhetmer Landstraße zu Frankfurt ein Aprikosenbäumchen plündern wollte, wurde dabei von dem Eigenthümer erwischt und sollte der Polizei übergeben werden. DaS Geheul des Jungen zog Leute her­bei, und eine behäbige GärtnerSfrau mahnte zur Duldsamkeit, indem fie dem Lehrer zuredetr:Ach, losse Se deS OoS doch laafe, Se hawe doch sicher in Ihne ihrer Jugend aach schon Aeppel gestrenzt." Mit mildem Lächeln ging der Schulmann in sich, gab dem Jungen noch einige pädagogische Mahnworte mit auf den Weg und ließ ihn von dannen ziehen.

AuS der Pfalz, 31. Juli. Eine schneidige Con- I currenz herrscht in einigen Städten unserer schönen Pfalz. | Auf die Frage:Wo kauft man am billigsten?" gibt der u Anzeigentheil de»Südpfälz. Wochenbl." in Bergzabern Antwort, in dem wiederholt zu lesen steht:Freie Fahrt J nach Landau und zurück gewährt die Firma Joseph & Scharff \ von jeder pfälzischen Station auS beim Einkauf von nur i 20 Mk." Jetzt zeigt die Firma A. Hundemer zu Stein­feld an:Um jede Concurrenz, besonders aber eine Landauer Firma zu überbieten, habe mein ohnehin großes Lager in Manufacturwaaren vergrößert und verkaufe sämmtliche Ar­tikel, den heutigen Wollpreisen entsprechend, zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Bei Einkäufen von 20 Mk. an ver­güte ich die Eisenbahnfahrt von sämmtlichen pfälzischen Stationen- bei größeren Einkäufen gebe freien MittagStisch, eventuell auch noch Kaffee."

80000 Franken im Strohfack. Der 56 jährige Obst- z Händler Carbonnel in Brüssel wurde in stiner Wohnung i in der Rue d'Allemagne erhängt aufgefunden. Der Selbst- ' Mörder hatte ein Zimmer innegehabt, deffen gesammte Ein- " richtung aus einem schlechten Bette und einem alten, wacke- ' ligen Stuhle bestand; der Fußboden war mit Kehricht, alten Zeitungsbündeln und einer Maffe altem Trödelkram bedeckt. Die Nachforschungen zwischen diesem Wirrwarr gestalteten fich schwierig, jedoch fand man, in alten Schuhen versteckt, einige Kaffeuschetue, ferner unter Flaschenscherben eine An­zahl Goldstücke und endlich in dem Strohsacke ein Packet mit aus den Inhaber lautenden Werthpapieren, die einen Werth von 80000 Franken darstellen. Die Verwandten des alten Geizhalses, der diesen Schatz zusammengespart hatte, indem er fich das Nothwendigfte versagte, find nicht wenig erfreut, durch seinen Tod plötzlich zu wohlhabenden Leuten geworden zu sein.

Straßburg, 4. August. Gestern Abend ertranken beim Abrüsten einer Brücke unterhalb der kleinen Rhein­mündung bei Kehl zwei Pioniere der 4. Compagnie des Pionierbataillons Nr. 15 Namens Jauchow und Schultz.

* DaS amerikanische Prineip, alle Handarbeit möglichst durch Maschinen verrichten zu lassen, scheint im Lande der Freiheit auch bei den Einbrechern bereits als Vortheilhast erkannt worden zu sein, wie ein Einbruch in einem Bank­geschäft zu Cleveland bewies, der nur dadurch vereitelt wurde, daß die zum mechanischen Einbruch nöthige Betriebs­kraft plötzlich versiegte. Die Spitzbuben hatten nämlich von einer nahen electrischen Bahnlinie unbemerkt zwei Drähte abgezweigt und diese in den vorher erbrochenen Geschäfts­raum geleitet, wo sie nunmehr mittelst Kohlelichtbogens die Platten des Geldschrankes durchzuschmelzen versuchten. Leider hatten die erfindungsreichen Gauner nur nicht bedacht, daß die betreffende Centrale um 2 Uhr ihren Betrieb einstellt, weshalb sie kurz nach begonnener Arbeit schon von ihrem Vorhaben abstehen, obendrein durch ein Geräusch erschreckt die Flucht ergreifen und ihre ingeniöse Einrichtung den Augen der Hiuzugekommeuen Preis geben mußten. Zugeben muß man aber entschieden, daß den Amerikanern der prac- tische Sinn selbst da nicht ermangelt, wo es fich um Gaune­reien handelt. (Mttgetheilt vom Internationalen Patent- buceau Carl Fr. Reichelt, Berlin XW. 6).

* Wat feegste? ES war so erzählt man derSLgl. Rdsch." am Rheine in einer kleinen Garnison, wo die Besichtigung der Rekruten des L.-RegimentS den Besuch des gestrengen und gefürchteten DivtfionSComman- deurS, Generals A. L., brachte. Er hatte so seineDoll- punkte" und daS ist für die armen Untergebenen immer eine üble Sache. So verlangte er von jedem Rekruten, daß er ihn kennen sollte. Bet entfernten Garnisonen wurde dieser Zweig der Instruction an Photographien Sr. Excelleuz auS- geführt. Die Bilder der andern Generale wurden nur ge­zeigt, damit selbst die dümmsten Kerle bei der Besichtigung wtffen sollten, wie der General L. nicht aussähe. Der Tag nahte heran Niemand hatte ein reineres Gewissen, al» der Compagnie-Chef der 10. Compagnie. Mochte alles schief gehen seine Kerls kannten wenigstens den Divifious- commandeur! Bet der Instruction tritt der General vor die Abtheilung, beim Nachsehen deS Anzug» fällt ihm ein Manu durch eine kleine Unordnung auf. Er bleibt vor diesem stehen und schreit ihn ziemlich unsanft an:Wer bin ich?" Keine Antwort.Wer ich bin?" Nicht einmal die Lippen bewegt der Mann.Aber Herr Hauptmann, wie kommt das, der Mann kennt mich noch immer nicht und dient schon bald ein halbes Jahr unter mir?"Euer Excellenz eS ist der dümmste Mann der Compagnie und auch der ein­zige, der Euer Excellenz nicht kennt!"Sonderbar, daß ich gerade auf diesen Ihren Dümmsten stoßen mußte V* * Der Mann hat überhaupt noch keine Antwort gegeben seit seiner Einstellung," fügt der Hauptmann entschuldigend hinzu.WaS keine Antwort? Das kann nur an der Art der Instruction liegen! Ja, mein lieber Hauptmann, man muß sich mit den Leuten beschäftigen! Ich werde eS Ihnen mal vormachen!" Der General »rat nun auf bat Unglückswurm zu, streichelte ihm als Einleitung beide Backen, klopfte ihm auf die Schultern und redete ihn so freundlich an, als eS ihm möglich war:Nun, mein guter Junge nur keine Angst es thut Dir ja keiner was. Hebe nur den Kops, mir frei ins Auge gesehen! Ich bin ja Dein Dtvi- sionScommandeur und will gerne von Dir hören, wie es Dir gefällt bet den Soldaten.- Keine Antwort ein* druckSloS gleiten die Worte an ihm ab kein Muskel in I seinem soausdrucksvollen Gesicht" bewegt sich.Sage ' mir nur, ob fie Dir etwas thun, ich will Dir schon helfen. Du kannst schon Vertrauen zu mir haben, mein Sohn, sprich Dich nur au» hat man Dich hier schon mal mißhandelt?" Athemlose Stille, Alle» lauscht gespannt was wird der Kerl sagen?Wat seegfte?" kam eS pomadig heraus in der breitesten rheinischen Mundart.

* Klima und Lebenslange. Ein englischer Gelehrter hat die neueste Statistik der Länder dazu benutzt, um den Einfluß des Klimas auf die Lebensdauer der Menschen zu untersuchen. Die Ergebniffe bestätigen den bekannten , Satz, daß das Lebensalter tm gemäßigten Klima durchschnittlich höher ist al» in den tropischen und subtropischen Kltmateu. j In Deutschland, Großbritannien und Holland find im Mittel ! von je 1000 Einwohnern 77 Über 60 Jahre alt, in Däne- ! mark 84, in Schweden 88, in Norwegen 90. In Rußland erreichen die Bewohner der nördlichen Provinzen durchschnittlich ein höheres Alter als die der südlichen Gebiete. In Oester­reich und Portugal ist die Zahl der Sechzigjährigen schon nur 71 unter 1000; in Spanien, daS freilich zum Theil ein ganz besonders ungünstiges Klima hat, nur 58; in Griechenland 56; in Ostindien, so viel fich feststellen läßt, nur 40; in Südamerika, wo sich naturgemäß große Schwan­kungen zeigen, im Mittel etwa 50. Die größte Zahl der Sechzigjährigen oder noch älteren Personen findet fich in Frankreich mit 127 unter 1000, bann folgt Jrlanb mit 105. Die Vereinigten Staaten stehen nach bei Lebensbauer nicht sehr hoch im Range, eS scheint, als ob bic Bewohner bet alten Staaten im Durchschnitt etwas älter werben als die der westlichen. Nach bet Zahlung von 1896 gab e» in Englanb 188 Personen, bte über 90, unb 14, bie über 100 Jahre alt waren.

Verkehr, taube unb Vottswirthschaf^

LtMdrrrg, 5. August. Frachtmarkt. Roth er Wetze» X 15,07, weißer Wetzen X 00.00, Korn, altes X 9.66, neues X 9.55, Gerste X 0.00, Hafer X 6.87.

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