Ausgabe 
4.12.1897 Erstes Blatt
 
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Pari-, 9. Dicember. Senator Millard hat da- Juistiz- »inistertu» Kb-rnowmen.

CeceUs und protHn^UlUf»

Sieben, den 3. December 1897.

M Dettilifteu Tonfereuz. Gestern fand in Kran k fast i« Restaurant Bierbauer eine Delegirten-Eonserenz der _,übwestde«tscheu Detailllsten-Vereine statt, wobei auch der -Liehener Verein durch zwei Delegirte vertreten war. In derselben wurde der Fragebogen feftgestellt, welcher den Handelskammern für die von ihnen anzustellendeo Unter« suchunzen über die Lage deS Kleinhandels empfohlen werden btt und der auch dem Hessischen Handel-tag am 16. bl. Miß. dk'in» für seine Berathnngen all Unterlage dienen wird.

jxagCi* * beziehen sich auf Vorbildung deS Principall und i.<c An^ ,.rll:en, auf Creditverhältniffe, auf Einfluß von »ten, Abzahlungsgeschäften, Consumvereinen usw. Dans v rrbc das Bureau mit der Ausführung der auf der i-Bttlü(V/,n« Detaillisten Tonferenz gefahren Beschlüsse beauf­tragt und zum Schluffe die Geschäftsordnung für die zu- lir.ftlg?'! Conferenzeu festgestellt. Im nächsten Frühjahr wird die grohe Detaillisten-Lonferenz in G t e h e u abge- rttlkn werden.

* verdorbene Postkarten u. In lobenSwerther Weife «t die Reichspostverwaltung, ohne dazu verpflichtet zu sein, seiner Zeit nachgegebeu, baß verdorbene Postkarten, Postanweisungen und Karteubriefe gegen Freimarken umge« tauscht werden können. Diese Einrichtung wird uuu in neuerer Zett sehr häufig mihbraucht, sodah die Zahl der, wie man ruhig sagen kann, leichtfertig verdorbenen Formulare zu­sehends wächst, wodurch der Postverwaltung insofern Schaden erwächst, als sie die Herstellungskosten für die verdorbenen Formulare bis jetzt allein zu tragen hat. Wundere fich daher Niemand, wenn gelegentlich die Postverwaltuug an- ordnet, daß beim Umtausch verdorbener Formulare ein be­stimmter Betrag als EntichSdigung für daS Formular selbst in Abzug gebracht wird. Wer Formulare verdirbt, hat schliehlich auch den Schaden zu tragen.

** ÄttUmc-BUber. Die Reclame hat iw heutigen Ge- schäftSleben große Bedeutung, und zu ihren intereffan- testeu Schöpfungen gehören die Zugabe-Btlder. Wenn ein Geschäftsmann, der seine Srzeugntffe beim Publikum ein- führen will, fich beim Anpretsen in den Grenzen der Wahr- heit bewegt und sich paffende Reclamebtlder in Lithographie, Buchdruck oder auf anderem Wege Herstellen läßt, die seine Waareu in irgend einer verständigen Weise verherrlichen, dann laht fich nicht! dagegen sagen, geschmackvoll auSgesührte An- Preisungen fiehr Jedermann gern, und sie erfüllen ihren Zweck. Auch kann ein erzieherischer Werth in guter Reclame Ut0in, wie dies z. B. bei den Zugaben einer bekannten Hafer- Eacaofabrik der Fall ist. Diese legt jedem Kästchen mit ihren Srzeugutffen ein mit belehrendem Text versehenes farbiges Bild eine! unserer gefiederten Sänger bei. Das ist Reclame, die man jedem Kinde in die Hand geben kann. Wenn aber die gewöhnlichsten Sachen mir unpaffenden Figuren verziert werden, dann kann von einem sittlichen oder er- zieherischen Werth nicht gesprochen werden. Was für ein Sinn liegt darin, wenn eine Berliner Brauerei auf ihrem Reclameschtld einen wohlgenährten Säugling abbtldet, der an Stelle seiner Milchflasche eine gefüllte Bierflasche vor fich hat und fich dabei sehr wohl zu befinden scheint? Viele moderne Reclamebtlder können sogar schädlich auf die Jugend wirken, die jetzt die Bilder mit großem Eifer sammelt und in ihren Kreisen von Hand zu Hand weitergiebt. Gerade hierdurch könnte aber neben dem eigentlichen Zweck noch manches Gute gefördert werden, wenn die Erzeugntffe del Anpretsenden soweit wie möglich mit Szenen aus dem Kinder-

»der Thierleben oder überhaupt mit irgend etwa! Belehrendem in Verbindung gebracht würden- sind solche Bilder künstle- risch suSgestattet, f» haben sie eher AnSficht, oft in die Hand genommen und betrachtet zu werden, »»durch auch der Anpreisende höchst wahrscheinlich seinen Zweck bester er- rnchen dürste.

-r- Ober-M»ckftadt, 27. November.. Heute Morgen brach in der Hofraithe deS Landw'rthS Herrn Karl Micke l Feuer aus. ES wurde ein Stall und ein Theil des Wohnhauses eingeä chert.

+ Schotten. 3. Decemb-r. Zu Ehren des Herrn Ge­heimen RegrerungSrath Schönfeld dahier ist, in Aner­kennung seiner in unserem Kreise bethätigten 10jährigen erspri-ßlichen Wirksamkeit a'S Kreilrath, zum 14. December eine allgemeine Dankes-Ehrenfeter in hiesiger Turn­halle projectirt, wozu die Vorbereitungen auf daS Regeste im Gange find. Seitens des Festcomiiss ergehen bereit- die Einladungen zur Belhei igung.

* 1700 Sarge. Folgende Geschichte erzählt die »Verl. Pr.": In einem WirthShause der Zimmerftraße in Berlin erzählte am Stammtisch der Vertreter einer Sargfabrik, daß diese nach einem patentirten Verfahren Metallsärge herftelle, die nur 40 bis 60 Mk. kosteten. Der Wirth, der erst kürz- lich 800 Mk. für einen Metallsarg bezahlt hatte, bemerkte: «Wenn daS wahr ist, bann können Sie mir zweitausend solcher Särge liefern."Zweitausend nicht, aber siebzehn- hundert können Sie Haden."Gut, also fiebzehnhunbert, abgemacht." Handschlag folgte. Am anderen Tage ging der Sargageut in Begleitung zweier Zeugen nochmal- zu dem Wirth und fragte ihn, ob er Scherz gemacht habe.Sie find wohl nicht gescheidt!" war dte Antwort,wenn Sie mir die 1700 Säoge nicht liefern, verklage ich Sie." Dte Fabrik stellte hierauf nach einiger Zeit dem Gastwirth, der dte Geschichte schon lange vergeffen hatte, dte 1700 Särge zur Verfügung. Al- er die Sache al- einen mißverstandenen Scherz au-legte, klagte dte Fabrik, und da- Landgericht I verurtheilte ihn zur Zahlung. Nun kann fich der Wirth 1700maI begraben lasten.

* Siu Heiratsschwindler stand in der Person de- schwedischen Ingenieur- Erikfon vor der 181. Abtheilung Königlichen Amtsgericht- I zu Berlin. Der Angeklagte hatte in London die deutsche Clavierlehrerin Helene Meyer kennen gelernt und mit ihr ein LiebeSverhältniß augeknüpft. Er spiegelte ihr vor, daß er auf einer Bank tu Stockholm 1OOOO Kronen liegen habe- außerdem habe er eine Erfindung gemacht, dte ihm mindesten- 20000 Pfund Sterl. etnbrtugeu werde. Fräulein Meyer glaubte seinen Worten, und al- fich herau-stellte, daß Ertkson in augenblicklicher Geldverlegenheit fich befand, half sie ihm mit Summen von 200 und 300 Mk. au-. Bald ging aber auch ihr Geld zu Ende und Ertkson erklärte, er werde nach Stockholm fahren, um dort das Geld bei der Bank abzuheben. Fräulein Meyer lieh ihm zur Reise noch einmal 100 Mk. Der Angeklagte übergab seiner Geliebten, um sie sicher zu machen, seinen »oster, tu dem er nach seiner Angabe große Schätze aufgespetchert hatte, und bat sie, nach Ostende zu fahren und dort Nachricht bezw. Geld von ihm zu erwarten. Unter dem 7. September d. I. chrieb er bann an Fräulein Meyer einen Brief aus Stockholm, in bem er wittheilte, baß seine Bank falltrt habe unb baß er fie ersuche, nach Berlin zu kommen, bort werbe er fich Geld verschaffen. Frl. Mehrr fuhr in der That nach Berlin und nahm hier nicht bet ihren Eltern, sondern in einem Hotel in der PotSdamerftraße Wohnung. Da der Angeklagte, der inzwischen auch nach Berlin gekommen war, nach wie vor kein Geld

hatte und auch keines bekam, so unterstützte ihn Frl. Meyer mit täglich zwei bis drei Mark. Erik on erzählte ihr nun, daß er eine. Schwester in Stockholm habe, die mehrere Mil­lionen besitze; er wolle wieder nach Stockholm fahren und fich von der Schwester Geld holen. Frl. Meyer borgte ihm noch einmal zur Reise nach Schweden 60 Mk. und hat bann zu- nächst nicht- weiter von dem Angeklagten gesehen. Im Verhandlungstermin war der Angeklagte, der nur unvollkommen deutsch spricht, in der Hauptsache geständig, verschlimmerte seine Lage aber dadurch, daß er behauptete, Frl. Meyer habe ihm an- seinem Koffer eine größere Geldsumme gestohlen. Außerdem erklärte er:Ick abe nix kesagt, daß ich mich mit fie heirathen will." Der StaatSanwalr beantragte sechs Monate Grfängniß,- der Gerichtshof erkannte aber mit Rück­sicht darauf, daß der Angeklagte in ganz niederträchtiger und frivoler Weise auch jetzt noch die Meyer des Diebstahl- de- schuld'gt habe, auf ein Jahr Gefängn'ß.

lCircblid>e Anzeigen oe* env&ou

? vUNgelifche Gemeinde.

Sonntag, den 5. December. t. Advent.

Gottesdienst

Ja b<r Ao^annesrtech«.

vormittags 9Ve Uhr: Pfarrer Dr. Grein

vormittags 11 Uhr: MilttärgotteSdienst. Pfarrer Dingeldey-

Nachmittag- 2 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes« gemeinde. Pfirrer Dr. Naumann.

Abends 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Beichte und heil. Abendmahl für LucaS« und JobanneSgemeinde.

Montag den 6. December, AbendS 8 Uhr: euxldtmut im Confirmandenfaal der JohanneSkirche Psalm 14

Pfarrer Dingeldes

In der rpriedhofScapell«.

vormittags 91/, Uhr. Pfarrer Schlosser.

Im Cpnstrmandensanl, Revstadt 61.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die MatthäuSgemeinde. Pfarrer Schlosser.

Donnerstag den 9. December, Abends 8 Uhr: Bidet' stunde. 1 Cor. 8. Pfarrer Schlosser.

Sonntag, den 12 December, 3. Advent, findet in der JobanneS- kirche im Abendgottesdienst Beichte und heil Abendmahl für die Matthäus» und MarcuSgemeinde statt wo,u besonders auch die confirmtrte Jugend beider Gemeinden eingeladen wird- Anmeldung dazu wird bei den Pfarrern erbeten.

Ktttzolische »emeiutze.

SamStag den 4. December

Nachmittags um 4 Uhr und Abends um 8 Uhr Selegenhest zur hl Beichte;

Sonntag den 5. December. 2 Adoentsonntaa vormittags von 61/« Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte;

, um 7 Uhr erste hl. Messe; vor und in derselben A»S thetlung der heil Kommunion;

um 8 Uhr zweite hl- Messe;

vormittags um 9Vi Uhr Hochamt mit Predigt;

Nachmittags um 5'/, Uhr Christenlehre; darauf Advent andacht.

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SMF Mehrere «ortduonbenaen. sowie der ia voriger Nummer angekündigt« Leitartikek übe» die »tttßärstraf Prozeßordnung mußten wegen Raummangel zurückgestevt Werden.

Bekanntmachung.

Montag den 6. December sollen

1. Nachmittags it1/, Uhr auf dem Brandplatz am alten schloß: 10 abgängige Feuerleitern von 912«/, m Länge, 2. Nachmittags S Uhr auf dem Biehmarktplatz verschie- denes Gehölz, darunter 11 Pappel- und 4 Lindenftümme, öffentlich meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 3. December 1897.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. __________________________I- V.: Wolff. 11010

Samstag btn 15. Januar 1898

Nachmittag« 2«/ Uhr

sollen auf dem hiesigen OrtSgericht dte den Peter Worch «Helenten in Gießen gehörigen Immobilien:

Flur Air. 74M/too 291 qm Hofraithe an der Chaussee auf der Warte, Flur 26 Nr. 74M ioo 362 qm Grab­garten daselbst

öffenllich meistbietend versteigert werden. Gießen, 8. December 1897.

Großherzogliches OrtSgericht Gießen.

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