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1897
Freitag den 2. Juli
Zweites Blatt
Nr. 152
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Liebe den Riß, ja, eS kann sogar vorkommen, daß solch ein Ehepaar, daS ganz allein auf sich angewiesen ist, sich noch enatr aneinander anlchliefft und in gemeinsam gewonnener Resignation ein neues Band von Herz zu Herzen webt. Wie nahe liegt dann aber die Gefahr, daß die beiden, die so ganz eines in dem andern aufgehen, sich egoistisch von Fremder Leid und Freud abschlteßen! Jene zweite Jugend, die wir mit weißen Haaren noch einmal in unseren Kindern durchleben, können sie sich nur erwerben im selbstlosen In- teresie an der Allgemeinheit, in der warmen Liebe ür die gesammte Menschheit. Doch Gottlob, der versteinerten Herzen gibt eS nur wenige. Der Shnmtl tft güttg und gewährt da, wo er versagt, auch die Fähigkeit, fich Ersatz 8“ ^Grundfalsch ist darum aber doch die Aeußerung, die man so oft über kinderlose Ehepaare hört: „Ach, die find ja viel glücklicher ohne Kinder, sie wünschen fich keine, im Gegentheil würden fie ihnen nur unbequem sein.
Ich möchte Denen, die so sprechen, zum Schluß noch eine zweite kleine Geschichte erzählen, die ich einmal von einer HauSwirthin von mir hörte. Sie war die Frau eines armen Tischlers und besaß acht Kinder, von denen daS jüngste wenige Monate und daS älteste zehn Jahre zählte. Selbstverständlich machten die Kleinen oft einen Heidenlärm, unter dem die Miether litten. Eines Morgen«, nachdem es in der Nacht zuvor ganz besonder« arg damit gewesen war, traf ein ältere« Ehepaar, da, ebensall, in dem Hause wohnte, mit der geplagten Mutter im Flur zusammen. Der Herr trat, wohl in der Abficht, eine Wirth« | fchaftltche Angelegenheit zu besprechen, auf die Frau zu,
PermiWef.
• Sächsische Gemuthlichkett. Einer unserer Leser schreibt unS: Jüngst hatte ich in der Nähe von Pockau-Lengef-ld zu thun und befand mich schon im Wagen deS Zuges, der mich in einigen Secunden nach Chemnitz führen sollte, als ein origineller Vorgang meine Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Ein in Pockau ansässiger Bahnbediensteter hatte fich einem Herrn genähert, der im Begriffe war, etnzusteigen und der schon im Wartesaal durch sein urwüchsiges Wesen meine Auf« mrrksamkeit auf fich gelenkt hatte. Der Herr wußte wohl ein Zahnarzt sein, der Arbeiter aber über Zahnschmerzen zu klagen haben, denn er ließ ersteren einen Blick auf sein
Locales unt j-rovlnzleUes.
Gießen, den 1. Juli 1897.
♦* Wetterbericht, lieber Central«Europa ist der Luft« druck zwar noch hoch, doch gestaltet fich seine Vertheilung bei geringen Unterschieden noch ungleich mäßiger als bisher, so daß die Neigung zu Gewitterbildung in erhöhtem Maße fortbesteht. DaS eigentliche Maximum hat an Raum bedeutend verloren und erstreckt sich von Nordosten her als eine schmale Zunge südwärts bis gegen Polen. Vor der mittleren norwegischen Küste ist ein neues Minimum er« schienen, welchem über der Nordsee und Nordwestdeutschland Drpresfionen vorgelagert sind. Die Witterung war in Süd« deutschland am Morgen vorwiegend heiter. Die Temperaturen liegen noch immer sehr hoch. — Voraussichtliche Witterung: Bei wechselnder Bewölkung fortdauernd warmes Wetter mit starker Neigung zu Gewitterbildung.
§ Aus dem Ohmthal, 30. Juni. Die Heuernte ist als beendet zu betrachten und nun läßt fich der Überaus reiche Heusegen beurthetlen. Bis an die Dächer sind die Heuböden gefüllt. Dabei ist die Qualität deS diesjährigen Heues eine vorzügliche. Kaum ist die Heuernte beendigt, so zeigen auch die Wiesen wiederum einen vortrefflichen Ansatz zum Grummet, so daß auch ein gutes Grummetergebniß in AuSficht steht. Zu verwundern sind solche seit dem Futter« nothstandSjahre nicht vorgekommene Wiesenerträge bei diesem geradezu idealen Wachswetter eigentlich nicht. Ungewöhnlich heiße Tage und stets zur rechten Zeit den Regen, wie wollte der Landwirth besseres Wetter fich nur wünschen? Daß alle Culturpflanzen bei solch' segensreichem Wetter nach Wunsch gedeihen, ist leicht begreiflich. So zeigen die Kartoffeln trotzdem überaus rauhen Baue der Kartoffelfelder im Frühjahre setzt da- üppigste Wachsthum. Die Gartenerzeugniffe, vor allem Bohnen, Gurken, Salat u. A., gedeihen wirklich prächtig. Die Preise deS Rindviehs find bei diesen landwtrthschaft- lichen Ergebniffen und AuSfichten allerdings in die Höhe gt= gangen, aber doch nicht in einer Welse, wie man fie darnach erwarten konnte. ,
-o- Blofeld, 30. Juni. Unser KreiSausschuß hat einen Steinbruch, in unserer Gemarkung gelegen, für billiges Geld vom FiscuS erworben, wodurch die Möglichkeit ge« geben ist, das Stetnmaterial für die Staatsstraßen, die fetzt KretSstraßen geworden, billig zu verschaffen. Die Steinbrüche in unserer Gegend werden gesucht und steigen im Preise.
L. Lißberg, 30. Juni. Die Reparaturarbeiten an un« serem, durch den Blitz in diesem Frühjahre beschädigten Schloßthurme sollten begonnen weroen, als aber die Maurermeister, die geneigt waren, die Arbeiten zu übernehmen, sich davon überzeugten, wie gearbeitet werden- muß, entfiel ihnen der Muth. Die Arbeiten sind nämlich lebensgefährlich und können nur in der Weise auSgesuhrt werden, daß die Maurer einen zweihandbreiten Gürtel um den Leib legen und diesen mit einem starken Tau anfeilen, damit das Abstürzen verhütet wird, ähnlich wie es die Bergsteiger in
Hochgebirgen und Über Gletscher machen. Welche fürchterliche Gewalt ein Blitzschlag auszuüben vermag, daS kann man an unserem Thurme studiren. Der Wetterstrahl hat nämlich auS dem Mauerwerke, das fünf- bis sechshundert Jahre alt und fest ineinander gebacken ist, wie ein Granitfels, ein Stück förmlich herausgeschält und herabgeschleudert. Man kann fich keine irdische Kraft vorstellen, welcher so etwas möglich wäre, selbst die Wirkung der gewaltigsten Marinegeschütze verschwinden gegen diese Leistung deS Blitzes.
E. Echzell, 30. Juni. In unserem Marktflecken, dem größsten in der Wetterau, abgesehen von den Landstädtchen, wird schon seit längerer Zeit eine elektrische Beleuchtung geplant, deren Ausführung in der jüngsten Zeit ihrem Ziele bedeutend näher gekommen ist. Wir haben eine Wasserkraft, die Horloff und haben die ganz unvollkommen auSgenützte Dampfmaschine der Genossenschaftsmolkerei, mit deren Hülfe der elrctrische Strom reichlich beschafft werden kann. Hauptsache aber ist die genügende Anzahl von Abnehmern für daS elektrische Licht und diese haben sich jetzt auch gefunden. Wir werden daher in diesem Jahre unsere schon seit mehr als dreißig Jahren ersehnte Bahnlinie und daS elektrische Licht erhalten.
Mainz, 29. Juni. Die Eisenbahndirectiou Mainz hat sämmtliche Arbeiter deS Directionsbezirkes je nach ihrem Dienstalter um 10 bi» 30 Pfg. pro Tag aufgebessert. Die Zulagen kommen am 1. Juli mit Rückwirkung bis zum 24. April zur erstmaligen Auszahlung.
Ä Mainz, 30. Juni. DaS hiesige demokratische Organ, der „Mainzer Anzeiger", der vor 48 Jahren von dem Vater deS seitherigen Besitzers, Herrn GottSleben, gegründet wurde, ist um den Preis von einer halben Million Mark nebst HauS und Druckerei an ein Kölner Finanz Consortium verkauft worden und wird bereits von morgen an für Rechnung de» Consortiums geleitet werden. DaS Finanz-Consortium hat vor kurzer Zeit bereits die Kupferberg'sche VerlagShandlung hier käuflich erworben und beabsichtigt, beide Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. An der Tendenz des „Mainzer Anzeigers" soll nicht- geändert werden. Als Direktor wird ein Herr Will genannt, der seither in der Kölner Verlagsanstalt thätig war.
Feuilleton.
Haden Sie Kinder?
Plauderei von M. Kossak.
(Schluß.)
Ader auch, wenn eine Frau niemals ein Wesen van ihrem Fletsch und Blut in ihr.n Armen gehalten, auch dann wird ihr Herz fich schmerzhaft zusamm-uzi-h-n, « fie so schonungslos an das erinnert, was sie entbehren muß. Es folgt doch kein Weib — keines, daS den Namen verdient — einem geliebten Manne an den Altar ohne die Hoffnung, daff d-reiust lachende rosige Kindleiu >hr Hau« mit Sonnenschein und Wärme erfüllen möchten. Schon des kleinen Mädchens liebster Traum ist es, mit, Engelein zu spielen, wächst efl heran, so fallen diesen die Flügeln ab, aber btt Sehnsucht nach den tt-bl.ch-u Gchat-ublE Wird sie dann später in der Ehe nicht gestillt, so lernt sie wohl allmählich, sich mit dem Unabänderlichen abzufind^ aber manch schweren Kampf kostet r- doch. Aengftltch forscht sie in ihre» Gatten Antlitz und Benehmen, ob ihre Kinderlosiakeit ihr nicht seine Liebe raubt- er weiß recht ^".«^N ihr'vorgeh.' er such, 'hr zu verbergen und berührt aus Schonung für fie uiema - den wunden Punkt. Aber schon die Thatsache, daß ein solcher ertsttrt und daß man vermeidet, über ihn zu sprechen, chafft leicht eine Entfremdung zwischen den Ehegatten, die unter ungünstigen Umständen weiter und weiter geht und zuweilen meisten^ Fälle« zwar überbrückt gegenseitige
Gebiß thun, baß dieser mit den Worten aufriß: „Herau» muß er!" Gesagt, gethan, der Herr Zahnarzt placirte den Patienten auf dem Sitzbrette deS zur Abfahrt bereitstehenden Zuges, rief dem Zugführer zu, er möge noch ein bischeu warten, öffnete seine Handtasche, brachte eine gewaltige Zange »um Vorschein, mittelst deren er sich daran machte, unter großer Spannung deS ihn umstehenden Bahnpersonals und des mitfahrenden Publikums dem Patienten seinen Peiniger zu entreißen. Ein gewaltiger Krach und zum Vorschein brachte die Zange einen mächtigen Stockzahn, den der Herr Doctor triumphirend seiner Umgebung zeigte. All da» war daS Werk eines Augenblickes! - Der Herr Zahnarzt stieg ein und unter allgemeiner Heiterkeit deS Publikums setzte der Zug sich in Bewegung. Am heitersten war der Patient selbst, der während der Operation weder eine Miene verzogen, noch einen Laut von sich gegeben hatte, nahm ihm doch der Herr Zahnarzt für seine Bemühungen nichts ab. Ich aber verspürte noch nach 10 Minuten den Krach deS gezogenen Zahnes an meinem eigenen Gebisse.
• Englische IubUaumsmarken. In London werden gegenwärtig zwei Arten von besonderen Briefmarken in Verkauf gebracht, und der Erlöß fließt wohlthätigen Zwecken zu. Der Prinz von Wales hat selbst die Zeichnung für diese zwei Marken ausgewählt: baß Hauptmotiv ist bem Gemälde Joshua Reynolds „CharitaS" entnommen, das einen Bestand« theil des DecorationSbildeS „Die Tugenden" in der Capelle bes neuen College in Oxforb bilbet. Die eine dieser Brief« marken ist indigoblau unk> wird für einen Schilling verkauft, die andere von ziegelrother Farbe kostet eine halbe Krone. ES wurden 800000 Stück angefertigt und die Clichvs sofort nach der Herstellung des Druckes vor den Augen des Prinzen vernichtet. Der Generaldirektor der Posten wird gleichfalls sogenannte JubliiärnSmarken in Umlauf setzen. Diese Specialmarken werden auf die Dauer eine» Vierteljahres an Stelle der im großbritanischen Reiche curfirenden Briefmarken gesetzt werden.
Verfälschte schwarze Seide. ein Müfterchm des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz bellbräunlicher Farbe. - Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort (nameMlich «"^men die „Schußsaden weiter, wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterlaßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Se^enich^ kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt nmn die Asche der achtm Seide, so zerstäubt fie, die der verfälschten nicht. Die SeidA- fabriken €L Henneberg (f. u. k. Hoflieferant) senden gern Muster von ihren echten Seidenstoffen anJedermann und liefern einzelne Roben und ganze Stücke porto- and 8teoe^ ins Haus. -—
Kunst-Ausstellung,
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8 uhr. — Eintrittspreis für Nichtmitglieder an Werktagen 50 Psg., an Sonntagen 20 Pfg.
I diese aber meinte, er wolle sich wegen seiner gestörten Nacht« ruhe bet ihr beschweren. Dem wollte fie zuvorkommeo, indem sie sein Mitlied zu erwecken suchte.
„Ach Gott, ach Gott, Herr Direktor," sagte fie, „ich bin selbst wie zerschlagen nach der Nacht. Kaum lag ich im Bett, da schrie baß eine und ich mußte aufsteheo, um e» zu beruhigen, ein paar Minuten darauf war- wieber Zett, dem jüngsten seine Flasche zu warmen, und so ging» bis zum Hellen Morgen. Nicht bie Augen habe ich zugemacht.
Der Miether hörte bem Gejammer ausmerksam zu, bann nickte er unb sprach recht auS tiefster Brust heraus:
„Ja, Frau Walter, Sie find eine sehr glückliche
„Er muß nicht bei Sinnen gewesen sein," weinte meine Wtrthin, als fie wir bas Erlebniß mittheilte. „Sonst finb er unb die Frau Direktor so auf ihre Ruhe und Bequemlichkeit bedacht. Wenn baß Dienstmädchen mit ben Tellern klappert, ratsonniren fie gleich unb nun — ich begreife
^Bedarf bie Geschichte wohl eine» CommemarS? Würben Sie an einen von diesen Ehegatten wohl die S*a8c Jld>ten: „Haben Sie Kinder?" Ich glaube nicht. Vielleicht thun Sie dieselbe fortan überhaupt nicht mehr so zweck« uno gedankenlos wie bi«her? Wenn St- nicht wiff-n, wie Stein- Unterhaltung antnüpfen sollen, |o reden Sie "-der von der politilchen Lag- Tahiti«, von d-, culturgeschichtltchen B-d-uwng d-r alten Phiiutcter oder m-in-tw-g-n auch vom Weiter. Da« ist harmlo« und thut Niemanden weh.


