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2.6.1897 Erstes Blatt
 
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etzten Punkt der Tagesordnung:Wahl des Ausschusses und des Orts zur Abhaltung der nächstjährigen Generalverfamm» lung" geschritten. Auf Antrag deS Herrn Krteghoff-Kaftel wurde der Ausschuß auf weitere 3 Jahre statt seither 1 Jahr wiedergewählt und an Stelle des auSgeschiedeveo Ausschußmitgliedes Herrn Breitinger-Mainz, Herr Kahl« WormS neugewählt und als Ort der nächsten Versammlung Michelstadt im Odenwald mit großer Majorität bestimmt. Schluß der Verhandlung P/i Uhr.

33. Tonkiinstler.Versammlung deS allgemeinen deutschen Musikvereins zu Mannheim.

Pr. Mannheim, 31. Mai 1897.

(Fortsetzung.)

Als eine Aufführung von ganz hervorragender Bedeutung ist das dem Andenken von Johannes BrahmS gewidmete Kammermusik Concert vom 28. Mai zu bezeichnen. Wir er­innern uns nicht, jemals so ganz vorzügliche, iu jeder Be­ziehung völlig einwandfreie Darbietungen auf dem Gebiete der Kammermusik vernommen zu haben als in diesem Cou« cert, welches die Quartettveretnigung Halir und Genoffen zur bedeutendsten aller derartigen bestehenden Künftlerver« etntgungen gemacht hat. Ihren Darbietungen gegenüber muß auch die eingehendste Kritik schweigen. Auf gleicher künstlerischer Höhe wie die genannte Quartettvereinigung frand die Pianistin Frau Marg. Stern, welche in dem Quartett op. 25 den Clavierpart, und Herr Schubert, welcher in dem sogen. Clarinettenqaintett die Elarinette übernommen hatte. Außerdem wurde das Streichquartett in A-moll, op. 51 Nr. 2, zum Vortrag gebracht. Zwischen diesen Kammermufik-Piscen waren Liedervorträge des Fräulein A. Heindl vom Großh. Hoftheater zu Mannheim und der ConcertsängerS Herrn Dr. Felix Kraus aus Wien ein- geschoben. Fräulein Heindl, die sich als Opernsängerin in Mannheim eines guten Rufs erfreut, erschien unS durch Indisposition an der vollen Entfaltung ihrer offenbar schönen Talente verhindert,- vor allen Dingen machte sich eine fort­währende Athemnoth wiederholt störend bemerkbar. In Herrn Dr. KrauS scheint ein neuer bedeutender Stern am musi­kalischen Kunfthimmel aufzugehen, der bald den größten Thetl > iner Concurrenz überflügeln wird. Wir haben selten so viel stimmlichen Wohllaut mit vorzüglicher TextauSsprache und einem edeln Vortrag gepaart gefunden. Dieernsten Gesänge" von BrahmS, die sich der Künstler zum Vortrag auSgewählt hatte, find, wie wir hörten, noch dazu eigene für ibn geschrieben und waren somit am geeignetsten, seine Meisterschaft im Gesang sich in herrlichster Weise bewähren zu lasten. Der Beifall war ganz enorm und wollte gar kein Ende nehmen; so sehr waren Aller Herzen von der hinreißenden Vortragsweise deS jugendlichen Künstlers begeistert.

Der 29. Mai brachte wieder ein Orchesterconcert großen Stils. Dasselbe wurde eröffnet durch eine neue Symphonie 3ur des tbemes montagnards von Vincent d'Jndh, welche, unter der Leitung des Componisten von der verstärkten Mannheimer Hoscapelle wirkungsvoll vorgetragen, eine freund­liche Aufnahme fand. d'Jndy ist Franzose, und seine Ton­schöpfung trägt den Character seiner Nationalität. Weniger Teich an Gedankentiefe als blendend und bestechend in der Melodik, und ausgestaltet mit einer großen Fülle tythmischer und instrumentaler Eff cte ist diese Symphonie wohl geeignet, Beifall zu erwecken und wird vor allen Dingen da, wo moderne Musik warme Vorkämpfer findet, eine gern gesehene Erscheinung auf den Cor.certprogrommeu bleiben.

Mit der Neuerung, das Clavier als Orchester-Instrument zu behandeln, können wir uns nicht recht einverstanden er­klären,- unseres Erachtens ist heutzutage die Jnstrumen- rutionskunst so weit vorgeschritten, daß man dem Concert- flügel ruhig seine Stellung als Solo-Instrument lasten kann. Dabei möchten wir nicht unerwähnt lasten, daß der Pianist, Herr Eduard RiSler, die Clavierparthie ganz vorzüglich durchführte. Der Hauptsolist deS Abends war Herr A. Petschnikoff, der sowohl im D-dur-Concert von Tschaikowsky alS auch in dem Adagio und Fuge von Bach sich nicht nur als Virtuos von blendender, alle Hinderniffe mit Leichtigkeit überwindender Technik, sondern auch als ge­diegener denkender Musiker erwies und ganz enormen Bei­

fall erntete. Bei dem oft coloffal feurigen Tempo In dem Biolinconcert hatte das Orchester einen schwierigen Stand und eS bedurfte verschiedene Male der ganzen Energie deS Hofcapellmetsters v. Reznicek, um sich zeigende Diffe­renzen wieder auszugleichen. Herr Dr. KrauS sang eine CantateDer Fußwauderer" (Dichtung von Rückert) von ProhaSka mit Orchesterbegleitung und Lieder von Steinbach. Auf die Compofition von ProhaSka brauchen wir um so weniger einzugehen, als mit Sicherheit anzuoehmen ist, daß dieselbe sobald kein Concertprogramm wieder zieren wird. ES ist unfaßbar, wie ein solches Machwerk, für das auch der Vortragende Sänger sichtlich gar kein Interesse zeigte, im Concert einer Tonkünstler-Versammlung einen Platz finden konnte. Die Lieder von Steinbach brachten Herrn Dr. Kraus viel ehrenden Beifall, trotzdem er nicht so gut diSponirt er­schien wie am Abend vorher. Den Schluß des ConcerteS bildete die unter RezntcekS Leitung gespielte Dante- Symphonie von Franz LiSzt. Wir haben dieselbe schon früher unter Weingartners Leitung gehört und konnten uns mit der gestrigen Wiedergabe nicht überall einverstanden er­klären. Völlig befriedigen konnte der erste Thetl, die Schil­derung der Hölle, dagegen erschien unS im zweiten Satz von der Stelle au, wo der Knabenchor einsetzt, das Tempo etwas übereilt, so daß von der weihevollen Stimmung, welche diesen ganzen Theil durchweht, viel verloren ging.

Am Besuch des am Sonntag Morgen vom Mannheimer Conservatorium arrangtrten BrahmS-Kammermufik ConcerteS waren wir leider durch die Hauptprobe zum SonntagS-Coucert (Berlioz: Lelio, und Wagner: Kaisermarsch) verhindert und bedauern um so mehr nicht dagewesen zu sein, als wir dadurch um den Genuß gekommen sind, den Clarinetten- Virtuosen Mühlfeld, der seine Mitwirkung zugesagt hatte, zu hören. (Fortsetzung folgt.)

* Die Zahl der Ritter deS Eisernen Kreuzes 1. Klasse, die tu der deutschen Armee noch in den Dienst- alterSlisten der activen Armee geführt werden, ist auf 83 zusammengeschmolzeu, von denen 69 dem preußischen, 8 dem sächsischen, 5 dem bayerischen und 1 dem württembergischen Heere angehören. Unter ihnen befinden sich 7 General« feldmarschälle und Generalobersten, 7 Generäle der Infanterie, Cavallerie und Artillerie, 15 Generallieutenants, 13 General­majors, 10 Obersten und 1 Major. Ferner haben noch 9 BezirkScommandeure, 2 Gendarmerieoffiziere, 2 Invaliden« offiziere und 1 Offizier z. D. in activer Dienststellung da« Eiserne Kreuz 1. Klasse.

Rancher wird eS interesfiren, daß durch einen in der letzten BundeSrathsfitzung gefaßten Beschluß bie Verwendung von Theeblättern und Wegebreitblättern bet der Herstellung von Cigarren gebilligt worden ist. (DaS wird ein edles Kraut geben!)

* Oberförster Verlach aus Sondershausen, der bekanntlich wegen unmenschlicher Behandlung seines Dienst­mädchens zu Gefängniß vrrurtheilt wurde, hat aus dem Ge- fängntß ein Gnadengesuch an den Landeöfürsten eingereicht. Das Gesuch ist aber unter Hinweis auf das durch den Fall so außerordentlich beleidigte BolkSgewtssen für alle Zetten als unerfüllbar zurückgegeben worden.

* Der VerfchöueruugSvereia in Weißenfels bat in den hortigen Anlagen eine Reihe von Warnungstäfelchen auf« hängen lassen, deren Anbringung sich vielleicht auch für unsere Gegenden nicht wenig empfehlen uöchte. Auf den Täfelchen liest man folgenden Vers:

Für jeden Fuß ist hier ein Gang Für pben Müden eine Bank, Für jedes Auge eine Blume Zum allgemeinen Eigenthume, Für Herz und Sinn ist alles schirr Doch nichts ist für die Finger hier.

Loudon, 29. Mat. Das deutsche SchiffTricatje" aus Leer, das Anfangs Februar von London mit Jute nach Spanien gesegelt ist, ist verschollen.

* Die Bevölkerung Londons wurde Milte 1896 auf 4,421,955 Seelen geschätzt; die Einwohnerzahl hat sich

somit in einem Jahre um 41,000 gesteigert. London nimmt einen Flächenraum von 121 englischen Quadratmeilen ein; auf jeder Quadratmeile wohnen durchschnittlich 38,000 Per­sonen. Die Dichtigkeit der Bevölkerung ist in den verschie­denen Stadttheilen recht verschieden, am geringsten ist sie in LewiSham, Woolwich, WondSworth und Hampstead, am dichtesten in Holborn, Btthual Green, St. SaviourS, South- wark, Shoredtrch, St. GeorgeS-in the-East und Whitechap:!. In den letzten Stadttheilen wohnen fünfmal soviel Menschen auf dem Acre, wie in den erstgenannten. Im Jahre 1896 verheiratheten sich in London 79,738 Personen unb 135,796 wurden geboren, während 83,511 Personen starben. Besonders viele Opfer forderte im Vergleich zu den vorigen Jahren die Diphtherie.

Unterhaltungen in Bad-Nauheim.

Die Kurcapelle spielt täglich Morgens von 7 bis 8 Uhr atr Kurbrunnen, Nachmittags und Abends siebe unten, bei weniger als 10° R. Wärme im großen Speisesaale des Kurhauses.

Mittwoch den 2. Juni, Nachmittags von 4 bis 7 Uhr: Concert deL Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Theater­vorstellung. Madame Bonivard. Donnerstag den 3. Juni, Nach­mittag« von 4 bis 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Freitag den 4. Juni, Nachmittag« von 4 bis 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Ubr im Saale: Theater­vorstellung unter Mitwirkung der Kuicapelle. Der böse Geist Lumpaci-Vagabundus oder: Das liderliche Kleeblatt. Samstag den 5. Juni, Nachmittags von 4 bis 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse unter Mitwirkung des Gornet ä pi8ton-Virtuosen Herrn Oskar Böhme. Abends 8 Ubr im Saale: Tanz- Vorläufige Anzeige: Sonntag den 6. Juni, Nachmittags von 4>/, bis 7 unb von 8 bis gegen 9 Uhr auf der Terrasse: Concert von der Capelle des 2. Nass. Inf. Regts. Nr. 88 aus Mainz.

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Temperatur der Lahn und Luft

nach Reaumur gemessen am 1. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittag«: Wasser 16-, ß«-ft 23°.

Rübsamen'sche Badeanstalt.

Derkehr,aub» unb voUrwirthscha e

Gieße«, 1. Juni. Marktbericht. Auf dem heutig.-« Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. JL 0,800.95, Hühnerrttr pr. St. 0 4. 2 St. 1011 4, Enteneier 2 St. 11-12 H, GS»''« eiet pr. St. 0011H, Käse pr. St. 58 Käsematte pr. St. 3 -5», Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen pr. Liter 27 Tauben pr. Paar X 0,70 bis 0,90, Hühner pr. Stück 1,10 bis 1,30, Hahnen pr. Stück JL 1,201,50, Enten pr. Stück JL 1,601,80, Gänse pr. Pfund M 0,00-0,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 H, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 6066 H, Schweinefleisch pr. Pfd. 56 bis 66 H, Schweine­fleisch, gesalzen, pr. Pfd. 70 Kalbfleisch pr. Psd. 50-54 4, Hammelfleisch pr. Pfd. 5065 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,50 b<1 5,00 JL, Weißkraut pr. Stück 0- -00 4» Zwiebeln vr Centn er X 8.009.00, Milch pr. Liter 16 4, Kirschen pr. Pfd. 50 Spargel pr. Pfd. 50 u. 40 Pfg.

Hebet Nutrose

wird vor» Lrztticher «eite geschrieben r

Die Anwendung o?n Nutrose erfolgte bei sehr verschiedenen Kranken, besonders aber bei Kindern, welche mit flüssiger Kost er­nährt werden sollten. (R-convalescenten von Scharlach, Masern, Diphtherie, Pneumonie). Mit Hülfe des Pulvers konnte die aus Milch, Fleischbrühe und Schleimsuppe bestehende Kost zu einer sthr eiweißreichen gemacht werden, was zur schnellen Erholung wesentlich beitrug. Die klinische E'fahrung hat gezeigt, daß wir ein brauch­bares, dem Geschmack zusagendes und in keiner Weise den Darm­canal reizendes Nährpräparat in Händen hatten". Sämmtliche ärztliche Beobachtungen betonen die intensive Nährkraft und die leichte Verdaulichkeit der Rvtrose einzige Fabrikanten: Farb­werke, Höchst a. M. und empfehlen sie schwächlichen Personen jeden Alters. In Schachteln L 100 gr. ausreichend für etwa 15 Mahlzeiten durch alle Apotheken, sowie Droguenhandlungen usw. zu beziehen. 5346

»Marioths Verb. Malzkaffes wirkt nach Aussage ärzt­licher Autoritäten aut das Nervensystem beruhiaend und kann Kranken und Gesunden als Ersatz für Bohnenkaffee nicht genug empfohlen werden. Auch ist derselbe als vorzüglicher Kaffeezusatz zu verwenden."

Meyers Konversations - Lexikon

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Bekanntmachung.

Die diesjährige Grasnutzung auf den Schneisen des Gießener Stadt­waldes soll Samstag den 5. Juni l. I, Vormittags 11 Uhr, im Saale de« alten Rathhauses öffentlich verwerthet werden.

Gießen, den 31. Mai 1897.

Gcoßherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 5366

Gelegenheitskauf.

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Frankfurt a. M., den 26. Mai 1897.

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