Gemeindeschule zu Romrod, Kreiß Alsfeld, übertragen; am 8. Mat wurde die provisorische Lehrerin an der höheren Mädchenschule zu Mainz Anna Bickel zur Lehrerin an dieser Schule, unter Belassung in der Kategorie der Volks- schullehrer, mit Wirkung vom 1. Mai an, ernannt; — am 15. Mai wurde dem SchulamtSaSpiranten Ferdinand Weitzel au» Rodenbach eine Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Erzhansen, Kreis Darmstadt, übertragen.
Erledigte Lehrerstelle». Erledigt find: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kailbach, Kreis Erbach, mit einem jähr« lichen Gehalte von 900 Mk. Dem Herrn Grasen zu Erbach-Fürstenau steht daS Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrer- stelle an der Gemeindeschule zu Hesselbach, KreiS Elbach, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Herrn Grafen zu Erbach- Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Neu-Isenburg, Kreis Offenbach, mit einem nach dem Dienftalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000 bis 1800 Mk. Eine mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Jügesheim, Kreis Offenbach, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 900—1100 Mk. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Olm, Kr. Mainz, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 900 biS 1000 Mk. Eine mit einer katholischen Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Bieber, Kr. Offenbach, mit einem jährl. Gehalte von 1000 Mk.
* Wildschaden bett. Im Allerhöchsten Auftrage Seiner Königlichen Hoheit des GroßherzogS hat das Großherzogliche Ministerium einen Gesetzentwurf, die Ergänzung deS Gesetzes vom l.Juui 1895, den Ersatz des Wildschadens bett., mit Begründung den Ständen deS Großherzogthumß — und zwar zunächst der zweiten Kammer — zur versassungS- mäßigen Berathung und Beschlußfaffung mitgetheilt. Der Entwurf lautet: Ist von den Betheiligteu innerhalb vier Wochen nach Einlangen des Gutachtens der Sachverständigen die Entscheidung deS KreiSauSschuffeS nicht an» gerufen worden, so hat der Vorsitzende des KreiSauSschuffeS den Betrag der entstandenen Kosten festzusetzen und den Rechner der KreiSkaffe zur Erhebung derselben von Demjenigen anzuweisen, welcher den Anspruch auf Ersatz von Wildschaden erhoben hat. Dem Letzteren bleibt es unbenommen, auch dann noch eine Entscheidung deS Kreis- auSschuffeS im Sinne deS Artikels 10, Absatz 2, des Gesetzes herbeizuführen.
• * DaS Sport- und BoUSfest fand gestern Abend mit der allgemeinen Volksbelustigung auf der Bichler'schen Terrasse einen befriedigenden Abschluß. Am Nachmittag veranstalteten die „Wanderer" unter Musikbegleitung und Vorfahren eineß radelnden Engländers eine Fahrt nach dem Festplatz. Der Abend brachte wieder die schon am Sonntag beifällig aufgenommene Illumination der Bichler'schen Terrasse und die wohlgelungenen Scheinwerfer-Experimente. Wie uns mitgetheilt wird, haben sämmtliche am Feste beteiligten Wirthe, Conbitoren, Earousselbefitzer usw. gute Geschäfte gemacht. Die Preise für Speisen und Gettänke waren durchaus mäßig. Auch der Umsatz in Postkarten war nach uns gewordener Mittheilung ein großer. Wir dürfen sonach wohl annehmen, daß das Finanzcomitö mit Befriedigung auf Folio „Haben" blicken kann. Am Renntage allein waren 5100 Eintrittskarten verkauft, nämlich 4036 Stehplätze, 650 Karten zum Sattelplatze und ca. 420 Sitz- und Tribünenplätze. Hierzu kommen noch ca. 500 bis 600 Karten ä 50 Pf., welche an am Zuge beteiligte Radler verkauft find, so daß gegen 6000 Personen die Rennbahn besucht haben.
• • Für 200,000 Mk. Rader sollen am Sonntag in unserer Stadt versammelt gewesen sein. Die Berechnung kann stimmen, da annähernd 900 Radler, von denen wohl jeder eine Maschine im Werthe von 225 Mk. mit sich führte, die Feststadt Gießen besucht hatten.
* • Grüße an8 Gieße» sind in den letzten Tagen massenhaft sowohl von den Gästen deS Sportfestes wie von den Einwohnern nach allen Richtungen Deutschlands und wohl auch darüber hinaus versandt worden. Die illustrirten Postkarten bürgern sich immer mehr ein und es wird bald keinen einigermaßen auf schöne landschaftliche Lage Anspruch wachenden AuSflugSpunkt, kein gut frequentirteS Restaurant mehr geben, welche nicht ihre eigenen Postkarten haben. In letzter Zeit ist die Firma Ernst Balser hier wieder mit einigen Neuheiten hervorgetreten. Neben der den jüngsten Sportplatz darstellenden Karte find einige Karten erschienen, deren bildliche Darstellungen Bezug haben auf Gießen als Universitätsstadt, auf daS Hessenland mit feinen malerischen Frauenttachten, sowie auf einzelne Gebäude, z. B. das Club- gebäube. Die illustrirten Postkarten regen nicht nur ben Sammeleifer an, sie frischen auch Bekanntschaften auf, befestigen Freundschaftsbande, denn mancher Gruß bliebe un- verfchickt und demnach unerwidert, wenn die fast überall erhältlichen Postkarten nicht wären. Daß durch den Post- kartencultuS aber auch die Industrie und zu guterletzt der Staat in Folge beß erhöhten Markenabsatzes profitiren, sei nebenbei erwähnt.
internationale kriminalistische Bereinigung. Die fünfte LanbeSversammlung ber Landeßgruppe Deutscheß Reich findet am 9. und 10. Juni dß. Iß. in Heidelberg in der Aula der Univerfität statt. Nach der Tageßordnung kommen u. A. folgende Fragen zur Berathung : 1) Durchführung grundsätzlicher Reformen auf dem Gebiete des Strafvollzugs im Rahmen der bestehenden Gesetzgebung. Referent: Geh. Justizrath Professor Seuffert in Bonn. Korreferent: Geh. Regierungßrath Dr. Krone in Berlin; 2) die sogenannten Unschuldßstrasen oder die Frage ber strafrechtlichen Haftbarkeit ohne jegliches ober wenigstens ohne volles verfchulben. Angemeldet ist ferner: 3) Antrag
des Geh. Justizrathß Prof. v. Lißt in Halle auf Berathung von Satzungen für die Landeßgruppe. Freitag, 11. Juni sollen die Strafanstalten in Bruchsal und Kißlau besucht werben.
• • Bienenschwarm. Am 30. Mai ist in ber Bienen- züchterei beß Konrad Damm von Reiskirchen der erste Schwarm geliefert worden, der das schöne Gewicht von 3 Kilo besitzt.
* * Wichtig für Wirthe. Eine allgemeine interessante Rechtsfrage, bett. Haftung der Wirthe für abhanden gekommene Garderobestücke ihrer Gäste, ist kürzlich vor dem Berliner Landgericht I zum AuSttag gebracht worden. Im August 1896 besuchte ein Bankier auß Insterburg in Berlin eine Weinstube. Er übergab dort einem Angestellten nebst anderen Sachen seinen kostbaren Spazier- stock zum Aufbewahreu. Als der Gast nach einer Stunde daß Local verlassen wollte, war der Spazierstock verschwunden und ein anderer an feiner Stelle zurückgeblieben. Da der Eigentümer beß Localß sich weigerte, für ben abhanden gekommenen Stock Ersatz zu leisten, erhob ber Bankier gegen ihn Klage, bie vom Amtßgericht abgewiesen würbe. Daß Landgtticht aber verurteilte unter Aufhebung beß amtß» gerichtlichen Urtheilß ben Wirth zum Schabenersatz. Eß liege ein Berwahrungsvertrag vor. Der Beklagte habe durch seine Anlage der „Garderobe" den Kläger jedenfallß zu ber von ihm gewählten Art ber Aufbewahrung veranlaßt.
** Wetterbericht. Der Kern beß barometrischen Maxi- mumß hat im Norben beß Erbtheils noch an Intensität gewonnen, währenb über Central- und Südeuropa baß Barometer etwaß gesunken ist. Unser'Gebiet steht jeboch unter dem Einfluß hohen Druckes, ber sich von Scanbinavien keilförmig sübwärts bis nach ben Alpen erstreckt. Das Wetter war am Morgen in Sübdeutfchlanb meiftevortß wolkenlos. — Voraussichtliche Witterung: Im Allgemeinen heiter unb warm, einzelne Gewitter jeboch nicht ausgeschlossen.
§§ Bo» bet Ohm. 31. Mai. Don ber vor zwei Jahre» in bie Ohm eingesetzten Forellenbrut scheint wenig aufgekommen zu sei». AnbemfallS müßte man von ben nun zweijährigen Forelle» mehr zu Gesicht bekommen, b. h. bie Fischereibefitzer müßten beren mehr fangen. DaS ist aber nicht ber Fall; eß kommen nicht mehr Forellen zum Fange, alß vor bem Einsetzen der Forellenbrut auch. Somit müssen bie vielen Tausend eingesetzten jungen Forellen zu Grunde gegangen sein. Der Mißerfolg der Forellenzucht ist zvohl darin zu suchen, daß daß Einsetzen zu etwaß früher Jahreß- zeit geschah, in der bamalß baß Wetter ganz besonberß rauh war unb demzufolge auch daß Wasser befonberß kalt. Der obere Lauf ber Ohm ist sonst von ganz trefflicher Beschaffenheit für Forellen, wie ja auch deren guteß Gedeihen in der Gemarkung Ober-Ohmen beweist.
A. Altenstadt, 28. Mai. In Nr. 101, erfteß Blatt dieser Zeitung vom 1. v. MtS. berichteten wir Ihnen von einem überaus eigenartigen Doppel- oder richtiger Tripelgeschäfte, baß hier und in der Umgegend abgeschloffen, aber noch nicht ganz erledigt worden war. Dieseß eigenartige Geschäft, daß in einer Tragicomödie zu endigen schien und von bem wir bamalß berichteten, daß jetzt ber fünfte Act in Scene ginge, ist wirklich zu Ende gediehen, unb zwar alß eine hübsche Cowöbie, für die sich die Leser dieser Zeitung sicher interesfiren. Alß der hiesige Pferde v er käufer unb Ochsen einkäufer merkte, baß bie Sache zu bösen Häusern ginge, unb er bie Lunten immer deutlicher riechen konnte, spannte er bie Laufhosen an, trottete zu Bauer C. nach Lind- Heim und bot diesem den gemachten Profit von 45 Mk. wieder an. Hierbei wurde ausdrücklich festgesetzt, daß das frühere Geschäft null und nichtig sei unb keiner gegen den anderen ein Recht, oder eine Forderung haben könne. Bauer C. ging nach kurzer Ueberlegung darauf ein und schob die bezahlten und halbverschmerzten 45 Mk. vergnügt schmunzelnd in ben Beutel. Nachdem dieses Geschäft tn Ordnung war, ging die Reise weiter nach Stockheim, wo baß famose Null abstreichungßgeschäft d. h. von 1100 Mk. sollte eine Null abgestrichen werden, wodurch der Kaufpreis beß Viehes nicht auf 1100—100=1000 Mk., sondern auf 110,0=110 Mk. festgesetzt worden war. Nach einigem Hin- und Herreden verzichtete der Bauer auf die gekauften Ochsen, weil ber Kaufvertrag in bieser Weise boch nicht haltbar gewesen wäre. Aber baß Frühstück? fragte ber Bauer. Daß bezahle ich, antwortete ber Hanbelßmann — unb so war auch biese Verwickelung gelöst. Nun ging eß an daß Zahlen beß Früh- stückß! Da zeigte eß sich, daß die Herren 86 Mark ver- jubelt hatten; ein unangenehmer metallischer Nachgeschmack! seufzte ber Hanbelßmann unb kratzte sich hinter den Ohren und dabei haben mich die Bauern auch noch üderschlaut. Trotzdem zog er befriedigt nach Hause, denn alß es hintendrein zur Untersuchung kam, wieS der Kluge nach: das Ganze war mehr ein Spaß, Niemand ist geschädigt worden, ergo ist auch kein Grund zur Strafe vorhanden. So endigte die hübsche Comödie, die in bäuerlichen unb anderen Kreisen vielen Stoff zur Heiterkeit unb Unterhaltung lieferte.
-e. Ne» - Ulrichstein, 1. Juni. Monatsbericht ber Arbeiter - Colonie pro Mai 1897. Ende Mai 1897 sinb in ber Colonie stellen-, resp. arbeitslos 52 Mann. Dieselben verteilen sich auf bas Groß- herzogthum Hessen 8; Königreich Preußen: Regierungsbezirk Kassel 10, Regierungsbezirk Wiesbaden 5; Provinz Rhein» lande 6, Provinz Sachsen 2, Provinz Schlesien 2, Provinz Westfalen 2, Reichslande 1; Königreich Bayern 3, Königreich Württemberg 2, Königreich Sachsen 1; Groß- herzogthum Baden 4; thüringische Staaten 3; Freie Stadt Hamburg 1. Ausland: Ungarn 1, Rußland 1. Hiervon waren: Arbeiter 23, Anstreicher 2, Bäcker 2, Eon- bitor 1, Drechsler 1, Former 2, Gärtner 1, Kaufleute 3, Kellner 3, Küfer 2, Kupferschmiede 1, Klempner 1, Oeconom 1, Schneider 2, Schuhmacher 1, Schlosser 2, Schreiner 1, Schreiber 1, Tüncher 2. Gearbeitet wurde an 1372 Tagen. Verpflegt wurde an 1638 Tagen.
Im Monat Mai 1897 wurden entlassen 17 Mann, und zwar tn Arbeit durch eigenes •Bemühen 1 , auf eigene» Wunsch 7, wegen Arbeitsscheu (Contractbruchs) 8. Seit Bestehen ber Colonie sinb aufgenommen worben im Ganzen 2960, bagegen abgegangen im Ganzen 2908 Mann, bleibt Bestand am 31 Mai 1897: 52 Mann.
Darmstadt, 31. Mai. Gestern hatte der Jagdpächter Dapp aus Groß Bieberau das Unglück, einen Jagdgenossen Namens Simrnemacher zu erschießen. Aus Verzweiflung hierüber schoß er fich eine Kugel in den Kopf, sodaß der Tod sofort eintrat.
Darmstadt, 30. Mai. Das Personal - Berzeichniß ter Technischen Hochschule (Rector Geh. Baurath Prof. Berndt) für das Sommer-Semester ist erschienen. Laut demselben zählt die Hochschule 1150 Hörer (gegen 1186 'm Winter-Semester 1896/97), davon 1057 Studierende. Es zählen von den Adtheilungen: Architectur 82, Ingenieur- wesen 127, Maschinenbau 298, Electrotechmk 405, Chemie (inSgesammt) 119, allgemeine Abteilung 26 Studierende. Von der Gesammtzahl der Hörer sind auß Hessen 284, Preußen 417, Bayern 80, Sachsen 32, Hamburg 32, Elsaß- Lothringen 22, Sachsen Coburg Gotha 11 rc., von den übrigen europäischen Staaten aus Rußland 92, Oesterreich Ungarn 25, der Schweiz 15, Rumänien 10 :c An der Anstalt mitten z. Zt. 27 ordentliche Professoren, 8 außerordentliche Professoren unb Professoren im Nebenamt, 20 Lehrer und Privat- bocenten, 21 Assistenten.
O.K.W. WormS, 31. Mai. General-Versammlung der hessischen Krankenkassen. Die fünfte ordentliche Generalversammlung der freien Vereinigung der Kranken- fallen im Großherzogthum Hessen sand gestern Vormittag 10 Uhr im Gasthaus zur Krone in Bad-Nauheim statt. Bon den ber Bereinigung angehörenben 64 Kassen waren 36 Kassen durch 101 Personen und außerdem noch das KreiSamt Friedberg, die Städte Bad Nauheim, Mainz, Offenbach, Gießen, sowie die Jnvaliditäts- und Altersoer- ficherungSanstalt Großh. Hessen vertreten. Nachdem das Büreau gebildet war, wurde zu Punkt 1 der Tagesordnung: Berichterstattung beß geschäftßsührenden Ausschusses gefdjritten, zu welchem Punkt Herr Ost er may er bas Referat erstattete. Aus demselben ging hervor, daß die voriges Jahr gefaßten Beschlüsse und Petitionen vollzogen find und daß die Vereinigung um 14 Kassen im letzten Jahr zugenommen hat, so daß sie jetzt umfaßt 40 Ortskrankenkassen, 20 Betriebs- krankenkassen und 4 JnnuugSkranker.kassen mit zusammen 66119 Mitgliedern. Hebet Punkt 2 der Tagesordnung: Uebernahme deS Heilverfahrens seitens der Jnvaliditäts- unb AlterSverficherungSanftalt gemäß § 12 des Jnvaliditäts- und AltersoerficherungS-Gesetzes referirte Herr RegierungSrath Dr. Dietz» Darmstadt und führte aus, daß er fich »untere, daß noch so wenig Gebrauch von diesem Paragraphen gemacht werde, trotzdem er es nicht an den Aufklärungen in der TageSpresse rc. habe fehlen lassen. Auch entwirft er em Bild der von der Versicherungsanstalt in den letzten drei Jahren übernommenen Heilverfahren, woraus wir erfeben, daß dasselbe übernommen wurde im Jahre 1895 in 25 Fällen, wovon Erfolg hatten nur 9 Fälle, in 1896 89 Fälle, wovon 63 von Erfolg waren. Bis jetzt wurden in 1897 132 Fälle übernommen. Gr ersuchte, möglichst viel Gebrauch von diesem Paragraphen zu machen und zwar möglichst frühzeitig und nicht erst, wenn die Krankheit zu weit vorgeschritten sei. Zu Punkt 3 der Tagesordnung: Entwurf zu einer Anznritaxe auf Grund neu ausgestellter Normen, referirte der Vorsitzende, Herr Münch, und führte durch Anführung von Beispielen auß, daß diese Taxe für die Krankenkassen besser sei, alß bie jetzt geltende. Auch machte er der ver- sammlung klar, wie sich Ersparungen bei Gummibinden jc. erzielen lassen. Zu Punkt 4 der Tagesordnung: Novelle zum Unfallversicherungsgesetz, wurde beschlossen auf Antrag des Herrn Gödel-Mainz, sich ber Petition des Berbanbcß ber sächsischen Krankenkassen anzuschließen, welche dahin geht, daß die Berufsgenossenschaften alle Unfälle vom Tage dtS Eintrittes derselben an übernehmen sollten. Zu Punkt 5 der Tagesordnung: Entwurf eines Gesetze- bett. Invalidenversicherung, referirten Herr Regierungsrath vr. Dietz-Darmstadt und Herr Oftermayer-WormS, worauf befchloffen wurde, daß, sobald die Nothwendigkeit der Absendung einer Petition eintrete, ber geschäftSsührende Ausschuß daS Geeignete veranlassen solle. Zu Punkt 6 der Tagesordnung: Statistik und Rechnungsführung ber Krankenkassen, machte Herr Ost er mayer-WormS die Versammlung aufmerksam, daß fich bei Aufstellung ber Statistik ergeben habe, daß die einzelnen Kassen die Beträge nicht gleichmäßig buchten und ver« weift auf daS ergangene Ministerial-AuSschreiden; auch macht er die Versammlung darauf aufmerksam, daß die Kranken- kaffen befugt feien, wenn sie Unfallverletzte nach Ablauf der 13. Woche für die Berufsgenossenschaften weiter verpflegten, als Ersatz für Arzt und Apotheke die Hälfte deS klassen- weisen Krankengeldes zu berechnen, und wenn sie höhere Aufwendungen gemacht hätten, diesen Betrag zu liquidiren. Sodann wurde als weiterer Punkt der Tagesordnung ein dringlicher Antrag ber SchlosserinnungSkrankenkasse Mainz verhandelt; der Antrag bezweckte, Schritte gegen das Vorgehen beß ärztlichen Rreißoeremß Mainz zu t^un, weil dessen Mitglieder fich weigern, die Kranken dieser Kasse zu behandeln, unb verlangen, daß die freie Arztwahl eingeführt werde, wozu aber die Kasse finanziell zu schwach ist. Es wird beschlossen, eine Eingabe an das Ministerium zu machen, worin baß Verfahren beß ärztlichen Kreisvereins Mainz gekennzeichnet und dasselbe ersucht wird, im Interesse der bedrohte» Jnnungskrankenkafle Abhülfe zu schaffen. Sodann kam noch ein dringlicher Antrag der OrtSkrankenkaffe Darmstadt zur Verhandlung betreffend: Unterstützung des bei der Kammer eingebrachten Antrags auf Erbauung einer Heilanstalt für Lungenkranke durch daS Land. Die Verfaurmlung war sich klar darüber, daß die Regierung vor allen Dingen Lungen- Heilanstalten bauen müsse und beschloß, den bei der Kammer eingebrachten Antrag zu unterstützen. Sodann wurde zum


