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2.6.1897 Erstes Blatt
 
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Der

Kleiner An»eiger erscheint täglich, mit Ausnahme dr- Montags.

Die Gießener AamittenStätter werden dem Anzeiger -Wöchentlich dreimal beigelegt.

ichener Anzeiger

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Zlints- und Anzeigeblntt für den Tireis Gietzen.

Hratisöeitage: Hießener Kamikienölatter

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Sonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Vureaux de- In- und Au»landeS nehme« i Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgeg«.

Frankreich mehrere schwere Gewitter nieder, welche großen Schaden avrichteten. 14 Menschen find dabet um«

Tlmtfkfrtr Lheit.

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul« und Klauenseuche zu Garbenretch.

Die über die Gemarkung Garbenteich verhängte Sperre wird aufgehoben. Die über die Schafherde des Schäfers Jammer verfügte Wetdesperre bleibt jedoch bis auf Weitere« bestehen.

Gießen, den 1. Juni 1897.

Großherzogliche- Kretöamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend: Maul- und Klauenseuche zu Hausen.

Die Maul- und Klauenseuche zu Hausen ist erloschen. Die verfügten Sperrmaßregeln werden hiermit aufgehoben.

Gießen, den 1. Juni 1897.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Neueste

«Belfft trlegraohtsche* Lorresp»nLe»pB^rrvu

Petersburg, 31. Mai. In der kaiserlichen Villa Alexandria bet Peterhof wurde gestern nach dem Gottes­dienste eine Seelenmesse gelesen sür diejenigen Personen, die 1896 bet dem Unglück aus dem ChodinSkyfelde umS Leben gekommen find. Dem Gottesdienste wohnte das Kaiser- paar bet.

Depeschen de? SureauHerold."

Berlin, 31. Mai. Das Abgeordnetenhaus hat heute in dritter Lesung die Dereinsgesetz-Novelle in der Gesammtabstimmung gegen die Stimmen deS CentrumS, der Freifinnigen und Polen, in einfacher Abstimmung im Wesentlichen nach den Beschlüffen der zweiten Lesung an- genommen. Der Präfideot stellte fest, daß da« Gesetz als BerfasiungSänderung anzusehen und daher nach 21 Tagen eine zweite Abstimmung erforderlich sei. Vorher hatte Graf Ltmburg-Stirum erklärt, die couservative Fraction bleibe auf dem Boden der Regierung- Vorlage feststehen- nur um den Conservativeu die Möglichkeit zu verschaffen, bei den wetteren Städten tm Abgeordneten- und Herrenhause ihren Standpunkt

noch zur Geltung zu bringen, würden fie heute in der Gesammtabstimmung für das Gesetz stimmen.

Berlin, 31. Mai. DaS Abgeordnetenhaus hat im wetteren Verlauf der heutigen Sitzung kleine Vorlagen erledigt. Morgen ebenfalls kleine Vorlagen.

Berlin, 31. Mat. DerNordd. Allg. Ztg." wird aus Wien telegraphirt, die Pforte sei geneigt, die Wasfenruhe um 14 Tage zu verlängern. Die Botschaftrr wollen dieselbe bis zum FrtedenSschluß ausdehnen. Da der Kronprinz von Griechenland fich zu den JubtläumSfeierltchketteu nach London begibt, wird General SmoleutSkt das Commando über die griechische Armee übernehmen.

Berlin, 31. Mat. Wie derLocal-Anzeiger" auS FriedrtchSruh meldet, wird Prof. Schwenntnger daselbst zu Besuch eintreffen. DaS Befinden des Fürsten ist vorzüglich- er unternimmt täglich ausgedehnte Spazierfahrten. Auf die projectirte Badereise scheint verzichtet zu sein.

Berlin, 31. Mai. DemLocal-Anzeiger" zufolge ist Geheimrath Lehden gestern an daS Krankenlager des rumänischen Thronfolgers abgereist. Die Berufung erfolgte direct durch den rumänischen KönigShof.

Berlin, 31. Mai. Gestern wurde daS 17 5jährige Bestehen der hiesigen GarntsonSktrche feierlich begangen. Diele hohe Militärs, sowie Abordnungen von allen Truppentheilen der Garnison wohnten der Feier bei.

Berlin, 31. Mai. Wie derReichsanzetger" bekannt gibt, find die Prosefforen Dr. Albrecht Weber in Berlin, Dr. Rudolf Leuckart in Leipzig und Dr. Karl Neu­mann in Leipzig zu stimmfähigen Rittern des Ordens pour le mSrite für Wissenschaften und Künste ernannt toorbcn.

München, 31. Mat. Heute Mittag fand die Trauung der Prinzessin Marie, der ältesten Tochter deS Prinzen Ludwig, mit dem Prinzen Ferdinand von Bourbon im Königlichen Schlöffe statt.

Worishofen, 31. Mai. DaS gestern Vormittag über daS Befinden des Pfarrers Kueipp ausgegebene Bulletin lautet: Kräfte wieder etwas zunehmend. Nacht weniger gut. PulS 92, Respiration 21, Temperatur 37,1. Nach­mittags 2 Uhr: Befinden gleich bleibend. Puls 92, Respi­ration 22. Dr. Baumgarten.

Budapest, 31. Mai. Chauvinistische Kreise planen für heute Abend anläßlich der Eröffnung eines Festspiels mehrerer Mitglieder des Wiener Hofburgtheaters eine anti-deutsche Dem onstrati on.

Pari«, 31. Mai. Gestern Abend gingen über Central-

Leben gekommen.

London, 31. Mai. Amtlich wird die Ankunft de« griechischen Kronprinzen zumJubiläum der Königin Victoria bestätigt.

Berlin, 1. Juni. Den diesjährigen Kaisermanövern wird auch der König von Sachsen beiwohnen. Derselbe wird in Homburg Quartier nehmen.

Graz, 1. Juni. Hier fand gestern eine Studenten- demonstration gegen die Spracheu-Berordnung statt. Obgleich die Polizei die angemeldete Studenren-Dersammlung untersagt hatte, kamen die deutschen Studenten dennoch zusammen und nahmen eine Resolution gegen die Sprachen- Verordnung an. Darauf zogen die Studenten mit dem Rufe:Abzug Mtutstertum" durch die Stadt.

Belgrad, 1. Juni. Das Befinden des erkrankten ehe­maligen Regenten Ristic hat fich gebessert.

Athen, 1. Juni. Gegenüber den im Au-lande ver­breiteten beunruhigenden Nachrichten über die Stimmung in Athen wird versichert, daß dieselbe jetzt besser sei als seit Langem. Ts herrsche keine Zwietracht zwischen Krone und Regierung, keinerlei Verschwörung oder anti-dynastische Bewegung. Die Regierung beherrscht die Situation voll­ständig.

CoceUs tut* provinzielle

Gießer», den 1. Juni.

* Kirchliche Dieustuachrichteu. Am 'l. Avril wurde dem Pfarrer Wilhelm Glanz zu Sulzheim die katholische Pfarr­stelle zu Ober Hilbersheim, Decanat Ober-Jngelheim, mit Wirkung vom 28. April an, dem Pfarrverwalter Bernard Wähltg zu Tt. RochuS in Mainz wurde die katholische Pfarrstelle zu Armsheim, Decanat Gau-Bickelheim, mit Wirkung vom 28. April an, übertragen.

Schuldienst-Nachrichten. Am 24. April wurde dem SchulamtSaspiranten Georg Simrock aus Groß-Steinheim eine Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Herbstein, Kreis Lauterbach, an demselben Tage wurde dem Schul- amtSaSptranten Johannes Haller auS Eberstadt eine Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Rimbach i. O., Krei« Heppenheim, am 3. Mat wurde dem SchulamtSaSpiranteu Ludwig Presser auS Helpershain eine Lehrerstelle an der

Feuilleton.

Der Rosenmonst.

Von I. C. Schmidt, Erfurt.

(Nachdruck verboten.)

Duftiger Flieder, Schneebälle, gefüllte Pflaumen und andere früh- und schönblühende Gehölze beenden ihre Blütheu- Pracht. Ungerne sehen wir sie verschwinden, aber wir trösten uns mit dem aufsteigenden Gestirn in unseren Gärten: die Königin naht die Rose. Zuerst blühen die Rankrosen an unseren Lauben, dann die Monatsrosen und schließlich alle die edlen Thee- und Remontantrosen in ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit in Duft, Farbe und Form. Der Rosen- monat ist die Zeit, da der Himmel die Erde küßt und au« dem Kusse entspringt das Sinnbild der Jugend, der Freude und Schönheit. Wir müssen für dies HtmmelSgeschenk aber auch unsere Dankbarkeit beweisen und Alles abhalten, wa« unseren Lieblingen in ihrem Gedeihen hindernd in den Weg tritt Mit den köntglichcn Blumen erscheinen zugleich böse Feinde, die daS neue Laub und die jungen Knospen zu ver­derben trachten. Deshalb halten wir die Augen offen und vernichten die Schädlinge tm Entstehen, denn ein Loth Vor- beugung ist besser als ein Pfund Heilung.

Als erster Feind erscheint die Blattlaus auf dem Plan. Wer kennt dieses ekelhafte Geschmeiß nicht und weiß, was für Schaden eS anrichtet? Die Hauptfrage ist: WaS können wir gegen ihr Ueberhandnehmen thun?

DaS einfachste Mittel ist das Absuchen und Tödten. Wer ein tägliches Ansehen seiner Rosen fich zum Grundsatz gemacht hat, wird da und dort au den Zweigspitzen eine einzelne, dickbeleibte Blattlaus fitzen sehen, vielleicht schon als glückliche Mutter einiger Jungen. ES find da« die Thtere, die fich von einer alten Colouie getrennt haben, um eine neue zu gründen. Wer solche einzelne Thiere beachtet und tödtet, tödtet in ihnen ganze Colonien, die in wenigen Tagen auS ihnen entstehen würden. Gelingt daS nicht und ist das

Volk schon sehr zahlreich, so nimmt man am einfachsten die ganze Gesellschaft zwischen zwei weiche Bürsten und zieht diese nach oben. Alle Läuse bleiben au den Haaren hängen, werden abgeklopft und vernichtet. Ist da« Uebel schon sehr vorgeschritten, so müssen Mittel angewendet werden, die im Großen die Blattläuse vernichten. AlS ganz besonders empfehlenswerth hat fich das Knodaltn erprobt, mit dem in bOfacher Verdüvnung die Rosen mit dem Thauspender oder der Spritze überbraust werden.

Unter den Käfern haben wir einen getreuen Helfer in der Vernichtung dieses gefährlichen Rosenfeindeü. Es ist daS halbkugelige, rothe, schwarzpunktirte JohanniSkäfercheu (Sonuenkälbchen, HerrgottSkühchen, Coccinella) mit seiner ganzen Sippe. Käfer sowohl als Larve, die eine eidechS- artige Gestalt hat und von graurother Farbe ist, leben allein von Blattläusen und sind im Haushalt der Natur von ganz unberechenbarem Nutzen. Der Rosenfreund wird diese Käfer also nicht bloß schonen, sondern fie sogar sammeln und auf seine Rosen bringen. Wenn fie zahlreich vorhanden find, halten fie die Stöcke völlig rein von diesem Ungeziefer.

Im Juni beobachtet man auch, daß einzelne Augen an» gefressen sind. Sieht man näher hin, so scheint eS, al- wenn eine der Schuppen aufgestülpt wäre. Was aber als Schuppe erscheint, ist ein Säckchen, in dem daS Räupchen der Rosen­schabe lebt, gleich wie die Schnecke in ihrem Hause. Sie tritt in einzelnen Jahren in großer Meuge auf und kann großen Schaden anrichten. Man suche sie darum sorgsam ab.

Sind die Rosen in der Entwicklung vorwärt- geschritten, so findet man ost die Blatter an den Spitzen der Triebe zusammengesponnen. Theilt mau diese vorsichtig auseinander, so findet man eine bräunliche oder schwarzgrüne oder eine grüne, weißgestreifte Raupe, alle- Raupen von Wicklern, darin. Man darf froh sein, wenn man fie so zeitig entdeckt, daß sie noch nicht die Herzblätter bis auf das Holz gefressen haben: denn dann ist'« um die erste Blüthe an diesem Zweige geschehen.

Am meisten erscheinen die Raupen von Wicklern, wo Buchen- und Weißdornpflanzuugen in der Nahe find.

Sind die Blätter au-gereift. so werden fie von WeSpev- larven so benagt, daß nur noch die Unterhaut deS Blatte« übrig bleibt und da- Blatt wie durchsichtig erscheint. Die« verursacht die blaßgrüne Larve der RosenblattweSpe (Ten- thredo rosae und aethiops), die mit ihrem dicken Kopf lang­gestreckt Morgens auf der oberen Blattfläche, bet zunehmender Hitze auf der unteren liegt. Ihr Gebühren macht die Blätter unfähig zur Ernährung und schwächt so den ganzen Stock. Man muß sie sorgsam absammeln.

Es kommt bisweilen vor, daß ein Zweig an seiner Spitze kränkelt, nicht mehr weiter wachsen will, sogar welkt, während der untere Theil ganz gesund erscheint. Schneidet man die kranke Spitze ab, so findet man, daß die Larve einer Wespe (Tenthredo bipunctata) von der Spitze her im Mark de« Zweiges einen Canal gefreßen hat, infolge dessen die Erkrankung eiutrat. Man werfe den Zweig nicht weg, ohne vorher die Larve getödtet zu haben.

Hebet die anderen Feinde der Rose, die später auftreteu, berichte ich im nächsten Monat.

Damit wir unS recht lange deS Genüsse« erfreuen, reizen wir die Rose zur Blühwtlltgkeit. Wenn man täglich die abgeblühten Rosen entfernt, d. h. jede abgeblühte Blume mit ein bis zwei Blättern über einem Auge abschneidet, erhält man einen nie geahnten verlängerten Rosenflor. Die« einfache Mittel, fich an derKönigin der Blumen" in Zahl und länger zu erfreuen, wird so vielfach versäumt. Mau achte nur einmal auf die Vorgärten in den Städten. Bon zehn Besitzern ist kaum einer, der darauf genügend Acht gibt. Da sieht man neben den erblühten Rosen und deren KnoSperr vollständig gelb und braun gewordene oder halb zerfallene, im Hinsterben begriffene Blumen. Da« ist überhaupt schon unschön, geradezu beleidigend für daS Auge und nebenbei, wie bemerkt, schädigend sür die Blühwilligkeit. Man schlägt also durch ihre Entfernung zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich bitte dringend, diese Anregung zu beachten!