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2.5.1897 Drittes Blatt
 
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Gieße«, den 1. Mat.

** Sitzung Troßh. Handelskammer vom 27. AprU 1897. Anwesend die Herren: Koch, Scheel, Balser, Gail, Heichel­heim, Katz, Kitngspor. Bor dieser Sitzung sanden drei Sitzungen der Kammer statt, welche hauptsächlich dem Ver­lesen de- Jahresberichts für 1896 gewidmet waren. Ja der letzten Sitzung wurde die Drucklegung desselben be- schloffen und eine hiesige Firma mit dem Drucken betraut. In Heide und Schweidnitz sind am 1. April und in Schleswig am 20. April l. I. ReichSbankuebeu- stellen, abhängig von den Retchsdankstellen in Kiel, bezw. Breslau und Flensburg errichtet worden. Vom Bureau des Deutschen Reichstags wird der Kammer mitgerheilt, daß ihre Petition, betr. die Herabsetzung der Fern­sprechgebühren, den verbündeten Regierungen zur Er­wägung überwiesen worden ist. Zum Mitglied des BezirkSeisenbahrathS in Frankfurt a. M. wird Herr Commerztenrath Koch und zu seinem Stellvertreter Herr A. Katz wtedergewählt. Zur Erleichterung von Ausflügen ist von der Kammer die Einführung von Sonntags Fahrkarten nach Sich, Lollar, Wetzlar und Braunfels unter eingehender Begründung beantragt worden. Bon den Secretariaten der Handelskammern Braunschweig, Ham­burg, Leipzig und Magdeburg ist eine Druckschrift eiv- gegangen, welche die Vorarbeiten für eine eventurll zu oer­aalaffende Veröffentlichung der von den Handels- Vertretungen erstatteten Gutachten betrtfft. Die Frage, ob sich die periodische Veröffentlichung derselben über HandelSgewohohritSrecht, Usancen, HandelSgebräuche und Sitten empfehle, wird von der Kammer bejaht und demgemäß die Bethetligung an den genannten Vorarbeiten beschlossen. Diese Mitwirkung wird der Kammer durch den Besitz einer größeren Anzahl von Gutachten erleichtert, welche sie über Handels­bräuche rc. früher erstattet hat. Ein Circular des Deutschen HandelStageS bringt der Kammer zur Kenutmß, daß vom 26. b!S 31. Jull l. I. in Brüssel der vierte inter­nationale Congreß für Arbeiteruufälle und sociale Gesetzgebung stattfinden wird. Da durch die seitherigen Congreffe in den Staaten des Auslandes eine große Zahl von Anhängern der Errichtung staatlicher Arbeiter- Versicherungen geworben worden ist bisher tragen Handel und Gewerbe in Deutschland allein die Belastung, welche aus der öffentlichen Fürsorge für die Arbeitnehmer ent­springt so legt es unS die Sorge und die Erhaltung unserer Concurreazfähigkeit demgegenüber nah?, auf möglichst rasche Ausdehnung dergleichen soctalpolitischeu Ausgestaltung

bei Gewerbe und Industrie des Auslandes hinzuwirkeu. Der Deutsche HandelStag fordert die Kammer unter HinweiS auf die Bedeutung dieser Versammlung dazu auf, das Inter­esse durch Bethetligung an dem Congreffe und Uebernahme deS damit verbundenen geringen Beitrags zu den Kosten desselben zu bekunden. Die Kammer bewilligt den ge­wünschten Beitrag, wofür ihr seinerzeit die sämmtlichen gedruckten Berichte und Protokolle zugehen werden. DaS Berzeichutß der Kammer von schwindelhaften Firmen im Ausland hat Erweiterung für Jkalieo, Spanten und die Niederlande erfahren.

D. Darmstadt, 30. April. Die Acttonäre der land- wtrthschaftlichen Genossenschaftsbank hielten gestern ihre 13. Generalversammlung ab. Wir laffeu au der Hand deS Borstandsberichtes einige Mittheilungen auS dem 13. Geschäftsjahre hier folgen. ES ist bereits an- ge oeutet worden, daß das abgelaufene Geschäftsjahr 1896 ein we.tereS Gedeihen: einen größeren Umsatz etwa rund 4,4 Millionen mehr gegen 1895 zugleich aber auch höhere Zins- und Provisionserträge mit sich brachte. In erster Linie vergrößerte sich der Geschäftsverkehr mit den seitherigen älteren Genoffenschaften, die daS eigentliche Fundament der GenoffenschaftSbauk bilden. Weiter schloffen sich neue Mit­glieder, besonders aus dem Verbände der hessischen land- wirthfchaftlichen Genoffenschaften an und endlich ergaben sich wettere Verbindungen mit Großbanken. Nach und nach finden sich aber auch immer mehr Privatpersonen herzu, die den Genoffenschasten naheftehen und gerne von den ungemein günstigen Geichäftsbedingungen und den sehr practischen Eiv- richtuugen der Bau? Gebrauch machen. Im vorhergehenden Jahre 1895 machte der große Geldzufluß viel zu schaffen, denn eS war keine Kleinigkeit, die zuströmenden Geldmassen, die schon im Jahre 1894 anfingen sich aufzuftauen, auch nutzbar anzulegen. Der Zinsfuß sank langsam tiefer und der Geldstaud blieb flüssig. Die Bank brachte große Ueber- schußposten bei Großbanken und in PrivatdtSconteu, sowie durch Anschaffung von sicheren Effrcten unter und erzielte dadurch, ohne besonderes Rifico, einen guten Ertrag. Im Januar 1896 erreichte der Geldzufluß seinen höchsten Stand, von da an nahm er langsam ab. Da sich dabet die Com- mtssious« und Wechselgeschäfte erweiterten, trat seit 10 Jahren zum ersten Male wieder der Fall ein, daß die Bonk ihren DarlehenSkaffen wesentlich mehr Zinsen vergüten konnte, alS sie von ihnen empfing. An den eigenen Effecten der Bank mußten, bestehender Vorschrift gemäß, am Jahresschlüsse 11,744 Mk. abgeschrieben werden. Dessenungeachtet wurde ein recht ansehnlicher Reingewinn erzielt. In Bezug auf

daS Actieucapital wird bemerkt, daß eS eine halbe Million beträgt und zwar find eS 2500 Stück i 200 Mk. DaS Capital ist baar etugezahlt. Aus einer Aufstellung geht hervor, daß der ansehnliche Betrag von 157,800 Mk. der Genossenschaftsbank von Privatpersonen zur Verfügung ge­stellt worden ist. Im Monat Januar 1896 betrug daß Guthaben der Darlehnskaffen 2,7 Millionen, die Schulden betrugen nur 0,9 Millionen. Nach und nach trat stärkeres Geldbedürfniß ein, so daß sich die Guthaben und die Schulden am Jahresschlüsse bis auf 0,2 Million ausgeglichen hatten. Der Gesammtumsatz betrug im vorhergegangeueu Jahre 12,2 Millionen und wuchs im folgenden auf 15,2 Millionen. Im Jahre 1895 stand die Bank mit 249 Vereinen, im Jahre 1896 dagegen mit 316 Vereinen in Verbindung. An eigenen Effecten besitzt die Bank ca. 1,2 Millionen. Das in diesen Effecten angelegte Capital verzinste sich ungefähr zu 3,7 pCt. und hat einen Courswerth von beiläufig 1,3 Million. Die BerwaltungSkosten find nach wie vor sehr mäßige, fie beziffern fich auf die mäßige Summe von Mk. 204.37. Daran kann fich manch andere- Institut ein Beispiel nehmen. Der Umsatz ergtebt fich in folgenden Zahlen: Uebertrag aus 1895: 37,2 Millionen, Umsatz in 1896: 30,8 Mill, Stand am 31. December 1896: 41,7 Mill. Die Gewinn- und Verlustrechnung balancirt mit 165,421 Mk. Der lieber- schuß, welcher der General-Bersawmlung zur Verfügung steht, beträgt 18,814 Mk. Dem Reservefond müssen alljährlich von dem Überschüsse nach § 36 der Dankstatuten 20pCt. gut- geschrieben werden. Er wächst stetig. Als Dividende sollen die Actioväre 3*/a pCt. erhalten. Da der Zinsfuß nur 3pCt. bis 3>/,pCt. beträgt, so ist die Dividende um so an­nehmbarer, wenn man bedenkt, in welch bequemer und billiger Weise die Vereine ihre GeldbedÜrfniffe zu befriedigen i« Stande find. Im Laufe dieses Sommer-, im Monate Juni, feiert der Verband der hessischen landwirthschaftlichen Genoffenschaften das silberne Jubiläum seines 25 jährigen Bestehens. Da dieser Tag gefeiert werden soll, hat die Ge- noffenschaftSbank, die von den landwirthschaftlichen Genoffen­schaften gegründet und geschaffen wurde, einen kleinen Bei­trag von 250 Mk. zu deffen Jubiläumsfonds in Aussicht genommen.

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Feuilleton.

Wachrnbriesr ans der Nesiden,.

(Origimrlbericht deS .Gießener Anzeigers").

Z. Darmstadt, 30. April.

Sude der Concertfaifon. Bo« Hoftheater. Nene Unternehmungen. Allerlei.

Seit ein paar Tagen herrscht bei uns richtiges Sommer­wetter und da ist es denn wohl au der Zeit, daß die sogen. Soilon" mit ihren winterlichen Vergnügungen und Genüffrn avschließt. Nur noch wenige Concerte stehen auS, es scheint jedoch, als hätten unsere Vereine gerade ihre tutereffantesten Programme bis zum Schluffe aufgespart, denn daS, was noch kommen soll, ist hoher Beachtung werth. Dem Gedächtniß Brahms' will der Musik verein ein Concert widmen, in dem deS jüngst entschlafenen MeistersDeutsches Requiem" zur Aufführung kommen soll, desgleichen plant der Richard Wagner-Verein einen BrahmS Wagner Abend und endlich der Jnstrumental-Berein einen Beethoven-Sbend. DaS sind also noch reichliche Genüsse für die allernächste Zeit, die eme gut verlaufene Concertsaison würdig abschließen werden. Zu Beginn dieser Woche beendeten der Mozartverein und der MännerchorHuma nitaS" ihre erfolgreiche Winter- thätigkeit. Ersterer hielt im Saalbau sein großes Concert unter Mitwirkung erster Kräfte der Hosbühne ab. Herr Kammersänger Weber, Hofopernsänger Bassermaun und Fräulein Pewoy waren die Solisten, Namen, die ein Ge- bogen von vornherein verbürgten. Die Houptnummer des umfangreichen Programmes bildete die Liedercavtate für Männerchor, Solostimmen und Clavierbegleitung von W. Tanbert:Der Landsknecht". In volkSthümlichen Weisen vehaudelt die Compofition Leiden und Freuden des LandS- knechtSlrbenS in abwechslungsreicher, wirksamer Weise DaS

Publikum nahm daS vorzüglich interpretirte Werk dankbar auf und verlangte die wirksamsten Stellen stürmisch da capo. Gleichzeitig hielt dieHumanitaS" ihr Concert im Kaisersaale". Chorge'ävge, Lieder' und Instrumental-Vor­träge standen hier auf dem Programme. Neben dem tüch­tigen BereinSchor, den Herr Muflkdireclor Keifer leitete, tohften Fräulein Holmh vom Mainzer Stadttheater und Hofconcertmeister Zimmermann vom hiesigen Hoftheater mit, um fich verdienten Beifall zu erringen.

Im Hoftheater steht nun auch Saisonschluß vor der Thüre. Ein interessantes Gastspiel wachte das Publikum mir einer sür die nächstfolgende Spielzeit verpflichteten Aspirantin für das Fach der jugendlichen Sängerin bekannt. Fräulein Slavig vom k. k. Theater in Olmütz hat als Margarethe in GounodSFaust" und alsPamina" in der Zauberflöte" jedesmal großen Erfolg bei Publikum und Presse gehabt und dürste eine vielversprechende Kraft für unser Operveusemble geben.

Im Schansptelhause hat die Neueinstudirung eines alten Stückes großen Beifall gefunden. Man gab Birch- PfeiffersDorf und Stadt" und das rührselige, verblaßte Stück mit seinen unwahren, schablonenhasten Figuren und hypersentimentalen Scenen brachte eS doch Dank seiner Bühnenwirksamkeit und dem trefflichen Spiel namentlich deS Fräulein Groh4 und deS Herrn Wagner zu große« Erfolge. Nun stehen noch zwei Benefize aus, bei denen ehe­malige Mitglieder des HoftheaterS als Gäste erscheinen werden. Fräulein Egli vom BerlinerOpernhause wird als Santuzza gastiren und Herr Eduard Göbel vom Lessing- theater, der früher in kleinen Schauspielrollen hier beschäf­tigt war, inzwischen aber Sänger geworden ist, wird sich seinen Landsleuten als Titelheld in WagnersTannhäuser" vorstellen. Auf die letzten Vorstellungen kommen wir noch zurück.

In der Stadt vollziehen sich zur Zeit bedeutungsvolle Veränderungen. Endlich, endlich macht man mit dem Bau der ersehnten elektrisch en Straßenbahn Ernst. Am Waldende hinter dem Friedhöfe ist die Bauthätigkeit in vollem y)ange. Die Grundaushebung ist schon bis zum SchießhauS gediehen und sehnsüchtig hofft man auf rasche- BorwärtS- schretten der Arbeiten, damit die Landeshauptstadt endlich in den Besitz eines dringend erforderlichen Verkehrsmittels komme, auf das fie nun schon seit Jahren wartet. Judeffen hat ein schlauer Speculant bereits auf die Eröffnung der Straßenbahn ein geschäftliches Unternehmen gegründet, indem er am Waldende, wohin auch eine Hauptstation der Bahn kommen wird, alle Bauplätze aufgekauft hat, um dort eine Villencolonie anzulegen. Da die Gegend dort landschaftlich ganz besonders schön ist und gerade die Bauthätigkeit fich hier am raschesten entfaltet hat, so dürfte die ganze Speculatlon äußerst glücklich ou-fallen.

An der Technischen Hochschule ist das Semester wieder unter coloffalem Andrang eröffnet worden. Man beeilt sich, die schon bewilligten Erweiterungsbauten rasch auSzuführen, doch wenn der Zudrang der Studirenden in der Weise wie seither auch in künftigen Semestern anwächst, werden noch Nachforderungen zu gleichem Zwecke noth- wendig fein.

Bei Hofe war in der letzten Zeit infolge der Ab­wesenheit der Höchsten Herrschaften still, nun ist der Groß­herzog wieder von Coburg zurückgekehrt und die Groß­herzogin, die mehrere Wochen bei ihrer Schwester, der Kronprinzessin von Rumänien, zu Besuche weilte, wird am 6. Mai hier zurückerwartet. Wie verlautet, wird daS Großherzogliche Paar auch in diesem Sommer längere Zett im Jagdschloß Wolfsgarten zubringen, wo ja schon der ver­storbene Vater unseres jetzigen Landesherrn immer mit be­sonderer Vorliebe weilte.