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M. 17« Drittes Blatt. Sonntag den 1. August
1897
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Sitzrrng -er Sta-tveror-neten
am 30. Juli 1897.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Grüneberg und Wolff, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Brück, EmmeltuS, Flett, Habenicht, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, LooS, Orbig, Dr. Ploch, Scheel, Schiele, Schwall und Wallenfels.
Nachdem der über die Herstellung erhöhter Trottoirs, hier Anlage eines bekteften Fußweges auf der linken Sette der Ltcherstraße, von der Grünbergerstraße bis zur Landmannstraße, vorgelegte Voranschlag (3200 Mk.) der Begutachtung der Baudeputation unterlegen, wird derselbe genehmigt.
Herr L. Seuling beabsichtigt, in seinem Garten am Wallthor ein Doppelhaus, bezw. zwei villenartige Häuser zu errichten und sucht um dir Erlaubniß nach, den Bau um 2l/z Meter von der Straßenfluchtlinie zurückzustellen, um einen Vorgarten anlegen zu können. Die Versammlung beschloß, das Gesuch nicht zu beanstanden, wenn Gesuchsteller einen 3 Meter breiten Vorgarten anlegt.
Seitens des Vertreters der mit dem Bau und Betrieb der Bieberthalbahn betrauten Deutschen Kletnbahngesell- schäft ist an die Stadt berichtet worden, daß wegen noch nicht behobener Schwierigkeiten in der Geländeerwerbung mit dem Bau der currenten Linie noch nicht begonnen werden könne. Die Gesellschaft wolle deshalb - einstweilen mit den von der Linie unabhängigen Bauten beginnen, so mit der Station Heuchelheim und Gießen, der Verbreiterung der Lahn- und Lohmühlbachbrücke u. s. w. Die Gesellschaft ersucht zu diesem Zweck um Ueberwetsung des Geländes vor dem Neustädter Thor, dem südlich der Rodheimerftraße gelegenen Theil des Viehmarktes. Gleichzeitig theilt die Gesellschaft mit, daß die Eisenbahndirection Frankfurt a. M. bereit sei, ihr nach Fertigstellung der Unterführung bei Geilfus das zum provisorischen Eisenbahndamm benutzte Auffüllmaterial, das unter bereits früher festgesetzten Bedingungen von der Stadt zur Herstellung der Hammstraße der Stadt überlasten werden sollte, zur Auffüllung des bisherigen Viehmarktplatzes zu überlassen. Nach Einvernehmen mit der Marktcommisfion hat die Baudeputation erklärt, daß die Verlegung des Viehmarktes nach der andern Seite, neben die Burk'sche Mühle, angängig sei. Die Versammlung beschloß, nachdem über die oorgebrachten Bedenken, daß dieser Platz zu klein sei um an stark besuchten Märkten das Vieh unterzubringen, Aufschluß gegeben, das Gelände der Bahngesellschaft zu überweisen; die darauf stehenden Baume sowie das Pflaster sollen zu
Gunsten der Stadt verwerthet werden. Ebenso soll, da das in Rede stehende Füllmaterial in absehbarer Zett von der Stadt nicht verwendet werden kann, dasselbe an die Klein- bahngesellschaft überlassen werden.
DaS Gesuch des Herrn Joseph Rüsiug um Er- theilung der Erlaubniß zum WirthschaftSbetriebe im Hause an den Bahnhöfen 46 wird, da es sich um Uebergang einer bereits bestehenden Wirthschaft auf einen andern Inhaber handelt, debatteloS befürwortet.
Dagegen wird die Bedürfntßfrage bezüglich des Herrn Carl Retter um Ertheilung der Erlaubniß zum Ausschank von Wein und Branntwein im Hause Wallthorstrahe 2 verneint mit der Begründung, daß in einem Umkreise von 100 Metern neun Wirthschaften und Branntwein-Schankstellen sich befinden.
Die Herren Birkenstock u. Schneider beabsichtigen in dem neuerbauten Hause Nordanlage 1 eine Wirthschaft zu errichten, auch die bisher auf dem alten Lahnstein ruhende Coucesfion insoweit betzubehalten, daß daselbst Versammlungen u. s. w. abgehalten werden können. Die Versammlung sprach sich für Bejahung der Bedürfntßfrage in der Voraussetzung aus, daß hinsichtlich des WirthschaftSbetriebes beide Häuser verbunden bleiben, d. h. von einander getrennte Wirthschaften nicht betrieben werden.
Nach Mtttheilung deS Großh. Polizeiamts ist von com- petenter Seite darüber Klage geführt worden, daß schulpflichtige Kinder zum Kegel aufstellen bis in die Nacht hinein verwendet und dadurch nicht nur verhindert würden, dem Unterricht am andern Morgen zu folgen, sondern auch in ihrem körperlichen Befinden geschädigt würden. Großh. Polizeiamt hat hierauf den Entwurf zu einer Localpoltzet- verordnung ausgearbeitet, nach welcher Schulkinder im Kegel- schubdtenst nur bis Abends 8 Uhr verwendet werden dürfen. Der Schulvorstand hat sich indessen dahin geäußert, daß die Verwendung von Schulkindern zum Kegelschubdienft überhaupt zu verbieten sei. Der diesem Verlangen entsprechend umgearbeitete Entwurf wurde von der Stadtverordneten-Versamm- lung ohne Debatte befürwortet- er besagt, daß den Inhabern von Kegelbahnen innerhalb der Gemarkung Gießen die Verwendung von Schulkindern unter Androhung der üblichen Strafe verboten ist.
* Kaiserparade. Die Vorbereitungen für die am 4. September stattfindende große Kaiserparade bet Homburg v. d. Höhe werden mit aller Energie gefördert. Auf die Bahnhöfe,
welche hauptsächlich für die Parade und die Manöver von den Truppen in Anspruch genommen sind, werden Stabsoffiziere, als militärische StationS Commandaten, zur Unterstützung der Bahnhofs-Vorstände commandirt, so tu Frankfurt, Mainz, Hanau, Aschaffenburg u. s. w. ES werden mehr als 50000 Mann in Parade stehen, da auS anderen CorpS-Verbänden noch Cavallerie-Regimeuter zugezogen werden^ sowie eine Radfahrer-Abtheilung gebildet ist, welche zu« ersten Mal bet einer Parade militärisch in Erscheinung tritt. ES wird ein höchst interessantes Bild werden, Radfahrer in Parademarsch vorbei kommen zu sehen. Der Parade wohnen viele Fürstlichkeiten bet. Außer Sr. Majestät dem Kaiser^ der Kaiserin und der Kaiserin Friedrich werden anwesend sein: Der König und die Königin von Italien, die Könige von Sachsen und Württemberg, der Prinzregent von Bayern, sowie vier bayerische Prinzen, die Großherzöge von Hessen, Baden und Sachsen, Fürst von Hohenzollern, Prinz von Wales, ein russischer Großfürst, Prinz Albrecht von Preußen, Prinz Bernhard von Sachsen-Weimar, außerdem eine große Anzahl fremdländischer Offiziere. Ferner befinden sich tm Gefolge des Kaisers der KrtegSminifter, General-Oberst Graf Waldersee und der große Generalftab der Armee. DaS Hauptquartier wird sich während sechs Tagen in Homburg befinden, woselbst auch die Generalstäbe des 11. und 8. ArmeecorpS, die Stabswache, ferner der Stab der 83. Infanterie-Brigade, eine Compagnie des 11. Jäger- Bataillons, die LeibgenSdarmerie, die Ehrenwache und Musik- corps Quartiere beziehen. Die Festhalle des Mittel- rheinischen KreisturnfesteS wird für 150 Pferde des kaiserlichen HofmarstallS eingerichtet. Mit Herrichtung des Parade- selbes ist bereits der Anfang gemacht. Dasselbe wird mit einem Drahtzaun von 12 Kilometer Länge eiugeschlosseu. Die Pioniere machen bereits die Ueberbrückungen der Gräben und verlegen die zu sperrenden Fahrstraßen. Mit dem Bau der großen Zuschauertribüne, welche auf Anordnung des königl. General-CommandoS errichtet wird, ist gleichfalls schon begonnen. Der Fremdenzuzug wird ein enormer werden. Wie aus Wiesbaden, Homburg und den TaunuSbäderu gemeldet wird, haben auch die meisten Badegäste sich erst auf die zweite Hälfte des August angemeldet. Im Interesse de» PublikumS verweisen wir auf die Anzeige in unserer heutigen Ausgabe. Die königl. Etsrnbahudirection Frankfurt a. M wird am Paradetage Extrazüge mit 50 Procent Preisermäßigung ablassen, worüber nähere Mittheilungen folgen werden. Außerdem ist für Fahrgelegenheit von Frankfurt nach der Paradetribüne und wieder zurück gesorgt, worüber Näheres beim Reisebureau Schottenfels & Co.
Feuilleton.
Ann Herr!
Novellette von Conrad Telmann.
(1. Fortsetzung.)
„Darf man fragen, was Du darunter verstehst, Thea?- „Na, liebeS Kind, das liegt doch auf der Hand. Ich habe ihm rund heraus gesagt, daß Frau Melanie HelmerS, seine einstige Flamme, sein Ideal, sich heute Abend auf dem Präfidentenballe mit dem Sohne des Hauses osficiell verloben würde. Wozu soll der arme Mensch sich Illusionen wachen? Ueberhaupt, wenn er noch Hoffnungen hatte auf Dich, weßhalb kam er dann nicht eher zurück au- fernen Welttheilen? Darauf kann man doch nicht bauen, daß eine Mttwe von kaum zwanzig Jahren vier Jahre lang auf -inen früher abgewiesenen Liebhaber warten wird, weil der inzwischen in Brasilien Käfer sammeln will! UebrigeuS, wie gesagt, schade um ihn und schade für ihn! Ich hab immer waS für ihn übrig gehabt, wie Du weißt. Und jetzt, wo er so stattlich und männlich und sonnverbrannt auSfieht. — Ra, ich will weiter nichts tu Dir aufrühreu, mein Schatz.
ist wahrhaftig stark, daß ich mich noch einmal verplaudere. Dein Wagen hat schon unten gewartet, als ich bsrhin kam, um Deine Toilette zu bestaunen. Und Deine Gleichgiltigkeit gegen das Zuspätkommeu ist ja doch die reine Heuchelei. Stell Dich doch nicht so, Kind! ES zuckt Dir jr in allen Nerven, zu „ihm" zu kommen. Und Dein Kutscher — und mein Arthur — na, aber nun geh' ich wirklich, kldteu! Bonne chance! Auf morgen!"
Sie warf noch ein paar Kußhändchen zu Melanie zurück citb war daun wirklich hinaus.
Melanie war in ihren Sessel zurückgesuuken, ein ernster, nachdenklicher Zug Prägte sich tu ihrem feinen Antlitz aus. Tie starrte eine ganze Weile in Gedanken verloren vor sich M Erst ein heftige» Kltngelziehen draußen riß sie an»
ihrer Versunkenheit. ES würde der Kutscher sein, dem die Geduld ausgegangen war — bet diesem naßkalten Wetter kein Wunder — und der nun endlich kam, zu fragen, ob man denn fahren würde oder nicht. Natürlich würde man fahren. Und eS war auch wirklich gar kein Grund, noch länger damit zu warten. Sie erhob sich. Aber es war etwa» Unfichei eS, Verträumtes in ihrem Wesen und Gebühren. Sie zwang sich zu einem Entschluß.
„Was gibt» denn, Else?"
DaS Mädchen war mit einer Visitenkarte in der Hand heretngkommen.
„Dieser Herr wünscht dringend, Ihnen seine Aufwartung zu machen, gnädige Frau," sagte sie mit einer gewissen Verlegenheit.
„Sie find wohl nicht gescheidt, Else, um diese Stunde! Und haben Sie ihm außerdem nicht gesagt, daß ich gerade in den Wagen steigen werde?"
„Gewiß, gnädige Frau. Alles. Aber dieser Herr — er ist so etgenthümlich bestimmt — und er sagt, Sie würden ihn ganz sicher empfangen, eS wäre nur für einen Augenblick. Ich glaube, er läßt sich nicht abweisen — da kommt er schon."
„Wie viel hat er Ihnen denn eigentlich in die Hand gedrückt, Else?" wollte Melanie zornig fragen, aber sie hatte unwillkürlich einen Blick auf die Karte geworfen, die das Mädchen auf den Tisch gelegt hatte, und war leicht zusammengezuckt, „DivSBilm Handeck" stand darauf. Und ehe sie überhaupt noch etwas sagen konnte, hatte sich die Thür des SalooS schon geöffnet und ein hochgewachseuer blondbärtiger Mann in tadellosem Gesellschaftsanzug stand auf der Schwelle.
„Sie gestatten, gnädige Frau," sagte er mit einer tiefen, wohllautenden Stimme.
Melanie suchte sich zu fassen. Da« plötzliche Erscheinen dieses Manne», von dessen Rückkehr sie bis vor einer Viertelstunde noch nicht» gewußt hatte, die ruhige Sicherheit seine» Auftreten», die gegen seine einstige scheue Unbeholfenheit so
auffallend abstach, die- ganze veränderte Aeußere verwirrte und erregte sie. Dazu stieg ein heißer Groll gegen ihn in ihr auf — wars wegen seines brutalen Eindringen» hier, warS aus anderen, weiter zurückliegenden Gründen, sie hätte da» selber nicht zu sagen vermocht. Aber ihre Stimme klang hart, kühl und fremd, als sie jetzt sagte:
„Eine sehr ungewöhnliche Besuchsstunde, Herr Doctor, zumal ich —"
„O, ich weiß," fiel er ruhig ein. „Aber au» meinem längeren Aufenthalt in den Tropen habe ich mir diese Stunde angewöhnt und finde, sie ist nicht Übel. Außerdem ist e» ja bei uns vornehm, recht spät in die Gesellschaften zu kommen. Und — last not least — ich habe gerade gesehen, daß Ihr Kutscher seinen Bock verlaffen hat — was ihm bei der schauderhaften Temperatur auch Niemand verdenken kann — um irgendwo in der Nähe einen Grog zu trinken. Bi- er wiederkommt oder Sie ihn rufen lassen, würden immerhin ein paar Minuten vergehen, und die könnten Sie mir ja also schenken, ohne sich irgendwie zu deraugireu. Sie genügen mir. Ich wollte Ihnen nur guten Tag sagen, gnä« dige Frau. Ich war einige Zett sort — auf einer wissenschaftlichen Expedition — ziemlich wett draußen. Inzwischen hat sich ja hier manches verändert. — Darf ich einen Augen- blick Platz nehmen?"
„Bitte,- zwang sich Melanie zwischen den Zähnen hindurch zu sagen, während sie eine kühle Handbeweguug nach einem der nahestehenden Sessel zu machte.
Etwas in ihr begann sich zu empören. Wa» sollte dies alles? War das auch der liebenswürdig-bescheidene junge Gelehrte von damals, dieser sounengebräunte Mann mit den selbstbewußten, herrisch-überlegenen Manieren eine» Globetrotters? Sie knüllte mit nervösen Fingern ihr feines Batttst-Taschentuch zusammen, fie hätte es am liebsten mit den Zähnen zerbissen.
(Fortsetzung folgt.)


