Ausgabe 
1.7.1897 Zweites Blatt
 
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Nr. 151

Der

Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.

Die Gießener

,A«mikien5tälter werden dem Anzeiger -W-chentlich dreimal beigelegt.

Zweites BKtt, Dmnerslll, dm t. Zu«--------------------

Siebener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

1S97

Vierteljährig« Absnnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Briugerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg.

Webaction, Txpeditio« und Druckerei:

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Zlintr- und Anzeigeblatt für den Äreis Gieren.

chratisöeikage: Gießener JamitienSkätter

daß Frau X. vor mehrere«

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

die ich vor Kurzem miterlebte. Ich befand mich gerade mit noch mehreren anderen Personen bet einer bekannten Familie, als ein neu herzugezogenes Ehepaar feine AntrittSvifite machte. Nachdem die Vorstellung vorüber war und man kaum ein paar gleichgiltige Redensarten ausgetauscht hatte, fiel auch schon man hatS damit ja in der Regel sehr eilig von feiten der Dame des HauseS die ominöse Frage an die neue Avkömmltngiu:Haben Sie Kinder?"

Die zarte junge Frau, tu deren schmales Gefichtchen Krankheit oder trübe Schicksale einen wehen Leidenszug gegraben, zuckte, wie von dem Biß einer Natter getroffen,

Feuilleton.

Haben Sie Kinder?

Plauderei von M. Kossak.

(Nachdruck verboten.)

Gute Umgangsformen wären uns modernen Cultur- menfchen angeboren hört man allgemein behaupten. Ist das wirklich wahr? Nun, es kommt vorerst wohl darauf an, war man unter diesen guten Formen versteht. Manche meinen, daß lediglich die Beobachtung der üblichen con- veutionellrn Höflichkeit dafür genügt, aber ist die denn wirklich so wichtig, wichtiger als zartfinnige Rückficht und HerzenStact? Ach, und die fehlen uns, mehr, als wir eS wtffen! Wir find ja leider so gedankenlos, daß wir be- ständig mit lächelnder Miene unserem Nächsten baß Messer In blutende Wunden stoßen, wo wir es doch so gut ver­meiden könnten, wenn wir uns unsere Worte vorher ein wenig, ein ganz klein wenig überlegt hätten. Gesellschaft­liche Routine kann am Ende nur der besitzen, welcher Ge- legenheit gehabt hat, fie fich zu erwerben, aber sreund- liche Rückficht darf man von jedem ohne Ausnahme bean­spruchen.

Sie «einen, daß Sie fie stets und allerorten üben, verehrte Freundin? Nun, ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, glaube ich dennoch, Ihnen allerhand sagen zu können, wodurch Sie fich getroffen fühlen möchten, für heute will jch mich jedoch damit begnügen, Ihnen nur eine Ihrer Sünden vorzuhalteu. Haben Sie noch niemals an eine Ihrer Mitschwestern die Frage gerichtet:Haben Sie Kinder?" Sie schütteln erstaunt den Kopf, Sie begreifen «icht, warum Ihnen daS verwehrt fein sollte? Ja, wenn Sie im Voraus wissen, daß Ihnen mitJa" geantwortet wird, dann mögen Ste'S gern thuu, aber im anderen Balle---

zusammen.

Nein," kam eS leise von ihren Lippen, so leise, daß die andere fie nicht verstand. Tie wiederholte daher ihre Worte, lauter als zuvor.

Unter den Anwesenden herrschte zusällig tiefe Stille und in diese hinein klang die Frage um so schärfer und dringlicher. , ,

Wieder sprach jene ihrNein", diesmal deutlich ver­nehmbar, aber in ihren Zügen zuckte eS dabei, so daß es auSsah, alS ob fie jeden Augenblick in Thränen auSbrechen wollte. ES war eine unbeschreiblich peinliche Situation für Jedermann, mit Ausnahme der Hausfrau, die allein nicht begriff, um was eS fich eigentlich handelte. Endlich machte ein Herr mit einer ablenkenden Aeußerung der Sache ein Ende, und bald darauf, so schnell, alS eS der Anstand nur irgend erlaubte, verabschiedete fich der Gatte der Fremden und verließ mit ihr baß gastliche Haus.

AlS die beiden sort waren, sprach die HauSsrau ihre Verwunderung über baß Erlebte auß. Tie verstände absolut nicht, waS jener Dame geschehen wäre, womit fie dieselbe j beleidigt u. s. w.

IJa, wissen Sie denn nicht, meine gnädige Frau,

verschmerzen kann?" _ _

Keine Silbe! Woher sollte ichß wiffen? Ich sah fie heute zum ersten Male," entgegnete die Dame gereizt.

Sie war offenbar noch beleidigt, weil ihre Tactlofigkett

Alle Annoncen-Bureaux drS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegnt.

hr vorgehalten wurde.

Und nun denke man fich einmal in die Seele jener anderen Frau hinein. Ihr Liebling schläft den ewigen Schlaf, er ist ihr genommen worden, trotzdem fie in heißen Kämpfen mit dem Tode um sein Leben gerungen, in ver- zwetfelter Angst für seine Genesung gebetet. Zuerst hat fie daun wohl noch auf Ersatz gehofft, alß aber ein Jahr umß andere verging, ohne daß ihre Hoffnuckg sich erfüllte, da brach der Schmerz um daß Verlorene wieder heftiger denn je hervor. Kein fremdes Kind kann sie sehen, ohne daß eine kleine bleiche Gestalt vor ihrem geistigen Auge erscheint, daß Köpfchen gleich einer welken Blume auf spitzenbesetztem Kiffen ruhend, die Augen geschloffen, so wie fie zuletzt geschaut, bevor man den Sargdeckel schloß. In einsamen Stunden ist ihr oft, alß ob ein weicheß Händchen leise, leise ihre Wange streife und ein helleß, jauchzeudeß Sümmchen an thr Ohr schlüge,- für einen Augenblick lebt sie fich in die holde Täuschung hinein, um im nächsten daraus zu erwachen und ihr Hauß verödet zu finden. Vielleicht ist fie nur mit bitterem Weh dem Gatten nach feinem neuen Wohnorte ge- folgt, der frühere barg ihres Kindes Grab, und so lange fie daß mit Blumen schmücken konnte, war ihr, alß ob ihr noch nicht ganz gestorben wäre. Da hat sie, wenn fie andere Frauen im Kreise ihrer Kleinen sah, wohl noch ge prochen ja, ich hab auch ein Kind aber dort oben im Himmel. Daß vermochte fie nicht zu antworten, alß jetzt eben d e grausam naive Frage fiel:Haben Sie Kinder?" Da fühlte fie nur, daß thr Glück gestorben war.

(Schluß folgt.)

Doch ich will mir meine «eiteren Auseinandersetzungen , meinte der vorerwähnte Herr, "daß Frau L. vor mehrer«: vorerst noch ersparen und Ihnen eine kleine Episode erzählen, Jahren thr einziges Kind verloren hat und es bis heute nicht

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