Ausgabe 
31.10.1896
 
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Nr. 257

Samstag de» 31. Oktober

1896

Gießener A nzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Umtse und Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen

chratisöeitage; Hießener Kamikienökätter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.

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Der

Hleßener A«zeiger «scheint täglich, »it Ausnahme bei

Montags.

Alle Annoncen-Burcaux bcS In- unb Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

Amtliche»' Ttteil.

Gießen, den 30. October 1896.

Betreffend: Die RetchStagSwahl.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

n die Grstzh. Bürgen»etftereie« des Kreisel.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 17. October 1896 noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung mit Frist von 3 Tagen erinnert.

I. B.: Dr. Meltor.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß der Unterzeichnete vom heutigen Tage ab den Dienst als Rentamtmann an dem Rentamte Alsfeld übernommen hat.

Alsfeld, den 23. October 1896.

GroßherzogltcheS Rentamt Alsfeld.

KlooS.

Wolffs telegraphisches Correspondarz-Bure«».

Brandenburg a. d. Havel, 29. October. Das Gesammt. resultat der heute stattgehabten Ersatzwahl für West- havelland ist bis auf drei Ortschaften bekannt. PeuS (Soc.) erhielt 7859, Loebel (cons.) 6286, Blell (Freis. VolkSp.) 4807 Stimmen. Stichwahl zwischen PeuS und Loebel.

Essen a. d. Rohr, 29. October. Der Kaiser und Prinz Heinrich mit Gefolge find um ->/, Uhr von der BillaHügel" nach Blankenburg abgeretst.

Blankenburg, 29. October. Der kaiserliche Sonderzug ist um 5 Uhr Nachmittags hier eingetroffen. Der Kaiser und Prinz Heinrich hatten beide Hofjagduntform angelegt. Im Gefolge befindet fich General v. Pleflen, Oberhofmarschall Frhr. v. Egloffstetn, Generalarzt Dr. Leuthold, Flügeladjutant Frhr. v. Berg und der persönliche Adjutant des Prinzen Heinrich, Corvettencapitän Müller. Der Kaiser und Prinz Heinrich wurden auf dem Bahnhofe vom Prinzen Albrecht und deffen Söhnen, den Prinzen Friedrich Heinrich und Joachim Albrecht, empfangen. Die überaus zahlreich an­wesende Menschenmenge brach in anhaltende begeisterte Hoch­rufe aus. Die Stadt ist festlich erleuchtet.

Leipzig, 29. October. Die Stadtverordneten stimmten heute dem Anträge des RatheS zu, den 5. allgemeinen deutschen Journalisten- und Schriftstellertag für das Frühjahr 1897 nach Leipzig etnzuladeu.

Rom, 29. October. Gestern Abend fand auf dem Platze vor dem Qutrinal eine große Serenade statt, an der 250 Personen mitwirkteo. Das Königspaar und die übrigen Fürstlichkeiten befanden sich auf dem Balkon des QuirinalS, von der überaus zahlreichen Volksmenge enthusiastisch begrüßt.

Florenz, 29. October. Prinz und Prinzessin von Neapel sind heute Nachmittag hier eingetroffen und auf dem Bahnhofe vom Bürgermeister und den Spitzen der Be­hörden empfangen worden. Die Bevölkerung bereitete dem prinzlichen Paare einen überaus herzlichen Empfang.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 29. October. Dem BundeSrath liegen nun­mehr, wie diePost" vernimmt, sämmtliche Special-Etats für 1897/98, mit Ausnahme des Milttär-EtatS, vor, welch letzterer aber noch in dieser Woche dem BundeSrath zugehen dürfte.

verttu, 29. October. Die Eröffnung des preußischen Landtages wird am 20. November um 12 Uhr Mittags im Weißen Saale des hiesigen SchloffeS stattfinden. An den tzröffnungsact werden fich alsdann die ersten Plenarfitzungen in den beiden Häusern deS Landtages anschließen.

Berlin, 29. October. Die conservative Partei wird derKreuzzeitung" zufolge am 9. November hiersclbst einen Delegirtentag abhalten.

Berlin, 29. October. DaSBerl. Tagebl." schreibt: Wenn es fich bestätigen sollte, daß die jetzt auftauchende Ver- muthung richtig sei, daß der Inspirator derHam­burger Nachrichten" nicht in FrtedrtchSruh, sondern in Schönhausen zu suchen sei, so hatte die Regierung keine Ver- aulaffung, irgend welche Rücksicht zu üben, zu welcher sie fich angesichts der Verdienste Bismarcks um die Einheit und die Größe Deutschlands gegen diesen verpflichtet fühlt. Dem­selben Blatte wird aus Hamburg gemeldet, daß dieNeue Hamburger Zeitung" aus guter Quelle erfahren haben will, daß Dr. Ehrhsauder nach Berlin gedrahtet habe, Fürst

Bismarck stehe den Veröffentlichungen derHamb. Nachr." über den deutsch-russischen Bündnißvertrag völlig fern. ES würde fich also auS der Richtigkeit dieser Nachricht btr Schluß ziehen lassen, daß jene Enthüllungen eine Privatleistung deS Leitartiklers derHamb. Nachr." war, der in beständigem Verkehr mit dem Fürsten Bismarck fich ganz deffen Eigen­schaften zu eigen gemacht und möglicherweise früher erhaltene Mittheilungen jetzt wiedergegeben habe.

Berlin, 29. October. ES ist nunmehr gelungen, des Mörders des JustizrathS Levy, Bruno Werner, habhaft zu werden. Derselbe wurde in Zellerfeld im Harz verhaftet.

Hamburg, 29. October. DieHamb. Nachr." bezeichnen die von derWiener Neuen Freien Presse" verbreitete Unter­redung als nicht vom Fürsten BiSmarck selbst herrührend, geben aber zu, daß die von dem Wiener Blatt in Umlauf gesetzte Mittheilung über den bis 1890 bestehenden Neutra- lttätSvertrag zwischen Deutschland und Rußland richtig sei.

Wien, 29. October. Der hiesige Vertreter der Aktien- gesellschaft für Textilindustrie, vormals Dolfus-Mtg in Mül­hausen i. E., Gottfried Tutter, ist wegen Veruntreuung von 180000 Gulden verhaftet worden.

Budapest, 29. October. Bis Nachts 2 Uhr wurden 220 Wahlresultate bekannt, von denen 162 den Liberalen zufallev.

London, 29. October.Pall Mall Gazette" behauptet, der Sultan habe seine Flucht auS dem Mdiz-KtoSk vor­bereitet.

Konstantinopel, 29. October. Bei zwei Armeniern der Vorstadt Pera wurden Bomben, Dynamit und Pa­tronen gefunden und von der Polizei beschlagnahmt.

Berlin, 30. October. DemBerl. Tagebl." zufolge wird unter den neuen Forderungen für das Marine- Budget diejenige für die Errichtung eines Trockendocks in Kiel, sowie die erste Rate für den Bau eines Kriegsschiffes Ersatz König Wilhelm" in erster Reihe stehen.

Berlin, 30. October. Der Correspondent deSBerl. Tagebl." aus Konstantinopel erfährt von einem zuver­lässigen Gewährsmann, Apik Effendi sei nicht tobt, wohl aber angegriffen, sonst aber gesund- er erhoffe baldige Be­gnadigung.

München, 30. October. Wie die Direction deSDeutschen Theaters" mittheilt, ist Herr Emil Meßthaler vom gestrigen Tage von seiner Stellung als Director des Deutschen Theaters" wegen vollständiger Unsähtgkeit ent­hoben worden.

Wien, 30. October. Parlamentarische Kreise, welche dem Auswärtigen Amt uahestehen, behaupten, man sei in Berlin entschloffen, wenn Bismarck die Enthüllungen fort- setze, ihn wie einen preußischen General zu behandeln.

Brussel, 30. October. In der hiesigen Sparkasse wurden 186 000 FrcS. gestohlen. Ein hoher Beamter wurde, als der That verdächtig, verhaftet.

G. Darmstadt, 30. October. (Fernsprechmeldung.) Die hiesige Stadtverordneten-Versammlung wählte in gestern ftattgehabter geheimer Sitzung unter 35 Bewerbern den Kreisbauinspector Jäger von Bensheim zum technischen Bei­geordneten mit einem AnfangSgehalt von 6000 Mk. und sprach fich einstimmig für Errichtung eines gewerblichen Schiedsgerichts auS.

Sitzung der Stadtverordneten

am 29. October 1896.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herren Bei­geordneten Georgi, Grüneberg und Wolff, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Brück, Faber, Flett, Grünewald, Dr. Gutfletsch, Habenicht, Haubach, Heichelheim, Hryligeustaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Kirch, Löber, LooS, Petri, Dr. Ploch, Dr. Schäfer, Scheel, Schiele, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.

Das Gesuch des Herrn Fr. Habenicht um Erlaubntß zur Wafferabführung auS seinen Fabrikgebäuden an der Wtesenstraße in einen in die Wiesen mündenden Abzugs­graben wird unter Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs, Ent­richtung einer Anerkennungsgebühr und der Verpflichtung des GesuchftellerS, die säurehaltigen Abwässer zu neutralifiren, genehmigt.

DaS Gesuch deS Herrn W. Steinbach um Erlaubntß zur Aufstellung einer Bretterhalle in seiner Sandgrube am NahrungSberg wird auf Antrag der Baudeputatton be­anstandet.

Dte alljährlich stattfindende Aufstellung des Ernte- ertrags durch die Feldgeschworenen hat 66 Mark an Tagegebühreu für letztere erfordert, welche bewilligt werden.

Für dte Ausführung der Culturarbeiten tm Stadtwalde für 1897/98 werden nach Anhörung Großh. Oberförsterei dieselben Tagelohnsötze wie im Vorjahre festgesetzt, nämlich 2 Mk. für eine Mannsperson tm Sommer, 1.60 Mk. im Winter, und 1,20 Mk. für eine Frauensperson während deS ganzen Jahres- für Fuhren mit einem Pferd oder zwei Kühen 6 Mk., mit zwei Pferden oder zwei Ochsen 10 Mk. pro Tag.

Der Anfall von Eichen st ammholz aus dem Gießener Stadtwald pro 1897/98 tm Quantum von 720 Festmeter soll, gleichwie in früheren Jahren so auch diesmal wieder auf dem Wege schriftlicher Submission ver- werthet werden.

Der Schützenverein Gteßen, welcher seit längeren Jahren Pächter verschiedener Trtebviertel in Nähe des Schützenhauses ist, hat um pachtweise Ueberlassuug eines weiteren leihfälltg werdenden Viertels nachgesucht, um mehr Platz zur Abhaltung seiner Festlichkeiten zu gewinnen. DaS Gesuch wird genehmigt, in Rücksicht auf den stetig fich steigernden Pachtwerth der Preis aber auf l2Mk. festgesetzt, auch soll der Verein für die bereits früher gepachteten Trieb- Viertel, für welche bisher 8 Mk. bezahlt wurden, vom nächsten Jahre ab ebenfalls 12 Mk., bezw. 10 Mk. für dte tn Gewann 19 liegenden entrichten.

Dem Eisveretn sollen auch für den Winter 1896/97 dte Wt?sen hinter den Eichen unter den bisherigen Beding­ungen (Ueberlaffung von 2000 Eisbahnkarten zur Vertheilung an Schulkinder) überlassen werden.

Am 11. November find 800 Mk. Zinsen der Wilson- Stiftung zu vergeben. Bisher erhielten je 400 Mk. der Knaben- und Mädchenhort, während die Gewährung von warmem Frühstück an bedürftige Schulkinder im vorigen Jahre aus Mitteln bestritten wurde, die dte Commerztenrath Heichelheim Eheleute anläßlich ihrer silbernen Hochzeit zur Verfügung gestellt. In diesem Jahre reichen die Mittel zu diesem Zwecke nicht auS. Da nach den Bestimmungen der Wilson-Stiftung dte Stadt freies Verfügungsrecht über die Verwendung der Zinsen hat, wurde auf Antrag der Armen­deputation beschlossen, etwaige Ueberschüsse aus den dem Kinderhort zufltcßevden Zinsen der Wilson-Stiftung bis zum Betrage von 150 Mk. zur Beschaffung warmen, aus einem halben Schoppen Milch und einem Brödchen bestehenden, in den Schulpausr« zu verabreichenden Frühstücks für jedes be­dürftige Schulkind zu verwenden, das Fehlende aber auS dem Dispositionsfonds der Armenkasse zuzuschießen.

Die Versammlung genehmigte dte Vertiefung eines Pumpenschachtes im Keller des ThurmhauseS am Brand, setzte dagegen die beantragte Ueberdachung deS Lichtganges daselbst auf dte Dauer etneS Jahres aus.

Nachdem mit Erwerbung der Katzeustetn'schen Be­sitzung das letzte der Durchführung der Ltebtgstraße von der Ludwigstraße bis zur Frankfurterstraße bestehende Hivder- uiß beseitigt ist, wurde der Versammlung der Voranschlag über den Ausbau genannter Straße vorgelegt- derselbe beläuft fich auf 22,000 Mark. Auf die Anfrage deS Herrn Dr. Schäfer, ob bei der Brette der Ltebtgstraße nicht Bäume angepflanzt werden könnten, theilte Herr Oberbürger­meister Gnauth mit, daß solche vorgesehen seien.

Infolge mancherlei Umstände, u. A. durch die vorjährigen großen Feste, mußte dte Fortführung deS PflasterstreifeuS an der Nordaulage, von der Neustadt ab, eingestellt werden- auch wurden Seitens des SradtbauamtS Bedenken gegen dte Fortführung geäußert, weil diese Pflasterstretfen nicht für zwei uebeneiuandergehende Personen hinreichend breit seien und dadurch dte Baumschetbeu betreten würden, waS den Bäumen schädlich sei- das Stadtbauamt hat Her­stellung eines MosatkpflasterstreifenS auf der Mitte der An- läge empfohlen. Die Baudeputatton beantragt, eS bei Fort­führung des Basaltpflasters zu belassen, da dasselbe doch nur als Rothbehelf bet nassem Wetter diene. ES wird in diesem Sinne beschlossen.

Dem von Herrn Stadtverordneten Grünewald s. Z. angeregten Plane, den Weg über die GänSäcker nachdem Philosophenwalde mit Bäumen zu bepflanzen, ist seitens der Baudeputatton näher getreten worden. Angestellte Erhebungen haben ergeben, daß bereits im Jahre 1888 der VerschönerungSveretn eine gleiche Absicht hatte, später aber davon Abstand nahm, weil ihm die von dem FiScuS gestellten Aufgaben zu hohe waren. AuS mancherlei Erwägungen, u. A. denjenigen, daß durch die Grünberger Straße schon ein schattiger Weg nach dem Walde gegeben sei, daß mit Anlage der Moltkestraße der Weg aus dem Innern der Stadt nach der Grünberger Straße bezw. nach dem von dort abzweigenden Wege abgekürzt, und daß ferner die Möglichkeit vorltege, das Gelände könne über kurz oder laug bebaut werden, hat die