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Erstes Blatt.
Sonntag den 3L Mai
1896
Der
i Keitt Aazeiger r rxnt täglich,
>r LuSnahmr bei Montag».
t* Gießener
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■ ■»■i dem Anzeiger »,chn<!ich dreimal bkngelegl.
Gießener Anzeiger
vierteljähriger Kdouiiementrprel» 1 2 Mark 20 Psg. mtt vringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pf,.
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Keneral-Mnzeiger.
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Ferniprecher 51. /
Amts- und Anzeigeblatt für* den Uveis Gieren.
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lieaftmt von Anzeigen zu der Nachmittag» für be» Mpd-en Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
Amtlicher Theil.
efunben: 1 Medaillon, 1 Cigarren-Etuis, 1 Brosche, 1II ialütmtuch, 1 Handschuh, 1 Arbeitsrock, 1 Kinderstrumpf AiM 1 Back mit Inhalt.
Wehen, am 30. Mai 1896.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
v. Bechtold.
Neueste Nuchekhten.
ffiolffl telegraphische» Lorrespondenz-Bmea».
Qtfl, 29. Mai. Heute Vormittag wurde unter dem Nliihßtze deS Frhrn. v. Schenckendorfs der 13. deutsche ttibupeis sür erziehliche Knabenarbeit eröffnet. Als Vertreter bc lN Uw errichtSminifteriumS ist der Geh. OberregieruugSrath HhanM erschienen. Heute Nachmittag findet die erste Siüfinß der Hauptversammlung statt.
htjchiugen, 29. Mai. Ein zweites Hagelwetter mit üMilftinbtud) verwüstete unsere Gegend in voriger Nacht ücaio9 ioie 11 Uhr und vernichtete, waS das vorgestrige Un- c mii iibrig gelaffen hatte. Kleine Bäche wurden zu rethen- debnLtiiömen, an einigen Orten drohte ernstliche Gefahr. Bills utld Fahrniffe muhten geborgen werden, wozu hier die FWtmrhr alarmirt wurde. Grohe Hagelhaufen liegen jetzt ncnij uuliher.
Sstdapest, 29. Mai. Das „Ungarische Correspondenz- meldet: Die Regierung beschloß die principielle B^rillkung an der Pariser Ausstellung von 1900. DM rumänische Regierung fragte bezüglich der Betheiligung Ui*i|iml8 an, um ihrerseits die Betheiligung zu beschließen.
ta, 29. Mai. Eine Meldung der „Agenzia Stesani" ainnlße nea berichtet: Die Situation in der Stadt ist un- vemiodeirt. In der Umgebung plündern muhamedanische B.bockn Die Lage in Rethymo erscheint ernst.
Moskau, 29. Mat. Heute erschienen im AndreaS-Saale de Äkraml-Schlöffe- die Großfürstinnen, die auswärtigen Pchriopfflittnen, die Oberhofmeisterinuen, die Damen des diplo- m,Ec,n Corps und die Damen der Hofartstokratie, um dem fafillulidicn Paare ihre Glückwünsche darzubrtngen.
Moskau, 29. Mai. In den prachtvollen Sälen des K^mIpnlasteS fand gestern Abend eine Polonaisen-Cour stchu«, irrvlche bis gegen Mitternacht dauerte. Bet der ersten Utmil Itffien Tour ging der Kaiser mit der Kaiserin, die zmim iiout tanzte die Kaiserin mit dem türkischen Bot« 'chsßkchir Huffein Huffni Pascha, als Doyen deS diplomatischen darauf mit den übrigen Botschaftern. — Gestern rocoitr Kreml zum letzten Male beleuchtet. Der Anblick wo>U'«n feenhafter. Die Thürme erglänzten in den ver« schlMnsten Farben. Jenseits des MoSkwa-FlusieS, über den ich^rn aus Flammen bestehende Brücken schwebten, waren §ajiiii|! Fjlammenschlöffer hingezaubert. Der Kreml war von uueWxien Tausenden belagert, welche unter Hurrahrufen ^a iSövscheinen deS Kaiserpaares auf dem Balcon erwarteten. Icniii bile übrige Stadt war glänzend erleuchtet. In den SMdßm bewegte sich eine dichtgedrängte Menschenmenge.
Deprfch« btS Bxre<i ,0a»öe.
Berlin, 29. Mai. Heute, am Jahrestage der Hachau Kaiser Friedrichs III. im Charlotten- buhii|iu Park, bei welcher der Kaiser als damaliger Kron« prt|h, tt'm kaiserlichen Vater die 2. Garde-Jufanterie-Brigade vornitirführte, wurde auf Befehl deS Kaisers au der Stelle, voimnlcher aus Kaiser Friedrich damals im Wagen die He'^rti n abhielt, im Charlottenburger Park zur Erinnerung an i hie Heerschau ein Kranz niedergelegt. Bereit- um 6 'IM 50 Min. ritt der Kaiser vom Schloß au- an der GM »«er Fahnen-Compagnie nach dem Tempelhofer Felde, wo» m Exerciren der 2. Garde-Infanterie Brigade statt. fartd.1 Vas Frühstück nahm der Kaiser im Kreise deS Of'MaorpS deS 4. Garde-Regiments z. F. ein.
Seitlin, 29. Mai. Morgen findet im Beisein deS K cönlirip aareS auf dem Tempelhofer Felde von 9 Uhr ab die Frühjahrsparade der in Berlin und UadqiMd garnisonirenden Gardetruppeu statt.
kvtliu 29. Mai. Bei der Potsdamer Früh, ja W- Parade am Montag werden die drei ältesten kö !l»zliich en Prinzen bet der Letbcompagnie deS 1. Garde- ReögpinrlS z. F. als Offiziere etntreteo.
kmli», 29. Mai. Bezüglich deS Nationaldenk. matull siür Kaiser Wilhelm I., das an der Schloß« frenism nufgestellt wird, wird gemeldet, daß der in Aussicht ßcnp irmemt Wortlaut der Inschrift vom Kaiser nicht gebilligt
Hratisbeitage: Hießener Aamilienöfätter.
wurde. Der Kaiser soll die Bestimmung über einen neuen Text sich Vorbehalten haben.
Berlin, 29. Mai. Reichskanzler Fürst Hohenlohe trifft morgen wieder in Berlin ein.
Berlin, 29. Mai. Auf dem Gelände der deutschen Colontal-AuSstellung findet morgen die General-Der- sam mlung der Deutschen Colonial. Gesell« schäft statt.
Berlin, 29. Mai. Zur Reichstag S-Stichwahl im Kreise Rupptn-Trempltn erläßt die deutschsociale Reformpartei an die Wähler einen Aufruf, in welchem denselben empfohlen wird, ihre Stimmen dem conservativen Candidaten, Herrn v. Arnim, zu geben.
Berlin, 29. Mai. In einem längeren Artikel tritt die „Nordd. Allg. Zig." der Auffaffung entgegen, als ob die Gesellschaft der Schiffbau Ingenieure, welche am 8. Juni in Hamburg und am 10. Juni in Berlin eintreffen, ledtglitz eine englische Vereinigung sei. Dieser Gesellschaft gehörten auch Personen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Rußland u. s. w. an. Nachdem sie im letzten Jahre osficiell in Part- empfangen worden sei, wäre eS schwer verständlich gewesen, wenn man ihr hier in Berlin amtlicherseitS nicht ein weiteres Entgegenkommen hätte beweisen wollen. In Uebereinstimmung mit einem EmpfangScomiiä, an dessen Spitze die Staatssekretäre des Innern und des ReichSmarine- amts sich gestellt haben, hat die Reich-Verwaltung verschiedene Festlichkeiten zu Ehren der Gesellschaft in Aussicht genommen. Wenn in verschiedenen Blättern auS politischen Gründen Bedenken gegen eine amtliche Einladung erhoben worden seien, so werde dabei übersehen, daß die Politik mit dieser Angelegenheit nichts zu thun hat, sondern daß eS sich lediglich um einen RepräsentationSact internationaler Höflichkeit handelt.
Ausbach, 29. Mai. Nach dem bisherigen Resultat der Reichstagswahl im Wahlkreise AnSbach-Schwabach wird eine Stichwahl zwischen Dr. Conrad (deutsche Volksp.) und Hufnagel (cons.) erforderlich.
Wien, 29. Mat. Einer Meldung zufolge, welche der „Neuen Freien Presse" auS Moskau zugegangen ist, äußerte sich ein hervorragender russischer Conservativer über Rußlands Politik folgendermaßen: Dieselbe sei und bleibe eminent friedlich. Rußland arbeite lediglich an der Ent« Wickelung seiner Krast und der Erfüllung seiner Cultur« aufgaben. In Deutschland und Oesterreich habe man Unrecht, Mißtrauen gegen Rußland zu hegen, Rußland führe absolut nichts Böse- im Schilde. Wa- die Differenzen und In« tereffen, Gegensätze zwischen Rußland und England anbelangt, so werde, da Rußland nichts Unbilliges verlangt, der Friede hierdurch ebenfalls nicht gestört werden. Man könne in jeder Beziehung versichert sein, daß Rußland durchaus den Frieden wolle, und es wäre thöricht, diesen Willen durch Provocatioaen und chauvinistische Allüren erschüttern zu wollen.
Troppan, 29. Mai. Auf dem Wittkowttzer Eisen- werk ist infolge Lohndifferenzen ein partieller Strikt au-gebrochen.
Paris, 29. Mai. Der Marquis MoreS hat am 25. April Tunis verlassen, um sich nach dem eghptischen Sudan zu begeben. Derselbe bezweckt damit, eine Anzahl Häuptlinge, welche er persönlich auf einer früheren Forschungsreise kennen gelernt hat, gegen England aufzuhetzen.
Loudon, 29. Mai. Die Lage der türkischen Besatzung in Vanos ist, wie aus Kreta gemeldet wird, höchst bedenklich, da die Lebensrnittel der Belagerten erschöpft find. Es wird deßhalb eine balbige] Entscheidung erwartet.
Moskau, 29. Mai. Der Bureauchef deS franzö- fischen Kriegsministeriums wurde vom Zaren und danach vom Fürsten von Bulgarien in Audienz empfangen. — Zahlreiche hier eingetroffene französische Maler find mit der Anfertigung von Bildern aus den Krönungsfeierlich- ketten beschäftigt. Gervais malt den Zaren und die Zarin. — Nach der Bekanntgabe des KrönnngSmanifesteS find heute viele Gefangene entlassen worden.
Moskau, 29. Mai. Fortgesetzt gehen dem Bürgermeister Glückwünsche nnd Sympathiebeweise auS allen Thetleu Frankreichs zu. AuS Nizza sandten die Fuhrleute eine Adresse.
Athen, 29. Mai. Der Metropolit von Canea lehnte eS ob, die Ausständischen zur Waffenniederlegung aus- zufordern.
Athen, 29. Mai. Nach Privatdepeschen auS Canea haben die Kommandanten der fremden Kriegsschiffe dem Gouverneur witgetheilt, daß fie Befehl hätten, beim Ausbruch neuer Unruhen mit Truppen zu landen.
Alle Snnoncen-Bureaux de» In- und LuSlande» nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Berlin, 30. Mai. Gegenüber der „Germania" halten die „Hamburger Nachrichten" ihre jüngste Erklärung aufrecht, daß die katholischen Veröffentlichungen über die Verhandlungen zwischen BiSmarck und Matini wahrheitswidrig und daß die betreffenden Aktenstücke gefälscht seien.
Berlin, 30. Mai. Wie der „Localanz." vernimmt, steht die Publikation deS Unheils in Sachen des Duells Kotze-Schrader in aller Kürze bevor. ES erscheine zweifellos, daß auf da- Mindestmaß der Strafe erkannt werden wird. Ebenso bestimmt verlautet jedoch, daß die Begnadigung KotzeS in kürzester Frist Nachfolgen wird.
Berlin, 30. Mai. Fritz Friedmann versprach dem „Localanz." zufolge seine im Gefäugniß französisch und deutsch geschriebene Broschüre sofort nach ihrem Erscheinen allen Beamten der Festung Ha zuzusenden. Friedmann hofft, daß gegen die Drucklegung dieser Aufsätze, welchen Politik vollkommen fremd ist, keinerlei Einwendung erhoben wird.
Berlin, 30. Mai. Her bette reist heute nach Paris ab.
Hamburg, 30. Mai. Der schwedische Schooner „Frtthjof" mit einer Ladung Holz nach ESbjerh unterwegs, ist auf HornSriff untergegangen. Die gesammte Besatzung ist umgekommen.
München, 30. Mai. MozartS Don Juan, welcher gestern im italienischen Originaltext als Don Giovanni zum ersten Male auf der neuen drehbaren Bühne Im königlichen Refidenziheater vor ausverkauftem Haufe zur Aufführung gelangte, fand eine geradezu enthusiastische Aufnahme. Das heitere Drama, als welches der Theaterzettel die Oper bezeichnet, dürfte wohl den Glanzpunkt der gegenwärtigen Saison bilden.
Brüssel, 30. Mai. Der Herzog von Orleans trifft am nächsten Sonntag hier ein, um ein royalistisches Con- ventikel abzuhalten. — Wie verlautet, verfügte die belgische Regierung die strengste Ueberwachung des Prätendenten.
Moskau, 30. Mai. Die gestrige Galavorstellung ist glänzend verlaufen. Der Saal war gefüllt mit der vornehmsten Gesellschaft. DaS Zarenpaar wurde enthusiastisch empfangen. Die Zarenhymne wurde dreimal wiederholt. Im Zwischenact wurden die Gäste aller Ränge bewirthet.
G. Darmstadt, 30. Mai. In der Röder'schen Heerdfabrik ist heute Morgen der Geueralstrike auS- gebrochen. Sämmtliche Arbeiter haben die Arbeit niedergelegt.
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Gießen, den 30. Mai.
** Berzeichuiß der Sitzungen des Schwurgerichts pro 2. Quartal 1896:
1. Montag den 1. Juni, Vormittags 9 Uhr: Anklage gegen Georg ErnstLöffler aus Gelnhaar wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. Die Anklage vertritt: Erster Staatsanwalt Dr. Gün gerich. Vertheidiger: Rechtsanwalt Grünewald.
2. Dienstag den 2. Juni, Vormittags 9 Uhr: Anklage gegen Conrad Bast aus Nieder-Ohmen wegen Meineid. Die Anklage vertritt: Staatsanwalt Zimmermann. Ber- theidiger: Rechtsanwalt Weidig.
3. Mittwoch den 3. Juni, Vormittag- 9 Uhr: Anklage gegen Johanne- FritzgeS aus Rainrod wegen Meineid. Die Anklage vertritt: Staatsanwalt Koch. Vertheidiger: Rechtsanwalt: Katz.
4. Donnerstag den 4. Juni, Vormittags i/?9 Uhr: Anklage gegen Clemens Karl Rothe aus Lengenfeld wegen Meineid. Die Anklage vertritt: Staatsanwalt Koch. Vertheidiger: Rechtsanwalt Grünewald.
5. Freitag den 5. Juni, Samstag den 6. Juni, je Vormittags 9 Uhr: Anklage gegen Jak. Wi lh. Gund er- loch aus Rendel wegen Meineid. Die Anklage vertritt: Staatsanwalt Koch. Vertheidiger: Rechtsanwälte Grünewald und Justizrath Iöckel.
6. Montag den 8. Juni, Vormittags 9 Uhr: Anklage gegen Peter Naumann au- Weickartshain wegen Meineid. Die Anklage vertritt: Erster Staatsanwalt Dr. Güngerich. Vertheidiger: Rechtsanwalt Rosenberg DL
7. Dienstag den 9. Juni, Vormittags 9 Uhr: Anklage gegen Magnus Merle au- Althüttendorf wegen Brandstiftung, Diebstahl und Sachbeschädigung. Die Anklage der- tritt: Staatsanwalt Zimmermann. Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. Fuhr.
Kirchliches. Morgen wird in der Stadtkirche Herr Dr. 8in6 er, der Pfarrer der deutschen Gemeinde zuParis La Billette, die zumeist aus oberhesfischen Arbeitern besteht, predigen. Die deutschen evangelischen Gemeinden in Paris


