Ausgabe 
31.3.1896 Erstes Blatt
 
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ganz getrennte Lage und die spec'relle Art der Einrichtung der einzelnen Häuser ermöglicht wird. Der manchmal noch angewendete NameJrreuklinik" paßt also nicht al» Be­zeichnung für die gesammte Anstalt, da da- Wort ^Irre­sein" in einseitiger Weise eine Störung de- Verstandes be deutet, während die zur Aufnahme kommenden GemüthS» krankheiteu und die in der ambulatorischen Klinik zur Behandlung kommenden psychisch nervösen Zustände von einer Siöruvg deS verstände- weit entfernt find. Da aodrer- setiS der NameNervenkltuik" zu der irrthümlichen Auf« faffung führen könnte, daß Geisteskranke überhaupt nicht in die Anstalt ausgenommen werden, so ist eS am besten, ein Fremd­wort in Kauf zu nehmen und den Namen psychiatrische Klinik, der offiziell eingeführt ist, auch im Publikum fest­zuhalten. WaS die Benutzung der Klinik betrifft, so sei noch besonder- darauf hingewiesen, daß nicht nur Hessen, son­dern auch Nicht Hessen Aufnahme finden können.

Pattut Anmeldung. Verfahren zur Herstellung guter Butter au- schlechter- Zus. z. P. Anm. B. 17 742; R. BackbauS, Lauterbach, 24. 12. 95.

♦♦ Strohecker Gastspiel. Ein eigenthümlicher Unstern hat diesmal über dem humorvollen Unternehmen gewaltet, zuerst war eS Krankheit, die uns die liebenswürdigen Künstler ferne hielt, da- zweite Mal gegenüberstehende Anfichten über den BegriffOeffentliche Lustbarkeit". Nun w'.rd zum dritten Male, mit Zustimmung aller Factor en der Theater- Abend auf Donnerstag den 9. April (Donnerstag nach Ostern) festgesetzt- hoffen wir, daß der Hauptfactor, da- Publikum ebenfalls feine Zustimmung giebt. Wenn das SprichwortWas lange währt, wird gut" auf Wahr­heit beruht, muß ja der 9. April einen großartigen Er­folg haben.

* DaS Frankfurter Dialect Ensemble hat soeben einen Antrag für den nächsten Winter nach Amerika bekommen: G. A. Stroh ecker soll mit seiner Gesellschaft zehn Vor­stellungen in New York und zehn in Philadelphia geben. Der Impresario wird fich deßhalb demnächst nach dem AuS- lande begeben, um die nöthigen Vorbereitungen zu treffen. Wie wir hören, soll Strohecker eine bedeutende Summe für diese- Tournö beanspruchen.

* Unfall. Gestern Morgen wurde am Ludwigsplatz ein Kutscher beim Etnhängen der Pferde von einem derselben gegen die Brust geschlagen und blieb bewußtlos liegen. Derselbe erholte sich aber bald wieder, und konnte nach seiner Wohnung fahren.

* Sachbeschädigung. In den letzten 8 Tagen wurden an drei verschiedenen Stellen der Stadt Abends Fenster­scheiben eingeschlageu. In einem Fall gelang es der Polizei, den Thäter in der Person eines halbwüchsigen Bur­schen zu ermitteln, allein Strafantrag wurde von dem Ge­schädigten nicht gestellt. Wenn derartige Rohheiten ungerügt bleiben, ist es kein Wunder, daß sie sich oft wiederholen.

* Ein Unfall ereignete sich vorigen Samttag in einer hiesigen Metzgerei. Der 13 jährige Sohn de- Meister-, der die Metzgerei erlernen will, hatte einem Metzgerburschen am Wtegemeffer geholfen, und versuchte das Meffer, als der Ge­selle fort war, allein zu bewegen, wobei dasselbe vom Klotz herunter und ihm auf die Beine fiel. Er erlitt eine schwere Verletzung an einem Bein.

** Die Herbstübuugeu des elfte» ArmeecorpS. Nach den bisherigen Bestimmungen wird die 21. Division ihre dies­jährigen Hauptmanöver südlich vom Thüringer Walde, tn der Gegend von Meiningen, Koburg, Gotha, Schmalkalden und Suhl abhalteu. Die 22. Division, so meldet daSCass. Tgbl.", manövrirt in den kurheifisch-thüringischen Grenz­gebieten nördlich vom Thüringer Wald. Die 25. (hessische) Division übt tn Rheinheffen. Zwischen der 21. und 22. Divi­sion gibt eS ein CorpSmanöver, daS am 18. September endet. Die Manöver der Heffen dauern fünf Tage länger.

r. Horgeuau, 26. März. Heute Abend gegen 7 Uhr wollte die 46 Jahre alte Ehefrau deS Heinrich Lang l. von hier in dem hinter dem Wohnhaus in dem anschließen­den Garten befiadlichen Brunnen Wasser schöpfen. Da di: Frau lange auSblieb, begaben sich die geängstigten Au gehörigen an den Brunnen- sie rührten mit-einer Stange in dem Brunnen herum und entdeckten zu ihrem Schreien den Körper der Frau. Rasch wurde er herauSgezogen i nd Wiederbelebungsversuche angestellt. ES half aber nichts, die Frau war ertrunken.

n. Herbstein, 26. März. Unsere Gegend scheint einen gewiffev Anziehungspunkt zu besitzen. Wie man au- sicherer Quelle vernimmt, beabsichtigt ein reicher Engländer dauernd bei uns sich niederzulaffen. ES wäre dies der dritte Engländer, der sich in unserer Gegend anfiedelt.

B. AuS dem Kreise Büdingen, 29. März. Wenn man unsere Fluren und Felder durchwandert, lacht einem daS Herz im Leibe, so schön fieht Alles aus. DaS W int erge treibe ist ungemein kräftig und schön vorwärt- gekommen. Wo es etwa- mager ist, kommen die Leute mit Ehilisalpeter oder Jauche zu Hülse. Letztere ist immer noch nicht genügend gewürdigt. Die Frühjah rS s aaten sind durch die beiden Regentage am Donnerstag und Freitag (26. und 27. März) etwa» unterbrochen worden. Herr Wettermacher Falb hat diese-mal wirklich etwas getroffen, er prophezeite für den 26. er. einen allgemeinen Wettersturz und er ist einge- troffen. DaS wird den Herrn freuen, aber mit dem 29. März

hat er entschieden wieder Pech, denn wir hatten einen scharfen Reif und einen wolkenlosen Himmel, während hohe Tempe­raturen und Gewitter mit bedeutenden Niederschlägen prophe- zeiht sind. Die FutterauSsichten find bis jetzt gut. Ganz prächtig stehen die Kleefelder und auch die Wiesen versprechen gute Erträge. Bon den beiden südlich deS MatuS gelegenen Provinzen wird gemeldet, daß die Apri­kosen blühen. DaS hat man bet uns tu Bütingen auch fett eiotgen Tagen schon. DaS Rebholz in unseren Wein­bergen fieht prächtig auS. Der 1893r hat fich sehr schön auSgebaut, eS wurde ein Stück Büdinger zu 840 Mk. verkauft, was ein sehr stattlicher Preis ist. Der Wein eignet fich als Berschnittwein recht gut. Die warmen Tage in der Vorwoche haben einige Waghälse veranlaßt, Frühkartoffeln und Frühbohneu zu legen, eS wird aber wenig dabei herauskommen, denn die Temperatur finkt feit dem 27. März jede Nacht unter Null und im Vogelsberge hat es geschneit und gefroren. In unserem Kreise bauen einige größere Landwtrthe immer noch RapS, der zur geldarmen Zeit, kurz vor der Erute das erste will­kommene BetriebScapital liefert. Der RapS fieht sehr schön auS. Die Zuckerfabrik giebt voraussichtlich 3>/, pEt. Tantieme und 95 Pfennige für den Eentner Rüben, wo­rüber fich die Landwtrthe freuen. Der tiefste Stand ist also überwunden und es geht wieder aufwärts. Die Grund­stücke für alle Hackfrüchte liegen sehr schön da und find meistens unkrautrein, was mit dem trockenen 1895r Sommer zusammenhäagt. Die Baulust regt fich tn unserem Kreise, besoaderS wird in Nt'da eifrig gebaut- auch tn Büdingen folgt man diesem Beispiele. Stockheim, wo fich die Zuckerfabrik befindet, erhält ein neue- Postgebäude, weil fich der Verkehr bedeutend gehoben hat. DaS Dorf hat eine schöne Zukunft. Wenn die sicher in Aussicht genommene Bahn nach Frankfurt gebaut ist, wird Stockheim noch rascher aufblühen, als seither. Nachschrift. Der scharfe Reif heute Nacht scheint am Früh obste, daS schon geschoben hat, leider nicht spurlos vorübergegangeu zu sein.

nn. Darmstadt, 29. März. Auf Veranlassung deS Profefforeu-Collegiums und Bürger unserer Stadt fand heute Morgen um 12 Uhr in der mit Blumen und Blatt­pflanzen reich decorirten Aula der Technischen Hochschule eine erhebende G ed äch tn i ßf et er für den verstorbenen Großh. Hofrath Prof. Otto Roquette statt. Zu derselben hatten sich außer dem gesammten Lehrkörper der Technischen Hochschule zahlreiche Freunde und Verehrer deS Verstorbenen etngefunden. Nach einem einleitenden Choral, vorgetragen von dem Gesang- vereinHumanttaS", hielt der Reetor, Geh. Hofrath Prof. LepsiuS eine Gedächtuißrede auf den Dahingeschtedenen, indem er denselben als Mensch und Dichter schilderte. Herr Hofschauspieler Hacker brachte hierauf die schönsten und poetischsten Stellen auS RoquetteS DichtungGevatter Tod" in meisterhafter Weise zu Gehör, während der Gesangverein Humanitas" noch ein Lied auS der Dichtung vortrug und schloß die tiefergreifende Dichtung mit einem Weihegesang.

A Maiuz, 29. März. Seiten- der hiesigen Stadt- verorüneten wurde vor Jahresfrist die Errichtung eines städtischen Arbeitsamtes beschloffen und nach langen Berathungen ein diesbezügliches Statut erlaffeu. BeregteS Statut hat nicht die erforderliche Genehmigung de- Mini­sterium- erhalten, denn dasselbe kam letzter Tage mit einer Reihe principieller Beanstandungen an die städtische Ver­waltung zurück. Die von dem Ministerium verlangten Ab­änderungen find derart, daß da- Statut tn dieser vor­geschlagenen Faffung bet der Mehrheit der Stadtverordneten schwerlich Anklang finden wird, was sicher zur Folge hat, daß noch geraume Zett darüber hingeht, bis da- aus Kreisen der Arbeitnehmer hauptsächlich viel begehrte Arbeitsamt tu Wirksamkeit tritt. Zu der in diesem Sommer hier statt­findenden deutschrn Schlosserei-Ausstellung ist der Anmeldetermin auf allgemeines Verlangen bis zum 30. April verlängert worden. Nach den bi- jetzt erfolgten Anmel­dungen verspricht die Ausstellung eine sehr reichhaltige zu werden und dürfte insbesondere die historische Abtheilung, die eine reiche Sammlung von alten Fahnen, Zunftbechern, Zunftladen, alten Kunstschloffereien :e. rc. aufweisen wird, großes Jntereffe beanspruchen.

Mainz. 28. März. Heute erfolgte die Gründung einer Baugenofsenschaft für die Beschaffung kleinerer gesunder billiger Wohnungen. 15,000 Mk. wurden sofort gezeichnet, weitere Capttalien werden von der Lande-- Versicherungsanstalt in Darmstadt zur Verfügung gestellt.

Vermiete*

Wilkau (Sachsen). 27. März. Der unlängst ver­storbene Großindustrielle Commerzirurath Gustav Dietel hinterließ neun Millionen. Der Stadt vermachte er 300,000 Mark.

Augsburg, 28. März. Gestern Nachmittag 1 Uhr stürzte eine dem Kellerneubau der Kreb-'schen Brauerei gegen- über befindliche Mauer ein, wodurch drei Maurer ver­schüttet und getödret wurde. Zwei davon konnten auS- gegraben werden, der dritte liegt noch unter den Trümmern, weil die AufräumungSarbeiten zu gefährlich find.

* München, 27. März. Für den Dienst der hiesigen Polizei werden Fahrräder eingeführt. ES soll damit nicht nur der Radfahrerverkehr bester überwacht werden, daS Rad

soll auch zur rascheren Beförderung deS Sicherheit-personal nach solchen Punkten dienen, wo die Polizei plötzlich gebraucht wird. Die au der äußeren Peripherie liegenden GeuSdarroerlr- stationen erhalten ebenfalls Fahrräder.

Wien. 29. März. In Lackendorf stürzte der Plafond eines im Umbau befindlichen Häufe- ein. Der Maurermeister Hüller, ein Maurer und ein Zimwermari, wurden getödtet.

* Bern, 28. März. Seit 6 Uhr Morgen- brennt die Infanterie-Kaserne in Bellinzona. Em Flügel ttz emgeäscherr worden. Unglück-falle find nicht vorgekoonnev.

* Die Kinder esse« e- gern. In kaum 15 Minuten Uhr sich ein liebliches Gericht durch einfache- Kochen der M,lch mit Brown & PolsonS Mondamin Herstellen. D,eS ergibt eine nahrhafte und leicht verdauliche Speise und reiz» durch seinen eigenen Wohlgeschmack Kinder und Kranke z, weiterem Genuß. Zusatz von Vanille, Citrone, Fruchtiast. sauce re. gibt auf dem Familieutisch ein köstliche- Desim. Ausführliche- enthalten die Reeepte auf den Mondamin, Packeten, zu Haden ä 60, 30 u. 15 Pfg. in besseren Eolooial», Delieateß- und Drogeo-Geschäften. Für btt gute Qualität bürgt am besten da« 52jährige Bestehen dieser weit, bekannten schottischen Firma. Eogro- bei Türk u. Papn, Frankfurt a. M. l"07

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Bremen, 27. März. (Per transatlantischen Idcgr«*] Der Schnelldampfer Aller, Capt. H/CbristofferS vom Norddeutsch« Lloyd tn Bremen, tn gestern 11 Uhr Abend- wohlbehaU« tz Newyork angekommen.

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