Ausgabe 
31.3.1896 Erstes Blatt
 
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Dienstag den 3L März

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Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger

Amts- und Airzeigeblatt für den Kreis Gieszen

Hratisöeilage: Gießener Jamitienölätter

Amtlicher Theil

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bi» Norm. 10 Uhr.

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Die Gießener y«mi(leo8fälfet «erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelrgr.

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag».

gegangen, daß er für die freundliche Begrüßung feinen Herz« lichsten Dank ausspricht.

Wien, 29. März. Aus MtSkolcz wird gemeldet, daß in der Ortschaft Bööd 60 Wohnhäuser mit Nebengebäuden, sowie die Kirche, die Schule und das RathhauS nieder« gebrannt sind.

Wien, 29. März. In der Hofburg werden bereits die Vorbereitungen zum Empfange des deutschen Katser-- paareS getroffen. Da die Kaiserin von Oesterreich, sowie die Erzherzogin Maria Theresia von Wien abwesend sind, so wird die Gemahlin deS Erzherzogs Otto die HonneurS machen.

ar-Weine,

»fort zugesandt

Allr Annoncen-Bureaux dc» In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

haben in

Een-, Drognen- tatessgeschäften.

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Neueste

Depssch« de« Bsrea» ,vrrsD".

Berlin, 29. März. Zur Vorfeier deS 81. Ge­burtstages des Fürsten Bismarck waren gestern Abend ca. taufend Personen im großen Saale derPhil- Harmonie" zu einem Fest-CommerS vereinigt. Die Festrede hielt der Abgeordnete Dr. Dietrich Hahn. Auf ein an den Fürsten nach FriedrichSruh abgesandtes Begrüßungstelegramm lief folgende Antwort ein:Verbindlichsten Dank für die freundliche Begrüßung und guten Wünsche, v. Bismarck."

München, 29. März. Gestern Abend fand in dem Prinzen°Saale deS Cafe Luitpold eine Vorfeier zu Bis­marcks Geburtstag statt, zu welcher sich eine Reihe von Gelehrten, Künstlern und Beamten etngefunden hatten. Rechis- anwalt Dr. Dürck feierte die Verdienste deS Altreichskanzlers um das deutsche Vaterland und brachte ein begeistert auf­genommenes dreifaches Hoch auf den Fürsten aus. Im Laufe deS Abends war auf eine nach FriedrichSruh abge­sandte Glückwunsch Depesche die Antwort deS Fürsten ein-

Ausland.

Mailand, 28. März. Die Franzosen errichteten, wie dieItalia del Popolo" aus französischer Quelle erfährt, von Obok bis Schoa eine Telegraphenleitung. In Harrao soll ein ehemaliger französischer Militär-Telegraphen- beamtcr daS Telegraphenamt geleitet haben, woraus es sich auch erkläre, daß Menelik über alle Vorkommnisse so schnell und gut unterrichtet war. «M*

Lissabon, 28. März. Die blutige Niederlage, welche die Portugiesen in Goa erlitten haben, wird einen der langwierigsten Colonialkrige zur Folge haben, welchen die Portugiesen geführt. Die Insurgenten werden von einer fremden Macht heimlich mit Waffen und Munition versehen.

London, 28. März. Einem osfiziellen Telegramm deS Präsidenten Krüger zufolge hat derselbe die Einladung der englischen Regierung, nach London zu kommen, nicht abgelehnt.

London, 28. März. Bezüglich Transvaals erklären dieMornit^post" und dieTimes", daß dortselbst die Lage neuerdings wieder schwieriger geworden ist und daß seitens der europäischen Colonialmächte dort eine Jntrigue ivscenirt werde. England werde aber niemals eine Intervention irgend einer Macht in Transvaal dulden. ES fei unum­gänglich nöthig, daß den Wünschen der UitlanderS Rechnung getragen werde.

Gesetz, betreffend eine Ermäßigung der Gebühren bei der ersten Anlegung der Register für Binnenschiffe.

Berlin, 28. März. Die Fractionen deS Abgeordneten­hauses werden, mit Ausnahme des CentrumS und der Frei­sinnigen, dem Fürsten Bismarck zu seinem 81. Geburts­tage am 1. April ihre Glückwünsche darbringen.

Berlin, 28. März. Auch der hiesige Vertreter der Münchener Nachrichten ist, wie er meldet, wegen der vorzeitigen Veröffentlichung des Margarine-, gesetzentwurfs vor dem Amtsgericht in Moabit in der Untersuchung gegenUnbekannt" vernommen worden, hat aber daS Zeugniß verweigert.

BreSlan, 28. März. Wie derBreSl. Gen.-Anzeiger" meldet, hat eine heute hier stattgehabte Versammlung aller schlesischen zur CentrumSpartei gehörigen Landwtrthe folgende Resolution beschloffen:Die Centrumsfraction deS Reichstages aufzufordern: 1) für das Verbot des börsrn- mähigen Terminhandels in Getreide und Mühlenfabrikation zu stimmen- 2) den Reichskanzler aufzufordern, mit der Kün­digung der Meistbegünstigungsverträge auch die Handels­verträge mit den vertragschließenden Staaten einer Revision zu unterziehen- 3) betreffs der Zollverträge soll die Centrums- fractioo für eine Exportprämie von 3 Mk, für eine Consum­steuer in Höhe von 21 Mk. und für eine Contingentirung von 17 Millionen Doppelcentner stimmen. Ebenso soll die Centrumsfraction für die Doppelwährung eintreten. Sollte diese Resolution von der Centrumsfraction nicht beachtet werden, so wird beschloffen, eine katholische Abtheilung deS Bundes der Landwirthe zu constituiren."

München, 28. Marz. Dem Landtage ist ein Gesetz­entwurf zugegangen, der die in der Pfalz noch geltende Be­stimmung aufhebt, wonach als Vornameu nur solche Namen, die im Kalender stehen oder Namen von Persönlichkeiten auS der alten Geschichte verwendet werden dürfen. Ferner ist dem Landtage der bereits angekündigte Gesetzentwurf auf Abänderung der pfälzischen Gemeindeordnung zugegangen.

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ltikel

Bekanntmachung, betreffend die Zulassung von Loosen auswärtiger Lotterien zum Vertrieb im Großherzogthum.

Großh. Ministerium deS Innern und der Justiz halbem Verband der oberdadischen Zuchrgenoffenschafien die Erlaudmß erthetlt, die Loose einer anläßlich des am 15. September I. I. }n Radolfzell stattfindenden Zuchtviehmarktes zu veranstaltenden verloosung von Zuchtkalbinnen innerhalb deS GroßherzogthumS za vertreiben.

Nach dem von der zuständigen Behörde genehmigten VerloosungSplan dürfen 30000 Loose ä 1 Mark auSgegeben werden und müffen 19 000 Ma.k zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werden.

Gießen, den 28. März 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 27. März 1896. iSetr.: Auslegung des § 31 der Gewerbsteuer-Berordnung vom 23. Juli 1884.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an Großh. Polizeiamt Gießen, bir Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden und die Geusdarmerie.

DaS nachstehende Ausschrelven Großh. Ministeriums deS Jenem und der Justiz vom 18. d. Mts. zu Nr. I. 7417 tollen wir Ihnen zur Kenntnißnahm: und Nachachtung mit. v. Gagern.

CocaU» rrrrd provinzieller,

Gießen, 30. März 1896.

** Empfang. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog empfingen am 28. März u. A. den KreiSfchul- inspector Dr. Lucius, den Professor Dr. Wetz von der LandeS-Umverfität Gießen, den Polizeiamtmann v. Bechtold von Gießen.

AnS dem Gerichtsdienst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den Oberamts­richter bet dem Amtsgericht Ulrichstein Heinrich Engel zum Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Butzbach zu ernennen.

♦♦ Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Mittwoch den 1. April 1896, Nach­mittags 3^/z Uhr pünktlich: 1. Voranschlag des Großh. Realgymnasiums und der Realschule für die Budgetperiode 1897/1900. 2. Verpachtung von Gelände auf derStephanSmark. 3. Baugesuch deS Theodor Getlfuß für die Marktftrahe, hier: Anbringung eines Hyhranten. 4. Gesuch deS I. Jhring zu Lich um Erlaubniß zum Bauen auf der LiebigShöhe. 5. Her­stellung elftes Aborts auf dem Friedhof. 6. Unterhaltung deS Friedhofes der israelitischen RetigionSgemeinde. 7. Gesuch der Apotheker W. Weiß u. Dornberger um Octroirück- vergütung. 8. Gesuch deS deutschen PatriotenbundcS zur Errichtung eines Völkerschlachtdenkmals bei Leipzig bei Leipzig - hier Bewilligung eines Beitrages au8 städtischen Mitteln. 9. Gesuch deS Ausschusses zur Förderung deS Cillier deutschen Studentenheims um Widmung eine- Beitrages.

* Psychiatrische Klinik. Nunmehr ist auch die mit der psychiatrischen Klinik verbundene ambulatorische Klinik für psychisch Nervöse vollständig zur Benutzung ein­gerichtet. Dieselbe besteht auS drei geräumigen Zimmern rechts vom Eingang deS Hauptgebäudes der Klinik, welche mit allem auSgestattet sind, was zur Untersuchung und Behand­lung psychisch nervöser Zustände nothwendrg ist (z. B. Appa­rate zur Elektrotherapie 2c.), ferner aus einem Labora­torium, in welchem die zur Erkenntniß gewisser körperlicher Krankheiten nothwendigen Untersuchungsmittel vorhanden sind. Diese Einrichtung ist speziell für diejenigen nervösen Zu­stände getroffen worden, welche irgendwie mit psychische« Symptomen einhergehen oder sonst zur Psychiatrie Bezieh­ungen haben, ohne daß Geisteskrankheit im eigentlichen Sinne vorliegt. Z. B. können darin die nervösen Zustände nach Unfällen Behandlung finden, soweit psychische Momente (GemüthSoerstimmung 2c.) dabei betheiligt find. In den relativ sehr seltenen Fällen, in welchen bei solchen psychisch nervösen Leiden auf Grund wissenschaftlicher Erfahrung hyp notische Behandlung angezeigt erscheint, kann diese hier. auSgeführt werden. Für die Practischen Aerzte kommt die Einrichtung insofern in Betracht, als sie über Psychisch nervöse Zustände ihrer Patienten nach spezialärztlicher Unter­suchung in der ambulatorischen Klinik schriftlichen Bericht Über den Befund erhalten können, ohne daß diese auS ihrer Behandlung auSschetden. Die ambulatorische Klinik für psy­chisch Nervöse ist täglich von 1012 Uhr geöffnet. Zur gleichen Zeit ist die Sprechstunde für die Angelegenheiten der stationären Klinik. ES muß ferner aus dem Regulativ der Klinik hervorgehoben werden, daß im § 4 speziell im Hinblick auf die Fälle von leichterer GemüthSerkrank- ung eine freiwillige Aufnahme auf Antrag der Leidenden vorgesehen ist. Selbstverständlich können die frei­willig Eintcetenden auf Grund eines schriftlichen Antrages alsbald wieder entlaffen werden. Diese Einrichtung ist im Hinblick auf diejenigen Patienten, welche sich subjectiv psychisch krank fühlen, ohne daß Geisteskrankheit im Sinne des § 51 R.-Str.-G-B. Vorlage, z. B. bet den an Zwangsvorstellungen, Zweifelsucht 2c. Leidenden, getroffen. Die stationäre und ambulatorische Klinik bietet also besonders iw Zusammen­hang mit den Bestimmungen des Regulativs für die schwersten und die allerleichtesten Fälle von psychischen Leiden Möglich­keit zu sachgemäßer Behandlung, was hauptsächlich durch die

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Darmstadt, den 18. März 1896.

Vetr.: Auslegung des § 31 der Gewerbfteuer-Verordnung vom 23. Juli 1884.

Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz

an die Großh. Kreisämter.

Nach § 31 Abs. 2 der Gewerbfteuer-Verordnung vom 23. Juli 1884 unterliegen öffentliche und gegen Bezahlung stattfindende musikalische Productionen, welche nicht gleich­zeitig mit Tanz verbunden sind, den für die öffentlichen Vor­stellungen und Belustigungen erthe lten Bestimmungen. Danach sollen (§ 32 d. V. O.) für derartige Productionen für jede Koche 8.60 Mk. ober für jeden Tag 1.30 Mk. an Stempel- übgabe erhoben werden.

Um etwaigen Zweifeln darüber vorzubeugen, was unter len Wortengegen Bezahlung" zu verstehen ist und um eine einheitliche Praxis in dieser Beziehung herbeizuführen, viachen wir Sie darauf aufmerksam, daß diese Stewpclabgabe nach richtiger Auffaffung in allen Fällen zur Erhebung zu ßelangen hat, in welchen musikalische Productionen der in Rede stehenden Art durch bezahlte Musiker stattfinden, einerlei eb die Bezahlung der Musiker oder des ClavierspielerS durch taS Publikum oder durch den Wi.'th erfolgt und ob der Virth im letzteren Falle von seinen Gästen ein Aequivalent hanfprucht oder nicht. Es müssen daher die Wirthe auch tonn die vorgeschriebene Stempelabgabe läsen, wenn dieselben hi den in ihren Localen stattfindenden Mufikunterhaltungen veder Eintrittsgeld erheben, noch in sonstiger Weise, etwa in der Form von Preiserhöhung für Speisen und Getränken, len ihren Gästen eine Entschädigung verlangen.

Wir beauftragen Sie, die Großh. Bürgermeistereien und Polizeibehörden, sowie daS Polizeiaufsichtspersonal mit ent- tzrechender Weisung zu versehen.

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Deutsche» tzeich.

Berlin, 28. März. Die Ersatztruppen für Süd- »estafrtka, 164 Mann mit 4 Unteroffizieren, welche au8- Weßlich Infanterie- und Artillerieregimenteru entnommen jtit), wurden heute Vormittag eingekleidet.

»erlin, 28. März. DieNorddeutsche Allgemeine Mung" schreibt: Mehrere Blatter haben die Nachricht ge- tracht, daß der Herr Reichskanzler am 31. d. MtS. fein 17. Lebensjahr vollenden wird, und hinzugefügt, daß eine besondere Feier dieses Tages geplant sei. Wie wir dem- ltgtnübtr hören, wünscht Fürst zu Ho Heu lohe- kchillingSfürft seinen Geburtstag in stiller Zurück- zezvgenheit nur im Kreise seiner Familie zu verleben.

»erlin, 28. März. DerReichSanzeigrr" publicirt daS

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