Ausgabe 
30.9.1896 Erstes Blatt
 
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Len Oberheffischen Eisenbahnen, Karl Jnderthal von Großmühle bei Alten-Buseck, -nm Stotion-assiftenten bei den Hessischen StaatSeisenbahnen, beide mit Wirkung vom 1. Oc­tober l. I. an, und der Bahnmeister-A-pirant Johann Stockert aus Höchst im Odenwald zum Bahnmeister bei den Hessischen Staat-eisenbahuen mit Wirkung vom 1. October l. I. an ernannt.

* Bieierlhaltaha. Im Anschluß an unsere neuerliche Notiz find wir heute in der Lage, mittheilen zu können, daß schon Räume für da- Baubureau in der Dammftraße ge- miethet find und daß bereit- seit Mitte voriger Woche im Auftrage der Allgemeinen deutschen Kleinbahn Baugesellschaft Berlin zwei Ingenieure Hierselbst thätig find, um die Bor- arbeiten zu dieser Bahn zu beenden und auch theilweise schon die Absteckung der Bahn oder die Festlegung der Linie der« selben in Angriff genommen haben. Die Arbeiten sollen, wie wir erfahren, so gefördert werden, daß der Bahnbau Mitte kommenden Jahre- vollendet und dann sofort der Betrieb eröffnet werden kann.

♦♦ Radfahrerwege auf den Kreilstraßen. DieWanderer^, Gießener Radfahrer-Gesellschast, haben au Großh. Krei-amt die Bitte gerichtet, besondere Radsahrerwege auf allen Krei-straßen im Kreise Gießen zu errichten und zwar der Art, daß die eine Seite der Straße statt eine- Fußgängerweges ein Bankett für Radfahrer erhält, eventuell durch Um­wandlung der wenig benutzten Reitwege in Radfahrerwege einem Bedürsniß abzuhelfen, welche- dadurch bedingt fei, daß da- Rad immer mehr eine Bedeutung al- wichtiges Ver­kehrsmittel erhält. Diese Wegeeinrichtung für Radfahrer befindet sich schon vielfach in der Nähe anderer deutscher Städte, z. B. bei Lübeck und im Kreise WormS rc.

Seltener Fang. Gestern wurde auf der Fischerei de- Herrn G. ein Hecht mit der Angel gefangen, der das respectable Gewicht von 18 Pfund aufweist. Die Länge desselben beträgt 1,5 Meter, sein Umfang 45 Zentimeter. Bor einigen Jahren fing Herr G. einen Hecht im Gewichte von 19% Pfund, der 1,12 Meter lang war.

Der Orllgewerbeverei» hielt gestern Abend unter Theilnahme von Nichtmitgliedern eine Generalversammlung mit der Tagesordnung:Organisation deS Hand­werks" ab. Bon den drei in das Thema zusammengefaßten Punkten wurde der erste, die Berichterstattung über die Ge­neralversammlung deS Verbandes deutscher Gewerbevereine in Stuttgart, von dem Delegirten, Herrn Studtverordneten Petri, erledigt. Herr Petri verbreitete fich eingehend über die Verhandlungen in Stuttgart und präcifirte die Stellung, die er als Vertreter des Gießener Gewerbevereins zu der Frage gekommen; er sei gegen die ZwangSorganisation, da­gegen stehe er sympathisch gegenüber den auf dem Ver­bandstage behandelten Handwerkerkammern, der Organisation deS Lehrlingswesens, dem Zusammenschluß des Handwerk- innerhalb der einzelnen Berufszweige. Die Verhandlungen deS BerbandStages führten schließlich durch Annahme einer Resolution zur Ablehnung der in Preußen geplanten Zwangs­organisation. In der hierauf folgenden Besprechung, an der fich auch Nichtmitglieder betheiligtcn, wurde u. A. dargelegt, daß durch die bestehenden Gewerbevereine, mit der Zentral- stelle an der Spitze, der Sache de- Handwerks gerade so gedient werde, wie durch Zwangsorganisation, eS stehe dabei dem Zusammenschluß nach Branchen, falls das Bedürsniß dazu vorliege, nichts entgegen- daS beste Mittel zur Organisation liege in den Gewerbevereinen, auf deren breiter Grundlage könne fich das Handwerk aufbauen, wogegen die geplante Zwangsorganisation dem Handwerk nur Schwierig­keiten bereite. Aus diesen und einer Reihe anderer Erwäg­ungen, von denen besonder- diejenigen über die Handwerker­schulen HeffenS und die berechtigten Sonderintereffen einzelner Erwerbsfächer hervorgehoben wurden, sprach sich daher auch die Versammlung gegen den auf eine Reorganisation deS LandeSgewerbevereinS und der Zentralstelle für die Gewerbe gerichteten Antrag deS Darmstädter Gewerbevereins aus. Hierauf kamen die von der Zentralstelle den Gewerbevereiuen gestellten Fragen zur Verhandlung. Dieselben lauten: 1) ob ein Bedürsniß zum Erlaß so eingehender Be­stimmungen zur Herbeiführung einer ZwangSorganisation siir das Handwerk im Großherzogthum anzuerkennen ist- 2) ob die Bestimmungen des Gesetzentwurfs geeignet find, eine Besserung in den Verhältnissen deS Handwerks herbei- zusllhren - 3) welchen Einfluß der Entwurf, wenn er Gesetz würde, auf den Bestand de- LandeSgewerbevereinS äußern wird- 4) im Falle der Verneinung der Fragen 1 und 2, welche andere Maßnahmen etwa zu ergreifen sein würden, um da-, waS der Entwurf hauptsächlich erstrebt, genossen- schastlichen Zusammenschluß deS Handwerks und beffere Aus­bildung der Lehrlinge für ihren Beruf, zu erreichen. Die Versammlung lehnte in Uebereiustimmung mit den Beschlüffen deS Vorstandes eine Bejahung der Fragen ab und empfahl bezüglich des Punktes 4 Zusammenschluß der Handwerker, Anschluß derselben an die Gewerbevereine, facultative Lehr- Itngfl- und Gesellenprüfung und Befähigungsnachweis be­sonders für die Bauhandwerker.

Sine Delegirten - Versammlung des bentralverbaade- hessischer Innungen fand am Sonntag in Darmstadt statt. Hauptzweck derselben war Stellungnahme zu dem preußischen Entwürfe über die Organisation de- Handwerks und wurde beschloffen, daS Gesetz im Großen und Ganzen mit den Ab­änderungen der Berliner Eonsereuz anzunehmen. Man ver­kannte nicht da- Vorhandensein von Mängeln, mau wollte aber, um da» Gesetz im Reichstage zu ermöglichen, nicht über die Berliner Beschlüsse hinauSgehen. Der Referent, Buchdruckereibefitzer Fischer-Worm-, polemifirte deS längeren gegen die Stuttgarter Verhandlungen und Beschlüffe deS verbandstage» deutscher Gewerbevereine und erklärte, daß die Handwerker ihre Aufgabe in der beruflichen Zusammen- faffung de- Handwerk- erblicken. Schließlich wurde nach­stehende Resolution vorgeschlagen:Die heute in Darm­stadt versammelten Delegirten deS Verbände- hesfischer Innungen und Berus-vereine begrüßen den von der kvnigl.

| preußischen Regierung beim BuudeSrath eingebrachten Gesetz- ' entwarf, betr. die Organisation deS Handwerks, billigen die von der jüngst zu Berlin stattgefundeuen Handwerker-Zon- ferenz hieran vorgenommenen Aenderungen, empfehlen die Vorschläge den verbündeten Regierungen zur geneigten Be- rückfichtiguug und bitten die Großh. Staatsregierung, daß fie im BundeSrathe ihr Votum zu Gunsten dieser Gesetzes­vorlage abgibt- zugleich richten fie an die Herren Reichs- tagSabgeordueten für Hessen daS Ersuchen, im Reichstage für die Annahme des Gesetzentwurfes eintreten zu wollen." In einer sehr anregenden Debatte wurde anerkannt, daß die Äewerbevereine namentlich in Bezug auf das gewerbliche Schulwesen ganz Hervorragendes geleistet hätten, zugleich aber die Anficht ausgesprochen, daß fie nicht im Stande seien, die Handwerkerfrage allein zu lösen, da die Leiter der Gewerbevereine die Schmerzen der einzelnen Handwerker­branchen nicht kennen. Gegner der Gewerbevereine seien die Handwerker und ihre Organisation durchaus nicht, im Gegentheil, fie wollen, Hand in Hand mit ihnen gehend, das allgemeine Wohl des Handwerkerstandes fördern helfen. Die Abstimmung ergab die einstimmige Annahme obiger Resolution.

LandeSgewerbeverein. Die Tagesordnung für die am 12. October in Darmstadt stattfiudeude General- Versammlung der Mitglieder des LandeSgewerbevereinS lautet wie folgt: 1) Besichtigung der Ausstellung von Zeichnungen und Schülerarbeiten der Fachschule zu Erbach, der erweiterten Haudwerkerschuleu zu Darmstadt und BenSheim, sowie der Handwerker-Sonntags-Zeichenschulen der Provinz Starken­burg. Ort derselben: Dienstgebäude der Großh. Zentral­stelle für die Gewerbe und Schulräume der Landesbaugewerk- schule, Neckarftraße 3. 2) Vormittag- 10% Uhr: Frühstück in dem Gartensaal deS Städtischen SaalbaueS. 3) Vor­mittag präciS 11 Uhr: Beginn der Generalversammlung im Vorsaal deS Saalbaues, a. Begrüßung der Anwesenden - b. Geschäftliche Mittheilungen und Bericht der Handwerker­schulcommission deS LandeSgewerbevereinS- c. Beratungen Über die Organisation deS Handwerks und die Regelung deS LehrlingSwesenS- d. Entwurf eines Gesetzes, betr. die Ab­änderung von ArbeiterverstcherungSgesetzen, Vortrag deS Herrn RegierungSrath Dr. Dietz - e. Wie können die Orts­gewerbevereine den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht werden? Vortrag des Herrn Ingenieur Brockmann- f. Neu­wahl von 25 Mitgliedern aus der Provinz Starkenburg in den weiteren Ausschuß- g. Bestimmung des Orte- für die nächste Generalversammlung in Rheinhessen- h. Verschiedenes. 4) Nachmittag- 1% Uhr: Mittagessen in dem Gartensaal des SaalbaueS (Preis des Gedeckes ohne Wein 2 Mark). 5) Nachmittags 3% Uhr: Besichtigung der Räume der chemischen Prüfung-- und Auskunfts-Station für die Gewerbe, Heinrichftraße 55. 6) Nachmittag- 4 Uhr: Besichtigung des städtischen ElectricitStswerks, Schuchardftraße. 7) Gesellige Vereinigung in derStadt Pfungstadt".

* Rationalliberale Partei. Am Sonntag tagte in Darm- stad t unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Osann I. in der Restauration zurStadt Pfungstadt" der LandesauSschuß der nationalliberalen Partei in Verbindung mit den Dele­girten zum Berliner Delegirtentag der Partei. Derselbe berieth die Stellung der Delegirten zu den verschiedenen Fragen, welche den Delegirtentag beschäftigen und ergab sich der einmüthige Gedanke der Nothwendigkeit der Erhal­tung und Festigung der Partei und deS kräftigen Eintretens derselben für die unter dem Einfluß des Weltmarktes leidende Landwirthschaft und der unter dem Gewicht der Großindustrie vielfach niedergedrückten mittleren und kleinen Gewerbe.

* * Battehetag. In einer am 20. September dahier stattgehabten Besprechung ehemaliger Kriegskameraden der 2. leichten Batterie Großh. Hessischen Artillerie ZorpS wurde beschloffen, am 6. Decernber d. I. einen Batterietag der 2. leichten Batterie in Offenbach a. M. abzuhalten. Sämmtliche Kriegskameraden dieser Batterie werden gebeten, an dieser Erinnerungsfeier theilzunehmen und ihre Anmel­dung nebst genauer Adresse und sonstiger Personalien an den Kameraden Joh. Leonhardt V., Kaiserstraße 138, Offen­bach o. M., so rasch wie möglich gelangen zu lassen.

Wer ist bei der Landtagswahl wahlberechtigt? Jeder, der die hessische Staatsangehörigkeit durch Geburt ober Auf­nahme erlangt hat, der 25 Jahre alt ist und seit Beginn des Rechnungsjahre-, in dem die Wahl ftattfindet, zur Staats- oder Gemeindesteuer herangezogen wurde. Be­dingung ist jedoch, daß der Wahlberechtigte innerhalb zwölf Monaten, vom Tage der Wahl an zurück, keine öffentliche Armenunterstützung erhalten hat und zur Zeit der Wahl mit der Entrichtung der fälligen Staatssteuer, oder falls er nur zur Gemeindesteuer herangezogen ist, mit der Entrich­tung der fälligen Gemeindesteuer nicht langer als 2 Monate im Rückstände ist. Wer also zur Staatssteuer und zur Gemeindesteuer herangezogen ist, der braucht, um bei der kommenden Wahl wahlberechtigt zu sein, nur die beiden ersten Ziele der Staatssteuer entrichtet zu haben. Nur Derjenige, der bloß zur Gemeindesteuer herangezogen ist, muß die beiden ersten Ziele der Gemeindesteuer bezahlt haben.

- n- Gettenau, 27. September. Triebsand! Dieses unangenehme Wort ertönte, als die Spundwände für den Brückenpfeiler der Horlofsbrücke, nach Bisses hin, ge­schlagen waren und mit der Ausschachtung begonnen wurde. Wie in einem Hexenkessel gurgelte und brodelte empor, die Pumpen genügten nicht, um die Wassermassen zu be­wältigen, man griff zu Kübeln und Eimern. Die Spund­wände mußten gespannt und gesprießt werben, sonst war jeden Augenblick der Einsturz zu besürchten und bann hätte eS eine äußerst unangenehme Arbeit gegeben. Schließlich gelang es, bie Wassergeister zu dämpfen und zu betoniren. Bald merkte man, baß bie hervorgebrochenen Waffermaffen einen angenehm säuerlich-prickelnden Geschmack hatten. Man mußte also auf einen Säuerling, die bekanntlich in der

Setterau sehr häufig find, gestoßen fein. DaS traf zu, ober in unangenehmer Weise, nämlich eS stellte fich aus, baß der Echzeller Sauerbrunnen, der dort in ber ist, abgegraben worben war. Da hatten wir die Bescheernvg. Hoffentlich läßt fich die Sache wieder ohne große Umstäore und Kosten repariten. Auf ber Strecke Reichelsheim Beienheim ist bis jetzt ein einziges Mal Triebsand, aber nur in unbedeutender Menge, angeschnitten worben. . den Srdabhebu 'gen imBüderich", Gemarkung Echzell, man wieder auf eine neue Römerftraße gestoßen. Man tar- daher auf neue Funde rechnen, da in Echzell, wie uozweist:. hast festgestellt worben ist, fich zwei Römerstraßen, eine v:, Westen (Friedberg), die andere von Norden (Wohnbach, kommend, begegnen.

Darmstadt, 28. September. Ein BegrüßungSabeni leitete heute im Saalbau die neunte ® enerolberfami. lung des Evangelischen Bundes ein, ber bon einige Hundert Gesinnungsgenossen, Einheimischen wie Gästen, fo sucht war. Namen- deS hessischen HauptvereiuS begrüß. Landgericht-rath Küchler, Namen- ber Darmstäbter Kirche gemeinde Pfarrer Petersen, Namen- deS Evang. Arbeite, und Handwerker-Verein- (mit jetzt ca. 350 Mitgliederr Pfarrer Eger die Versammlung, Allen segensreiche flrtt wünschend. Vom Zentralvorstande (dessen Vorsitzender, öir v. Wiutzingerobe-Bodenstein, am Erscheinen verhindert replicirte Zonfiftorialrath Dr. Göbel von Halle fcanlen: an die großen Aufgaben deS Bunde- in heutiger Zeit gt mahnend. U. a. war ein seine Abwesenheit bebauenibti Schreiben von Professor Dr. Köstlin in Gießen eingelaofn Eine herzliche Einladung zur Theilnahme an der Feier dn Einweihung deS MelanchthonHauseS in Bretten überbrach Proseffer Thomavon Karlsruhe. Prediger Professor Schei, von Berlin richtete einen warmen Appell an bie evangelischer Frauen unb Jungfrauen, für ben Evangelischen Bund ihr, Kräfte einzusetzen, namentlich in bet Bewahrung beS et deutschen evangelischen Familienleben- unb -Sinne-, in bei Aufklärung bezüglich ber Mischehen unb in ber Theilnah«! an ben Dioconie- ufw Bestrebungen. Manche- Jnterefiami auS ber schwäbischen DiaSpora erzählte Pfarrer Schmit, von ber Zonfirwanbenanstalt MartinSstsst in Alt-Hausen, auch eine Reihe recht versöhnliche und erfreuliche Züge au» bei Zusammenleben zwischen Evangelischen unb Katholiken berichten! Auf bie Gefahren ber gemeinsamen Propaganba von Polomi muS und RomaniSmuS in ben deutschen Ostmarken wie» Pfarrer Arnold von Gischkau in Westpreußen hin, cor statirte den Rückgang der deutschen und evangelischen Sacht horten und plaidirte für deutsche Einwanderung horten au» dem Westen. DaS Schlußwort mit beredtem Hinweis aul die Gründung des Evangelischen Bunde- vor zehn Jahren in Erfurt sprach Senior Dr. Bär winkel von Erfurt Der Bessunger Kirchengesangverein, ein trefflich geschulter Ehor, trug durch geistliche Gesänge zur Verschönerung der Feier sehr wesentlich bei.

Schwurgericht.

W. (Biegen, oen 28. September 1898.

(Schluß.)

Nach Beendigung der Mittagspause wirb aus Veran­lassung des Dertheidiger-, Herrn Rechtsanwalt Wei big bem Angeklagten Merle bie Frage noch einmal borgelegt, ob er am Tage be- BranbeS, al- er feinen NamenSoetter begleitet, gewußt hat, baß jener bie Hütte anstecken will unb daß er feinem Genossen bat Streichholz gereicht habt. Der Angeklagte bejaht bie Frage, behauptet jedoch, ba» Streichholz nur zum Leuchten gegeben zu haben.

Die ben Geschworenen vorzulegenben Fragen laute» dahin: 1. Ob ber Angeklagte gemeinschastlich ult ernte Anderen bie Hütte, bie nicht sein Eigenthum war, vorsätzlich in Branb gesetzt habe (§ 308, 47 be- R.-Str.-A 2. Ob ber Angeklagte gemeinschastlich mit einem Aad neu vorsätzlich unb rechtswibrig fremde Sachen, nämlich de» Heinrich Schaumburg gehörige behauene Sandsteine vor­sätzlich beschädigt hat (§ 303, 47 de- R-Str.-G ). 3. Cb ber Angeklagte am 26. Juni bem Genbarmen Heun aul AlSfelb anläßlich feiner Verhaftung thätlich unb durch Cr drohung Widerstand entgegengesetzt hat (§ 313 deS R.-Ltr.-G >.

Auf Antrag be- BertheibigerS wirb bei ben Fragen 1 unb 3 bie Frage nach milbernben Umständen gestellt.

Hierauf nahm Herr Staatsanwalt Zimmermann da» Wort zur Begründung ber Anklage. Die Geschworenen seien einmal bei dem vorliegenden Fall in der Lage, hnner die Zouliffen zu sehen, mit welchen Mitteln derartige Ver­brecher, wie der Angeklagte und sein schon abgeurtheilter Namensvetter arbeiten, um ihr lichtscheues Thun ber Justiz zu entziehen. Der Fall sei auch um be-willen lehrreich, weil er beweise, wenn ber Gerichtshof in ber Verhandlung gegen Magnu» Merle eS zugelassen, ber heutige Angeklagte unbebenklich einen Meineib geleistet, um Jenen herauszu- schwören. Heute nun schiebt einer ber Brandstifter die Schuld auf den andern. Der Staatsanwalt geht nun die Aus­sagen des Angeklagten und der Zeugen durch und nachdem er daS Facit ber ganzen Beweisaufnahme abgewogen, kommt er zu bem Schluß, baß bie Geschworenen sämmtliche an ste gerichteten Schulbfragen zu bejahen Haden. Die an sie gr richteten Fragen wegen mllbernber Umstände feien aber ent­schieden zu verneinen.

Der Dertheidiger, Herr Rechtsanwalt Weibig, stimmt bahn mit bem Staatsanwalt überein, baß fein Zllent schuldig fei ber Sranbftiftung, ber Sachbeschädigung und be» Ötbcr standeS gegen bie Staatsgewalt. Aber so viel habe doch bie Beweisaufnahme ergeben, daß AnbreaS Merle der Ver­führte bei ber ganzen Sache fei. Der Beschädigte felbff habe befunbet, baß ber Schaben an drn Werksteinen nir von geübter Hand ausgeführt, diesen Frevel könne daher nicht der Angeklagte, sondern nur dessen Genosse Magna» Merle, ber ein tüchtiger Steinhauer sei, ausgeführt Haden, trotzdem er dieses sowohl wie bie Branbstistung ableugnet. Ein Mann, wie ber Angeklagte, ber ein gewohnheitSmäßtger

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