Ausgabe 
30.7.1896 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 30. IM

Ur. 177 Zweites Blatt

Hratisöeitage: Gießener Jamikienökätter.

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Bekanntmachung.

Betr.: Sch'tßübunat".

9 n. Ans Oberhefie», 28. Juli. Schon längere Jahre ist das Bestreben der VolkSschullehrer Hessens auf die Grün- düng einer eigenen Feuer-Bersich erungS-Kasse ge- richtet. Da die bezüglichen Vorarbeiten tm Gange find, hofft man, daß die Angelegenheit bis zur nächstjährigen Delegirtenverfammlung spruchreif wird. In neuerer Zett ist nun der Gedanke aufgetaucht, keine festen Prämien von den Mitgliedern der zu bildenden Gesellschaft zu heben, sondern nach Art der staatlichen BrandversicherungSkaffe die Beiträge nur nach Bedürfuiß zu erheben und behufs rascher Regulirung etwaiger Brandschäden auS den nach der Ver­sicherungssumme des einzelnen berechneten Eintrittsgeldern einen Fond zu bilden.

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güt Nnn°ncm.Burecmx de» In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

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Meßmer Anzeiger

Kenerak-Mzeiger.

Amts- unb Anzeigeblatt für den Areis Gieren.

§ geflet, 28. Juli. Heule find es 40 Jahre, daß der feit emer längeren Reihe von Jahren al» Platzmeister auf der Main'Weser-Hütte in Stellung befindliche Herr Ehr. Bautz in die Dienste der Firma BuderuS trat und zwar damals auf dem Walzwerk Germania bet Neuwied, welches unter der Firma Fr. BuderuS u. Cie geführt wurde.

n. Friedberg. 28. Juli. An der hiesigen Großherzogl. Obstbauschule und landwirthschaftlicheu Wtnterschule wird vom 12. bis 17. December d. I. ein Obstv erw erthun g S- CurfuS für Männer abgehalten, der sowohl theoretische Borträge als auch practische Uebungen umfaßt. ES werden dabei Borträge über folgende Thema gehalten: Bestand­teile der Früchte, da» Waffer, der Zucker, der Alkohol, der Essig und die Säuren, Gährung, Verwesung, Aufbewahrung und Verpackung deS feinen Obstes, Obstweiubereitung mit Berücksichtigung der Untersuchung deS Obstmoste» auf freie Täuren und Zucker und des Weins auf Alkohol usw.. Fehler und Krankheiten deS Obstweines, Branntwetubereitung aus Obst. Die Nachmittage werden zu Uebungen tm Labora« torium, zur Herstellung und Prüfung von Obstproduct u, verpacken de» Obstes ufw. verwendet.

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Ja die reizvolle Umgebung eine» SommeraufcvthaUe» versetzen die herrlichen Bilder der soeben zur Ausgabe gelangt«

vermischter.

Marburg, 27. Juli. Vor einigen Tagen hat eine Berliner Firma in einer Reihe von Städten, u. A. auch in Marburg, die Genehmigung zur Errichtung einer Privatmarkthalle vachgesucht. Die Firma erbot sich, ohne jede finanzielle Bethtlse Seitens der Stadt eine den Bedürfnissen und den Ansprüchen der Sicherheit und Be« , auemlichkett genügende Markthalle auszusühren und zu verwalten. Die hiesige Stadtbehörde hat jedoch baß An- erbieten abgelehnt. Maßgebend für letzteres war äugen- scheinlich, weil bet Annahme des Vorschlags die Marktbesucher, owohl Händler wie Käufer, sich in die Hände der Gesell« schast begeben würden und weil -die Geschäftsleute am Ge­müsemarkt, Buttermarkt re. durch die Markthalle empfindlich geschädigt würden. _

Düsseldorf, 27. Juli. Eine auf der Lorettostraße wohnende Frau war heute Vormittag damit beschäftigt, Wäsche auf der Bleiche auszubreiten, als sie plötzlich todt zu Boden siel. Bei der Besichtigung der Leiche ergab sich, daß die Frau durch einen Schuß getödtet worden war, der von einem der benachbarten Häuser auS abgefeuert sein mutz. Der Schütze wgr bisher nicht zu ermitteln- wahrscheinlich i liegt fahrlässige Tödtung vor. Die Untersuchung ist tm

9* Siu Raun, der sich »icht in sein©lutf" finde» kouute, war ohne Zweifel der einhunderttauseudste Besucher de» tm Vergnügungspark der Berliner Ausstellung bettgeuen ConcertsaaleS deS Stelaff'fcheu electrüch-automattschev Restau­rants. Die Stelaff'sche Maschinenfabrik hatte für diesen Besucher eine große Ueberraschung vorbereitet. Tin Füllhorn in Meterhöhe, aus dem ein wundervolle» Blumenarrangement, vorwiegend aus Rosen und Lilien bestehend, hervorrrat, war I mit hundert Loosen der Ausstellungslotterie in recht geschmack«

Der chtetzener Anzeiger erscheint täglich, ott Ausnahme de» MontagS.

Die Gießener PamtttenbtLtter werden dem Anzeiger wdchmtlich dreimal brigelegt.

ss Bermuthshain, 28. Juli. Wie wir kürzlich die Der- I Haftung des Feist Sommer I. auß Crainfeld tn^^h^^"' Io sei derselbe wegen Wucher unb Meineid angftlagt; wir können nun heule noch n-chtrag-l,, daß sich auch Falle «egen «ergehen de- Betrug« und Erpressung herauSgestellt haben. Die Verbrechen, welche Sommer in den letzten 10 Jahren I begangen hat, können nur verfolgt werden, während diejenigen I aus früherer Zeit verjährt sind. Das elterliche vermögen des Sommer soll 500 Gulden betragen haben, derselbe soll so fleißig in seinem Berufe gearbeitet Haben, daß daffelbe iebt über lk Million Mark betragen soll, ist dteß nach Imseren so armen Derhältniffen sim oberen Vogelsberge ein sehr großes Verwögen, die GeschäftSthätigkeit des Sommer beschränkte sich nur auf die höheren armen Dörfer des Vogels­berg». Man ist überall erfreut über unsere Regierung, ins­besondere die Staatsanwaltschaft, daß dieselbe auf solche Art : den armen Landwirthen helfend betsteht.

§ Ukichstei», 28. Juli. Dem hiesigen KreiSasstftenzarzt vr N. begegnete auf einer Radtour von hier nach Schotten ein ernster Unfall. Derselbe fuhr mit einem Mg-r-n Radfahrer von hier der sehr steil und in scharfen Win- düngen abfallenden Staatsstraße entlang in sehr scharfem I Tempo, als beiden die Post begegnete. Um dieser auözu« weichen, fuhren beide Radfahrer hintereinander. Hierbei ge­schah es nun, daß Herr Dr. N. mit seinem Rade wider daS des Vorfahrenden stieß. Durch den plötzlichen Anprall wurde er mit solcher Wucht von seinem Rade geschleudert, daß er besinnungslos liegen blieb und ärztliche Hilfe in Schotten I in Anspruch nehmen mußte.

§§ Som höhere» Sogelsberg, 22. Juli. Die Heu- I ernte ist jetzt hier meistens beendet, mit Ausnahme des versteuerten Grase«, welche« meisten, non de« klein-«« Landwinhen gemacht wirb. Die Heuernte ist burchlchn ttlich I in Qualität und Quantität gut ausgefallen, was Anfangs I nicht erwartet wurde. Die Gemeinde-HeugraS-Bersteigerungeu I in hiesiger Gegend haben gewöhnliche Durchschnittspreise

schossen hat.

Bo» einem pfiffige» Sauuerstrelche berichtet dieSaa e- Zeitung" aus Kösen:Ein etwa 15jahriger Junge tritt in einen Laden und kauft ein Päckchen Tabak. Als er be- zahlen will, bemerkt er, daß er nicht genug^Geld bei sich habe. Er sagt zu dem Kaufmann, daß er daS Geld, daS ihm sein Meister gegeben habe, iu der Werkstatt habe liegen [affen, er wolle schnell zurücklaufen und eS holen, und eia kleines Gemälde, daS er bet sich trug, dalaffen, er fei im Augenblick wieder da. Der Junge hat kaum den Laden ver- lassen, alß ein vornehmer Herr etntdtt und theuersteu Havannahcigarrev geben läßt. Wie zufällig Mt dabei sein Blick auf das Bild, was ihm den Ausruf ent« lockt:Mein Gott! DaS ist ja ein außerordentlich werth- volle» Gemälde! WaS wollen Sie dafür haben? Ich gebe Ihnen sofort dreihundert Mark dafür." Der Kaufmann er- i widert, daß das Bild nicht ihm gehöre, sondern nur einige I Minuten von einem Lehrling hier uiedergelegt sei. »Gut, sagte der Fremde,ich bin leider sehr in Elle- aber hier ist meine Karte. Schicken Sie, bitte, den jungen Mann zu mit in den »Muthigeu Ritter" und sagen Sie ihm, daß er außer den dreihundert Mark sür da- Bild noch ein gutes Trink- aeld erhalten soll." Der Fremde geht und der Kaufmann lieft auf der Karte: Graf de Laville, München. Als der Lehrling zurückkehrt, bietet ihm der Kaufmann, der natürlich das gute Geschäft gern selbst machen will, dreißig Mark für I das Bild. Der Junge antwortet, daß er keinen Auftrag und kein Recht habe, das Bild zu veräußern, daß er aber seinem Meister sagen werde, damit dieser selbst komme.

I Der Meister kommt und erklärt, er habe daß Gemälde kürz­lich auf einer Auction erstanden und wollte eben zum Bergolder bringen laffen; unter 150 Mark könne er «bet nicht abgebev. Nach kurzem Hin- und Herhandeln erhalt er denn auch den Betrag von dem Kaufmaun ausbezahlt. Dteser macht sich bann, äußerst vergnügt über baß lohvenbe Geschäft, auf ben Weg zumMuthigeu Ritter", wo er aber zu seiner I großen Verblüffung erfährt, baß bort ein Graf be Laville I auß München ganz unbekannt ist.

* «vier», 27. Juli. Heute Morgen fanb die Einweihung I eine» Denkmal» zum Gebächtniß bet 1871 in der Schweiz I gestorbenen französischen Soldaten statt.

Hebet die Zahl bet Reifenden, die im letzten Jahre in den großen und mittleren europäischen Staaten die Eisenbahn benutzt haben, wird eine intereffante Za- sammenstellung veröffentlicht. Die bett. Ziffern find folgende: I Italien 30158 408 Einwohner, 51 447 293 Reisende,- Frankreich 38 343 192 bezw. 305 211 006; Deutschland I 49 428 470 bezw. 483 407 806; Belgien 6 069 321 bezw. I 6 540 010, Oesterreich 23 895 413 bezw. 84 924 407; Unaarn 17 463 473 bezw. 37 302 070; Großbritannien und c^iand 37 880 764 bezw. 864 435 388; Schweiz 2 962098 be«o. 37 249 040; Holland 4 593 155 bezw. 33 349 127; Rußland 97 807 339 Einwohner und 32 602 944 Reisende. I Während also in Rußland erst auf 3 Einwohner 1 Reisender kommt, fallen auf 1 Einwohner In Italien v/s Rttsevde, in Ungarn 2'/,, Oesterreich 3*/-, Holland über 7, Frank- I ^ich 9, Deutschland fast 10, Schweiz über 12, Belgien 1 I über 14 und in Großbritannien unb Jrlanb 23 Personen.

voller Weise becortrt. Der Mann, anscheinend -in Pro vioziale, konnte diese Aufmerksamkeit wohl nicht verstehen, obwohl sich baß dicht gedrängt stehende Publikum im Concet.- saale alle Mühe gab, ihn von dem wahrhaftigen Ernst der Sache zu überzeugen. Doch alle Bemühungen waren vergeblich. Der fonberbar« Glück-Pilz wt-s ba« ihm ,ug-d°ch'° ab, trotzdem ihm begreiflich gemacht würbe, baß er mit ben hundert Loosen unter Umständen ein steinreicher Wann werben könne. Still, wie er gekommen, verließ er ben (Jonceilfnnt. Nun soll der 150,000. Besucher bet Auierwählte werben.

» Hamburg, 28. Jul«. Die Hamburg.Amerika- Linie .welche bei Warlanb u. Wolff In Belfast einen Dampfer bauen laßt, ber mit 20 000 Tonnen Wasserverdrängung ba« größte Schiff bet Welt sein Wirb, hat mit bet hiefigen «Seift Blohm u. Boß den Bau eine« zweiten ganz gleichen Schiffe« abgefchloffen.

* Brannfchweig, 27. Juli. Hierher wirb gemeldet, daß der Lehrer Schul, au« Lllrbiffen (Herzogth. Braunschweig), einer der Teilnehmer und Förderer der deutschen Turnsah,t nach Genua, Tripoli« u. f. w. sich auf der Insel Malorka, wahrscheinlich in einem Anfall von Geifteßstörung, er-

Es wird hiermit zur öffentlichen Keurttnih gebracht, daß das 2. Bataillon des ^nf.-Regr- ments Kaiser Wilhelm, Nr. LL«, Samstag den L. Auaust l. I. von Vormittags 7 brs 3 Uhr Nachmittags ein Schießen mit scharfen Patronen in dem Gelände westlich Wismar mit der Schuh­richtung gegen den Wismarer Wald bezw. Ober­walgern und Kirchvers abhalten wird.

Das Gelände zwischen den Ortschaften Launspach - Wismar -Ruttershausen --Oden­hausenSalzbödenSchmelzForsthaus Wald­bausKrofdorf ist gefährdet und darf tn der vor­stehend angegebenen Zeit nicht betre^n werden. Die Strafte KrofdorfForsthaus Waldhaus Schmelz ist für jeglichen Verkehr gesperrt.

Gießen, ben 28. Juli 1896.

GtoßhetzoglicheS Kteißaml Gießen.

v. Gagern.

«anahm. vo« Anzeigen zu der Nachmittag» für bt* Agenden Tag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr.

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Bekanntmachung, betreffenb: Die Abhaltung eines außerorbentltchen Dleh- unb KrämermarkteS zu Homberg a. b. O.

Großh. Ministerium beS Innern unb ber Justiz hat die Abhaltung eines außerorbentlichev Vieh- unb Kramer- markte» zu Homberg a. b. O. am 5. August l. I- unter folgevben Bebinguvgev gestattet: ___|

1. Für Auf- unb Abtrieb bt» Biehe» ist ben Anträgen be» KreiSveterinäramte» gemäß je eine bestimmte Stelle zu schaffen, welche allein benutzt werben barf.

2 Aus ben Markt bürfen nut Thiere auß unverseuchten Otten ber Kreise AlSfelb, Schotten,^ Lauterbach, Gießen unb Bübingen, Thiere von Häublern aber nur bann, wenn sie minbesten» 7 Tage in unver­seuchten Orten ber fraglichen Kreise tn seuchenfretem Zustanb gestanben haben, ausgetrteben werden.

Den Großh. Bürgermeistern wirb bte gewtffenhafte Be­folgung ber bestehenben Vorschriften bei Ausstellung ber Ur- IprungSzeugniffe noch ganz besonder» zur Pflicht gemacht.

Alsfeld, ben 24. Juli 1896.

GroßherzoglicheS Kreisamt AlSfelb.

I. V.: H a m m a n n.__________

Reich-

Darmstadt, 28. Juli. Währeud der gestrigen Hostasel toastete Se. Sgl. Hoheit der Großherzo, auf Seine ge- treuen Stäube unb Sein geliebtes Hessenlanb. Der Erste Präfibent ber Ersten Kammer, Fürst zu Büdingen, Durchlaucht, brachte ben Toast auf Se. Kgl. Hoheit den Großherzog, der Erste Präsident der Zweiten Kammer, Justizrath vr. Weber, den Toast auf Ihre Kgl. Hoheit die Großherzogin und bas Großherzogliche Hau» auß. Vach ber Tafel beehrten Se. Kgl. Hoheit noch längere Zett verschtebene Mitglieder beider Ständekammern mit huldvollen Ansprachen.

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