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Der Intimi er A»zeiger rdeint täglich, r TuSnahme br» Montag».
E t Gießmtr
litieu btm Anzeiger uih-rttlich dreimal »cigrltgt.
Zweites Blatt. Samstag den 30. Mai
1806
Gießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
Vierteljähriger x A»eaermf*t>Frrt»i 2 Mark 20 Pfg. mtt vringtrlohn. ; Durch die Post bt^ogea
2 Mark 50 Pfg.
Rrboction, LxprditiaK und Drucker«: rch.rar-tzeHlr.7.
Fernsprecher 51.
Amts» und Anzeigsblatt für den Kreis Gieren.
Hr-ttse-ikag-/ Ki-tz-n-r A-mikiNlötSU-r.
Amtlicher Thett.
Bekanntmachung,
betreffend: die Maul« und Klauenseuche.
Rodhetm v. d. H., Kreis Friedberg, und zu .'Utlrdeir-Of leid en und'Homberg a. O., Kreis Alsfeld, if'Ähit Maul- und Klauenseuche auSgebrochen und in ersterer HtaiitÄc Gehöftsperre und über die verseuchte Schafheerde iruAedcr-Ofletden die Weidesperre, sowie über die Gemarkung '„'jueahiig GemarkuogSsperre angeordnet worden.
Meßen, den 28. Mai 1896.
GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, den 28. Mat 1896. VWl Das Ober-Ersatzgeschäft pro 1896.
Der Civilvorfitzende bl« Großh. Ersatz-Commission Gießen aim diee Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Ei stehen noch Biele von Ihnen mit der Anzeige, daß bi In Übungen in rubr. Betreff den Militärpflichtigen richtig zinBkbt worden find, zurück, weshalb sofortige Erledigung niWiche erwartet wird.
Dr. Melior.
Die Weltlage.
?t»ch immer weist die Weltpolitik im Allgemeinen jenen : <i'chrrrchend friedlichen Zug auf, der nun schon seit einer gqrnmnn Reihe von Jahren allen bedenklichen Zwischenfällen ul^tVandungen zum Trotz in ihr maßgebend gewesen ist. Dltitinodi läßt sich nicht verkennen, daß der internationale HlfliiijMt keineswegs mehr in der völligen Klarheit wie früher er sßl-hli.i, verschiedene der schwebenden Fragen haben in neuerer Z »i! arggenscheinltch eine gewiffe Verschärfung erfahren, ohne raumem allerdings deshalb gleich ernstere Befürchtungen für di Ä Höchste Zukunft zu hegen braucht.
Sill spitzt sich namentlich daS ostasiattsche Problem allmälig zws .Rußland wie Japan beginnen bereits ihre Vorbereitungen
Feuilleton.
Nm Nichts.
Skizze aus dem Leben, von Doris Frettn von Spättgen.
(1. Fortsetzung.)
5iiau v. Hiller saß am Schreibtisch, als ihr Gatte bet ih»sl:nntnat.
,1011, Gertrud, ich möchte Dich fragen, ob Du Dich noch gt'ipiKi hinauf besinnst, daß ich Carl gestern Vormittag ein ZtMsi^markstück Übergab mit dem Auftrage, das Geld an de üikosli einzuzahlen? ES liegt mir viel daran, daß Du DMi-rseS Umstandes erinnerst."
Mber natürlich, Fritz!" Die Generalin blickte von ihrm Beschäftigung auf und begegnete lächelnden MundeS dermmissfallend ernsten Gesicht ihres Mannes. „Wir hatten gew't ®ie Angelegenheit wegen der Feuerversicherung be- fpt miu., als Carl ins Zimmer trat. Ich erinnere mich fokWU-sch darauf, daß Du ihm befahlst, er möge sich be> eil'Mb» das Geld morgen — als wie heute — noch in LieWilde fein müffe."
.Seltsam," versetzte Herr von Hiller auffallend er- regpii „Carl behauptet, kein Geld von mir erhalten zu hnlDti'
.sisicht möglich! DaS kann er ja gar nicht abstreiten! Jck.iiümte einen Schwur darauf ablegen, daß er daS Geld. stÜÄMst der Postanweisung in Empfang nahm," rief die DcHwirmd sprang empor.
.Nut, dann erkläre Du mir die Sache, Kind; er bleibt steiilisijuick fest dabei: „Herr General haben mir kein Geld $ WV lautete der in ärgerlichem Tone gegebene Bescheid."
.Kann hat er eS verloren und leugnet aus Furcht."
,ü2btr verthan. Man kennt den Carl ja noch zu we«a:.'
ffiMn, Fritz, da möchte ich doch für Carl eintreten," sa-Mm Dame rasch. „Er ist läppisch, vergeßlich und zu- weEamch ein wenig dummdreist, aber für unehrlich halte ich ii h »licht. Wie oft hat er mir größere Beträge für HapAMungSeinkäufe zu berechnen, allein noch nie habe ich betmli, daß er einen Pfennig dabei veruntreut hätte. Ich
für den durchaus nicht unwahrscheiultchen Fall eines künftigen kriegerischen Zusammenstoßes zwischen ihnen zu treffen, strebt doch jede der beiden Mächte ziemlich unverhüllt nach der beherrschenden Stellung-in Ostasten. Nur wird die drohende Gefahr eines russisch-japanischen Krieges wohl erst im kommenden Jahrzehnt greifbar hervortreten, falls sich nicht ganz unerwartete Verwickelungen ereignen sollten. Denn Japan braucht noch mindestens sechs bis acht Jahre bis zur völligen Durchführung seiner beschlossenen HeereS- und Flottenverstärkung, ungefähr dieselbe Zeit denöthigt aber Rußland zur Vollendung der großen sibirischen Bahn, wird doch erst die völlige Herstellung deS Schienenweges vom Ural nach Wladiwostock Rußland in den Stand setzen, seine ungeheueren militärischen Machtmittel zweckentsprechend am Stillen Ocean verwerthen zu können.
Zweifellos dürfte die dereinsttge Durchführung des gewaltigen sibirischen EtsenbahnunternehmenS auch den russischen AuSdehnungSplänen in Centralafien zu Gute kommen. Dort ist seit dem Pamir-Abkommen zwischen Rußland und England eine vorläufige Stockung in dem weiteren Dormarsche ersterer Macht eingetreten, aber eS handelt sich eben nur um einen Aufschub, Rußland wird zum geeigneten Zeitpunkt seine centralafiatischen Pläne sicherlich mit derselben Zähigkeit und klugen Berechnung fortzusühren wissen, wie seine ostafiatischen Projecte.
Die persische Frage scheint nach einem stillschweigenden Ueberetnkommen Rußlands und Englands einstweilen nicht „angeschnitten" werden zu sollen, offenbar weiß man weder in Petersburg noch in London genau, wie der neue Schah von Persien zu nehmen ist, außerdem liegt auch gegenwärtig wirklich kein zwingender Grund zu einem Eingreifen von fremder Seite in die Angelegenheiten PerfienS vor.
In erfolgreichster Weise und ohne Aufwendung besonderer Mittel hat eS Rußland verstanden, auf der Balkanhalbinsel seine verloren gegangene angesehene Stellung zurückzugewinnen, in Konstantinopel wie in Belgrad und Sofia herrscht heute der moskowitische Einfluß wiederum vor und zwar ohne daß hierdurch bis auf Weiteres ein beunruhigendes Moment in die europäische Politik getragen würde. Einigermaßen kritisch sieht es auf Kreta au«, wo eS bereits zu einem größeren Zusammenstöße zwischen den dortigen Aufständischen und den türkischen Truppen gekommen ist; hoffentlich gelingt eS dem
glaube bestimmt, er hat daS Geld in seiner Duselei verloren und sich in seinem beschränkten Hirn nun dieses Märchen zusammengereimt. Sicherlich hast Du ihn ein wenig hart angelaffen."
„Nicht im Geringsten; ich sagte ihm nur, ich müsse in einer Stunde etwas PofitiveS über den Verbleib des Geldes wiffen."
„Nun, lasse eS nur zunächst gut sein, Fritz. Ich selbst werde gleich tnö Dienerzimmer htnauSgehen und Carl einmal ordentlich ins Gewissen reden. Du sollst sehen, er beichtet rückhaltlos, denn er hat ein gutes Herz und fast noch die Harmlosigkeit eines Kindes."
„Gut, thue das, Gertrud; ich würde mich freuen, wenn Du ein besseres Resultat erzieltest, als ich, denn anderen Falles könnte die Sache schlimme Folgen für Carl nach sich ziehen," entgegnete der General schroff.
„Du müßtest eS zur Anzeige bringen?" „Gewiß, beim Obersten seines Regiments." Frau v. Hiller sah sichtlich betrübt ans. Tie klappte nun ihre Briefmappe zusammen und sagte in der ihr eigenen freundlich-sanften Weise:
„ES ist jedenfalls eine peinliche Geschichte und wir müssen vor Allem ganz vorurtheilSfrei zu Werke gehen. Wie leicht kann der arme Teufel in falschen Verdacht gebracht werden, waS mir furchtbar leid thäte." —
Frau v. Hiller klingelte leise an der Thür des Dienerzimmers. Nichts regte sich.
„Carl, find Sie drinn?" fragte die Dame zögernd.
Keine Antwort erfolgte. Sie trat tiefer hinein und schaute fich darin um. Ueberrascht stutzte fie.
Den Kopf in die Übereinander geschlagenen Arme vergraben, kauerte Carl am Fensterbrett. Die zeitweise con« vulfivische Erschütterung seines ganzen Körpers und ab und zu auSgestoßene SchrnerzenStöne bezeugten deutlich, daß er schluchzte.
„Carl!"
Jetzt erst schien der scheinbar Fassungslose den Eintritt der Herrin gewahr zu werden; er sprang erschreckt empor und stierte blöden AugeS in das ihm zugewendete freundliche Frauengeficht.
„Carl, Sie müffen nicht denken, daß der Herr General
gemeinsamen Etnfluffe der Mächte, den Revolutionsbrand auf Kreta zu localifiren.
Unter den afrikanischen Angelegenheiten ziehen die Vorgänge in Südafrika die Aufmerksamkeit fortdauernd am meisten auf sich. England ist durch seine stümperhafte Behandlung der TranSvaal-Affatren förmlich in eine Sackgasse gerathen, aus der es fich nun theilS durch kaum verhüllte Drohungen, theilS durch heuchlerische Liebenswürdigkeiten an die Adresse der Boeren wieder herauSzuziehen sucht, so gut dies eben geht; eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen England und der TranSvaal-Republik darf indessen wohl zur Zeit als ausgeschlossen gelten.
Die egyptisch - sudanesische Frage ist augenblicklich in ein gewisses Stadium der Versumpfung gerathen, ebenso der Venezuela-Streit, auch die neueste Verstimmung zwischen Nordamerika und Spanien in der Cubafrage weist gegen- wärtig wenigstens keine weitere Verschärfung auf. Im Uebrtgen bleibt eine kriegerische Verwickelung zwischen beiden Mächten wegen CubaS nach wie vor unwahrscheinlich, einfach weil daS gegenseitige Krästeverhältniß in jeder Beziehung ein zu ungleichmäßiges ist.
* FrnhjahrS Meeting des Rheinischen RennvereinS. Nachdem der erste Renntag am 17. Mai einen sportlich sehr be- friedigenden Verlauf genommen, scheint der 31. Mai noch eine Steigerung bringen zu sollen. Für die fünf Nummern deS Programms, die sich aus einem Flachrennen, zwei Hürdenrennen und zwei Steeple ChafeS zusammen setzen, sind 55 Meldungen eingegangen, an denen die Ställe Weinberg, Graf Zech, v. Eynard, v. TreSkow, Lüttich, v. Oertzen re. den Hauptantheil haben. Auch der beste der deutschen Hindernißreiter, Major v. Heyden-Linden, figurirt auf dem Programm, da er in der Haupt- und Schlußnummer, der Sandhof Steeple-Chase, GennarS genannt hat. Die Rennen dürften also recht interessanten, gut besuchten Sport bieten.
• Metz. 21. Mai. Die hiesige „Vereinigung zur Schmückung der Kriegergräber" läßt gegenwärtig ein Denkmal Herstellen, das auf dem französischen Theile des Schlachtfeldes vom 18. August 1870 am Bois de la (Suffe, wo zahlreiche deutsche Krieger begraben liegen, errichtet, und
den mindesten Verdacht gegen Sie hegt; nein, Carl, dazu sind Sie uns während der vergangenen drei Monate ein viel zu pflichttreuer Diener gewesen. Aber Sie können es an« wiederum nicht verdenken, wenn wir die sonderbare Sache aufgeklärt zu sehen wünschen. Mit eigenen Augen habe ich gesehen, wie mein Mann Ihnen gestern Morgen ein Zwanzigmarkstück in die Hand gab."
„Nein, gnädige Frau, das ist nicht geschehen, das ist ein Jrrthum!" rief der Bursche in rauhem, gepreßtem Tone.
Frau v. Hillers Züge nahmen einen strengeren, aber tief traurigen Ausdruck an, indem fie, ohne einen Blick von dem jungen Diener zu verwenden, mit scharfer Betonung sagte:
„Wenn Sie das behaupten, dann sprechen Sie eine Unwahrheit au6."
„Bei meiner Ehre, Frau General, ich habe wirklich kein Geld erhalten," klang es unter erneutem Schluchzen zurück.
„Carl, kommen Sie einmal näher und sehen Sie mich offen an." Er that, wie ihm geheißen, und stellte fich in Positur, während die Dame eindringlich fortfuhr: „Der Herr General und ich würden sehr betrübt fein, un6 in Ihnen getäuscht zu haben, denn wir schenkten Ihnen stets das allergrößte Vertrauen. Nebenbei liegt un« eine Art moralische Verpflichtung ob, über Ihnen zu wachen; so viel ich weiß, haben Sie eine alte Mutter daheim, deren Stütze Sie einst werden sollen. Daher spreche ich in wohlmeinender Absicht mit Ihnen, Carl. Daß Sie daS Geld erhalten haben, ist zweifellos, so viel Sie es auch in Abrede zu stellen be- müht find. Es handelt fich also nur darum, ein offene« Gestäudniß über den Verbleib deS Betrages abzulegen. Wenn Sie ein reine« Gewissen hätten, würden Sie die Sache nicht so tragisch auffassen! Wozu Thränen und Schmerzens- auSbrüche, die an eine Komödie gemahnen und hier nur eine verfehlte Wirkung oufifiben. Carl, gestehen. Sie mir ehrlich zu: Sie haben die zwanzig Mark verloren."
„Nein, gnädige Frau! Ich habe kein Geld erhalten, auf Wort nicht!"
(Fortsetzung folgt.)


